Was ist das Wesen guter Theologie?

Derzeit höre ich die Vortragsreihe „Theological Foundations of the Reformation“ von Dr. Derek W.H. Thomas. Am Ende von „Introduction to Theology – 01“ und Beginn des zweiten Teils spricht er über das Wesen (die Essenz) guter Theologie. Ich finde seine Ausführungen sehr nachdenkenswert und möchte daher seine Hauptaussagen hier kurz zusammenfassen:

Eine gute Theologie dient grundsätzlich den beiden Zielen

  • Gott zu loben und zu verherrlichen und
  • Gott zu dienen.

Eine gute Theologie sollte die folgenden sieben Merkmale aufweisen:

  1.  Sie muß akkurat sein, d.h. gesunde Lehre zum Inhalt haben.
  2. Sie muß Gott zum Zentrum haben (Gott-zentriert sein), d.h. Gottes Souveränität, seine Majestät und seine Kontrolle über alles muß im Zentrum stehen.
  3. Sie ist doxologisch, d.h. sie gibt Gott die Ehre für alle seine Leistungen in der Schöpfung, Vorsehung und Gnade.
  4. Sie ist eschatologisch, d.h. sie ist zukunftsorientiert und vermittelt Hoffnung, denn Gott hat uns erwählt, errettet und bringt uns ans Ziel.
  5. Sie ist christologisch, d.h. Christus-zentriert, und zwar in zweierlei Weise: 1) Sie weist auf Christus hin, der unser Mittler (zwischen Gott und Mensch), Prophet, Priester und König ist; 2) sie ruft uns dazu auf Christus zu folgen, indem wir uns selbst verleugnen und täglich das Kreuz auf uns nehmen.
  6. Sie ist ekklesiastisch, d.h. Gemeindezentriert (die Gemeinde hat Bedeutung!), denn wir sind zusammen auf dem Weg der Nachfolge Jesu.
  7. Sie ist motivierend. Theologie ist kein Selbstzweck, sie dient dazu uns Christus ähnlicher zu machen, ihre Absicht ist zu heiligen, geistliches Wachstum zu fördern.

Jim Elliot

Jim Elliot (1927 – 1956) war einer der fünf Auca-Missionare, die 1956 bei dem Versuch einen ersten, direkten Kontakt mit den Aucas (Waorani) aufzunehmen, ermordet wurden. (Die Ethnie wurde aufgrund ihrer Gewalttätigkeit von Ketschua-Indianern als „Auca“ bezeichnet; die Selbstbezeichnung der Ethnie ist jedoch „Waorani“ – diesen Begriff werde ich im weiteren Verlauf gebrauchen, auch wenn in der Literatur noch oft die Rede von den „Aucas“ ist).

Geboren und aufgewachsen ist Jim Elliot in Portland (USA). Sein Vater war Evangelist, seine Mutter Chiropraktikerin. Bereits im Alter von 6 Jahren lernte er Jesus Christus als seinen Retter kennen.
Nach Abschluss der polytechnischen Oberschule ging er zum Studium an das Wheaton-College (1945-49). Finanziell hätte er sich das Studium eigentlich nicht leisten können, aber Jim war überzeugt, dass Gott ihn dorthin geführt hatte und die nötigen Mittel kamen zusammen, teilweise durch einen Freund, teilweise durch ein Stipendium und eine Halbtagsstelle. Elliot hatte sein Studium mit einem klaren Ziel angetreten: Er hatte sein Leben Gott ganz übergeben und wollte ihm mit seinem Leben dienen.
Im Sommer 1947 fuhr er per Anhalter nach Mexiko, zusammen mit einem Freund, dessen Eltern dort als Missionare lebten. In dieser Zeit wurde ihm klar, dass Gott ihn zu einem Dienst in Lateinamerika berufen hatte. Ende 1948 nahm er an der Internationalen Studentischen Missionskonferenz an der Universität von Illinois teil. Dort wurde ihm deutlich, dass er unter den Indianern im südamerikanischen Urwald arbeiten soll.
Seine Tagebuchaufzeichnungen machen deutlich, dass er sich schon während seiner Studienzeit mit einer völligen Hingabe und einem möglichen Tod für Christus auseinandersetzte. 1948 schrieb er in sein Tagebuch: “Der ist kein Tor, der hingibt, was er nicht behalten kann, auf dass er gewinne, was er nicht verlieren kann”. – Und: “Vater, wenn Du mich nach Südamerika gehen lassen willst, um dort für Dich zu wirken und zu sterben, dann bitte ich Dich, lass mich bald gehen. Doch nicht mein Wille.”
Nach Abschluss des Colleges folgte eine Zeit in der Jim Elliot in verschiedenen Gemeinden mitarbeitete und teilweise auch als Aushilfslehrer beschäftigt war. Gleichzeitig führte er einen ausführlichen Briefwechsel mit zwei Missionaren, u.a. mit Wilfried Tidmarsh der einen Nachfolger für seine Arbeit unter den Ketschua-Indianern in Ecuador suchte. 1950 belegte er an der Universität von Oklahoma einen Kurs über das Studium schriftloser Sprachen (Linguistik). Dort kam er in Kontakt mit einem Missionar, der früher unter den Ketschuas gearbeitet hatte. Durch diesen Missionar hörte er auch zum ersten Mal von den Waorani – und sein Herz fing sofort Feuer von der Idee, diesen Stamm mit dem Evangelium zu erreichen.
1952 war es dann soweit und Jim reiste mit dem Schiff nach Ecuador, wo er im Gebiet der Ketschuas die verwaiste Missionsstation Shandira übernahm. In Shandira widmete er sich der Arbeit unter den Ketchuas und dem Aufbau der Station. Diese wurde jedoch ein Jahr später durch heftige Regenfälle und das Ansteigen des Flusses völlig zerstört. Wenige Monate danach heiratete er seine Frau Elisabeth, die er während seiner Studienzeit in Wheaton kennengelernt hatte. Auf Einladung der Ketchua begannen sie nach der Hochzeit in Puyupungu eine neue Station zu mit Schule für die Indianerkinder zu eröffnen, während seine Kollegen Shandia wieder neu aufbauten. Im September 1955 erhielt er die Nachricht, dass die Missionspiloten endlich einige Waorani-Häuser entdeckt hatten. Es kam zu mehreren indirekten Kontakten mit den Waorani, bei denen Geschenke mit dem Flugzeug abgeworfen wurden. Wenige Kilometer von der Waorani-Siedlung entfernt fanden sie am Strand des Curaray-Flusses eine Landemöglichkeit für das Flugzeug. Am 3. Januar landeten sie dort, errichteten eine Baumhütte und warteten auf eine Begegnung mit den Waorani. Sie waren zu fünft: Jim Elliot, Pete Fleming, Ed McCully, Nate Saint und Roger Youderian. Am 8. Januar kamen die Waorani und griffen die Missionare an. Obwohl diese bewaffnet waren, machten sie davon keinen Gebrauch und ließen sich töten. Die Waorani sprachen später oft davon und konnten es nicht begreifen. Außerdem ereignete sich nach dem Tod der Männer ein merkwürdiges Phänomen: ein Singen und Leuten am Himmel. Dies überzeugte die Waorani, dass die Missionare friedlich und gut gewesen waren, und dass ihr Tod ein gewaltiges übernatürliches Ereignis hervorgerufen hatte.
Zwei Jahre später kehrten Elisabeth Elliot und Rachel Saint (die Schwester des Piloten Nate Saint) zurück um die Arbeit der Männer fortzusetzen und die Waorani öffneten sich für das Evangelium. Es gibt ein Foto das einen der Waorani, die Jim und seine Freunde getötet haben, dabei zeigt, wie er Jims Tochter Valerie an der Hand führt.

“In meinem Inneren weiß ich, dass meine Hoffnungen und Pläne keine bessere Lenkung und Erfüllung hätten finden können, als Er sie mir gegeben hat. Möge es uns allen so ergehen, mögen wir erfahren, wie wahr das Wort ist: <Er wird uns leiten bis an den Tod>”

Literaturempfehlungen
Elisabeth Elliot: Im Schatten des Allmächtigen. Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 1993.
Jörg Erb: Missionsgestalten. Lahr-Dinglingen: Verlag der St. Johannis-Druckerei, 1973.

„Jenseits der Herrlichkeit“ ist eine Dokumentation der Ereignisse in der auch Zeitzeugen zu Wort kommen. Der Trailer zur DVD ist auf Youtube zu sehen:

Fröhliche Weihnachten! – ¡Feliz Navidad!

„Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll. Denn euch ist heute ein Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das sei für euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kindlein finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.“ (Lukas 2,10-12)

“Pero el ángel les dijo:—No temáis, porque yo os doy nuevas de gran gozo, que será para todo el pueblo: que os ha nacido hoy, en la ciudad de David, un Salvador, que es Cristo el Señor. Esto os servirá de señal: hallaréis al niño envuelto en pañales, acostado en un pesebre.” (Lucas 2:10-12)

„Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau hat empfangen und wird Mutter eines Sohnes, den sie Immanuel nennen wird.“ (Jesaja 7,14)
“Por tanto, el Señor mismo os dará señal: La virgen concebirá y dará a luz un hijo y le pondrá por nombre Emanuel.” (Isaías 7:14)

„Und du, Bethlehem-Ephrata, du bist zwar klein, um unter den Hauptorten Judas zu sein; aber aus dir soll mir hervorgehen, der Herrscher über Israel werden soll, dessen Ursprung von Anfang, von Ewigkeit her gewesen ist.“ (Micha 5,1)
“Pero tú, Belén Efrata, tan pequeña entre las familias de Judá, de ti ha de salir el que será Señor en Israel; sus orígenes se remontan al inicio de los tiempos, a los días de la eternidad.” “Miqueas 5:2)

„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“ (Galater 4,4-5)
“Pero cuando vino el cumplimiento del tiempo, Dios envió a su Hijo, nacido de mujer y nacido bajo la Ley, para redimir a los que estaban bajo la Ley, a fin de que recibiéramos la adopción de hijos.” (Gálatas 4:4-5)

„Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.“ (2. Korinther 8,9)
“Ya conocéis la gracia de nuestro Señor Jesucristo, que por amor a vosotros se hizo pobre siendo rico, para que vosotros con su pobreza fuerais enriquecidos.” (2 Corintios 8:9)

„Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.“ (Johannes 3,16-18)
“De tal manera amó Dios al mundo, que ha dado a su Hijo unigénito, para que todo aquel que en él cree no se pierda, sino que tenga vida eterna. Dios no envió a su Hijo al mundo para condenar al mundo, sino para que el mundo sea salvo por él. El que en él cree no es condenado; pero el que no cree ya ha sido condenado, porque no ha creído en el nombre del unigénito Hijo de Dios.” (Juan 3:16-18)

Wer´s glaubt wird selig! – ¡El que cree será salvo!

Advent – Vorbereitung auf das Kommen Jesu

Aufgrund der noch milden Temperaturen könnte man es kaum glauben, aber es ist wahr: Die Adventszeit hat wieder begonnen! Die ersten Weihnachtsmärkte fanden bereits statt und Weihnachten nähert sich mit großen Schritten.

Um die Adventszeit und die Vorbereitung des Kommens Jesu geht es auch im 2. Kapitel meines Buches „Weihnachten ohne Jesus?“ – Hier zwei Auszüge und Gedankenanstöße daraus:

„Doch warum feiern wir eigentlich Advent? Warum kommen wir nicht gleich zur Sache?
Bedeutet Advent, dass wir jede Woche eben eine weitere Kerze am Adventskranz anzünden und uns auf diese Weise schon mal gefühlsmäßig auf Weihnachten einstimmen?
Oder ist Advent die “heilige Zeit des Einzelhandels”, die ihm die Möglichkeit bietet, nochmals einen guten Umsatz zum Abschluss des Jahres zu machen?
Advent kommt vom lateinischen “Adventus Domini” und bedeutet “Ankunft des Herrn”. Es geht also um das Kommen Jesu. Der Advent soll uns an das Kommen Jesu erinnern und auf das Kommen Jesu vorbereiten.
Wenn wir die Bibel aufmerksam lesen, dann bemerken wir, das dieses Kommen Jesu nicht ein spontaner Einfall Gottes war, sondern dass es von langer Hand vorbereitet wurde. In der Bibel, insbesondere im Alten Testament, finden wir viele Spuren, die auf Jesu Kommen vorbereiten und es ankündigen. In diesem Kapitel werden wir einige dieser Spuren etwas verfolgen. Das Alte Testament ist durchdrungen von der Erwartung und Hoffnung auf den Messias. Je mehr ich das Alte Testament studiere, desto begeisterter und faszinierter bin ich, wie Gott sein Kommen vorbereitet und angekündigt hat. Vor allem der Prophet Jesaja bietet dabei eine riesige Fundgrube.“ Aus: Weihnachten ohne Jesus?, S.13

„Gott offenbarte den Propheten manchmal sogar kleinste Details über Jesu Kommen und dessen Leben. Der Prophet Micha kündigte bereits 700 Jahre vorher an, wo Jesus geboren werden sollte: „Und du, Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her“ (Micha 5,1; Rev. Elberfelder Bibel).
Sacharja kündigte mehr als 500 Jahre vorher den Einzug Jesu in Jerusalem an: „Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin.“ (Sacharja 9,9; vgl. Matthäus 21,1-11).
Jesaja sagte in dem bekannten Kapitel vom „leidenden Gottesknecht“ (Jesaja 53), bereits 700 Jahre vorher Jesu Leiden und seinen stellvertretenden Tod für unsere Schuld voraus. Man könnte noch viele weitere Prophezeiungen nennen, die eben-falls bis in kleinste Details gehen und sich wortwörtlich erfüllt haben. Insbesondere Matthäus weist uns in seinem Evangelium auf solche erfüllte Prophetien hin. Die buchstäbliche Erfüllung dieser Verheißungen zeigt nicht nur, dass Jesus wirklich der Messias ist. Sie zeigt uns auch, dass die Bibel zuverlässig und ihre Botschaft glaub- und vertrauenswürdig ist!“ Aus: Weihnachten ohne Jesus?, S.25f

Die Adventszeit wäre eigentlich eine gute Gelegenheit das Leben bewusst etwas zu entschleunigen. Warum nicht abends eine Kerze am Adventskranz anzünden, die Bibel zur Hand nehmen und entdecken, wie groß Gottes Liebe zu uns ist. – So groß, dass Jesus ganz bewusst und freiwillig den Himmel verlassen hat und zu uns auf die Erde gekommen ist!

Charles Studd

Charles Studd (1860 – 1931) wurde in Indien als Sohn eines reichen Plantagenbesitzers geboren und ist im Luxus aufgewachsen. Nachdem die Familie nach England zurückgekehrt war kam zunächst sein Vater durch den Erweckungsprediger D.L. Moody zum lebendigen Glauben an Jesus Christus und begann sein Haus als Versammlungsort zur Verfügung zu stellen. Durch einen jungen Evangelisten kamen dann auch Charles und seine beiden Brüder am selben Tag zum Glauben. Charles studierte in Oxford und war außerdem als ausgezeichneter Kricketspieler in ganz England bekannt. Obwohl er sein Leben Christus anvertraut hatte spielte doch der Sport die wichtigste Rolle in seinem Leben. Eine schwere Erkrankung seines jüngeren Bruders führte die Wende herbei. Charles besuchte nach dessen Genesung die Versammlungen Moodys und machte einen Neuanfang mit Gott. Er spielte zwar weiterhin Kricket, doch mit einer anderen Einstellung. Der Sport war nicht mehr die Hauptsache in seinem Leben.
Charles Studd begann auch, Gottes Führung für sein Leben zu suchen. Dabei forderte ihn die Schrift eines Atheisten (!) besonders heraus, wirklich das zu leben was er vorgab zu glauben. Er kam zum Schluß nur noch das tun zu wollen, was Gott ihm zeigte.
Als er bei der Verabschiedung eines Missionars nach China teilnahm wurde er sehr angesprochen. Er fragte Gott dazu und ihm wurde deutlich, daß er mit der von Hudson Taylor gegründeten China Inland-Mission als Missionar nach China gehen soll. Vor der Ausreise wurde ihm klar, dass er sein Vermögen, über das er ab seinem 25. Lebensjahr verfügen durfte, Christus geben soll. So wie Gott ihm zeigte, dass er sein Geld verteilen solle, verschenkte er Stück für Stück sein Vermögen, das nach heutigem Wert mehreren Millionen Euro entsprach. Einen Teil stellte er Moody zur Verfügung, der damit das Moody-Bible-Institute gründete.
1885 reiste er nach China aus, wo er in Pingyuan und Tai-Yuen seinen Dienst begann. 1888 heiratete er Priscilla Livingstone Stewart, eine junge Missionarin aus Irland, die 1887 in Shanghai angekommen war. Als sie eines Tages Gott um Weisung für ihr Leben bat sah sie in leuchtenden Buchstaben die Worte “China, Indien, Afrika” – und so sollte es sich buchstäblich erfüllen. 1893 war Charles todkrank, aber ohne Gottes Auftrag wollte er nicht nach Hause zurückkehren. Nachdem er Freunde und Mitarbeiter gebeten hatte, ihn mit Öl zu salben und für ihn zu beten, wurde er wieder gesund.  1894 kehrte die Familie Studd zusammen mit ihren vier Töchtern nach England zurück. Es folgten fünf Jahre Dienst in der Evangelisation und in der Motivierung der Christen für den Missionsdienst in England und den USA.
1900 erfolgte die erneute Ausreise als Missionare, diesmal nach Ootacamund in Südindien, wo er bis 1906 tätig war. Vor allem Studds einfache und direkte Art das Evangelium zu verkündigen hatte großen Erfolg. Während seiner Arbeit in Indien litt er unter quälenden Asthmaanfällen.
Nach der Rückkehr nach England hielt er von 1906 – 1910 Vorträge vor zehntausenden von Menschen und viele kamen zum Glauben. Als er 1908 durch Liverpool ging sah er ein merkwürdiges Plakat mit der Aufschrift “Kannibalen brauchen Missionare”. Er ging zu dem angekündigten Vortrag und hörte von der Notwendigkeit der Mission in Afrika. Als er sich dachte: “Warum sind keine Christen hinausgegangen?” antwortete ihm Gott: “Warum gehst du nicht?” Studd dachte an seinen schlechten Gesundheitszustand und wirklich, die Ärzte sprachen sich gegen eine Ausreise nach Afrika aus. Auch seine Frau sprach sich zunächst dagegen aus. Doch er begann Vorbereitungen zu treffen und für das Anliegen der Weltmission zu werben. Am 10. Dezember 1910, er war inzwischen fünfzig Jahre alt, reiste er erstmals alleine nach Afrika aus um eine erste Erkundungsreise zu unternehmen, die ihn bis in den Südsudan führte. Mit den Verantwortlichen der Church Missionary Society kam er zu dem Schluß in Belgisch-Kongo mehrere Missionsstationen zu eröffnen, um den Menschen dort das Evangelium zu bringen.
1913 reiste er erneut nach Afrika aus, diesmal in Begleitung des zwanzigjährigen Alfred B. Buxton um diesen Plan in die Praxis umzusetzen. Nach zwei Jahren kehrte er nach England zurück, um weitere Missionare für die Arbeit zu gewinnen. 1916 reiste er zum letzten Mal nach Afrika aus, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1931 blieb. Ihn begleiteten acht Missionare, darunter seine Tochter Edith die sich später mit Alfred Buxton verheiratete. Seine Frau Priscilla blieb in England wo sie sich um den Aufbau der Heimatzentrale und die Gewinnung neuer Missionare kümmerte.
Das Werk wuchs und es entstand daraus das Missionswerk WEC (Weltweiter Einsatz für Christus). 1922 wurden die ersten Missionare ins Amazonasgebiet ausgesandt, danach auch nach Indien, Arabien, Spanish-Guinea und Klein-Tibet. Inzwischen arbeitet die Mission in über 30 Ländern auf fünf Erdteilen.
Studd unternahm regelmäßige Evangelisationsreisen, zunächst noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad, später als sein Gesundheitszustand schlechter wurde auch mit der Sänfte. Mit fast 70 Jahren machte er sich noch an die Übersetzung des Neuen Testamentes in die Kingwana Sprache. 1928 erhielt er für vierzehn Tage Besuch von seiner Frau, die er seit ca. 13 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ein Jahr später verstarb Priscilla Studd überraschend während einer Spanienreise. Wenige Monate vor seinem Tod durfte er noch erleben, wie die einheimische Kirche den Missionsaufrag übernahm und ihre ersten Missionare in die benachbarten Stämme schickte. Am 16. Juli 1931 verstarb er; mehr als 1.500 Afrikaner nahmen an seiner Beerdigung teil.
Charles Studd sagte einmal: “Wenn Jesus Christus Gott ist und für mich starb, kann mir für ihn kein Opfer zu groß sein.” – Er sagte dies nicht nur, durch Gottes Gnade lebte er auch so.

Buchempfehlungen:
Norman P. Grubb. Charles Studd – Kein Opfer zu groß
Giessen: Brunnen Verlag, 1986.
Eileen Vincent: Charles und Priscilla Studd – Vereint im Kampf für Christus
Bielefeld: Christliche Literaturverbreitung, 1996.

Auf Youtube ist übrigens folgende Dokumentation über Charles Studd zu finden:

 

James Hudson Taylor

James Hudson Taylor (1837 – 1905) wurde 1832 in Barnsley / England geboren. Sein Vater war Apotheker. Mit fünfzehn Jahren trat er eine Banklehre an, die er allerdings ein Jahr später wieder verlies. Statt dessen begann er in der Apotheke seines Vaters mitzuarbeiten. Als er 17 Jahre alt war las er ein Traktat und erkannte, was Jesus Christus für ihn getan hatte. Im gleichen Jahr wurde ihm deutlich, dass er als Missionar nach China berufen ist. Ein Jahr später, 1850, begann er mit dem Medizinstudium, um sich so auf den Missionsdienst vorzubereiten. Gleichzeitig begann er, sich einen einfachen Lebensstil anzutrainieren und gab oft sein letztes Geld an Bedürftige weiter. Er lebte nach dem Beispiel des Waisenvaters Georg Müller, der alle finanziellen Anliegen vor Gott brachte und aus dem Glauben hunderte von Waisen und Missionare unterstützte, obwohl er selbst kein Geld besaß.
1853 reiste Taylor im Auftrag der Chinesischen Evangelisationsgesellschaft erstmals nach China aus, wo er zunächst in Shanghai lebte. Sein Ziel war es, das Innere Chinas mit dem Evangelium zu erreichen, doch seine Mission wollte die Arbeit auf Küstenstädte wie Shanghai beschränken. 1855 unternahm er dennoch Predigtreisen ins Innere des Landes, obwohl dies verboten war. Während dieser Zeit wurde ihm auch deutlich, dass es für seine Evangelisationstätigkeit hilfreicher wäre, wenn er seine englische Kleidung ablegt und die Kleidung eines chinesischen Lehrers – samt Zopf – anlegte. Er setzte dies in die Tat um und die Chinesen nahmen ihn so noch besser auf – während dagegen viele seiner Kollegen mit Spott und Entsetzen reagierten.
Im Jahr 1857 trat er von der Chinesischen Evangelisationsgesellschaft zurück und arbeitete auf eigene Rechnung. Ein Jahr später heiratete er Maria J. Dyer, die als Missionarskind in China geboren war. 1859 übernahm er die Verantwortung im Krankenhaus in Ningpo, wo er bis zur Rückkehr nach England im Jahr 1860 fast Tag und Nacht tätig war. Die Arbeit hatte seine Gesundheit so angegriffen, dass er für die nächsten fünf Jahre in England bleiben mußte. Während dieser Jahre in England setzte er sein Medizinstudium fort und arbeitete außerdem an der Überarbeitung des Neuen Testamentes im Ningpo-Dialekt. In seinem Studierzimmer hing eine Landkarte von China. Tag für Tag wurde ihm die Dringlichkeit einer Arbeit in ganz China bewußt, doch keine Missionsgesellschaft wollte sich darauf einlassen. Doch Hudson Taylor betete viel für dieses Anliegen. Außerdem besuchte er viele Gemeinden, um über die Notwendigkeit der Arbeit in China zu informieren. In ihm wuchs die Überzeugung, dass es einer besonderen Missionsgesellschaft für die Evangelisation des Inneren Chinas bedürfe. In seinem Haus entstand im Herbst 1864 eine Art Schule für Missionskandidaten. 1865 kam es dann zur Gründung der “China Inland Mission” (heute Überseeische Missionsgemeinschaft – ÜMG). 1866 reiste die erste Gruppe unter der Leitung von Hudson Taylor nach China aus – ganz im Vertrauen, dass Gott für alle Bedürfnisse der Arbeit sorgen würde. Vor allem das erste Jahr war von Schwierigkeiten in der Missionarsgemeinschaft geprägt (u.a. ging es auch um die chinesische Kleidung) und erforderte alle Geduld die Taylor aufbringen konnte. 1867 starb seine Tochter Gracie, ein Ereignis, das dazu beitrug die Krise zu überwinden. 1870 starb auch seine Frau Maria. Als ein Jahr später das Ehepaar Berger, das in England die Geschäftsführung der Mission übernommen hatte, diese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fortführen konnte, wurde eine vorübergehende Rückkehr nach England notwendig. Hudson Taylor übernahm die Geschäftsführung der Mission. 1872 kehrte er nach China zurück, wo er sich kurz darauf mit Miss Faulding verheiratete, welche die Leiterin der Frauenarbeit in Hangchow war.
Die Arbeit ging voran, aber 1874, wenige Wochen vor der Rückkehr nach England, hatte er einen Sturz, bei dem seine Wirbelsäule verletzt wurde. In England kam es dann zur Lähmung  der unteren Glieder und Taylor war etwa ein Jahr lang vollständig ans Bett gefesselt. Trotz dieser schwierigen Situation setzte er die Arbeit vom Bett aus fort. Zu Beginn konnte er noch schreiben, doch sein Zustand verschlechterte sich und er war nicht einmal mehr dazu fähig. Doch Gott half auch in dieser Situation und sandte viele Freiwillige, die nach Diktat schrieben, Briefe beantworteten und die Buchhaltung führten. Hudson Taylor hatte sich 18 weitere Männer für den Dienst in China erbeten und nun saßen sie an seinem Bett und er studierte mit ihnen die chinesische Sprache. Freunde begannen für seine Heilung zu beten und er genas.
1878 erfolgte eine erneute Ausreise und ein weiterer Dienst in China. 1888 reiste er auf Einladung das erste Mal in die USA, wo er mit dem Evangelisten D.L. Moody zusammentraf. 1889 folgten weitere Reisen nach Schweden, Norwegen und Dänemark, 1890 auch nach Australien. 1893 sprach er auch bei der Studentenkonferenz in Frankfurt / Main, wo ihn auch der bekannte Tübinger Theologe Karl Heim hörte. Heim berichtet in seiner Autobiographie davon, u.a. auch, wie die kritisch geprägten Studenten Taylor fragten: “Wie können Sie an jedes Wort der Bibel glauben?” – Taylor antwortete: “Wenn Sie morgen wieder von Frankfurt abreisen wollen, so schlagen Sie das Kursbuch auf und sehen nach, wann der Zug abgeht. Und wenn da steht, um sieben Uhr morgens fährt der erste Zug, so stellen Sie weiter keine Untersuchungen an über die Zuverlässigkeit des Kursbuchs, sondern gehen morgens sieben Uhr auf den Bahnhof und finden dort den angegebenen Zug. Genauso, wie Sie es mit dem Kursbuch machen, habe ich es seit fünfzig Jahren mit der Bibel und ihren Geboten gemacht, und ich habe ihre Weisungen in einem langen Leben auch unter hunderten von Todesgefahren immer richtig gefunden. Wenn zum Beispiel in der Bibel steht: ´Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch alles übrige zufallen´ so habe ich mich danach gerichtet, und bin dabei in allen kritischen Lebenslagen nie enttäuscht worden. Handeln Sie ebenso, und Sie werden dieselbe Erfahrung machen!”
Das Werk der Mission wuchs weiter und Hudson Taylor hatte bis 1902 die Leitung inne. Im Februar 1905 unternahm er eine letzte Reise nach China, auf der er am 3. Juni 1905 in Hunan starb. – Zu dieser Zeit waren etwa 850 Missionare der von ihm gegründeten China Inland Mission in China tätig.

Buchempfehlungen:
John C. Pollock: Hudson Taylor – Pionier im verbotenen Land
Giessen: Brunnen Verlag, 1983.
Howard und Geraldine Taylor: Das geistliche Geheimnis Hudson Taylors
Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 1984.

Auf Youtube fand ich noch folgende Episode: “Hudson Taylor und seine letzte Münze”

Gedanken zu 3. Mose 19,2

“Rede zu der ganzen Gemeinde der Söhne Israel und sage zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich, der HERR, euer Gott, bin heilig.” (3Mo 19,2)

Gott gab Mose den Auftrag, diese Botschaft an das Volk Israel weiterzugeben. Doch sie ist auch für uns wichtig, denn der Apostel Petrus zitiert sie in seinem ersten Brief und wendet sie auf die Gemeinde Jesu an: „…sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig! Denn es steht geschrieben: “Seid heilig, denn ich bin heilig.” (1. Petr 1,15-16)

Ein paar Gedanken dazu:

1. Gott ist heilig
D.h., dass Gott moralisch vollkommen, perfekt, sündlos und so ganz anders ist, als wir Menschen. Aus seinem heiligen Wesen kommt es, dass alles, was Gott tut “sehr gut” ist, dass er uns Menschen unendlich liebt, aber auch, dass er Ungerechtigkeit nicht ungestraft lassen kann.

2. Gottes Volk soll ebenfalls heilig sein
Gott hatte ja das Volk Israel aus den Völkern der Erde auserwählt und dazu abgesondert um IHM zu dienen. Es ist nun Gottes Volk, Gottes Eigentum, und soll jetzt so leben, wie Gott es will. Unter anderem sollten auf diese Weise auch die anderen Völker, die den lebendigen Gott noch nicht kannten, durch das Leben von Gottes Volk den einzig wahren Gott erkennen.
Auch im Neuen Testament werden die Gläubigen “Heilige” genannt. Uns ist das peinlich, die wenigsten wollen sich so nennen lassen. Warum eigentlich? – Vielleicht weil wir als Christen dazu neigen uns oft in einer falschen Weise an diejenigen anzupassen, die mit Gott nichts am Hut haben. – Bis dahin, dass wir uns einreden lassen, Sünde sei ja gar nichts so Schlimmes (der zweideutige Spruch “Kann denn Liebe Sünde sein?” ist ja recht bekannt…). Oder vielleicht, weil wir uns zwar gerne von Gott retten und segnen lassen wollen, aber es dann doch vorziehen das zu tun, was uns in den Kram paßt?
Bei Gottes Ruf zur Heiligkeit geht es ja nicht darum zum Schein heilig zu sein, also Scheinheilige, sondern echt und authentisch. Das ist dann auch keine abgehobene Sache mehr sondern etwas sehr Konkretes. Die restlichen Verse von 3. Mose 19 beschreiben, wie ein heiliges Leben im Alltag aussieht; lesen Sie doch einfach mal das ganze Kapitel durch (und ebenso auch den 1. Petrusbrief)!
Wichtig ist dabei, dass wir ein heiliges Leben führen sollen – nicht, um uns zu retten und durch gute Werke in den Himmel zu kommen. Nein, retten können wir uns durch keine Anstrengung der Welt, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus. Sondern wir sollen ein heiliges Leben führen weil Jesus uns bereits gerettet hat und wir nun sein Eigentum sind. Ein heiliges Leben ist also die Konsequenz des Gerettet-Seins und nicht die Voraussetzung, um gerettet zu werden.
Es geht auch nicht darum uns als Christen nun einem Perfektionsdruck auszusetzen. Auch als Gläubige sind wir nicht perfekt und so lange wir hier auf der Erde leben werden wir es auch niemals sein. Aber Jesus hat uns von unserer Schuld befreit und uns durch den Heiligen Geist die Chance zur Lebensveränderung gegeben. Wir müssen und sollen nicht so bleiben wie wir sind. Und darum geht’s, diese Chance der Lebensveränderung zu nutzen, Gott im Alltag zu dienen und so zu leben, dass Gott sich an uns freuen kann.

Vortrag in Schiltach: “Begegnungen mit Urwaldindianern in Peru“

Am 7. November werde ich bei der Volkshochschule Schiltach einen Vortrag über “Begegnungen mit Urwaldindianern in Peru“ halten. Dabei werde ich u.a. Auszüge aus meinem Buch “Begegnungen in Peru – Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert“ lesen, sowie über die aktuelle Situation der indigenen Bevölkerung berichten. Zahlreiche Fotos geben Einblick in das Leben der Indianer sowie die landschaftliche Vielfalt und Schönheit Perus.
Die Veranstaltung findet am Montag, 7. November 2011 von 20.00 – 21.30h im Pater-Huber-Saal, Hauptstr. 58, in Schiltach, statt. Der Eintritt kostet € 3,–.
Weitere Infos zur Veranstaltung finden Sie im Programmheft der VHS (hier können Sie die Datei downloaden, siehe: S 1.1001, Seite 2 / 3).

Georg Müller – der “Waisenvater von Bristol“

Georg Müller (1805 – 1898) wurde 1805 in Kroppenstädt im Königreich Preußen geboren. Sein Vater war Steuereinnehmer und Georg wuchs schon in seiner Kindheit mit viel Geld auf. Die Idee seines Vaters war, dass er sich daran gewöhnen sollte viel Geld zu besitzen ohne es auszugeben. – Er gab es natürlich aus und nahm wiederholt sogar von den Steuergeldern. Mit 10 Jahren trat er ins Gymnasium ein, um sich auf die Universität vorzubereiten. Nach dem Wunsch seines Vaters sollte er Geistlicher werden, nicht um Gott zu dienen, sondern um ein angenehmes Leben führen zu können. Die Jugend Müllers war geprägt von Kartenspielen, Zecherei und anderen Lastern. Nach der Konfirmation wollte er anfangen besser zu leben, allerdings aus eigener Kraft. Doch er hatte seinen Vorsatz bald vergessen und es wurde immer schlimmer mit ihm. Als 16jähriger wurde er wegen Zechprellerei für 25 ins Gefängnis gesperrt, bis sein Vater kam. die Schulden bezahlte und ihm eine ordentliche Tracht Prügel erteilte. Von da ab wandte er sich – zumindest äußerlich – zum Besseren. Er wurde ein guter, arbeitsamer Schüler, lebte aber weiterhin verschwenderisch und in Betrügereien.
1825 begann er in Halle das Theologiestudium. Er wollte zwar ein besseres Leben führen, lebte aber weiterhin in Sünde. Im November 1825 kam dann der Wendepunkt in seinem Leben. Er wurde zur Hausversammlung eines gläubigen Kaufmanns eingeladen und lernte Jesus Christus als seinen Herrn und Heiland kennen. Er begann die Bibel zu lesen und zu beten. 1826, beim Lesen von Missionsnachrichten, reifte der Entschluß, dass er Missionar werden wollte. Um diese Zeit kam auch Dr. Tholuck, ein gläubiger Theologieprofessor, nach Halle. Dr. Tholuck half Müller sehr auf seinem Glaubensweg. Georg Müllers Vater war von der Bekehrung seines Sohnes gar nicht begeistert, und noch weniger von seinem Entschluß Missionar werden zu wollen. So kam es zum Bruch mit dem Vater und Georg beschloß, von ihm auch kein Geld mehr anzunehmen. Er fand Arbeit und konnte auf diese Weise sein Studium finanzieren. Ab August 1826 unternahm er seine ersten Predigtversuche und lernte so Stück für Stück das Wort Gottes zu verkündigen. Ende 1827 erhält er durch Dr. Tholuck die Anfrage,  ob er sich vorstellen könnte als Judenmissionar zu arbeiten. Die Londoner Missionsgesellschaft wollte gerne einen Prediger nach Bukarest schicken. Nach Gebet und Gesprächen mit anderen Gläubigen erklärte er sich bereit dazu. Im Juni 1828 erhielt er dann die Zusage aus London, dass er für sechs Monate zur Probe als Missionsstudent aufgenommen wurde. 1829 kam er in London an und studierte zunächst am Missionsseminar. Diese Zeit brachte ihn in seinem geistlichen Leben nochmals einiges voran und ihm wurde deutlich, dass nur das Wort Gottes unser Maßstab zur Beurteilung geistlicher Dinge sein kann. In dieser Zeit wurde ihm aber auch deutlich, dass er seinen Dienst nicht auf Juden beschränken wollte und so löste er sich 1830 von der Mission. Er begann zunächst als Pastor in Teignmouth zu arbeiten und predigte daneben auch in verschiedenen Dörfern. Im selben Jahr heiratete er Mary Groves. Im Oktober 1830 kam er zur Überzeugung, dass das System, mit dem sein Gehalt finanziert wurde, nämlich die Versteigerung der Kirchensitze, nicht mit Gottes Willen übereinstimmt. So entschloß er sich, ohne festes Gehalt zu arbeiten und von freiwilligen Gaben auf Glaubensbasis zu leben. Er begann all seine Bedürfnisse im Gebet Gott vorzulegen und kam auch zur Überzeugung, dass es nicht Gottes Wille ist Schulden zu machen.
Im April 1831 wurde Müller, zusammen mit seinem Freund und Prediger-Kollegen Henry Craik nach Bristol eingeladen. Sie begannen in der Gideon- und in der Bethesda-Gemeinde zu predigen und die Gemeinden weiter aufzubauen.
Im Juni 1833 begann Müller erste Speisungen für die Armen anzubieten, und bald gaben sie Brot an 60 bis 80 Personen aus. Doch die Nachbarn begannen sich daran zu stören, und auch aus zeitlichen Gründen konnte er diesen Dienst nicht fortführen. Doch Müller machte in dieser Zeit eine erstaunliche Erfahrung: während er so viele Menschen mit versorgte wuchs sein Spendenaufkommen an, als er damit aufhörte ging es wieder auf das Maß zurück, was er für sich und seine Familie zum Leben brauchte.
Im Frühjahr 1834 gründete er dann eine “Anstalt zur Verbreitung von Schrifterkenntnis”. Dabei ging es in erster Linie um folgende Arbeitsbereiche: Unterstützung von Tagesschulen, Sonntagsschulen und Erwachsenenschulen auf biblischer Grundlage; die Verbreitung der Heiligen Schrift und die Unterstützung missionarischer Bemühungen. Innerhalb nur eines Jahres entstanden fünf Tagesschulen (2 für Jungen, 3 für Mädchen) mit 439 Schülern, sowie eine Sonntagsschule und eine Erwachsenenschule.
Im November 1835 kam ihm der Gedanke an die Eröffnung eines Waisenhauses als weiterer Arbeitszweig der “Anstalt”. Angesichts vieler Gläubiger, die sich kaum Zeit für Gott nahmen, in der Angst sie könnten nicht genügend Einkommen haben, wollte er damit ein Zeichen setzen, damit jeder sehen kann, dass Gott treu ist und Gebet erhört. Er wollte diese Arbeit beginnen, obwohl er dafür keine freien Mittel hatte und kaum 6 Monate später wurde das erste Waisenhaus und die 6. Tagesschule eröffnet. Im Laufe der Zeit kamen wurden immer mehr Häuser angemietet bis ca. 120 Waisen betreut wurden. Allerdings war die Lage der Häuser nicht ideal und es kam auch zur Störung der Nachbarn. Ende 1845 bewegte Müller den Gedanken, ob es nicht zweckmäßiger wäre ein Waisenhaus zu bauen. Fünf Jahre später, 1850 wurde das 1. eigene Waisenhaus fertiggestellt. Darin war es möglich jetzt 300 Kinder aufzunehmen. Bis 1867 kamen vier weitere Häuser dazu und rund 2000 Waisen konnten betreut werden. Zusätzlich wurden pro Jahr über 2000 Bibeln verteilt und ca. 120 Missionare unterstützt.
Hand in Hand mit dem Wachstum des Werkes läßt sich auch Müllers Weg, Gott immer mehr zu vertrauen, verfolgen. Es gab sehr viele Tage, an denen er morgens noch nicht wußte wie er die anstehenden Kosten decken sollte, doch Gott ließ ihn nicht einen Tag im Stich.
Ab 1875, d.h. im Alter von 70 Jahren begann er mit einer Serie von Predigtreisen, die ihn mehrmals auch in die USA, auf das europäische Festland und sogar nach Indien und Australien führten. 1892, im Alter von 87 Jahren unternahm er seine letzte große Reise. Die folgenden Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1898 verbrachte er v.a. in Bristol, wo er seine Wohnung in einem der Waisenhäuser hatte. Obwohl er die Nachfolge in der Leitung des Werkes schon vor vielen Jahren geregelt hatte (er hatte sie seinem Schwiegersohn Wright übertragen), stand Müller doch bis zuletzt in der Arbeit und predigte noch regelmäßig in den Gottesdiensten und Gebetsstunden.
Georg Müllers Leben war eine positive Herausforderung für viele Menschen. Sein Glauben an Gottes Versorgung prägte letztlich auch die Arbeit anderer Männer wie Hudson Taylor oder Charles Studd. In seinem Leben ging es letztlich darum Gott zu verherrlichen und zu beweisen, dass es einen Gott gibt, der Gebet erhört. Georg Müller war davon überzeugt, dass Gott im Leben jedes Gläubigen ebenso handeln wird, sofern dieser Jesus ganz an die erste Stelle setzt und Gottes Ehre sucht.

Folgender Videoclip auf Youtube erzählt eine Episode aus Georg Müllers Leben:

Literaturempfehlung:
Georg Müller. Und der himmlische Vater ernährt sie doch. Tagebücher
Wuppertal: R. Brockhaus Verlag.

John Bunyan

John Bunyan (1628 – 1688) wuchs als Sohn eines Kesselflickers in Elstow (England) auf. Seine Zeit war in politischer Hinsicht von der Auseinandersetzung zwischen den Königstreuen und den Parlamentariern geprägt. Während die Königstreuen meinten, der König hätte das alleinige Regierungsrecht, strebten die Parlamentarier eine gewisse Gewaltenteilung an. Auch in seinem eigenen Elternhaus gab es geteilte Meinungen darüber: Sein Großvater und seine Mutter waren Anhänger der Parlamentarier, sein Vater ein Königstreuer.

John Bunyan wurde sehr stark von seiner Mutter geprägt, einer gläubigen Frau, die ihn zu selbständigem Denken erzog. Als er 10 Jahre alt war, schickte ihn sein Vater in die Schule, die er ungefähr fünf Jahre lang besuchte. 1643 kam es zur Eskalation und der Bürgerkrieg brach aus. Ein Jahr später starb seine Mutter an der Pest und kurz darauf auch seine Schwester. Sobald er 16  Jahre alt war, schloß er sich der Armee der Parlamentarier unter der Leitung von Oliver Cromwell an.
Schon in seiner Jugend wäre John Bunyan zweimal fast ertrunken. An einem Abend, als er zur Geburtstagsfeier seiner späteren Frau eingeladen war, und ein Freund ihn beim Wachdienst vertrat, kam es zu einem Angriff der Königstruppen und sein Freund starb an seiner Stelle. Dieses Erlebnis brachte ihm den stellvertretenden Erlösungstod deutlich nahe, aber es sollte noch einige Jahre dauern, bis er wirklich begriff, was Jesus für ihn getan hatte.
1647 hatten die Parlamentarier den Sieg errungen und er wurde aus der Armee entlassen. Er ging wieder zurück nach Elstow zu seinem Vater, der ihm seine Hilfe anbot sich als Kesselflicker selbständig zu machen. Er nahm dieses Angebot an und heiratete kurz darauf Mary, die er während seiner Soldatenzeit kennengelernt hatte.
Mary war ebenfalls eine gläubige Frau und forderte John heraus, ganz mit Jesus zu leben. John hatte seit seiner Kindheit immer wieder Alpträume, dass er in der Hölle landen würde. Er bemühte sich aus aller Kraft, ein besseres Leben zu führen, was ihm aber nur teilweise gelang.
Als er 1652 durch die Straßen von Bedford ging hörte er, wie sich vier Frauen, die beim Spinnen zusammen saßen, über Jesus und die Wiedergeburt unterhalten. Das Gespräch bewegte ihn. Nach einigen Wochen kam er wieder nach Bedford und er suchte den gleichen Platz wieder auf. Die Frauen waren wieder da und John sprach sie an. Sie luden ihn zum Gottesdienst ein. Wenig später kaufte er sich Martin Luthers Kommentar zum Galaterbrief, der ihn sehr ansprach und ihm Hoffnung machte, dass auch er Erlösung finden könnte. Es folgten noch einige innere Kämpfe, doch dann kam der Durchbruch. John Bunyan erkannte, “dass die Gnade aus dem Blut Christi ausreicht, um seine Seele zu retten.”
John ließ sich taufen und trat der Gemeinde in Bedford bei. 1655 zog er nach Bedford um und begann, neben seiner Arbeit als Kesselflicker, dem Pastor bei der Arbeit zu helfen. Wenige Zeit später begann er auch Bücher zu schreiben. 1658 starb seine Frau Mary, sie ihm vier Kinder hinterließ, darunter die älteste Tochter Mary, die blind geboren war.
Etwa ein Jahr später heiratete er Elisabeth, die Cousine seiner verstorbenen Frau, die ihm auch bei seiner schriftstellerischen Arbeit half. Nach dem Tod Oliver Cromwells kam es zur Rückkehr von Prinz Charles nach England, der zum König ernannt wurde. Die Religionsfreiheit begann auszutrocknen und es durften nur noch anglikanische Geistliche mit Lizenz predigen. Bunyan wurde festgenommen, aber kurz darauf wieder freigelassen. Doch kurze Zeit später warnte ihn der Dorfpolizist; er wies ihn auf die verschärften Gesetzen hin und riet ihm, keine Versammlungen mehr zu halten. Kurz darauf wurde Bunyan als Prediger zu einer Hausversammlung eingeladen – und verhaftet. Der Richter wollte ihn nur unter der Bedingung freilassen, dass er verspräche, nicht mehr zu predigen. Doch Bunyan, der sich von Gott zu diesem Auftrag berufen wußte, konnte und wollte dieses Versprechen nicht ablegen. So begann eine insgesamt zwölfjährige Haftzeit, die zweimal unterbrochen wurde.

Im Gefängnis entstanden weitere Bücher, u.a. sein bekanntestes Buch, die “Pilgerreise zur seligen Ewigkeit“, eine Geschichte, die er sich eigentlich als Weihnachtserzählung für seine Kinder ausgedacht hatte. Im Gefängnis hatte er auch die Möglichkeit, ungehindert seinem Predigtdienst nachzugehen und viele Menschen kamen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus, auch der Gefängniswärter. An manchen Tagen wurden Gefängnisgottesdienste veranstaltet zu denen die Leute aus der Stadt strömten um Bunyan predigen zu hören. Immer wieder bekam er auch Gesellschaft von Predigern aus anderen Denominationen, die aus demselben Grund wie er inhaftiert worden waren.
Im 1671 wurde eine Duldungserklärung für nicht-anglikanische Denominationen verabschiedet und Bunyan sowie die anderen religiösen Häftlinge entlassen. 1672 wurde er zum Pastor der Meeter-Gemeinde in Bedford ernannt und konnte für einige Zeit seinen Dienst ungehindert ausüben. 1675 wurde die Duldungserklärung vom König widerrufen und bereits einen Monat später wurde Bunyan wieder inhaftiert. Er selbst schieb dazu:

“Dann brachte man mich wieder ins Gefängnis und ich setzte mich sofort wieder hin, um zu schreiben. Ich habe zu lange nichts mehr geschrieben. Vielleicht ist dies hier nicht so sehr ein Gefängnis als ein Büro, von dem aus ich die Welt mit Christi Botschaft erreichen kann”.

1677 wurde er aufgrund einer Bittschrift der Quäker, sowie auf Fürsprache von Freunden, die für ihn bürgten, endgültig freigelassen. Die letzten Jahre seines Lebens waren ausgefüllt mit seiner Tätigkeit als Prediger, Seelsorger und Schriftsteller.
John Bunyan war in vieler Hinsicht ein Mann mit Profil. Trotz geringer Schulbildung schrieb er 60 Bücher. Auch wenn er keine juristische Ausbildung hatte verhalf er dazu, daß die religiöse Freiheit seinen Platz im englischen Recht fand. Auch ohne formale theologische Ausbildung und kirchlichem Titel wurde er einer der mächtigsten Prediger seiner Generation. Er war ein Mann mit Hingabe, der bereit war für seinen Herrn zu leiden und sich weigerte das Evangelium zu verleugnen.

Empfohlene Biographie:
William Deal. John Bunyan. Der Kesselflicker von Bedford. Verlag der Francke-Buchhandlung, 2. Aufl. (1985)