Monatsarchiv: Dezember 2007

Gedanken zur Adventszeit

Habe heute das Thema für unseren Hauskreis vorbereitet. Da wir ja gerade in der Adventszeit sind, lag es nahe einen Text zu nehmen, der mit Jesu Kommen zu tun hat. Aber nicht nur in den Evangelien, auch in anderen biblischen Büchern finden wir „weihnachtliche Texte“. So auch im Galaterbrief. In Galater 4,4-5 steht: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“
Einmal mehr wurde mir deutlich: Gott ist ein Gott der Geschichte, der in der Geschichte handelt. Gottes Heilsplan ist eingebettet in die Weltgeschichte und entfaltet sich in dieser. So wählte Gott den bestmöglichen Zeitpunkt aus, um seinen Sohn in diese Welt hineinzusenden. Wenn wir rückblickend auf die geschichtliche Situation zur damaligen Zeit schauen, dann sehen wir, dass es keinen besseren Moment gegeben hätte, und dass die damalige Welt auf das Kommen Jesu und die schnelle Ausbreitung des Evangeliums vorbereitet war.

Ich kann mir vorstellen, dann manche von der Formulierung „geboren von einer Frau“ etwas irritiert sind? – Von wem sollte Jesus denn sonst geboren werden, wenn nicht von einer Frau?! Nun, Paulus spielt damit vermutlich auf zwei atl. Prophetien an: 1. Mose 3,15 und Jesaja 7,14.

  • Mose 3,15: Gott sagte zur Schlange, die Eva zur Sünde verführt hatte: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ Dieser Vers enthält das sogenannte Protevangelium, die erste Ankündigung – direkt nach dem Sündenfall – dass Gott einen Retter senden würde um Satan zu besiegen und die Menschheit zu erlösen. Dieser Retter würde dabei leiden (nebenbei bemerkt fand ich es eine gelungene Darstellung in der Eingangsszene von Mel Gibsons Film „Die Passion Christi“, in der Jesus in Gethsemane einer Schlange den Kopf zertrat; eine Anspielung darauf, dass Jesus diese Prophetie erfüllte). In dieser Ankündigung wird herausgestellt, dass der Retter ein Nachkomme Evas sein wird. Der Hinweis auf ihren Nachkommen, wörtlich: „ihren Samen“, könnte sogar ein verdeckter Hinweis auf die Jungfrauengeburt sein.
  • Jesaja 7,14: „Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel“. – In diesem Vers wird die Geburt Jesu (700 Jahre vorher!) durch eine Jungfrau prophetisch angekündigt. Das Kind wird „Immanuel“ genannt werden, das bedeutet „Gott mit uns“. Im Matthäusevangelium wird uns berichtet, wie Gott einen Engel zu Joseph sandte, um ihn über die wahren Umstände von Marias Schwangerschaft aufzuklären. Dabei betont der Engel, dass Jesus vom Hl. Geist gezeugt wurde. Matthäus zitiert in diesem Zusammenhang Jesaja 7,14 und wendet ihn auf Jesus an. Und Jesus ist wirklich „Immanuel“, durch ihn ist Gott zu uns Menschen gekommen.
    Nur durch die Jungfrauengeburt – gezeugt durch den Hl. Geist – war es möglich, dass Jesus zwei Naturen hatte: eine göttliche und eine menschliche – jeweils zu 100%. Gerade diese beiden Naturen waren die Voraussetzung dafür, dass Jesus einerseits sündlos leben und andererseits als Opfer für unsere Sünden sterben konnte.

Paulus nimmt in diesem Text Bezug auf das Gesetz, d.h. auf Gottes Gebote. Jesus wurde als Jude geboren und lebte als Jude unter dem Gesetz. Der Grund für Paulus Brief an die Galater war, dass eine Irrlehre in die Gemeinden eingedrungen war, die besagte, man müsse sich beschneiden lassen (d.h. zum Judentum übertreten) und das Gesetz halten, um gerettet zu werden. Doch Paulus macht deutlich, dass der Mensch nur aus Glauben gerettet werden kann. Er erklärte dabei auch die Funktion des Gesetzes (siehe dazu auch Römer 3,20). Paulus Aussagen sind sehr klar: niemand wird durch die Erfüllung des Gesetzes gerechtfertigt und gerettet (3,10ff). Denn kein Mensch ist fähig, das Gesetz jederzeit und vollständig zu erfüllen! Paulus erklärt, wozu das Gesetz überhaupt dient. In Galater 3,24 nennt er das Gesetz unseren „Zuchtmeister auf Christus hin“ (griech.: paidagogos – Pädagoge – der für die Erziehung zuständige Sklave). D.h. die Funktion des Gesetzes ist es, uns deutlich zu machen, dass wir Sünder sind, und uns auf Christus und den Glauben an IHN hinzuweisen (bzw. dahin zu führen). In den folgenden Versen (3,25-29) stellt Paulus heraus, dass wir – nachdem wir gläubig geworden sind – nicht mehr unter dem „Zuchtmeister“ Gesetz stehen, sondern Kinder Gottes geworden sind – und damit auch geistliche Nachkommen Abrahams und Erben der Verheißung, d.h. der Errettung und Teilhabe am Reich Gottes.

Nun, mancher mag sich nun fragen: Wen interessiert das (heute noch)? – Ich denke, es sollte uns alle interessieren! Wir stehen kurz vor Weihnachten, dem sogenannte Fest der Liebe. Doch irgendwie macht es den Eindruck, als ob wir den Urheber des Festes – und seinen Liebesbeweis durch Jesu Kommen für uns – irgendwie von diesem Fest ausschließen. Wir können Jesus und das Evangelium zwar ignorieren, aber nur für eine begrenzte Zeit. Gott hat seinen Plan mit dieser Welt. So, wie Jesus zum vorherbestimmten Zeitpunkt kam und Mensch wurde, so wird Jesus zum vorherbestimmten Zeitpunkt wieder kommen. Im apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es von Jesus: „aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ – Wer´s glaubt wird seelig… – stimmt! Die Bibel fordert uns heraus, an Jesus zu glauben. Die alttestamentlichen Prophetien, die sich präzise bei Jesu 1. Kommen erfüllt haben, bezeugen die Wahrheit und Zuverlässigkeit der biblischen Botschaft. – Legt das nicht den Schluss nahe, dass sich auch die biblische Prophetie bezüglich der Wiederkunft genauso präzise erfüllen wird?

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