Monatsarchiv: Juni 2009

Blutige Zusammenstöße zwischen Regierung und Indianern im Norden von Peru

Am Freitag, den 5. Juni 2009 kam es in Bagua und Umgebung zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei sowie Indianern. Nach unterschiedlichen Quellen schwanken die Angaben über Tote zwischen 30 und 80, außerdem gab es über 100 (z.T. sehr schwer) Verletzte.
Hintergrund dieser Auseinandersetzung ist, dass die peruanische Regierung die Ausbeutung von Rohstoffen (Erdöl, Gas, Mineralien, Holz), durch (meist ausländische) Unternehmen erleichtern will. Viele Indianer sehen dadurch ihren Lebensraum bedroht (und haben oft auch schon entsprechende Erfahrungen gemacht). Sie sind nicht gegen Entwicklung und Fortschritt, möchten dabei aber ein entscheidendes Mitspracherecht haben. Gemäß der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, die 1994 auch von Peru als verbindlich anerkannt wurde, steht indianischen Minderheiten dieses Recht auch ausdrücklich zu.
Bereits seit fast zwei Monaten protestieren indianische Einwohner aus der Anden- sowie der Amazonasregion gegen die Art und Weise, wie der Staat und Unternehmen in die Ausbeutung von Rohstoffen investieren wollen. Dabei wurden in den vergangenen zwei Monaten auch Straßen blockiert, u.a. nach Bagua.

Am Freitag kam es nun – nach 54 Tagen friedlichem Protest – zu einer Eskalation. Nach offiziellen Berichten hätten Indianer die Sicherheitskräfte zuerst angegriffen. Allerdings gibt es viele Quellen die bezeugen, dass zunächst aus Polizeihubschraubern Schüsse (auf Leute!) und Tränengasgranaten abgefeuert wurden. Zwei Belgier, die sich als Voluntäre einer NGO gerade in Bagua aufhielten, haben die Sache beobachtet und durch entsprechende Fotos dokumentiert. Ich habe mir auch eine ganze Reihe von Filmdokumentationen auf Youtube angesehen und war von der Brutalität der Vörgänge schockiert.

Gegen Alberto Pizango, den Vorsitzenden der Indianerorganisation AIDESEP und Verhandlungsführer der indianischen Seite (der sich zum Zeitpunkt der Ereignisse in Lima aufhielt), wurde inzwischen ein Haftbefehl wegen Rebellion und Konspiration erlassen. Am Montag, den 8. Juli ist er in die nicaraguanische Botschaft in Lima geflüchtet, wo er politisches Asyl beantragt hat. Dies wurde ihm von der nicaraguanischen Regierung inzwischen gewährt.

Bereits schon am 5. Juli haben CONEP (Das nationale evangelische Konzil von Peru) und FAIENAP (Dachverband der Evangelischen Indianerkirchen) eine gemeinsame Erklärung zu den Ereignissen in Bagua herausgegeben. Seit gestern Abend ist ein Team von FAIENAP vor Ort, um sich direkt über die Vorgänge zu informieren, sowie Betroffenen – soweit wie möglich – zu helfen.

Die Indianerorganisationen haben ab heute für das gesamte Amazonasgebiet zu einem unbefristeten Generalstreik aufgerufen. Außerdem soll in Lima eine Demonstration vor dem Regierungspalast stattfinden.

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