Monatsarchiv: November 2009

Essen Sie Fleisch?

Gestern war ich mal wieder bei einem evangelistischen Büchertisch in Schwenningen mit dabei. Ist ja immer wieder interessant, was man auf der Straße so erlebt…
Unter anderem ging auch ein Mann, ungefähr so Ende fünfzig, an uns vorbei. Er sprach mich an: „Sind Sie Christ?“ Ich antwortete: „Ja“. Er fragte weiter: „Essen Sie Fleisch?“ Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Ja“. Es folgte eine heftige und entsetzte Antwort: „Dann sind Sie kein Christ!!!“ Während er sich entfernte warf er mir noch ein paar weitere, nicht so nette Dinge an den Kopf. Ich hätte ja gerne mit diesem Zeitgenossen geredet, leider dachte er nur an´s Schimpfen… – Gott sei Dank habe ich nicht erwähnt, dass ich aufgrund meiner Arbeit in Peru die Gelegenheit hatte, schon erheblich mehr Fleischsorten zu genießen, als in einem deutschen Fleischerladen angeboten werden… – vermutlich wäre er mir an die Gurgel gegangen!
Nun, die Frage, ob man Fleisch essen oder sich besser vegetarisch ernähren sollte ist ja das Eine. Damit aber definieren zu wollen, wer ein Christ ist, ist aber nochmals eine ganz andere Sache! Was hätte dieser Mann in einem möglichen Gespräch wohl darauf geantwortet, wenn ich ihn darauf hingewiesen hätte, dass Jesus selbst Fleisch gegessen hat? – Jesus aß sicher nicht nur Müsli, schon gar nicht beim Passahfest. Petrus´ Vision in Apostelgeschichte 10,10-16 hätte ihn wahrscheinlich ebenso erzürnt wie Gottes Aussage nach der Sinflut zu Noah in Genesis 9,3: „Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich’s euch alles gegeben.“ Paulus macht im 1. Timotheusbrief (4,1-5) zum Thema „Essen“ übrigens eine ganz heiße Aussage:

„Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind, die verbieten, zu heiraten, und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen. Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch Gebet.“

Ich habe kein Problem damit, wenn jemand aus eigener Überzeugung – warum auch immer – auf den Genuß von Fleisch verzichtet. Aber ich habe sehr wohl ein Problem damit, wenn mir jemand allein aufgrund meiner Vorliebe für Fleisch den Glauben absprechen will. Und ich habe noch ein größeres Problem damit zu sagen: Christ = Vegetarier. Wahrscheinlich hat auch so mancher Vegetarier ein Problem mit dieser Gleichung, denn im Umkehrschluß lautet sie: Vegetarier = Christ.
An diesem Vorfall wird aber noch eine andere Problematik deutlich, nämlich eine immer mehr um sich greifende Verwirrung, wer bzw. was eigentlich ein Christ ist? Interessanterweise kommt der Begriff „Christ“ (bzw. „Christen“) nur dreimal in der Bibel vor. In der Urgemeinde sprach man zunächst einfach von „Jüngern“ bzw. von „dem Weg“ (Christi). Erst in der Gemeinde von Antiochien wurden die Jünger erstmals „Christen“ genannt (vgl. Apg 11,26). Die Einwohner von Antiochien waren dafür bekannt, dass sie anderen Leuten gerne Spitznamen gaben, und so bekamen die Gläubigen ebenfalls einen ab, der mit der Zeit zur Bezeichnung für alle Anhänger Christi wurde. – Vermutlich weil sie andauernd von Jesus Christus sprachen! In der frühen Kirche war auf jeden Fall klar: ein Christ ist ein Jünger und Nachfolger Jesu. Und zwar jemand, der Jesus aus bewusster und eigener Entscheidung sein Leben anvertraute, an ihn als Retter glaubte, und ihm als seinem Herrn die Herrschaft über sein Leben übergab.
Als im Jahr 381 durch Kaiser Theodosius I. die christliche Lehre zur Staatsreligion im Römischen Reich erhoben wurde, begann die Verwässerung des Begriffs. Es war nun Pflicht „Christ“ zu sein, egal ob man das wollte oder nicht. Bis heute scheiden sich die Geister daran, ob diese Verbindung von Kirche und Staat ein Glück oder Unglück war. – Ich persönlich bin da recht skeptisch. Denn ich glaube, wir sollten uns wieder darauf zurück besinnen, wie die Bibel Christ sein definiert, nämlich als bewusste und entschiedene Nachfolge Jesu. Diese geschieht immer freiwillig und aus Überzeugung, denn nur so kann man ein echter Christ werden. Das gilt übrigens auch für den Verzicht auf Fleisch. Denn jemand, der dazu gezwungen wird auf Fleisch zu verzichten ist in seinem Herzen noch lange kein Vegetarier, oder?
Advertisements

Weihnachten ohne Jesus?

Bald ist es wieder soweit und die größte Geburtstagsparty des Jahres wird weltweit gefeiert werden. Ich freue mich darauf und feiere gerne Weihnachten! – Allerdings hab´ ich mich in den vergangenen Jahren immer mehr gefragt, welchen Platz das „Geburtstagskind“ bei „seinem“ Fest einnimmt? Denn einerseits wird das Fest immer ausgiebiger gefeiert, andererseits drängt sich mir aber der Eindruck auf, dass die Hauptperson immer weniger darin einbezogen wird. Für mich stellt sich die Frage: Weihnachten ohne Jesus? – geht das überhaupt?
Das Ganze war Grund genug – relativ kurzfristig und eigentlich unbeabsichtigt – ein neues Buch zu schreiben. Weitere Infos sind auf meinem Blog zum Buch zu finden.
Bereits seit einer Woche kann Weihnachten ohne Jesus? über den Internet-Buchhandel bestellt werden. Heute habe ich die ersten Exemplare vom Verlag erhalten. Ich bin noch ganz aus dem Häuschen, dass es schon gedruckt ist. – Ein ganz herzliches Dankeschön an meinen Verlag, Books on Demand! – Ihr werdet immer besser!