Monatsarchiv: April 2010

Quo vadis Evangelikale Bewegung?

Ich muss es ehrlich zugeben: Anfang der 90er Jahre hatte massiv Mühe mit gewissen “Hardlinern“ und “Wächtern“, die vor dem Eindringen negativer „gefährlicher Einflüsse“ in die Evangelikale Bewegung warnten. Insbesondere die Kritik an gewissen Evangelisationsformen und Gemeindeaufbaumodellen konnte ich damals nicht nachvollziehen. Ich bin gerne offen für Neues und es ist mir ein großes Anliegen, dass das Evangelium, die beste Nachricht aller Zeiten, unter die Leute kommt. Warum nicht auch neue Wege gehen?
Seit meiner Rückkehr aus Peru – vor knapp vier Jahren – bin ich dabei, mich neu in der evangelikalen Landschaft hier in Deutschland zu orientieren. Und ehrlich gesagt, steigt meine Besorgnis von Tag zu Tag!
Es ist schon seltsam: Im Prinzip ist die südamerikanische Kommunikationskultur eher indirekt, aber wenn es um die Verkündigung des Evangeliums und ethische Aussagen von Gottes Wort geht, dann wird dermaßen direkt gepredigt, dass einem fast die Spucke weg bleibt! Dagegen haben wir Deutsche den Ruf in unserer Kommunikationskultur sehr direkt zu sein (was von der Mehrheit der anderen Kulturen als unhöflich empfunden wird), doch wenn es um die Verkündigung des Evangeliums und ethische Aussagen von Gottes Wort geht, da legen wir auf einmal eine Indirektheit und Diplomatie an den Tag, die ihresgleichen sucht. Liegt es daran, dass wir uns inzwischen des Evangeliums und des Wortes Gottes schämen, und uns nicht mehr getrauen die Aussagen so klar zu sagen, wie sie in der Bibel formuliert sind? Oder liegt es daran, dass wir inzwischen das Denken und die Maßstäbe der Welt übernommen haben, insbesondere das postmoderne Denken, das den Wahrheitsbegriff so absolut relativiert, dass es inzwischen als „absolute Wahrheit“ propagiert wird, dass es keine absolute Wahrheit gäbe? – Und wir in deren folge auch biblische Aussagen als „zeitbedingt“ relativieren?
Vergangenes Jahr erlebte ich den ersten „Schocker“. Nach dem Predigtdienst in einer freikirchlichen Gemeinde gab es noch ein gemeinsames Mittagessen. Neben mir ergab sich ein Gespräch zwischen einem Mitglied der Gemeinde sowie dem Präsidiumsmitglied des Gemeindeverbandes, das zufällig zu Gast war. Dabei ging es um die Frage des Umgangs mit der Homosexualität – eine wichtige Frage, denn wir sollen als Christen allen Menschen mit Liebe begegnen. Als dann aber das Präsidiumsmitglied sagte, die Bibel würde keine klare Aussage machen, ob Homosexualität Sünde sei oder nicht, wurde ich hellhörig. Ich wies auf die Aussagen des Römerbriefs hin und erhielt eine dermaßen relativierende Antwort, die gut klingt, aber exegetisch unhaltbar ist. Und es verschlug mir ehrlich gesagt die Sprache! – Als „Landeskirchler“ hätte es mich nicht überrascht, wenn ein liberaler Theologe aus meiner Kirche so eine Aussage gemacht hätte; aber das Präsidiumsmitglied einer bedeutenden evangelikalen Freikirche?
Gestern erlebte ich den zweiten Schocker. Der Newsletter des Betanien-Verlags wies auf die Nachrichten über einen “Gottesdienst“ für Kirchenferne hin, an dessen Ende auch Exemplare der Zeitschrift „Playboy“ angeboten wurden. Als ich die – auf der Internetseite der Gemeinde angebotenen Dateien (Predigt, sowie Presseberichte über den Gottesdienst) las, fiel mir wirklich die Kinnlade herunter. Ich konnte es einfach nicht fassen!
Wie gut solche Aktionen bei “Kirchenfernen“ ankommen, zeigt u.a. der Kommentar von “Max Headroom“ zum Bericht über die Veranstaltung auf dem “Atheist Media Blog“: 

„Was kommt als nächstes ? Verschenken sie $3000 PCs an Killerspiel-Jungs, damit die “frohe Botschaft” über den Genozid auch den Counter-Strike Spieler von Heute erreicht?
Wie dämlich muss dieser Verein sein, wenn sie nicht einmal ihre eigene Hirten kennt ? Und wie dämlich muss sich erst einmal solch ein Gott fühlen, wenn “in seinem Namen” nackte Frauen auf Faltblätter vertickt werden?“

Nun handelt es sich bei der Gemeinde nicht um irgendeine Evangelische Gemeinde und bei dem Prediger nicht um irgendeinen Prediger. – Das Anliegen der Gemeinde ist es wirklich, Außenstehende zu Jesus zu führen. Und der Prediger ist in der evangelikalen Bewegung wohl bekannt, durch Publikationen und durch die Mitarbeit in wichtigen Organisationen und Bewegungen. Aber auch in diesem Fall (sowie schon bei einer anderen Botschaft desselben Predigers) wurden klare Aussagen der Bibel einfach übergangen bzw. durch eine falsche „Kontextualisierung“ einfach relativiert. Im 1. Korintherbrief bezog Paulus zu ähnlich lockeren Haltungen im Umgang mit der Sexualität eindeutig Stellung (1. Kor 5,1-13; 6,12-20). Dabei machte er auch die treffende Aussage:

Euer Rühmen ist nicht gut. Wißt ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?

Jesus selbst machte die Aussage:

Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.“ (Matthäus 5,13) 

Ist es möglich, dass wir den Menschen inzwischen so sehr ins Zentrum gestellt haben, dass wir darüber vergessen wie (der dreifach heilige !!!) Gott über die Dinge denkt?
 
Die jüngsten Entwicklungen bereiten mir massive Bauchschmerzen. Ich glaube, es ist an der Zeit inne zu halten und zu reflektieren, welchen Weg wir eingeschlagen haben. Ich empfehle auch dringend, Kritik an den gegenwärtigen Entwicklungen nicht einfach abzutun, sondern genau hinzuhören. Brüder, wie z.B. Wolfgang Nestvogel (“Evangelisation in der Postmoderne“, CLV), Wilfried Plock (“Gott ist nicht pragmatisch“, Betanien) oder Donald A. Carson (“Die Emerging Church. Abschied von der biblischen Lehre?“, CLV) haben uns etwas wichtiges zu sagen! Ebenso empfehle ich die Bücher von A.W. Tozer sowie Francis Schaeffer (insbesondere “Die große Anpassung“ und “Unsere Welt soll sein Wort hören“); ihre Botschaft hat nichts an Aktualität eingebüßt, im Gegenteil!
 
Quo vadis Evangelikale Bewegung? – Ist die Evangelikale Bewegung bereits an einem ähnlichen Punkt wie die Ökumenische Bewegung, Ende der 60er Jahre angekommen? Brauchen wir eine neue „Erklärung zur Grundlagenkrise der Mission“? – Ehrlich gesagt, ich bin sehr besorgt!

Denn die Zeit ist gekommen, daß das Gericht anfange beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen?“ (1. Petrus 4,17)

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Zufall?

In ein paar Tagen ist Ostern. Heute, an Gründonnerstag (wer hat sich nur diesen seltsamen Namen ausgedacht?) gedenken wir des letzten Abendmahls, das Jesus mit seinen Jüngern feierte. Genauer gesagt, handelte es sich bei dem Mahl um das Passamahl, welches das Volk Israel jährlich zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten feierte.

War es Zufall, dass Jesus genau an diesem Fest starb? Oder handelte es sich dabei um göttliches Timing? – Nämlich um deutlich zu machen: Jesus ist wirklich das Passalamm (vgl. 1. Korinther 5,7), das für die Sünden der Welt starb, damit alle, die an ihn glauben, Gottes Gericht entgehen – so wie damals die Israeliten in Ägypten.

War es Zufall, dass Johannes der Täufer von Jesus sagte „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ (Johannes 1,29) – obwohl er selbst den Zeitpunkt der Kreuzigung Jesus selbst nicht mehr erleben sollte?

War es Zufall, dass der Prophet Jesaja bereits schon etwa 700 Jahre vorher Jesu stellvertretendes Leiden beschrieb? (Nachzulesen in Jesaja 53)  Jesaja schrieb u.a.:

„Jedoch unsere Leiden – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen – er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen.“ (Jesaja 53,4-5).

War es Zufall, dass König David bereits schon etwa 1.000 Jahre vorher – in Psalm 22 – Jesu Leiden beschrieb? – In diesem Psalm, dessen Eingangsvers Jesu kurz vor seinem Tod noch (zufällig?) zitierte („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“; Psalm 22,2) schrieb David u.a. folgendes:

„Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen; und in den Staub des Todes legst du mich. Denn Hunde haben mich umgeben, eine Rotte von Übeltätern hat mich umzingelt. Sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben. Alle meine Gebeine könnte ich zählen. Sie schauen und sehen auf mich herab. Sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los.“  (Psalm 22,16-19).

Ein bisschen viel Zufall, oder? Wenn es kein Zufall war – was bedeutet das dann konkret? Für mich?  Für Dich? Für Sie?