Monatsarchiv: Dezember 2010

Advent und Weihnachten – ein „politisches Ereignis“?

Heutzutage verbinden viele mit Advent und Weihnachten zuallererst Dinge wie Kerzenschein, den Duft von Zimtsternen oder Glühwein – und natürlich Geschenke. Religiöse Menschen verbinden damit auch einen gewissen besinnlichen Aspekt, der je nach spiritueller Ausrichtung ganz unterschiedliche Züge trägt. Aber würden wir Advent und Weihnachten auch mit Politik in Verbindung bringen? – Eher selten. Zumindest heutzutage …„Advent“ ist ja von „Adventus Domini“ abgeleitet und bedeutet „Ankunft des Herrn“. – Das Wort „Herr“ wird in diesem Zusammenhang nicht im Sinne einer netten Anrede, sondern im Sinne von „Herrschaft“ gebraucht. Derjenige, der kommen wird, ist der HERR, der König, Gott, die oberste Instanz des Universums! Mehrere alte Advents- und Weihnachtslieder bringen diese Wahrheit zum Ausdruck:

„Dein König kommt in niedern Hüllen…“ „Freue dich Welt, dein König naht …“ „Du König der Ehren, Herrscher der Heerscharen, verschmähst nicht zu ruhen in Marien’s Schoß Gott, wahrer Gott, von Ewigkeit geboren!“ „Jesus ist kommen, der König der Ehren. Himmel und Erde, rühmt seine Gewalt!“ „Macht hoch die Tür, die Tor‘ macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich …“

Auch für König Herodes den Großen war die Geburt Jesu ein politisches Ereignis. Er reagierte ziemlich bestürzt auf die Nachricht der Weisen vom Morgenland (Matthäus 2,1ff), die von der Geburt des „Königs der Juden“ berichteten – und ordnete ein Massaker unter Babys und Kleinkindern in Bethlehem an. Das entsprach voll und ganz der Machtbesessenheit dieses Despoten, der nicht davor zurückschreckte, eine seiner Ehefrauen und drei seiner Söhne zu töten. Der damals regierende Kaiser Augustus bemerkte mit beißendem Witz, er wäre lieber das Schwein von Herodes als sein Sohn…

Bemerkenswert ist auch der Lobpreis der damals mit Jesus schwangeren Maria (Lukas 1,46-55), der unter dem Titel „Magnificat“ in die Geschichte eingegangen ist. Auch darin finden wir sehr „politische“ Aussagen: „Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht. Hungrige hat er mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt.“ (Lukas 1,52-53). Sehr klar weist sie mit diesen Worten auf Gott hin, der die Macht hat jederzeit die Mächtigen dieser Welt zu entmachten – und andere an ihrer Stelle einzusetzen. Es gibt sogar Beispiele in der neueren Geschichte dafür:

„1. Beispiel: „Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht.“ (Rev. Elberfelder) Ich muss dabei an zwei Lieder denken, die zu DDR-Zeiten in der damaligen DDR geschrieben und dort in den Gemeinden gesungen wurden. Das Lied: „Gott ist immer noch Gott, Gott ist immer, Gott ist Gott!“ stammt von Eberhard Laue (1980). Und in dem Lied „Wer Gott folgt, riskiert seine Träume“ von Theo Lehmann und Jörg Swoboda (1987 oder früher geschrieben) heißt es: „Die Mächtigen kommen und gehen, und auch jedes Denkmal mal fällt. Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt! Und lehrt eure Kinder das eine, dass über Gott keiner mehr steht, dass auch der Größte klein beigeben muss, wenn Gott kommt und alles vergeht.“ – Wie recht sollten die Autoren dieser Lieder haben! Wir selbst wurden vor 20 Jahren Augenzeugen dieses dramatischen Wandels. Wer hätte gedacht, dass die Mauer jemals fallen würde? Oder denken wir an einen Lech Walesa, der vom Elektriker der Lenin-Werft zum Staatspräsidenten Polens wurde.

2. Beispiel: „Hungrige hat er mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt“ (Rev. Elberfelder)
Hier haben wir eine Parallele zum ersten Beispiel. Mir kam dazu Erich Honecker in den Sinn. Nach dem Zusammenbruch seines Regimes war er unerwünscht und wohnungslos geworden. Nach einem Krankenhausaufenthalt fand er für 10 Wochen Zuflucht in einem evangelischen Pfarrhaus in Lobetal.“ Aus: Weihnachten ohne Jesus?, Kapitel 4: Der Lobpreis der Maria, S. 46f.

An Erich Honecker wird die Ironie der Geschichte besonders deutlich. Steffen Reichert hat auf „der Freitag“ Honeckers Geschichte unter dem Titel „Kirchenasyl in Lobetal“ gut beschrieben.

Die meisten bringen den Advent nur mit Jesu erstem Kommen vor rund 2.000 Jahren in Verbindung. Doch der Advent soll uns auch daran erinnern, dass Jesus wiederkommen wird. Auf dieses kommende Ereignis weisen nicht nur die Schriften des Alten und Neuen Testaments hin, sondern auch das Apostolische Glaubensbekenntnis, das regelmäßig in vielen christlichen Kirchen gesprochen wird. Dort heißt es über Jesus Christus: „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“

Seine Wiederkunft wird auch ein höchst politisches Ereignis sein! – Glauben wir´s? Glauben und erwarten wir, dass er wiederkommen wird?

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Weihnachten, sauberes Trinkwasser und die Candoshi-Indianer

Fand heute auf Youtube einen gut gemachten Film von Living Water, einer christlichen Hilfsorganisation, mit dem Titel „Christmas [is] changing the world“. Darin wird am Beispiel der Candoshi-Indianer in Peru die Situation vieler Dörfer auf diesem Planeten Erde beschrieben, in denen es keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser gibt – und welchen Unterschied ein Brunnen macht!
Die Candoshi sind eine der Ethnien in Peru, mit denen ich mich besonders verbunden fühle. Sie waren die erste Gruppe, die ich während einer vierwöchigen Reise näher kennenlernte. Ein Erlebnis mit meinem Freund Okama (einem Candoshi-Indianer) während dessen Aufenthalts auf der Missionsstation Cashibo, machte uns deutlich, wie traumatisiert die Menschen oft durch Krankheiten und Tod sind, die durch mangelnde Hygiene und schmutziges Wasser ausgelöst werden:
„Schon während der ersten Woche des Bibelkurses wurde Okamas kleiner Sohn Mama, der damals etwa ein dreiviertel Jahr alt war, sehr krank. Er hatte Brechdurchfall, der einfach nicht aufhören wollte. Als sie schließlich mit ihm die Krankenstation aufsuchten, war der Kleine schon gefährlich ausgetrocknet. Eines Morgens nach dem Unterricht bat mich Okama darum, ein Foto von seinem Sohn zu machen. Ich spürte, dass er Angst um das Leben seines Kindes hatte. Während ich noch mit der anderen Klasse Unterricht hatte, kamen Okama und Florinda mit ihren Kindern zu uns nach Hause. Martha war mitten im Kochstress und dachte: „Oh, nein, nicht jetzt, kein Besuch bitte!“ Martha sah, dass sie bedrückt aussahen und fragte sie nach ihrem Anliegen. Okama wollte, dass sie Fotos von seinem Sohn machte. Dann, plötzlich kamen ihm die Tränen und bestürzt sah Martha, wie auch Florinda die Tränen über die Wangen liefen. Martha fragte sich, was hier los sei. Okama presste hervor: „Das Kind wird sicher sterben.“ – Er wollte wenigstens noch ein Erinnerungsfoto von ihm haben. Betroffen stand Martha da und fühlte sich hilflos gegenüber dieser Angst der Eltern. Auf ihre Fragen hin bestätigte Okama, dass sie bereits bei der Krankenschwester gewesen wären. Diese sagte zwar, dass der Kleine wieder gesund werden würde, aber er konnte dies nicht glauben. Insgeheim fragte sich Martha, ob sie schon andere Kinder verloren hatten – und später erfuhren wir, dass tatsächlich schon zwei Kinder wegen Durchfall gestorben waren.“ Aus: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. S. 42f.
Ich finde es immer wieder krass zu sehen, wie ungleich die Dinge in dieser Welt verteilt sind. Während an manchen Orten im Übermaß Geld verdient und in immer exzessivere Luxusobjekte gesteckt wird, haben Menschen an anderen Orten nicht einmal das Nötigste zum Leben oder so schlechte Lebensbedingungen, dass es einem schon vom Hinschauen schlecht wird! – Dabei könnte oft mit einem relativ geringen Einsatz an finanziellen Mitteln Abhilfe geschaffen, und die Lebensbedingungen der Menschen in einem ganz entscheidenden Bereich verbessert werden – wie z.B. durch die Arbeit von Living Water.

Hier nun der Film – mit englischen Untertiteln:

http://www.youtube-nocookie.com/v/Nsw5ssR8pic?fs=1&hl=de_DE