Monatsarchiv: März 2011

Zweite Kundgebung für den Erhalt des Schramberger Krankenhauses

Heute fand die zweite Kundgebung der Bürgerinitiative „Pro Region Schramberg“ statt, um für den Erhalt des Krankenhauses in Schramberg zu demonstrieren.

Dr. med. Jürgen Winter machte in seiner Ansprache auf die Auswirkungen der Krankenhausschließung auf die ärztliche Versorgung in der Raumschaft aufmerksam. Das Durchschnittsalter der derzeit in der Region niedergelassenen Hausärzte beträgt 55 Jahre. Etwa die Hälfte davon wird in den kommenden fünf Jahren in den Ruhestand gehen. Gerade im ländlichen Raum wird es immer schwieriger Nachfolger für Hausarzt-Praxen zu finden. Ein Krankenhaus in der Raumschaft spielt auch in diesem Zusammenhang eine wichtige Funktion, denn es ist einerseits eine Möglichkeit um Hausärzte für die Region zu rekrutieren (mehrere Hausärzte in der Raumschaft arbeiteten zuvor im Krankenhaus), andererseits ist es für viele Ärzte ein wichtiges Entscheidungskriterium, sich in einer Gegend niederzulassen. Durch die Schließung des Krankenhauses in Schramberg würde sich auch die hausärztliche Versorgung von rund 40.000 Patienten innerhalb der nächsten 5 Jahre dramatisch verschlechtern. Die verbleibenden Ärzte müßten sich nicht nur um mehr Patienten kümmern, sondern auch viele Notfälle versorgen, um die sich bisher die chirurgische Ambulanz des Krankenhauses kümmert. – Mit entsprechenden Konsequenzen, sowohl für die verbleibenden Ärzte als auch die Patienten.
Des weiteren wurde auf der Kundgebung über die Situation der Geburtshilfestation im Schramberger Krankenhaus berichtet. Diese ist über die Raumschaft hinaus beliebt, weil dort viel Wert auf eine menschliche und liebevolle Atmosphäre gelegt wird. Erst vor einer Woche wurden dort 9 Kinder innerhalb von 24 Stunden geboren.
Ansprache von Michael Melvin

Michael Melvin, einer der Hauptinitiatoren und Sprecher der Bürgerinitiative, berichtete über die bisher unternommenen Schritte zum Erhalt des Krankenhauses. Unter anderem wurden auch persönliche Gespräche mit dem Regierungspräsidium Freiburg und dem Sozialministerium Baden-Württemberg gefordert. In einer sehr engagierten Rede forderte er zum Dranbleiben auf. Falls notwendig wolle man auch in Rottweil und Stuttgart demonstrieren. Der Landtagsabgeordne Dieter Kleinmann, der in seiner Funktion als Kreisrat ebenfalls für die Schließung und Vernichtung von 350 Arbeitsplätzen gestimmt hatte, bekam inzwischen entsprechendes politisches Feedback – insbesondere aus der Raumschaft Schramberg. Bei den gestrigen Landtagswahlen verlor er 8,2% seiner bisherigen Stimmen – und damit auch sein Mandat.

Während der Kundgebung wurde nochmals auf Presseberichte über den Klinikbetreiber Helios hingewiesen, der den Zuschlag für die Übernahme der Krankenhäuser Rottweil und Schramberg erhalten hatte. Die Referenzen sind alles andere als positiv. Man darf wirklich gespannt sein, wie erfreut die Rottweiler Bürger über den neuen Betreiber ihres Krankenhauses sein werden. Hier eine kleine Presseschau über Helios:

Hier noch ein zwei Beiträge, die an der Schramberger “Klagemauer“ zu finden sind:

Der Landkreis Rottweil eingeteilt in Rettungszonen:
(Hier nochmals der Text unter der Landkarte)
Grün: Rettungszone 1
Gelb: Rettungszone 2
Orange: Rettungszone 3
Pink: Rettungszone 4 oder auch Todeszone!
Wenigstens dürfen wir noch eigene Friedhöfe haben…

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Mehr als 50 Indianerdörfer am Ucayali von starken Überschwemmungen betroffen

Vergangene Woche berichtete ich davon, dass die Regenzeit im Amazonasgebiet dieses Jahr besonders stark ist. Allein am Ucayali-Fluss sind mehr als 50 Indianerdörfer von den schweren Überschwemmungen betroffen. Es wurden viele Pflanzungen und Häuser zerstört, der Bevölkerung drohen Hunger sowie Erkrankungen wie Dengue-Fieber und Cholera. Auf Youtube wurde inzwischen ein Video veröffentlicht, das einen Eindruck in die schwierige Situation vieler Menschen gibt, die zur ärmsten Bevölkerungsschicht Perus gehört.

Pro Region Schramberg (2)

Inzwischen wurde auf Youtube auch ein Mitschnitt der gestrigen Kundgebung auf dem Rathausplatz in Schramberg veröffentlicht. Es handelt sich insgesamt um 4 Filme, ist aber nicht ganz vollständig, da wohl der Akku schlapp gemacht hat…- Stelle hier mal den ersten Teil zum Ansehen rein, die folgenden Teile sollten dann nach dem Abspielen erscheinen bzw. können über die Youtube-Seite weiter angeschaut werden.
Laut Medienberichten nahmen an der Kundgebung etwa 4.000 – 5.000 Peronen teil. – Es ist uns eben nicht gleichgültig, dass unser Krankenhaus einfach so geschlossen werden soll. Bei Facebook gibt´s inzwischen auch eine Seite „Wir wollen das Schramberger Krankenhaus zurück
Interessant ist übrigens auch die Seite von Karl Langenbach mit Infos, Presseausschnitten etc. zum Thema.

Krankenhausfreie Zone? – Pro Region Schramberg!

Als wir 2002 auf Heimataufenthalt in Deutschland waren meinte mein Hausarzt, Deutschland wäre auf dem Weg zum Entwicklungsland. Ich wollte ihm damals nicht so recht glauben. Seit 2006 wohnen wir wieder im Ländle – und ich verstehe immer besser, was er meint. Ich fürchte, er könnte Recht haben…
Es ist zum Heulen…

Neuster Akt: Kürzlich beschloss der Rottweiler Kreistag die Kliniken im Landkreis an den Helios-Konzern zu verkaufen. Einen Konzern, der keinen Hehl daraus machte im Falle eines Zuschlags das Krankenhaus in Schramberg zu schließen und rund 350 Arbeitsplätze zu vernichten. Das absolut Unverständliche an dieser Entscheidung ist, dass es noch einen weiteren Bieter mit einem anderen Konzept gab. Der andere Bieter, der Konzern Ameos, hätte das Schramberger Krankenhaus zusammen mit Rottweil weiter betrieben und die Arbeitsplätze erhalten. – Leider kann keiner der Kreisräte, die für Helios gestimmt haben, verständlich begründen, warum diese Variante besser sein soll. Einer davon meinte sogar, dass ihn die 350 Arbeitsplätze nicht interessieren würden… 😦

Bei uns in der Region Schramberg hat diese Entscheidung des Kreistags ziemliches Entsetzen ausgelöst. Auch bei mir! – Das derzeitige Krankenhausgebäude wurde 1965 in Betrieb genommen, 1966 gehörte ich zur ersten Generation von Kindern, die dort geboren wurden. Zwei meiner Kids kamen dort ebenfalls zur Welt und meine beiden Omas sind dort verstorben. Meine Schwester hat dort ihre Ausbildung als Krankenschwester absolviert und ist seither dort tätig. Und nun soll das Krankenhaus einfach stillgelegt und eine Bauruine zurückgelassen werden? – Doch mein Entsetzen hat nicht nur nostalgische Gründe:
Unsere Raumschaft liegt am westlichen Rand des Landkreises Rottweil und grenzt an die Landkreise Villingen-Schwenningen und Offenburg an. Sie liegt am Rande des mittleren Schwarzwaldes in einer schönen aber topografisch schwierigen Lage. Die nächstgelegenen Krankenhäuser sind ca. eine halbe Autostunde entfernt – im Winter dauert die Fahrt u.U. wesentlich länger. Für uns als Bevölkerung (ca,.35.000 Menschen in der Region) würde das aber nicht nur eine längere Fahrtzeit bedeuten, sondern eine generelle Verschlechterung der medizinischen Versorgung – insbesondere im Notfall. Es gibt zwar einen Notarzt-Standort in Schramberg, aber bei Notfällen wäre nicht nur ein weiterer Weg in die Klinik (mit entsprechenden Risiken für den Patienten) zurückzulegen, sondern auch die Einsatzzeit des Dienst habenden Arztes würde sich wesentlich verlängern. Tritt zur selben Zeit ein weiterer Notfall auf, müsste diesen ein Notarzt aus dem Nachbarbezirk –, sofern er nicht selbst gerade einen Einsatz hat – mit längerer Anfahrtszeit übernehmen. Dabei besteht die Gefahr, dass Menschenleben zu Schaden kommen. Eine Gefahr, die durch die getroffene Entscheidung bewusst in Kauf genommen wird! Es ist schon traurig, dass inzwischen wirtschaftliche Gründe und Gewinnmaximierung unsere Gesellschaft und auch das Gesundheitswesen derart dominieren – und dabei Menschen und die Menschlichkeit immer mehr auf der Strecke bleiben. Wenn es im Fall des Schramberger Krankenhauses keine Alternative gegeben hätte, dann wäre das ja noch einigermaßen verständlich – wie eine bittere Pille, die man halt eben schlucken muss. Nur, in diesem Fall gab es eine ganz klare Alternative, die das Krankenhaus und die Arbeitsplätze erhalten hätte!

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative „Pro Region Schramberg“ gebildet, die sich für den Erhalt des Mittelbereichs Schramberg – und insbesondere für den Erhalt des Krankenhauses einsetzt. Heute fand eine erste Kundgebung der Bürgerinitiative auf dem Rathausplatz in Schramberg statt, an der viele Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Schramberg und Umgebung (selbstverständlich auch aus Hardt!) teilnahmen.

Kundgebung der Bürgerinitiative „Region Pro Schramberg“ am 14. März

Wer der Bürgerinitiative beitreten möchte, findet im Internet eine Betrittskarte, die er ausfüllen und einsenden kann. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Regierungspräsidium Freiburg und/oder das Landgericht Stuttgart (wo Ameos inzwischen Klage eingereicht hat), die Entscheidung des Kreistages kippen. Gerade auch angesichts der älter werdenden Bevölkerung in der Region und des dadurch steigenden Bedarfs an Krankenhausplätzen in den kommenden Jahrzehnten wäre dies dringend geboten. – Es sei denn, man möchte die Leute durch eine schlechtere medizinische Versorgung schneller ins Jenseits befördern… – ganz im Sinne der „Wirtschaftlichkeit“, um weitere Kosten im Gesundheits- und Pflegebereich zu sparen.

Nachrichten aus dem peruanischen Urwald

In den letzten Tagen erreichten mich so allerlei Nachrichten aus dem peruanischen Urwald, teils per E-Mail, teils übers Internet.

Im Moment ist ja Regenzeit im Amazonasgebiet. Ich hatte schon davon gehört, dass die Regenfälle dieses Jahr recht stark sind. Kürzlich schrieb mir Jeiser Suarez, ein Shipibo-Indianer, dass sie derzeit die stärkste Regenzeit der letzten 40 Jahre erleben (siehe auch den Artikel auf GlobalVoices – der Regen, der in der Region Cuzco / Machu Picchu herunter kommt, fließt in den Urubamba, der später in den Ucayli und dann in den Amazonas übergeht). Die Überschwemmungen betreffen viele Dörfer und Gehöfte. Da auch viele Pflanzungen überschwemmt werden drohen Nahrungsmittelknappheit und Erkrankungen. Viele Shipibos kommen derzeit nach Pucallpa, um dort Zuflucht zu finden. Zusammen mit Freunden versucht Jeiser betroffenen Familien und Dörfern zu helfen.

Von Jairo Sangama, einem Quechua-Indianer aus San Martín, der auch zum FAIENAP-Vorstand gehört, erhielt ich die Projektbeschreibung für einen christlichen Radiosender. Bereits seit einiger Zeit hat seine Gemeinde täglich eine zweistündige Sendung in einem lokalen Radiosender. Als Gemeinde haben sie bereits seit Jahren die Vision, eine christliche Radiostation in Chazuta aufzubauen und Sendungen in mehreren Indianersprachen auszustrahlen.

Jairo Sangama
Gelände für die Radiostation in Chazuta

Bezüglich der Technik erhalten sie Unterstützung von Radio HCJB (Ecuador) und SIL (Sommerinstitut für Linguistik). Das geplante Budget für den Aufbau der Radiostation beträgt rund 180.000 US-$; das Gelände wo die Station entstehen soll habe ich vergangenes Jahr bei einem Besuch in Chazuta gesehen. Die derzeit größte Herausforderung besteht wohl darin, die nötigen staatlichen Genehmigungen zu erhalten; der Papierkrieg in Peru ist leider nicht immer einfach. Falls jemand den Aufbau dieser Radiostation finanziell unterstützen möchte, dann möge er sich bitte bei mir melden. 🙂

Eine Mitarbeiterin von FAIENAP hat mich heute auf einen Artikel bei Servindi aufmerksam gemacht. Die Achuar-Indianer präsentieren in diesem Monat dem peruanischen Parlament einen Gesetzesvorlage, in der sie die Anerkennung ihres Territoriums beantragen. Ihre Forderung basiert auf der peruanischen Verfassung, die ILO-Konvention 169 sowie die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker.
Zum Internationalen Tag der Frau gab es auf der Seite von Servindi übrigens einen interessanten Videoclip über Teresita Antazú, eine Yanesha-Indianerin. Teresita Antazú war bereits seit ihrer Jugend politisch interessiert und aktiv, was zu damaliger Zeit recht außergewöhnlich war. Sie errang sich als erste Frau Zugang zu Leitungsgremien, u.a. bei der Indianerorganisation AIDESEP. Sie kandidiert bei den anstehenden Wahlen zum peruanischen Parlament und ist vielleicht sogar die erste Abgeordnete aus dem Stamm der Yanesha. In dem Videoclip erzählt sie aus ihrem Leben. Auch hier kommen die Spannungen zum Ausdruck, die derzeit zwischen der Regierung und Indianern bezüglich ihrer Rechte und der Anerkennung ihrer Territorien bestehen.


video teresita antazu100 – internet from servindi on Vimeo.