Eindrücke einer Reise

Meine diesjährige Perureise geht ihrem Ende entgegen und wie immer sind die Eindrücke vielfältig. Während der letzten vier Wochen hatte ich sehr viele Begegnungen und Gespräche mit Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen – viele Informationen und Eindrücke zu vielerlei Themen. Und wie jedes Jahr gibt es auch manche äußerliche Veränderungen,  die ins Auge stechen, so z.B. ganze Straßenzüge mit neuen, modernen Ampeln in Pucallpa. Auch in dieser Urwaldstadt nimmt der Fortschritt von Jahr zu Jahr zu. Es sei sogar ein großer Supermarkt dort geplant, allerdings wäre das Stromnetz dafür noch nicht stabil genug. Auch die Handyrate hat weiter zugenommen, allerdings mit der Konsequenz, dass das Netz oft überlastet ist…
Die stärksten Eindrücke hat meine Reise in ein Dorf der Caquinte-Indianer hinterlassen, das ich zuletzt im Jahr 2005 besucht habe. Im vorherigen Blog-Artikel habe ich bereits ein bisschen davon berichtet. Bei diesem Besuch waren ja ganz dramatische äußerliche Veränderungen zu beobachten, angefangen bei den neuen Häusern, Stromgeneratoren und Rasenmähern bis hin zu den Lerncomputern (Laptops) in der Dorfschule. Hörte man während meines Besuchs vor 7 Jahren ein oder zweimal pro Woche das Geräusch eines Flugzeugs, dann war das viel; nun hört man täglich mehrfach wie Flugzeuge und Helikopter hin und her fliegen. Langfristig wird die Präsenz der Ölgesellschaft in der Gegend gravierende Auswirkungen auf das Leben haben: Die Wildbestände werden abnehmen bzw. das Wild wird sich in ruhigere Gebiete zurückziehen, die Fischbestände werden ebenfalls abnehmen, und mit dem Bau von Strassen werden Siedler auch in diesen Teil des Urwaldes vordringen und die Abholzung des Urwaldes wird ebenfalls zunehmen. Die große Frage die bleibt ist, wie es die Menschen schaffen werden, diese Veränderungen innerlich zu verarbeiten und sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen ohne irgendwie auf der Strecke zu bleiben.
Interessant war wieder einmal der Besuch bei meinem Patenkind in Lima. Vor eineinhalb Jahren ist die Familie in ein relativ neues Wohngebiet am Stadtrand umgezogen. Kurz nach dem Umzug wurden sie ans Stromnetz angeschlossen, seit Anfang des Jahres haben sie auch fließendes Wasser und Anschluss ans Abwassersystem. Vom Haus steht bisher nur der erste Stock, der eigentlich den Großeltern gehört, die unter der Woche in einem anderen Stadtteil ihr Geschäft betreiben. Im 2. Stock (derzeit das Dach) will die Familie Stück für Stück ihre eigene Wohnung bauen. Obwohl die Wohnfläche – verglichen mit der vorigen Wohnung großzügig bemessen ist, schläft die ganze Familie (Eltern, 2 Kinder) im selben Raum. Der große Fernseher (Flachbildschirm) im Wohnzimmer / Küche sendet eine fast paradoxe Botschaft – verglichen mit den Lebensverhältnissen der Familie (und ganz selbstverständlich haben beide Elternteile je ein Handy)… Durch den Umzug hat sich der Schulweg meines Patenkindes erheblich verlängert; i.d.R. verlässt es morgens gegen 6.00h das Haus und kehrt gegen 17.00 – 18.00h zurück. Dann stehen noch Hausaufgaben an… Der Vater arbeitet 12 Stunden täglich als Wächter in einem Haus in einem entfernten Stadtviertel (seit diesem Jahr offiziell auch mit Sozialversicherung), dazu kommt der Weg zur Arbeit und zurück mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Fahrtzeit beträgt jeweils etwa eineinhalb Stunden.Viel „Freizeit“ bleibt da nicht…

:-)

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s