Pfingsten

Pfingsten gehörte früher für mich zu den kirchlichen Festen, mit denen ich wenig anfangen konnte. Ich wusste zwar, dass es irgendwie mit dem Kommen des Heiligen Geistes zu tun hatte. Aber im Vergleich zu Weihnachten oder Ostern war Pfingsten nach meinem Empfinden irgendwie ungreifbar und in gewissem Maße suspekt.

Inzwischen kann ich mit Pfingsten wesentlich mehr anfangen. Zumindest ist das, was der Heilige Geist damals am Pfingstfest, nach Jesu Tod, Auferstehung und Himmelfahrt, getan hat, wesentlich konkreter für mich geworden. Ich möchte hier nur zwei Punkte davon nennen:

1) Pfingsten ist der Geburtstag der Gemeinde

 An Pfingsten hat der Heilige Geist aus den Nachfolgern Jesu das neutestamentliche Gottesvolk, die Gemeinde Jesu Christi, gebildet. Am Anfang bestand die Gemeinde nur aus Juden-Christen, d.h. aus Juden, die an Jesus als den Messias glaubten. Doch bald breitete sich die Botschaft des Evangeliums auch unter Nichtjuden (Nationen, Heiden) aus, und aus der Gemeinde wurde immer mehr eine internationale und interkulturelle Gemeinschaft, der Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen, Rassen, Stämmen und Sprachen angehören.

2) Pfingsten ist der Auftakt zur Weltmission

Nach seiner Auferstehung befahl Jesus seinen Jüngern „sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten – die ihr, sagte er, von mir gehört habt; denn Johannes taufte mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden nach diesen wenigen Tagen.“ (Apg 1,4-5). Und Jesus verhieß ihnen: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“ (Apg 1,8).

An Pfingsten erfüllte sich diese Verheißung. Durch die Sendung des Heiligen Geistes gab Gott quasi den „Startschuss“ zur Weltmission. Gleich an Pfingsten kam es zu einem enormen Wachstum der Gemeinde, als Menschen aus allen Regionen der damals bekannten Welt die Botschaft von Jesus hörten und zum Glauben kamen (Apg.2). Im weiteren Bericht der Apostelgeschichte lesen wir, wie sich das Evangelium seit Pfingsten immer weiter in der Welt ausbreitete – und das tut es noch heute.

 Anfang des 19. Jahrhunderts schrieb Philipp Spitta das Pfingstlied „O komm, du Geist der Wahrheit“ (Nr. 136 im Evangelischen Gesangbuch). Dieses Lied bringt zum Ausdruck, was der Heilige Geist in den Gläubigen wirken will und warum wir Ihn so dringend brauchen:

 1. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, daß jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

 2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt: komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

 3. Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je; darum mußt du uns rüsten mit Waffen aus der Höh. Du mußt uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu und mußt uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

 4. Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.

 5. In aller Heiden Lande erschallt dein kräftig Wort, sie werfen Satans Bande und ihre Götzen fort; von allen Seiten kommen sie in das Reich herein; ach soll es uns genommen, für uns verschlossen sein?

 6. O wahrlich, wir verdienen solch strenges Strafgericht; uns ist das Licht erschienen, allein wir glauben nicht. Ach lasset uns gebeugter um Gottes Gnade flehn, daß er bei uns den Leuchter des Wortes lasse stehn.

 7. Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern; mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn. O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, daß wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Text: Philipp Spitta (1827) 1833

:-)

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