Monatsarchiv: Juli 2013

Video über die Caquinte-Indianer

Caquinte-Indianer Peru klIn der Vergangenheit habe ich immer wieder auf die Caquinte-Indianer in Peru hingewiesen, so z.B. im letzten Artikel „Die Caquinte-Indianer und die Erdölgesellschaft“.

Gestern erhielt ich von einer früheren peruanischen Kollegin den Hinweis, dass kürzlich ein Video über die Caquinte veröffentlicht wurde. Obwohl´s schon etwas später war, musste ich mir den einstündigen Film natürlich sofort ansehen :-). Die Filmaufnahmen wurden im Dorf Tsoroja gedreht; dieses Dorf kenne ich recht gut, denn ich habe auf mehreren Reisen zwischen 2000 und 2005 dort insgesamt rund zweieinhalb Monate verbracht. So hat es mich dann auch sehr gefreut, viele bekannte Gesichter in dem Film zu sehen. Kein Grund zur Freude sind allerdings verschiedene Entwicklungen dort im Dorf und auch insgesamt innerhalb der Ethnie. Bei meiner Reise im vergangenen Jahr in das Caquinte-Dorf Quitepampani habe ich persönlich einen näheren Einblick in die Herausforderungen und die damit verbundenen Nöte erhalten. Diese kommen auch sehr gut in der auf Youtube veröffentlichten Dokumentation zum Ausdruck. Die Herausforderungen betreffen verschiedene Aspekte wie die Anerkennung der Caquinte als eigene Ethnie, das Bildungswesen und die Bildungschancen, die medizinische Versorgung, der Schutz ihrer Lebensgrundlage (Wasser, Wildbestände etc.) sowie die Präsenz einer Ölgesellschaft in ihrem Territorium.

Der Film „El Pueblo Indígena Kakinte (Caquinte)“ kann hier auf Youtube angesehen werden (Spanisch). Was mir sehr daran gefällt ist, dass die Caquinte darin selbst sehr ausführlich zu Wort kommen.

In mehreren Kapiteln meines Buchs „Begegnungen in Peru“ geht´s übrigens auch um die Caquinte-Indianer (und verschiedene Leute, die in o.g. Video interviewt werden). In der 3. aktualisierten und erweiterten Auflage habe ich auch ein weiteres Kapitel hinzugefügt, in dem ich von meinen Besuchen in das Caquinte-Dorf „Quitepampani“ in den Jahren 2005 und 2012 berichte.

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Kumbarikira

Bin heute auf einen schönen Videoclip gestoßen, der auf Youtube veröffentlicht wurde. Darin singen Jugendliche aus der Stammesgruppe der Kukama-Kukamiria (Peru) sowohl in Spanisch als auch in ihrer Stammessprache. In diesem Video geht es um die Stärkung der eigenen sprachlichen und kulturellen Identität dieser Ethnie. Mir gefällt die Art und Weise, wie die Jugendlichen darin die Freude an ihrer eigenen Sprache – Kukama – zum Ausdruck bringen. Interessant ist, wie sie dabei gleichzeitig modern und traditionell sind. Das deckt sich mit den Beobachtungen, die ich in Bezug auf die indigene Bevölkerung in Peru in den vergangenen Jahren gemacht habe.
In der erweiterten Neuauflage meines Buches „Begegnungen in Peru“ gehe ich in einem neu hinzugefügten Kapitel auf weitere Entwicklungen seit 2007 ein. Die aktuelle Entwicklung der ethnischen Gruppen in Peru bewegt sich derzeit zwischen den beiden Extremen „Isolation“ und „Assimilation“.

„Zwischen diesen beiden Extremen, der „Isolation“ und der „Assimilation“, gibt es einen dritten Weg, den viele Gruppen beschreiten. Es ist quasi eine Art „Mittelweg“. Einerseits sind sie für die Möglichkeiten der „modernen Welt“ offen und möchten am Fortschritt teilhaben. Gleichzeitig besinnen sie sich aber auf ihre eigene kulturelle Identität als eigenständige Ethnie. D.h., die Angehörigen dieser Gruppen gewinnen einerseits ein neues Selbstbewusstsein und bekennen sich zu ihrem indigenen Hintergrund. Gleichzeitig gehen sie in die Offensive und fordern die Anerkennung und den Respekt der übrigen Gesellschaft in Peru – und ein Ende von Diskriminierungen und Benachteiligungen.“ (Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Norderstedt: Books on Demand, 3. Aufl. 2013, S.107)

Hier nun der Videoclip auf Youtube, viel Spaß beim Anschauen!

http://youtu.be/GlS_LaWRbZk

Geheiligt werde dein Name…

Seit Erscheinen der EKD-Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ wurden viele Artikel zu diesem Papier veröffentlicht. Ich will hier nicht näher in dieses Thema einsteigen (stattdessen verweise ich auf die theologische Stellungnahme von Professor Dr. Reinhard Slenczka dazu), sondern auf Marthin Luthers „Kleinen Katechismus“ hinweisen. In seinen Ausführungen zum „Vater unser“ schreibt er zur Bitte „Geheiligt werde dein Name“ Folgendes:

„Wie geschieht das?

Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben. Dazu hilf uns, lieber Vater im Himmel! Wer aber anders lehrt und lebt, als das Wort Gottes lehrt, der entheiligt unter uns den Namen Gottes. Davor behüte uns, himmlischer Vater!“

Luthers „Kleiner Katechismus“ wurde übrigens auch auf der Internetseite der EKD veröffentlicht… 😉

Ehrfucht

Beim Weiterlesen von Calvins „Institutio„, bin ich auf einen interessanten Abschnitt zum Thema „Ehrfucht“ gestoßen – Ehre & Fucht:

Weiter: die Furcht des Herrn, die immer wieder als allen Gläubigen eigen bezeugt wird, die als „der Weisheit Anfang“, ja als die Weisheit selber gilt (Ps. 111,10; Spr. 1,7; 15,31; Hiob 28,28), ist zwar stets eine und dieselbe, aber sie entspringt doch einem doppelten Empfinden. Gott beansprucht nämlich die Ehrfurcht, die ihm als Vater gebührt, und die, welche ihm als dem Herrn zukommt. Wer ihn recht verehren will, der wird sich ihm als ein folgsamer Sohn und als ein gehorsamer Knecht zu erweisen trachten. Den Gehorsam, der ihm als dem Vater zukommt, nennt der Herr durch den Mund des Propheten „Ehre“, den Gehorsam, der ihm als dem Herrn erwiesen wird, nennt er „Furcht“. „Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich?“ (Mal. 1,6). Hier unterscheidet er „Ehre“ und „Furcht“ – aber zugleich bringt er beide zusammen, indem er am Anfang beide unter der Forderung zusammenfaßt, ihn zu „ehren“. Die Furcht des Herrn soll also für uns Ehrerbietung sein, die aus solcher Ehre und Furcht zusammengefügt ist. Es ist auch nicht verwunderlich, wenn ein und dasselbe Herz beide Regungen in sich empfängt. Denn wer bei sich selbst erwägt, was für ein Vater Gott gegen uns ist, der hat ausreichend Grund, eine Kränkung dieses Gottes schlimmer zu verabscheuen als den Tod, auch wenn es keine Hölle gäbe! Aber der Leichtsinn unseres Fleisches, der sich so gern der Sünde hingibt, ist so groß, daß wir, um ihn immerzu am Zügel zu halten, auch noch den anderen Gedanken gründlich festhalten müssen: dem Herrn, unter dessen Gewalt wir stehen, ist alle Ungerechtigkeit ein Greuel, und wer durch ein Lasterleben seinen Zorn über sich hervorruft, der wird seiner Vergeltung nicht entgehen! (III, 2,26)

Am 9. Juli erschien übrigens auf dem Blog von „The Gospel Coalition“ anläßlich des 504. Geburtstages von Johannes Calvin ein Artikel mit dem Titel „9 Things You Should Know about John Calvin„.

Calvin über Glaube und Erkenntnis

Im dritten Buch, Kapitel 2 der Institutio schreibt Calvin „Vom Glauben, seinem Wesen und seinen Eigenschaften“. Darin beklagt er die Verkehrung des Glaubensbegriffs. In seinen weiteren Ausführungen macht er dann auf die wichtige Beziehung zwischen Glaube und Erkenntnis aufmerksam:

„Dieses Übel (nämlich die Verkehrung des Glaubensbegriffs) haben wir, wie unendlich vieles andere, billig den Scholastikern zu verdanken. Sie haben vor Christus sozusagen einen Vorhang gezogen und ihn so verdeckt. Schauen wir aber nicht stracks auf ihn, so müssen wir ja immerzu auf allerlei Irrwegen hin- und herlaufen. Abgesehen aber davon, daß sie mit ihrer finsteren Beschreibung vom Wesen des Glaubens dessen ganze Kraft schwächen, ja zunichte machen, haben sie sich auch das Gerede von dem „eingewickelten“ Glauben (fides implicita) ersonnen. Mit diesem Namen zieren sie die gröbste Unwissenheit und täuschen so das arme Volk auf die verderblichste Weise. Ja, dieses Gerede – ich will richtiger und offener aussprechen, um was es sich handelt! – begräbt nicht allein den wahren Glauben, sondern zerstört ihn von Grund auf. Heißt das denn noch glauben, wenn man keinerlei Erkenntnis hat und seinen Sinn bloß gehorsam der Kirche unterwirft? Nein, der Glaube ruht nicht auf Unwissenheit, sondern auf Erkenntnis; und zwar handelt es sich dabei nicht bloß um die Erkenntnis Gottes, sondern auch um die des göttlichen Willens. Wir erlangen nämlich das Heil nicht dadurch, daß wir bereit sind, alles, was die Kirche uns zu glauben vorschreibt, als wahr anzunehmen, oder ihr die Aufgabe zuschieben, zu forschen und kennenzulernen, sondern nur dann, wenn wir erkennen, daß Gott um der Versöhnung willen, die durch Christus geschehen ist, unser gnädiger Vater ist, und daß Christus uns zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zum Leben gegeben ist. Durch diese Erkenntnis, sage ich, und nicht durch Unterwerfung unseres Sinnes, erlangen wir den Zutritt zum Himmelreich. Denn wenn der Apostel sagt: „Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig“ (Röm. 10,10), so zeigt er damit deutlich: es ist nicht genug, wenn einer im Sinne des „eingewickelten“ Glaubens glaubt, was er gar nicht versteht und was er auch nicht untersucht; nein, er fordert eine „entwickelte“ (explicita) Erkenntnis der göttlichen Güte, auf der unsere Gerechtigkeit ruht.“ (III 2,2)

Heute ist es üblich zu sagen: „Hauptsache man glaubt (an irgendetwas)!“ Oder: „Glauben heißt nicht wissen!“ – Beide Aussagen sind im Lichte der Bibel falsch. Es kommt darauf an, an den wahrhaftigen Gott zu glauben (Joh 17,3), und zwar mit rechter Erkenntnis (Röm 10,2-3). Denn:

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebr. 11,1).

Der Grund, warum wir diese feste Zuversicht haben können ist, dass Gott selbst sich geoffenbart hat – in Jesus Christus:

Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe.“ (Hebr. 1,1-3)

Zwingli und die Abendmahls-Lehre

Letztens bin ich im Internet auf das Manuskript eines Vortrags von Dr. theol. A. Zahn gestoßen. Der Titel lautet „Zwinglis Verdienste um die biblische Abendmahlslehre„.

Zahn geht darin auch auf den Streit mit Luther über die Abendmahls-Lehre ein. Die folgenden Aussagen aus seiem Vortrag sind mir besonders ins Auge gesprungen:

„Schön schreibt Oekolampad: Gott hat uns an dir Luther zu erkennen gegeben, daß auch du wie ein Mensch fehlen und fallen magst. Das soll ein jämmerliches Wesen sein und Himmel und Erde zusammenbrechen, daß man ihm sagt, er möge auch als ein Mensch irren; und so stürzt man damit den ganzen Glauben. Ach, nicht also, mein Bruder, wir sollen uns nicht einbilden, daß der heilige Geist gebunden sei an Jerusalem, Rom, Wittenberg oder Basel, an deine oder eine andere Person. In Christo allein ist die Fülle der Gnade und Wahrheit.“

Und:

„Wie gern hätten wir Luther unfehlbar! O wäre er es doch! Liest man sein gewaltiges großes Bekenntnis vom Abendmahl – diese volkstümliche Beredsamkeit, diese Alles niederwerfende Gewalt der Sprache und Empfindung, diese Unermüdlichkeit der Gründe, diese furchtbaren Verwünschungen der Gegner, diese heiligen Beteuerungen, daß seine Lehre die Wahrheit sei – zuletzt die machtvolle Zusammenfassung seiner Glaubenssätze – tief erschüttert von alledem wünscht man heiß: er möchte auch in dem verteidigten Punkte die Wahrheit vertreten – – und doch er hat geirrt in seinem frömmsten Eifer. Er ist ein Mensch in aller Glut seiner Rede.“

Der vollständige Vortrag steht im Internet zum Download bereit unter:

http://www.licht-und-recht.de/Zahn/Zwinglis_Verdienste_um_die_biblische_Abendmahlslehre.pdf

 

 

Literatur zum Thema Mission

In der Rubrik „Jesus in my life“ –>“Mission“ habe ich heute eine neue Seite hinzugefügt: „Literatur zum Thema Mission„.

Zum Thema „Mission“ gibt es natürlich eine ganze Fülle von Literatur. An dieser Stelle möchte ich auf Bücher, Schriften und Dokumente hinweisen, die sich grundlegend mit der Thematik beschäftigen. Manches davon ist auch zum Download im Internet erhältlich.

Insbesondere Hinweisen möchte ich auf den „Tübinger Pfingstaufruf zur Erneuerung des biblisch-heilsgeschichtlichen Missionsverständnisses (2013)“.