Monatsarchiv: September 2013

Peru-Reise 2013 – Eindrücke

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Das FAIENAP-Büro – mit neuem Design!

Bei meiner diesjährigen Reise nach Peru hatte ich Gelegenheit, die drei Hauptregionen zu besuchen: den Urwald, das Bergland und die Küste.
Die ersten eineinhalb Wochen verbrachte ich im Urwald, genauer gesagt im FAIENAP-Zentrum in Pucallpa. Der Fixpunkt jeder Peru-Reise ist die Teilnahme an der jährlichen FAIENAP-Konferenz, der Rest der Reise variiert von Jahr zu Jahr. Das besondere an der FAIENAP-Konferenz ist, dass sich dort Leiter der Indianerkirchen aus den unterschiedlichsten Regionen und Ethnien des Urwaldgebiets treffen und über die jeweilige Situation berichten. Das ermöglicht ein relativ schnelles „Update“ und einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen.

Nuevo_Pucallpa

Nuevo Pucallpa

Die Stadt Pucallpa wächst weiter wie verrückt. In alten Reiseführern wird sie noch mit einer „Goldgräberstadt“ verglichen, inzwischen hat sie mehrere hunderttausend Einwohner. Am Kilometer 13,5 wurde im September 2012 im Rahmen einer „Invasion“ Land besetzt (ein recht populärer Weg, um zu einem Grundstück zu kommen…) und kurzerhand eine neue Pucallpa_GrossbaustelleSiedlung errichtet: „Nuevo Pucallpa“.

Inzwischen drängen die großen Supermarktketten aus Lima auch in die Provinz – sogar nach Pucallpa.

Pucallpa - Fußgaengerzone

Neue Fußgängerzone in Pucallpa

Kürzlich wurde dort ein „Maestro“-Baumarkt eröffnet, ein Supermarkt von „Plaza Vea“ wird demnächst fertiggestellt werden und eröffnen, ein „Real Plaza“ und weitere sind im Bau.

Die Grundstückspreise im Zentrum sind regelrecht explodiert – viele bieten ihre Häuser zum Verkauf an, um den Gewinn zu realisieren und sich am Rand der Stadt niederzulassen.

Reloj Público - Pucallpa

Reloj Público – Pucallpa

Positiv sind Bemühungen zur Verschönerung der Innenstadt, insbesondere der Gestaltung einer Fußgängerzone von der „Plaza de Armas“ zur „Reloj Público“.

Weitere eineinhalb Wochen verbrachte ich in Huariaca, einer Kleinstadt auf ca. 3.000m Höhe, an der Carretera Central zwischen Huánuco und Cerro de Pasco.

Huariaca

Huariaca

Um nach Huariaca zu kommen nahm ich zunächst einen Überlandbus von Pucallpa nach Huánuco, danach ein Sammeltaxi von Huánuco nach Huariaca. Ein ehemaliger Kollege (und guter Freund!) der Indianerbibelschule ist dort seit einem knappen Jahr Pastor in einer Gemeindeaufbauarbeit. Er bat mich, ihn bei der Arbeit mit der Gemeinde zu unterstützen und insbesondere eine Vision für Mission zu vermitteln. Aus der Idee einige Vorträge zum Thema zu halten wurde kurzerhand die „1. Missionskonferenz in Huariaca“, zu der auch Mitglieder anderer Gemeinden eingeladen wurden. Während meines Aufenthalts wurde ich von verschiedenen Familien zum Essen eingeladen und durfte die Köstlichkeiten der Bergland-Küche genießen. Da die Leute dort meist draußen („en el campo“) arbeiten, haben sie einen entsprechenden Energiebedarf und die Portionen sind entsprechend groß… – vermutlich habe ich zugenommen :-).
Die (Rück)Reise nach Lima erfolgte im Überlandbus. Ein großer Teil der Strecke führte durch die „Pampa de Junín“, eine Hochebene auf über 4.000m Höhe. Am

Kurz vor dem Ticlio-Paß

Kurz vor dem Ticlio-Paß

Schluß ging es über den Ticlio-Paß (4.835m) und dann hinunter nach Lima. Je mehr wir uns Lima näherten, desto zäher wurde der Verkehr und desto länger dauerte der Rest der Strecke. Da der Taxifahrer, den ich normalerweise kontaktiere, schon Kundschaft hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als an der Busstation ein Taxi für die Fahrt zur Unterkunft zu suchen. Was mich regelmäßig nervt, sind die Versuche der Taxifahrer, „Gringo-Preise“ von mir zu verlangen. In der Regel mache ich sie darauf aufmerksam, dass ich ihr Taxi nicht kaufen will, sondern nur einen Transport von A nach B wünsche… Meist läßt sich dann ein vernünftiger Preis aushandeln. Das gelang auch diesmal, nur aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der langen Zeit, die er zum Ziel brauchte, war der Taxifahrer recht „stinkig“… – Eine völlig andere Haltung hatte der Taxifahrer, den mir das Kinderwerk Lima ein paar Tage später für die Rückfahrt von El Agustino nach Surco besorgte. Nach dem Besuch bei meinem Patenkind wollte ich auf dem Inka-Markt in Miraflores, sowie in der christlichen Buchhandlung „El Inca“ (ebenfalls in Miraflores) noch einige Einkäufe machen, was einen Zwischenstopp von etwas mehr als einer Stunde bedeutete. Der Taxifahrer machte mir einen fairen Preis, den er auch aufrecht erhielt, als ich ihn am Ende der Fahrt nochmals fragte, wieviel ich ihm schuldig sei. Ich hab nun die Karte mit seiner Telefonnummer und er einen neuen Kunden.
SurcoAuch die Stadt Lima ist weiter am Wachsen. Im Stadtteil Surco, wo ich untergebracht bin, fällt mir auf, dass viele der ein- bis zweistöckigen Häuser abgerissen und große Wohnblocks gebaut werden. Da Grundstücke inzwischen teuer, knapp und sehr begehrt sind, wird in die Höhe gebaut. Die Preise für Eigentumswohnungen in manchen Stadtteilen haben sich innerhalb der letzten fünf Jahre fast verdreifacht. Auch die Preise für Lebensmittel und Lebenshaltungskosten sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen, was günstiger wurde sind Technik-Artikel. Viele haben inzwischen ihr Smartphone, ein Tablet oder einen Laptop. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, wie die Leute das hier machen, gerade auch diejenigen, die nicht zu den Großverdienern gehören, aber irgendwie scheint es zu funktionieren… Peru ist ein schönes, aber auch geheimnisvolles Land – in Vielem…

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