Monatsarchiv: November 2013

Rechtfertigung allein durch Christus

In Kapitel 11 des 3.Buches von Calvins Institutio geht es um die Rechtfertigungslehre. In seinen Ausführungen macht er deutlich, dass die Rechtfertigung allein aus Glauben geschieht. Im weiteren Verlauf erklärt Calvin, dass unsere Rechtfertigung allein durch Christus geschieht, indem dem Gläubigen Christi Gerechtigkeit zugerechnet wird:

„Daraus ergibt sich auch, daß wir allein durch das Eintreten der Gerechtigkeit Christi für uns dahin gelangen, vor Gott gerechtfertigt zu werden. Das bedeutet soviel, als wenn wir sagten: der Mensch ist nicht in sich selbst gerecht, sondern nur deshalb, weil ihm Christi Gerechtigkeit durch Zurechnung mitgeteilt wird. Das ist wert, von uns sehr genau beachtet zu werden. Denn damit zerfällt der Wahn, als ob der Glaube den Menschen deshalb rechtfertige, weil dieser durch den Glauben am Geiste Gottes teilhabe, durch den er (tatsächlich) gerecht gemacht würde; diese Ansicht steht zu der oben entwickelten Lehre in einem schlechthin unversöhnlichen Gegensatz. Denn der Mensch muß doch wohl zweifellos ohne jede eigene Gerechtigkeit dastehen, wenn er gelehrt wird, seine Gerechtigkeit außerhalb seiner selbst zu suchen! Eben dies aber behauptet der Apostel mit größter Deutlichkeit, wenn er schreibt: „Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zum Sühnopfer für die Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“ (2. Kor. 5,21).

Da sieht man: unsere Gerechtigkeit liegt nicht in uns, sondern in Christus; uns kommt sie nur aus dem Rechtsgrunde zu, daß wir an Christus Anteil haben, wie wir ja mit ihm alle seine Reichtümer besitzen! Dem steht nicht entgegen, daß Paulus an anderer Stelle erklärt, die Sünde sei „der Sünde halben“ in Christi Fleisch verdammt worden, „auf daß die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde …“ (Röm. 8,3). Denn die „Erfüllung“, die Paulus hier meint, ist keine andere als die, welche wir durch Zurechnung erlangen! Denn der Herr Christus gibt uns an seiner Gerechtigkeit mit dem Recht Anteil, daß er dabei auf wundersame Weise – soweit es Gottes Urteil betrifft! – seine Kraft in uns übergehen läßt! Nichts anderes hat Paulus gemeint; das ergibt sich aus einer anderen, kurz vorher befindlichen Stelle mehr als deutlich: „Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder wurden, so auch durch eines Gehorsam werden viele Gerechte!“ (Röm. 5,19). Hier gründet also Paulus unsere Gerechtigkeit auf den Gehorsam Christi – aber was heißt das anders, als daß er behauptet: allein deshalb gelten wir als gerecht, weil Christi Gehorsam uns so zugute kommt, als ob er unser eigen wäre?“ (III, 11, 23)

 

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Rechtfertigung allein aus Glauben

In Kapitel 11 des 3.Buches von Calvins Institutio geht es um die Rechtfertigung durch den Glauben. Calvin geht der Frage nach „Was bedeutet der Ausdruck und um was handelt es sich in der Sache?“ Dabei kommt er auch auf die Frage zu sprechen, ob unsere Werke irgendeinen Beitrag zu unserer Rechtfertigung erbringen. Calvins Antwort ist ein klares NEIN, dabei orientiert sich seine Antwort an der Schrift:

„Die zweite Stelle lautet: „Daß aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn ‘der Gerechte wird seines Glaubens leben!\\\‘ Das Gesetz aber ist nicht des Glaubens, sondern der Mensch, der es tut, der wird dadurch leben!\\\’” (Gal. 3,11f.). Wie sollte diese Beweisführung bestehen können, wenn es nicht feststünde, daß beim Glauben die Werke nicht zur Anrechnung kommen, sondern völlig von ihm zu trennen sind? Paulus sagt uns: das Gesetz ist etwas anderes als der Glaube. Wieso aber? Eben deshalb, weil zur Gerechtigkeit nach dem Gesetz die Werke erforderlich sind! Es ergibt sich also: zur Gerechtigkeit aus dem Glauben sind die Werke nicht erforderlich! Diese Vergleichung läßt offenbar werden, daß der, welcher durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Verdienst der Werke, ja abseits von allem Verdienst der Werke die Rechtfertigung erlangt – denn der Glaube empfängt ja die Gerechtigkeit, die das Evangelium uns zuteil werden läßt! Der Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium besteht also darin, daß dieses die Gerechtigkeit nicht an Werke bindet, sondern sie allein auf Gottes Barmherzigkeit gründet. Im gleichen Sinne behauptet Paulus im Römerbrief, Abraham habe keinen Anlaß zum Rühmen, weil ihm sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet worden sei (Röm. 4,2ff.). Als Begründung führt er an, daß für die Gerechtigkeit aus dem Glauben da Raum ist, wo keine Werke sind, die auf Lohn Anspruch hätten! Wo Werke sind, führt er aus, da wird ihnen der schuldige Lohn zugemessen; was aber dem Glauben geschenkt wird, das geschieht aus lauter Gnade! Denn die Worte, die er an dieser Stelle verwendet, führen in ihrem Sinn zu diesem Ergebnis. Einige Verse später erklärt er, wir empfingen das Erbe aus Glauben, damit wir es aus Gnaden erlangten, und daraus zieht er die Folgerung, dies Erbe sei uns aus Gnaden gegeben, da wir es ja im Glauben empfingen! (Röm. 4,16). Wieso ist das möglich? Einzig deshalb, weil der Glaube, ohne jede Unterstützung durch die Werke, ganz auf Gottes Erbarmen ruht! Im gleichen Sinne ist es auch zweifellos zu verstehen, wenn er an anderer Stelle lehrt, „die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“, sei zwar „bezeugt durch das Gesetz und die Propheten“, aber sie sei doch „ohne Zutun des Gesetzes offenbart“! (Röm. 3,21). Denn indem er das Gesetz ausschließt, behauptet er, daß wir keinerlei Hilfe durch die Werke empfangen, auch die Gerechtigkeit nicht durch das Tun von Werken erlangen, sondern ganz leer kommen, um sie zu ergreifen!“ (III, 11, 18)