Monatsarchiv: Dezember 2013

Calvin – vom Beten

Der Reformator Johannes Calvin behandelt in der Institutio (3. Buch, Kapitel 20) auch das Thema Gebet. U.a. weist er auf darauf hin, dass Gott selbst uns gebietet zu beten und der Gehorsam gegenüber diesem Gebot letztlich ein Ausdruck des Glaubens ist:

„Zunächst: er gebietet uns, zu beten, und beschuldigt uns schon durch solche Weisung gottloser Halsstarrigkeit, wenn wir nicht gehorsam sind. Ein klareres Gebot hätte gar nicht gegeben werden können, als das im 50. Psalm: „Rufe mich an in der Not!“ (Ps. 50,15). Keine unter den Pflichten der Frömmigkeit empfiehlt uns die Schrift häufiger als das Beten, und deshalb brauche ich mich hier nicht lange aufzuhalten. „Bittet“, sagt unser Meister, „so wird euch gegeben, klopfet an, so wird euch aufgetan!“ (Matth. 7,7). Diesem Gebot fügt er freilich auch eine Verheißung bei, wie das auch nötig ist; denn es geben wohl alle Menschen zu, man müsse dem Gebot gehorchen; aber es würde doch ein großer Teil vor Gottes Rufen fliehen, wenn er nicht die Verheißung gäbe, er wolle uns erhören und uns freundlich entgegenkommen.

Haben wir dies Doppelte (Gebot – Verheißung) festgestellt, so ist es zugleich sicher, daß alle, die Ausflüchte suchen, um nicht geradewegs zu Gott zu kommen, nicht nur widerspenstig und ungehorsam, sondern auch ihres Unglaubens überführt sind, weil sie ja den Verheißungen kein Vertrauen schenken! Das ist besonders zu bemerken, weil die Heuchler unter dem Deckmantel der Demut und Bescheidenheit Gottes Gebot hoffärtig verachten und zugleich seiner freundlichen Einladung den Glauben verweigern, ja, ihn damit des vornehmsten Stücks seiner Verehrung berauben. Denn er verwirft (in dem oben genannten Psalm 50, Vers 7-13) die Opfer, in denen dazumal alle Heiligkeit zu liegen schien, erklärt aber zugleich, daß bei ihm dies besonders und vor allem anderen als köstlich gelte, daß man ihn am Tage der Not anrufe! (Ps. 50,15). Wo er also fordert, was ihm zukommt, und wo er uns zu freudigem Gehorsam ermuntert, da gibt es für unseren Zweifel keinen noch so glänzenden Vorwand, der uns entschuldigen könnte. Immer wieder begegnen uns in der Schrift Zeugnisse, in denen uns die Anrufung Gottes geboten wird, und die sind alle wie Paniere vor unseren Augen aufgepflanzt, um uns Zuversicht einzuflößen!“ (III,20,13)

In seinen weiteren Ausführungen (III,20,17-19) kommt Calvin auch auf das Mittleramt Jesu Christi zu sprechen und stellt klar:

„Christus ist also der einzige Weg und der einzige Zugang, durch den es uns geschenkt ist, zu Gott zu dringen; wer nun also von diesem Wege abbiegt und von diesem Zugang weicht, der hat weiter keinen Weg und keinen Zugang mehr zu Gott, und für den bleibt vor Gottes Thron nichts als Zorn, Gericht und Schrecken. Kurz, weil uns der Vater an Christus als unser Haupt und unseren Herzog gewiesen hat, so versucht jeder, der von ihm irgendwie weicht oder sich auf einen Nebenweg begibt, soviel an ihm ist, dieses dem Herrn von Gott aufgeprägte Kennzeichen zu zerstören oder zu verfälschen! So ist Christus als der einzige Mittler eingesetzt, damit uns durch seine Fürsprache der Vater gnädig wird und Erhörung schenkt.“ (III,20,19)

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