Monatsarchiv: Januar 2014

Effizient oder unverhältnismäßig? – Das ist hier die Frage…

Können Sie sich vorstellen, dass aus Euro 3,– Schulden innerhalb von weniger als 6 Monaten Euro 83,09 Schulden werden? – Unmöglich denken Sie…? Nicht so in diesem unserem Lande…

Ich habe einen spanischen Amigo, der seit einer Weile in Deutschland lebt, aber sich mit der Sprache und den Gepflogenheiten hier noch etwas schwer tut. Im August vergangenen Jahres hat er sein Auto in einem Stuttgarter Parkhaus abgestellt und die Parkgebühr in Höhe von 3,– Euro per Bankkarte bezahlt. Zumindest meinte er, er hätte diese bezahlt. Da sein Konto etwas überzogen war verweigerte die Bank die Abbuchung per Lastschrift, die Euro 3,– wurden wieder zurückgebucht. Für diesen Service hat die Bank dann Euro 2,50 Bearbeitungsgebühren vom Konto ihres Kunden abgebucht (zuzüglich der Bearbeitungsgebühren in Höhe von insgesamt Euro 6,–, die dem Parkhausunternehmen im Laufe des Rückgabeprozedere in Rechnung gestellt wurden). So wurde immerhin das Ansteigen der Überziehung auf dem Girokonto auf stolze Euro 0,50 begrenzt! Als Ex-Banker kann ich nur sagen: Das ist eine sehr effiziente und kundenorientierte Leistung, die gleichzeitig einer neuen Bankenkrise durch faule Kredite vorbeugt! Hans Rosenthal hätte dafür sicher seinen legendären „das war spitze!“-Sprung hingelegt…

Leider hat mein spanischer Amigo die Kontoauszüge nicht richtig gecheckt – und nicht gecheckt, was da passiert ist. Und die folgenden Monate ist auch nichts Weiteres passiert. Gar nichts.

Kürzlich erhielt mein spanischer Amigo ein Schreiben von einem Inkassounternehmen – mit der Aufforderung die Forderung in Höhe von Euro 3,– zuzüglich weiterer Kosten und Bearbeitungsgebühren, die sich auf insgesamt Euro 80,09 belaufen (!!!), zu bezahlen. Die Rückfrage beim Inkassounternehmen war ernüchternd… Es hieß, dass da nichts zu machen sei. Die Sache sei rechtens und der Parkhausbetreiber wäre vor Abgabe der Forderung an das Inkassounternehmen nicht verpflichtet gewesen, zunächst eine Mahnung an den Kunden zu versenden. Außerdem müsse der komplette Betrag in Höhe von Euro 83,09 fristgerecht bezahlt werden, andererseits würde ein Mahn- und danach ein Vollstreckungsbescheid beantragt werden – mit weiteren Kosten… So wie´s aussieht will das Inkassounternehmen die Sache durchziehen, notfalls auch vor Gericht.

 Herzlich willkommen in Deutschland, mein spanischer Amigo! Take it easy und seh´s von der positiven Seite: Du bist bei Deinem Kulturstudium Deutschland wieder einen kleinen Schritt vorangekommen! Bei uns scheint die Sonne zwar nicht so häufig wie in Spanien, dafür sind wir eben ein bisschen effizienter und nehmen die Dinge auch etwas genauer. Ach ja, was ich Dich noch fragen wollte: Gibt es eigentlich auch einen spanischen Begriff für „Paragraphenreiterei“?

PS: Falls Sie demnächst Ihren Wagen in einem Stuttgarter Parkhaus abstellen und die Gebühren mit Bankkarte bezahlen möchten, dann achten Sie darauf, dass Ihr Konto die nötige Deckung aufweist. Wir Schwaben sind ja bekanntlich sparsam und achten auf jeden Cent. 😉

Advertisements