Monatsarchiv: September 2014

Peru-Reise 2014 – Eindrücke und Jetlag…

Meine diesjährige Reise nach Peru liegt hinter mir. Derzeit kämpfe ich noch mit dem “Jetlag“, – eine gute Gelegenheit, um rückblickend meine Eindrücke zusammenzufassen.

Jede Reise besteht aus einer Mischung zwischen “Neuem“ und “Bekanntem“, und damit mit der Gefahr sich entweder zu wiederholen, oder zu viel als bekannt voraus zusetzen.

Peru-Reise 2014

Ticlio-Pass

Wie bereits vergangenes Jahr war ich in den drei großen Zonen Küste, Bergland und Urwald unterwegs. Nach einem kurzen Zwischenhalt in Lima ging´s zunächst nach Huariaca, einer Stadt auf etwa 3.000m Höhe im Bergland. Um nach Huariaca zu gelangen nimmt man i.d.R. den Bus, der auf der Carretera Central über del Ticlio Pass, La Oroya, die „Pampas de Junín“ nach Huánuco fährt – und steigt etwa eineinhalb Stunden vor der Endstation Huánuco aus. Dabei fährt man durch eine atemberaubend schöne Landschaft! Doch nicht nur die Landschaft raubt einem dabei manchmal den Atem, auch der Fahrstil und die Überholmanöver der Verkehrsteilnehmer. Ungefähr zwei Wochen vor meiner Reise ist ein Bus auf dieser Route verunglückt (wohl wegen Übermüdung des Fahrers) – es gab über zwanzig Tote, mehrere davon waren aus Huariaca. Einen der Angehörigen kenne ich von meiner Reise vom Vorjahr – seine dreißigjährige Tochter ist bei dem Unglück ums Leben gekommen und es hat ihn schwer getroffen. Sein Schmerz ist groß und es fehlen die Worte…

Einer der Faktoren, der nicht zur Erhöhung der Sicherheit auf der Carretera Central beiträgt, sind korrupte Polizisten. Wird jemand bei einem Verstoß gegen die Verkehrsregeln erwischt – so wie der Fahrer eines Sammeltaxis, in dem ich bei der diesjährigen Reise mitfuhr – dann kann er die Angelegenheit oft ohne Anzeige und mit einem relativ günstigen Trinkgeld regeln. Viele nutzen die Bestechlichkeit gewisser Polizisten aus, indem sie zusammen mit ihren Papieren etwas Geld übergeben – und fahren weiter wie bisher.

Huariaca

Huariaca

Wie bereits vergangenes Jahr wurde ich in Huariaca herzlich aufgenommen und gut verpflegt. An zwei Tagen hintereinander durfte ich in verschiedenen Familien “Cuy Picante“ genießen. Da mein Aufenthalt diesmal etwas kürzer war, hatte ich nur zwei Abendvorträge, nahm allerdings an einem regionalen Pastorentreffen teil, wo ich die Gelegenheit hatte, über die Herausforderung des Missionsbefehls zu sprechen. Die Teilnahme an diesem Treffen war für mich auch insofern interessant, dass ich etwas Einblick in die Situation der Gemeinden im Bergland erhielt. Von den über 10 Alianza-Pastoren aus der Region haben zur zwei eine abgeschlossene formale theologische Ausbildung. In verschiedenen Gesprächen gewann ich den Eindruck, dass die Ausbildungsmöglichkeiten für Indianerpastoren im Urwald, die sich in einer ähnlichen Situation (Familie, Bildungsnieveau, Finanzen, etc.) befinden, fast besser sind, als im Bergland!

Chacra

Chacra

Den Sonntagsgottesdienst feierten wir diesmal in dem kleinen Gehöft eines älteren Ehepaars (beide um die 80 Jahre alt), etwa eine Stunde oberhalb von Huariaca. Die beiden leben in ihrer “Chacra“ (Pflanzung), die von einer Mauer aus Lehmziegeln umgeben ist; ist Haus ist ebenfalls aus Lehmziegeln gebaut (mit fließend kalt Wasser und Stromanschluss). In ihrer Chacra pflanzen sie alle möglichen Kräuter an (darunter viele Heilkräuter), die sie auf dem Markt verkaufen. Ihre Kinder leben in Lima und möchten die Eltern eigentlich zu sich in die Stadt holen; die Eltern wollen aber nicht dort hin (was gut verständlich ist) und werden so lange sie noch fit sind (sie machen beide noch einen recht fitten Eindruck!) in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

Nach dem Gottesdienst, den wir im Freien in einem Kreis am Boden sitzend gefeiert haben, wurde gegrillt und gemeinsam gegessen.

Die nächste Station auf meiner Reise war Pucallpa im Urwald. Eigentlich hatte ich geplant, von Huánuco direkt mit dem Bus dorthin zu fahren. Doch irgendwo unterwegs auf der Strecke war eine Brücke eingestürzt und mehrere Tage lang waren keine Bus-Tickets zu erhalten. Selbst das Durchkommen mit dem Sammeltaxi war ungewiss. So musste ich kurzfristig umdisponieren, mit dem Nacht-Bus nach Lima zurück fahren, und von dort aus das Flugzeug nehmen.

Fußgängerzone Pucallpa

Fußgängerzone Pucallpa

Die Urwaldstadt Pucallpa wächst weiter wie verrückt. Das erste große Einkaufszentrum (Shopping-Mall) hat inzwischen eröffnet, das zweite steht kurz vor der Eröffnung. Derzeit wird die Carretera Federico Basadre, die aus der Stadt heraus in Richtung Lima führt, bis zum Kilometer 15 vierspurig ausgebaut. Viele Nebenstäßchen in Pucallpa und Yarina, die bisher nur Erdstraßen waren, wurden in den vergangenen Jahren asphaltiert. Die Fußgängerzone, die letztes Jahr noch in Bau war, ist inzwischen fertig gestellt. Es wurden moderne Ampeln mit Sekundenanzeige bis zum Umschalten installiert (sowohl für die Fahrer wie auch für die Fußgänger). Es geht voran in der Stadt und im Departamento Ucayali. Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Kurz vor der Weiterreise nach Pucallpa sah ich im peruanischen Fernsehen eine Reportage über die Zerstörung des Urwalds im Departamento Ucayali. Ein ausländischer Konzern ist dabei eine große Fläche aufzukaufen und zunächst einmal vollständig abzubrennen – obwohl ein Teil davon sogar geschützter Urwald ist. Die Leute in dem betroffenen Gebiet, die ihre Grundstücke nicht verkaufen wollen (ihnen werden 600 Nuevos Soles pro Hektar, d.h. etwa 180 Euro, angeboten) werden bedroht.

Palmöl-Fabrik

Palmöl-Fabrik

Es wurden Bilder von den Grundstück einer jungen Frau gezeigt, um das herum alles abgefackelt wurde! In Pucallpa habe ich mit meinem Taxifahrer Don Oscar über diese Sendung gesprochen. Er meinte, dass auf der abgebrannten Fläche vermutlich Palmen für die Herstellung von Palmöl angebaut werden sollen. Direkt neben dem Gefängnis ist übrigens eine Fabrik zur Herstellung von Palmöl entstanden und bereits in Betrieb. Die Reste werden dort verfeuert und der schwarze Rauch verpestet ungefiltert die Luft. Die Häftlinge nebenan im Gefängnis, die vieles von dem Dreck abkriegen, müssen den Eindruck haben, im Vorhof der Hölle gelandet zu sein…

FAIENAP-Konferenz

FAIENAP-Konferenz

In Pucallpa nahm ich an der Jahreskonferenz von FAIENAP, dem Dachverband der evangelischen Indianerkirchen, teil. Seit dem letzten Jahr gab es größere Veränderungen bei FAIENAP: einen fast komplett neuen Vorstand, einen neuen Geschäftsführer und eine neue Mitarbeiterin in der Verwaltung. Angesichts dieser vielen Veränderungen war ich doch positiv überrascht, was die neuen Verantwortlichen seit Anfang des Jahres alles bewegt haben.

Ein kleiner Teil von Lima

Ein kleiner Teil von Lima

Die letzte Woche der Reise verbrachte ich in Lima. Auch diese Stadt wächst weiter wie verrückt. Immer öfters werden eingeschossige Häuser abgerissen und Wohnblocks mit mehreren Stockwerken auf das frei gewordene Grundstück gebaut. Der Verkehr – vor allem in Stoßzeiten – nimmt immer mehr zu und es ist ratsam genügend Zeit einzuplanen. Insgesamt ist Lima eine sehr stressige Stadt, nicht nur für mich als Besucher, sondern auch für die Leute, die dort leben. Das hängt nicht nur mit dem vielen Verkehr und Lärm zusammen, sondern auch mit der Kriminalität. Man muss permanent aufpassen, was um einem herum vorgeht, kann keinem Fremden trauen, und selbst bei der Auswahl des Taxis ist Vorsicht geboten. D.h. das Leben in Lima ist alles andere als “gechillt“; entspannt “abhängen“ kann man nur im Schutz eines abgeschlossenen Geländes oder Hauses. Dementsprechend finden viele Begegnung in geschützten Räumen statt, dafür aber umso herzlicher – insbesondere in „frommen“ Kreisen. Dieses Jahr war ich bereits das vierte Jahr in Folge zu Diensten in der

Mennoniten-Gemeinde

Mennoniten-Gemeinde

Mennoniten-Gemeinde eingeladen. Inzwischen ist die kleine Gemeinde vom Stadtteil Lince in den Stadtteil San Juan de Miraflores (nicht zu verwechseln mit dem Stadtteil Miraflores) umgezogen, weil dort die Mieten wesentlich günstiger sind. In dem neuen Lokal ist mehr Platz und die Gemeinde ist am Wachsen. Zusätzlich zu den Diensten bei den Mennoniten hielt ich an zwei theologischen Ausbildungsstätten (Bibel-Seminar des Alianza Cristiana y Misionera-Kirchenverbandes / Theologisches Seminar der presbyterianischen Gemeinden) zum Thema „Die interkulturelle Kommunikation des Evangeliums“. Dabei stellte ich auch die, in diesem Jahr neu erschienene, spanische Ausgabe meines Buches „Basics interkultureller Kommunikation“ vor. Das Thema stieß auf großes Interesse und ich erhielt mehrere Anfragen für die geplante Reise im nächsten Jahr. – Doch zunächst ist es Zeit wieder ins Bett zu gehen, der Jetlag…

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