Monatsarchiv: Mai 2015

„Kleine Reise“ zum Bibelkurs in die Anden

Kürzlich kehrte ich von meiner ersten Peru-Reise in diesem Jahr zurück.

Kurz vor dem Ticlio-Pass

Kurz vor dem Ticlio-Pass

Knappe zwei Wochen verbrachte ich im Bergland. Von Lima aus ging es zunächst über die Carretera Central nach Huánuco, wo ich meinen Kollegen und Reisebegleiter Guillermo traf. Tags darauf machten wir uns dann gemeinsam auf die lange Reise über Tingo Maria und Tocache (im Urwald) nach Tayabamba. Die Fahrt von Huánuco nach

Fahrt von Tingo Maria nach Tocache - Río Huallaga

Fahrt von Tingo Maria nach Tocache – Río Huallaga

Tocache ging aufgrund relativ guter Straßen recht flott. In Tocache hatten wir dann mehrere Stunden Aufenthalt, in denen Guillermo einiges über die Geschichte der Stadt und der Umgebung erzählte, die früher eine Hochburg des Coca-Anbaus – mit allen Konsequenzen (vielen

Tocache

Tocache

Toten) war. Am Abend ging die Reise dann mit einem Geländewagen über Uchiza nach Tayabamba weiter – im Regen auf einer glitschigen Erdpiste, immer wieder durchquerten wir Bäche – bis wir irgendwann vom Urwald ins Bergland kamen. Nach über 12 Stunden Fahrt (der Chauffeur machte gegen morgen immer öfters Pause weil er hundemüde war) kamen wir dann in Tayabamba an. Tayabamba gehört zum Departamento „La Libertad“

Tayabamba

Tayabamba

(Hauptstadt Trujillo) und ist eine Kleinstadt mit ca. 10.000 Einwohnern in den Anden, auf ca. 3.250m Höhe. Auf dem Rückweg wählten wir dann die Route über die Küste, d.h. zunächst von Tayabamba über Sihuas nach Trujillo und von dort aus nach Lima. Die reine Reisezeit von Lima nach Tayabamba (ohne die Aufenthalte zwischen dem Wechsel der Verkehrsmittel zu rechnen) betrug jeweils rund 26 Stunden (die reine Flugzeit von Stuttgart nach Lima beträgt 13 Stunden…)!

01Sierra_de_PatazWährend der Reise durchquert man eine beeindruckende Landschaft, die sowohl Staunen und Bewunderung für Gottes Schöpfung, als auch Furcht auslöst. Gott sei Dank (!!!) für eine ruhige und bewahrte Reise ohne Zwischenfälle!

Der Zweck der Reise nach Tayabamba war ein Bibelkurs für Laienpastoren. Dort in der Region gibt es derzeit 22 Gemeinden des Alianza Gemeindeverbandes, aber nur einer der Pastoren hat eine abgeschlossene mehrjährige theologische Ausbildung. Die restlichen Gemeindeleiter sind Laien mit mehr oder weniger Ausbildung (meist weniger als mehr).

Gochapita

Gochapita

Eine Woche lang unterrichtete ich täglich 5 Stunden die beiden Kurse „Bibelpanorama“ und „Grundprinzipien der Bibelauslegung“. Dazu kamen weitere Dienste. Am Tag unserer Ankunft durfte ich gleich in Tayabamba im Abendgottesdienst predigen, am folgenden Abend hatte ich das Thema im Jugendtreff und am Sonntagmorgen die Predigt in Gochapita, einem Dorf auf über 3.500m Höhe, etwa eine Stunde von Tayabamba entfernt. Die Woche darauf, kurz vor der Abreise nach Trujillo, predigte ich nochmals in Tayabamba.

Da während unseres Aufenthalts in Tayabamba eine Woche lang das Fest des Heiligen Toribio gefeiert wurde (die Stadtverwaltung hatte dafür ein Budget von einer halben Million Nuevos Soles, d.h. ca. € 156.000 bereitgestellt – das Jahr zuvor waren es „nur“ etwa € 100.000,–), und ziemlich viel Lärm in der Stadt war (teilweise bis 3 Uhr morgens), fand der Bibelkurs in Allauca, einem Dorf,

Allauca

Allauca

etwa 20 Minuten Fahrtzeit bergaufwärts, statt. Eine weise Entscheidung der Verantwortlichen, denn dort konnten wir uns wirklich ungestört auf den Unterricht konzentrieren!

Von den eingeladenen 22 Gemeinden waren insgesamt 63 fest eingeschriebene Studenten aus 19 Gemeinden zum Bibelkurs gekommen. Zusätzlich waren täglich jeweils mehrere Gasthörer anwesend. Obwohl die Kurse sehr herausfordernd waren, waren die Teilnehmer eifrig mit dabei und nutzten die Gelegenheit, die Bibel besser kennen und verstehen zu lernen. Die Pausen nutzten sie, um sich draußen in der Sonne etwas aufzuwärmen, denn in der Kirche, wo das Seminar stattfand, war es doch ziemlich frisch. Ein Küchenteam der Gemeinde von Allauca versorgte uns in dieser Woche mit allerlei Leckereien aus dem Bergland – immer in der (unberechtigten) Sorge, es könnte zu wenig sein.

01jsWährend der letzten Woche meiner Reise in Lima hatte ich noch mehrere weitere Events. U.a. hielt ich am Theologischen Seminar der Presbyterianer (STEP) sowie in der Mennonitengemeinde (bei der ich nun das fünfte Jahr in Folge Dienste hatte) Vorträge über „Die Relevanz des Alten Testaments und der chronologischen Bibellehre in der Missionsarbeit“.

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Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde?

Kürzlich erschien im 3L Verlag das Buch „Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde?“ von Greg Gilbert und Kevin DeYoung. Mit viel Leidenschaft versuchen die beiden Autoren Orientierung im missionalen Dschungel zu geben. – Denn, wenn jegliche Aktivität einer Gemeinde inzwischen „Mission“ ist, dann ist am Ende vermutlich gar nichts mehr Mission bzw. zu erwarten, dass die Verkündigung des Evangeliums auf der Strecke bleibt.

Was mir an dem Buch sehr gefällt ist, dass die Autoren sehr gründlich mit der Bibel arbeiten und wirklich fundiert exegetisch argumentieren. Dabei kommen sie einerseits zur Schlussfolgerung, dass der Missions-Auftrag der Gemeinde in der Verkündigung des Evangeliums besteht (denn dies gehört zu den „Kern-Kompetenzen“ der Gemeinde und nicht von irgendwelchen anderen weltlichen Institutionen). Gleichzeitig verneinen sie keinesfalls, dass eine Gemeinde viele gute andere Dinge tun kann und tun sollte (aus Nächstenliebe). Aber sie empfehlen – auch der Klarheit wegen – diese anderen (guten, wichtigen) Aktivitäten der Gemeinde nicht als „Mission“ zu bezeichnen.

Craig Gilbert, einer der Autoren, war auch der Hauptredner der diesjährigen Evangelium21-Konferenz, bei der es um das Thema „Was ist der Auftrag der Gemeinde?“ ging. Die Vorträge können inzwischen über die Internetseite von Evangelium21 angehört bzw. als mp3-Dateien heruntergeladen werden.