Monatsarchiv: Juli 2015

Gesetz und Liebe

Derzeit lese ich das Buch „Biblische Ethik“ von Robertson McQuilkin. Im 2. Kapitel geht es um das Gesetz. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels geht es um das Verhältnis zwischen Gesetz und Liebe. Darin schreibt er:

„Wohlmeinende Leute, die vorgeben, der Bibel zu glauben, verbinden sich mit wohlmeinenden Leuten, welche die Autorität der Schrift leugnen, und verweisen jegliches Gesetz oder alle Gebote außer dem der Liebe nach draußen in die Finsternis der Nicht-Liebe. Es scheint, als müsse man sich zwischen den schweren Tugenden der Gerechtigkeit und Heiligkeit und der höchsten Tugend der Liebe entscheiden. Doch wenn Liebe die Summe des Willens Gottes für die Menschheit ist und wenn Gerechtigkeit als richtig oder als Wahrheit auf moralischem Gebiet beschrieben wird, ist sicher jedes der beiden, selbst wenn wir sie nicht als Synonyme verstehen, ein wichtiges Element des Wesens Gottes. Wenn Gottes gerechtes Wesen und sein gerechter Wille für die Menschen u.a. in Geboten ausgedrückt wird, so ist das Halten dieser Gebote die Auswirkung oder der praktische Ausdruck der Liebe, die dann als die Summe aller Gebote oder als Motiv gesehen wird. Ohne diesen Gehorsam aus Liebe gegenüber dem Gesetz kennen wir Gott nicht und unser christliches Bekenntnis ist eine Lüge (Mt 28,20; Joh 14,15.23.31; 15,10.14; Röm 13,10; Jak 2,8; 1Jo 2,4-6; 3,24; 4,8; 5,3; 2Jo 6).“ Robertson McQuilkin. Biblische Ethik: Eine Einführung in biblisch begründetes Denken und Handeln, S. 81.

McQuilkin spricht damit ein Thema an, das immer aktueller wird, nämlich die Tendenz, Gottes Gebote gegen die Liebe auszuspielen, bzw. Gottes Gebote mit dem Argument der Liebe auszuhebeln (was den Kern der Sache vermutlich besser trifft). Wie bei vielen anderen Themenbereichen wird hier ein (scheinbarer) Gegensatz konstruiert der keiner ist. Jesus wies klar darauf hin, dass die Liebe (zu Gott und zu Menschen) in einer engen Beziehung zum Gesetz und zu Gottes Geboten steht (Mt 22,36-40; Joh 14,15; 1 Joh 2,3-4), ebenso auch Paulus (Gal 5,14; Röm 13,8-10). Dabei geht es aber nicht nur um die Gebote, die dazu dienen „direkten Schaden“ (z.B. du sollst nicht stehlen, töten) abzuwenden, sondern um alle Gebote, die zum „Moralgesetz“ gehören. Unliebsame Gebote (insbesondere der Sexualmoral) mit dem Argument der Liebe („es ist doch nur Liebe!“ / „kann denn Liebe Sünde sein?“) aufzulösen mag zwar auf rein menschlicher Ebene den Anschein von Liebe erwecken, doch dies zu tun ist ein direkter Angriff auf Gott, der diese Gebote gegeben hat. Man bringt damit letztlich zum Ausdruck, dass man meint besser zu wissen, was für den Menschen „gut“ sei, als der allwissende (gute, gerechte, heilige, vollkommene, barmherzige, etc.) Gott, der den Menschen geschaffen hat und wirklich weiß, was für uns „gut“ ist. Diese Selbstüberhebung des Menschen über Gott und seine Gebote ist ja nichts Neues. Bei Menschen, die mit Gott, dem Glauben und der Kirche „nichts am Hut haben“ braucht man sich über so eine Haltung auch nicht groß wundern (ich selbst dachte ja auch mal so…). Traurig ist nur, dass sich diese Haltung auch bei immer mehr „Christen“ auszubreiten scheint und sie darin auch noch bestärkt werden, u.a. durch Theologen, welche die „Liebe“ gegen „Gesetz“ (Gebote, Gottes Wort) ausspielen. 😦

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“Begegnungen in Peru“ – Neuauflage

Begegnungen in Peru_Cover_kl2Am 10. Juli erschien eine Neuauflage von “Begegnungen in Peru – Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert“.

Die Printausgabe (Pb., 112 S.) kostet € 7,90 (inkl. MwSt) und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Achtung: neue ISBN: 978-3-7386-2127-3).

Eine eBook-Ausgabe (Kindle, iTunes, ePub) von “Begegnungen in Peru“ wird in Kürze erhältlich sein. Bis Ende August d.J. wird das eBook für einen Aktionspreis von € 4,99 (inkl. MwSt) erhältlich sein; der reguläre Preis wird danach € 5,99 (inkl. MwSt) betragen.

Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Norderstedt: Books on Demand, 2015. ISBN 978-3-7386-2127-3, Paperback, 112 Seiten, Preis: € 7,90 /- CHF 11,90 (inkl. MwSt).

Weitere Infos und Bezugsmöglichkeiten: www.jürgenschmidt.net

Gedanken zum 600. Todestag von Jan Hus

Der Geburtstag von Jan (Johannes) Hus lässt sich leider nicht mit Sicherheit festlegen, er wird – je nach Kirchengeschichtsbuch – zwischen 1369 und 1371 angegeben. Dafür ist aber der Tag seines Todes umso bekannter – der 6. Juli 1415. An diesem Tag wurde er vom Konstanzer Konzil im Dom von Konstanz zum „Ketzer“ erklärt. Anschließend übergab man ihn dem „weltlichen Gericht“, das die Drecksarbeit ausführen durfte und ihn noch am selben Tag auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Seine Asche wurde anschließend in den Rhein geschüttet.

Hus wurde stark von den Schriften des Engländers John Wyclif (etwa 1320 bis 1384) beeinflusst. In diesen übte Wyclif starke Kritik am Reliquien- und Wallfahrtswesen, Ablässen sowie am Amt des Papstes. Er hob hervor, dass die Bibel die Quelle aller christlichen Erkenntnis ist und widmete sich u.a. auch der Übersetzung der Vulgata (lateinische Bibel) in die englische Sprache. Hus, der in Prag sowohl als Universitätsprofessor wie auch als Prediger in der St. Michaelskirche tätig war, nahm viele der Ideen Wyclifs auf und verbreitete diese. An der Hochschule bildete sich einerseits um Hus ein Kreis von Anhängern der Lehren Wyclifs, andererseits regte sich auch heftiger Widerstand. Da Hus nicht nachgab wurde er mit dem Bann belegt und exkommuniziert. Drei Jahre lebte er als Gebannter und verbrachte diese Zeit überwiegend in Südböhmen.

Da die Kirche zur damaligen Zeit sehr gespalten war (es gab drei Päpste, die sich untereinander stritten) lies Kaiser Sigmund von November 1414 bis April 1418 das Konzil von Konstanz abhalten, um die Spaltungen zu überwinden und Reformen vorzunehmen. Sigmund wollte dort auch die „böhmische Frage“ lösen. Daher wurde Hus zum Konzil vorgeladen. Da Hus vom Kaiser freies Geleit zugesichert wurde, war Hus – trotz verschiedener Warnungen – bereit nach Konstanz zu reisen, wo er am 3. November 1414 ankam. Nach einer ersten Unterredung mit Kardinälen, Ende November 1414, wurde seine Inhaftierung beschlossen. Als Kaiser Sigmund in Konstanz eintraf erteilte er die Genehmigung, den Ketzerprozess gegen Hus weiterzuführen und ihn in Haft zu lassen. Die Konzilsherren versuchten Hus dazu zu bewegen, seinen „Ketzereien“ abzuschwören und zu widerrufen. Hus beharrte darauf, dass die Heilige Schrift der alleinige Maßstab für die christliche Lehre sei. Er sei bereit abzuschwören, wenn man ihn aus der Schrift überzeugen könne – doch offensichtlich war man dazu nicht in der Lage. Im Kerker wurde Hus eine Widerrufsschrift vorgelegt, doch er blieb standhaft was zu seiner Verurteilung als „Ketzer“ und seinem Tod führte.

Weitere Infos zu Hus finden Sie in meinem eBook “Glaubensspuren – von Böhmen nach Sachsen. Johannes Hus und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf“.

In den 600 Jahren seit Hus´ Tod hat sich inzwischen vieles ereignet.

Hus wird zusammen mit John Wyclif und anderen zu den „Vorreformatoren“ gezählt. Er soll angeblich vor seiner Verbrennung gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen.“ – Der tschechische Name „Hus“ bedeutet „Gans“; der Schwan wird auf den Reformator Martin Luther bezogen. Der „Fall Hus“ hatte auch Einfluss auf Martin Luther und es finden sich so manche Parallelen zwischen den beiden Fällen. Bei der Leipziger Disputation (1519) hat Johannes Eck seinen „Widersacher“ Martin Luther auf Lehraussagen von Johannes Hus hingewiesen, die vom Konstanzer Konzil 1415 verurteilt wurden. Dies brachte Luther zu der schockierenden Erkenntnis, dass sowohl Papst, als auch Konzilien irren können. Luther und die anderen Reformatoren haben (ebenso wie Wyclif und Hus vor ihnen) ausschließlich die Bibel als einzige Autorität und einzigen Maßstab in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung anerkannt. Sola Scriptura – Allein die Schrift – wurde zu einem der fünf Kernpunkte (fünf Solas) der reformatorischen Lehre.

Im Gegensatz dazu hielt die römisch katholische Kirche weiterhin an anderen zusätzlichen „Autoritäten“ und „Maßstäben“ neben der Heiligen Schrift fest, nämlich der Tradition und der Autorität der Kirche (kirchliches Lehramt). So wurden seither auch weitere Dogmen festgelegt, die nicht aus der Bibel begründet werden können wie z.B. das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Marias (1854), das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes (1870) und das Dogma der leiblichen Himmelfahrt Marias (1950). Außerdem haben sich die von den Reformatoren kritisierten Lehren der katholischen Kirche (u.a. Rechtfertigung, Ablass, Fegefeuer, etc.) nicht grundlegend geändert (s.a. „Luther, die Schmalkaldischen Artikel und die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“).

Leider verlief auch die Entwicklung der aus der Reformation hervorgegangenen protestantischen Kirchen nicht gerade erfreulich. Insbesondere seit dem Aufkommen der modernen Bibelkritik vor über 200 Jahren kam es zu dramatischen Veränderungen. Mein Eindruck ist, dass heute zwar noch nominell, aus Tradition, am „Sola Scriptura“ festgehalten wird, in der Praxis haben sich aber ebenfalls zwei weitere „Autoritäten“ und „Maßstäbe“ neben der Heiligen Schrift etabliert, die (wie in der römisch katholischen Kirche) letztlich über der Schrift stehen: 1) die historisch-kritische „Bibelwissenschaft“ (zur angeblichen „Wissenschaftlichkeit“ siehe die Vorträge und Bücher von Eta Linnemann) sowie 2) der Zeitgeist (d.h. die Anpassung an die 51% Mehrheit und das, was gesellschaftsfähig ist). Ich wies bereits in meinem Artikel „Sola Scriptura?!“ darauf hin, dass heute die Inspiration (und Wahrheit) der Heiligen Schrift offiziell von der EKD angezweifelt wird. Was dort hinsichtlich der Reformatoren ausgesagt wird („Seit dem siebzehnten Jahrhundert werden die biblischen Texte historisch-kritisch erforscht. Deshalb können sie nicht mehr so wie zur Zeit der Reformatoren als »Wort Gottes« verstanden werden. Die Reformatoren waren ja grundsätzlich davon ausgegangen, dass die biblischen Texte wirklich von Gott selbst gegeben waren. Angesichts von unterschiedlichen Versionen eines Textabschnitts oder der Entdeckung verschiedener Textschichten lässt sich diese Vorstellung so nicht mehr halten.“ in: Rechtfertigung und Freiheit. 500 Jahre Reformation 2017. Ein Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), S.84.) gilt auch für Hus. Anders formuliert ist die heutige Sicht der Dinge folgende: Ihr habt damals geglaubt, dass die Bibel wirklich Gottes Wort sei – wir wissen es heute (aufgrund der modernen Bibelkritik) besser. Ihr habt damals zwar sehr für eure Überzeugungen geeifert und gekämpft – aber eigentlich ohne tragfähige Grundlage. Viele von euch haben sich in Lebensgefahr begeben und sogar mit ihrem Leben bezahlt – aber eigentlich war es das nicht Wert, weil ihr in eurer damaligen Unwissenheit von falschen Voraussetzungen ausgegangen seid… – Ich vermute mal, Wyclif, Hus, Luther, Calvin – und viele andere – würden angesichts dieser Sichtweise ungläubig den Kopf schütteln oder sich im Grabe umdrehen. Sie waren überzeugt von der Wahrheit und Autorität der Bibel; davon, dass die Heilige Schrift wirklich durch den Heiligen Geist inspiriert ist und sich Gott darin geoffenbart hatte (und es gibt gute Gründe dafür, an dieser Sichtweise auch heute festzuhalten – trotz moderner Bibelkritik). Es war ihnen ein Anliegen, dass die Bibel in die jeweilige Landessprache übersetzt und dem Volk zugänglich gemacht wird. Sie haben heftigsten Widerstand für ihre Überzeugungen in Kauf genommen und erduldet.

Auffällig ist, dass obwohl die Bibel weltweit ein Bestseller ist, dieses Buch weiterhin so umkämpft ist. Nach meiner Beobachtung wird dieser Kampf um die Bibel auf verschiedenen Ebenen ausgetragen: 1) Der Versuch, Menschen den Zugang zur Bibel zu verwehren (z.B. durch Verbote in islamischen oder kommunistischen Ländern). 2) Der Versuch, die Bibel (ihre Botschaft, Inspiration, Wahrheit) zu diskreditieren (ironischerweise haben „Theologen“ da „bessere“ Arbeit geleistet als Gegner des Christentums). 3) Der Versuch, Menschen, die die Bibel wirklich als inspiriertes Wort Gottes anerkennen zu diskreditieren (indem man sie als „unwissenschaftlich“, „ewig gestrig“, „minderbemittelt“ oder wie auch immer darstellt). Ich habe den Eindruck, dass all diese Versuche u.a. Ausdruck einer Furcht vor dem ist, was geschehen könnte, wenn sich Menschen, Bevölkerungsgruppen oder gar ganze Völker dem stellen und darauf hören, was Gott in seinem Wort geoffenbart hat. Gottes Wort hat den Menschen – sein Denken und sein Handeln – zu jeder Zeit in Frage gestellt. Das ist unangenehm, das ist demütigend (denn Gott macht deutlich, dass ER das Maß aller Dinge ist, und nicht der Mensch), und das ist mitunter gefährlich für den Status Quo, sowie für die jeweiligen Machthaber. Aber das Wichtigste ist, bei Gottes Offenbarung durch sein Wort geht es um das Evangelium. Es geht darum, wie Menschen gerettet werden können: Allein aus Gnade, allein aus Glauben und allein durch Christus!

Ich bin dankbar für Jan Hus, John Wyclif, Martin Luther, Johannes Calvin, Johannes Brenz und viele andere, die auf die Bibel hingewiesen haben, für ihre Wahrheit eingestanden sind und für ihre Verbreitung gesorgt haben. Nein, Jan Hus ist am 6. Juli 1415 nicht umsonst in Konstanz gestorben, er hat genau begriffen worum´s geht und was für ihn persönlich auf dem Spiel steht.

„Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“ (Jesaja 40,8)

„Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Matthäus 24,35)

„Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: »Der Gerechte wird aus Glauben leben.« Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“ (Römer 1,16-18)