Eindrücke von meiner Peru-Reise 2019

Kürzlich bin ich von meiner 15. Peru-Reise seit 2007 zurückgekehrt. Wie immer war die Reise sehr intensiv, mit vielen Begegnungen, Gesprächen und Eindrücken, die verarbeitet werden wollen. Während ich in den Vorjahren jeweils alleine unterwegs war, waren wir diesmal – zumindest während eines Teils der Reise – als kleine Gruppe, bestehend aus zwei Ehepaaren unterwegs. Für mich persönlich war das eine neue aber auch eine sehr gute Erfahrung, da wir als Gruppe sehr gut harmoniert haben. Da das befreundete Ehepaar nicht nur mit dabei war, um meinen Dienst in Peru (siehe meinen kurzen Bericht auf der Internetseite des Timotheus-Dienst) kennenzulernen, sondern auch um Urlaub zu machen, bekam die Reise eine touristische Note, die sie so nicht gehabt hätte, wäre ich wieder alleine unterwegs gewesen. Der Vorteil war, dass ich auf diese Weise auch neue Dinge bzw. OrtMiraflorese in Peru kennengelernt habe, die ich so nicht auf dem Schirm gehabt hätte.

So waren wir in Lima, im Stadtteil Miraflores, auf der Promenade (Malecón) der Steilküste unterwegs – ausgehend vom Einkaufszentrum “Larcomar“ bis zum Leuchtturm im “Parque Antonio Raimondi“. Dort in Miraflores gibt es übrigens auch einen Verleih von E-Scootern; das Ganze läuft über eine Handy-App, über die eScooterman wohl bucht und bezahlt.

In Lima wollten wir außerdem ins “Museo Nacional de Arqueología Antropología e Historia del Perú“ in Pueblo Libre, das ich im Januar besucht hatte. Leider war dieses wegen Reparaturarbeiten geschlossen. So beschlossen wir kurzfristig stattdessen das “Museo Arqueológico Rafael Larco Herrera“, ebenfalls in Pueblo Libre, zu besuchen, das eine gute Wahl und Alternative bot, auch wenn der Eintritt wesentlich teurer war, da es sich um ein Privat-Museum handelt.

In Lima haben wir diesmal vor allem Taxi-Apps benutzt; ist insgesamt sicherer, als ein Taxi von der Straße zu nehmen, und die Erfahrungen damit würde ich rundweg als positiv bewerten. Mit den Taxifahrern gab es immer wieder gute Gespräche, auch über geistliche Themen. Über Religion zu sprechen ist in Peru weder Privatsache noch peinlich.

Las Pampas

Las Pampas

Von Lima aus ging die Reise weiter nach Huánuco. Da der Bibelkurs erst am Freitag begann, hatte ich noch zwei Tage für Besuche bzw. Sightseeing. Am ersten Tag verbanden wir beides miteinander, um meinen Freund und Kollegen Guillermo und seine Familie in Las Pampas zu besuchen. Nach dem Mittagessen machten wir dann gemeinsam einen Ausflug nach Tomayquichua, um das Haus der Perricholi (“casa de la Perricholi“) zu besichtigen. Micaela Villegas Hurtado de Mendoza (1748-1819), bekannt als “La Perricholi“, war die Geliebte des spanischen Vizekönigs; ihr gemeinsamer Sohn Manuel de Amat y Villegas war einer der Unterzeichner der peruanischen Unabhängigkeitserklärung vom 28. Juli 1821.

Kotosh

Kotosh

Tags darauf besuchten wir die archäologische Stätte von Kotosh, die insbesondere durch die Tempelanlage der “gekreuzten Hände“ bekannt geworden ist. Kotosh ist nur ca. 5 km von Huánuco entfernt; mit dem Taxi kommt man gut hin, es ist allerdings schwieriger ein Taxi (für 4 Personen) zurück zu bekommen. Kotosh2Also blieb uns nichts anderes übrig als zwei Moto-Taxis (mit etwas Blech drum herum) für die Rückfahrt zu nehmen. Ist ein Erlebnis, aber vom Standpunkt der Verkehrssicherheit aus betrachtet nicht unbedingt die beste Wahl …

Der Unterricht des Bibelkurses sollte eigentlich von Freitag bis Sonntag stattfinden; da aber gerade die “Copa América“ stattfand und die peruanische Fußballmannschaft es ins Endspiel gegen Brasilien geschafft hatte, wurde ich (zunächst unter einem Vorwand) gebeten, die für Sonntag-Nachmittag geplanten Unterrichtsstunden auf den Samstag-Abend vorzuverlegen. So hatten wir dann am Samstag von 8:00h bis 22:00h Unterricht (mit etwa 4 Stunden Pausen). Ja, was bringt man nicht alles für Opfer, damit andere Fußball schauen können … ;-).

Hafen Pucallpa

Pucallpa – Hafen

Die nächste Station unserer Reise war Pucallpa (Urwald). Dort in der Nähe ist das Zentrum von FAIENAP, dem Dachverband evangelischer Indianerkirchen, den ich seit 2001 beratend begleite. Da die Vorstandssitzungen erst am nächsten Tag beginnen sollten, nutzten wir die Zeit zu einem Ausflug in die Stadt und besichtigten Hafen, Fußgängerzone, Plaza de Armas sowie einen der Märkte. Die Vorstandssitzung begann dann erst am übernächsten Tag (die Arbeit mit FAIENAP erfordert eine gewisse Flexibilität … ).

Liedbeitrag Urarina

Liedbeitrag Urarina

Während die anderen das Shipibo-Dorf “Santa Teresita“ besuchten hatte ich in Ruhe Zeit ein Thema für die FAIENAP-Konferenz vorzubereiten. Wichtige Punkte auf der Tagesordnung bei FAIENAP waren die Vorstandswahlen sowie die Aufnahme eines neuen Kirchenverbandes von Awajún-Gemeinden. Erstmals waren zwei Ehepaare aus Urarina-Gemeinden gekommen, um FAIENAP kennenzulernen. Durch einen Liedbeitrag in ihrer Sprache trugen sie zur Bereicherung eines der Abendgottesdienste während der Konferenzwoche bei.

Tocache-Express

Unterwegs nach Tocache

Nach der Konferenz flogen meine Frau und ich zurück nach Lima, um uns nochmals mit dem anderen Ehepaar zu treffen, das zwischenzeitlich die Region von Cuzco und Puno bereist hatte und am nächsten Tag die Heimreise antrat. Während meine Frau vor ihrem Rückflug nach Deutschland noch eine Woche bei ihrer Freundin in Lima verbrachte, brach ich zu meiner dritten Reise nach Tayabamba auf. Mit dem Nachtbus ging es wieder nach Huánuco, wo ich mich morgens mit Guillermo traf. Mit zwei Sammeltaxis des “Tochache-Express“ ging es zunächst nach Tingo Maria und von dort nach Tocache. Da die Straßen dorthin sehr gut ausgebaut sind beträgt die Reisezeit nur ca. 6 Stunden. Von Tocache aus reisten wir dann mit dem Gländewagen eines Bekannten von Guillermo nach Tayabamba.

Tayabamba2019

Tayabamba

Die ursprüngliche Route führt über Uchiza und dauert ca. 10 Stunden; seit letztem Jahr gibt es aber auch eine Route über San Marcos, die nur noch 5 Stunden dauert. Der erste Teil der Strecke ist noch (eineinhalbspurig) geteert; danach ungeteerte Piste und danach abenteuerlich (durch Erdrutsche etc.- wir mussten warten, bis der Bagger auf dem abgerutschten Stück wieder einen passierbaren Weg gebahnt hatte). Gott sei Dank (!) kamen wir dann kurz vor Mitternacht wohlbehalten in Tayabamba an.

Bis zum Beginn des Bibelkurses hatte ich sogar zwei Tage Zeit zum akklimatisieren (Tayabamba liegt auf 3.200 m Höhe; Allauca, wo der Unterricht stattfand auf etwa 3.400 m Höhe). Als wir uns am nächsten Morgen zum Frühstück auf den Weg machten, habe ich nicht daran gedacht, auf welcher Höhe wir sind, und ich bin wie gewohnt zügig den Berg hinauf gegangen. Doch ich habe sehr schnell gemerkt, dass die Luft dünn ist; musste mich an eine Straßenlaterne anlehnen und einfach nur atmen …

Bäckerei1Zu meiner Freude hatte Nery, die zur Alianza-Gemeinde in Tayabamba gehört, eine Bäckerei eröffnet. Die Backstube mit Verkauf und einen kleinen Cafe ist weiter oben, am Ortsende; eine weitere Filiale mit Cafe ist direkt an der Plaza da Armas. Wir waren täglich Stammkunden; morgens zum Frühstück und am Nachmittag, um die verschiedenen Kuchen- und Gebäcksorten durchzuprobieren. Eine „torta Selva Negra“ (Schwarzwälder KBäckerei2irchtorte) habe ich allerdings nicht probiert; das führt in Peru nur zu Enttäuschungen; dafür gab es aber richtig guten Filterkaffee (!) – und nicht nur den in Peru weit verbreiteten Pulver-Kaffee. Nery´s Bäckerei heißt “Maná“ (wie das Mana in der Wünste) und in der Hauptfiliale steht auch eine große Tafel mit Bibelversen, wo u.a. darauf hingewiesen wird, dass Jesus “das Brot des Lebens“ ist.

IAcYM-Tayabamba

Neues Gemeindehaus der Alianza-Gemeinde

Während unseres Aufenthalts trafen wir verschiedene Leute aus der Gemeinde, u.a. auch eine ältere Frau, die ich schon von meinem ersten Besuch her kannte, sowie ihre 102-jährige Nachbarin. Die beiden saßen zusammen vor dem Haus, um sich in der Sonne etwas zu wärmen. Wir kamen ins Gespräch und wurden gebeten für die Nachbarin zu beten, was wir dann auch gleich an Ort und Stelle taten. Nach dem Bibelkurs hatte ich am Sonntag noch einen Predigtdienst in derGodi Tayabamba Gemeinde in Tayabamba. Das neue Gemeindehaus (zumindest der Gottesdienstraum) war inzwischen fertiggestellt. Während viele Gemeinden in Peru inzwischen große Musikteams haben, gab es dort keines, bzw. es war kein Instrumentalist anwesend; war aber gar kein Problem, denn eine ältere Frau leitete die Gemeinde “a cappella“ im Gesang an und der Gemeindegesang klang richtig gut und harmonisch.

Nach dem Gottesdienst ging´s dann mit dem “Picaflor“ weiter nach Trujillo. Guillermo wollte mich eigentlich begleiten, musste mich aber Picaflorwegen einer Fischvergiftung unterwegs verlassen (noch zwei weitere Teilnehmer des Bibelkurses hatten dieselben Probleme), da er die 14-stündige Fahrt nicht überstanden hätte. Obwohl die Fahrtroute diesmal etwas länger war – aufgrund vieler Überfälle wird eine Abkürzung nach Trujillo gemieden und man geht zunächst bei Chimbote auf die Panamericana – ging es diesmal etwas schneller und so war ich morgens um kurz nach 3 Uhr in Trujillo. Die Abholung mit dem Taxi klappte ebenfalls problemlos und so war ich kurz danach im Gästehaus von “Amor en Acción“, wo ich erst mal richtig ausschlafen konnte. Neben Planungen eines möglichen Bibelkurses im kommenden Jahr

Trujillo

Trujillo – Plaza de Armas

nutzte ich die Zeit in Trujillo zu einem Besuch im archäologischen Museum (“Museo de Arqueología UNT“) und zum Bummeln bei der Plaza de Armas. In den letzen 2 bis 3 Jahren sind viele Flüchtlinge aus Venezuela nach Peru gekommen – mit ihrer Armut und Not und daraus resultierenden Begleiterscheinungen. Man sieht viele von ihnen in Lima, manche Arbeiten in Restaurants, als Wächter, als Kleinkünstler oder Verkäufer auf der Straße etc. In der Innenstadt von Trujillo ist die Armut und Not dieser Flüchtlinge – an fast jeder Straßenecke – besonders sichtbar.

Von Trujillo ging es dann mit dem Nachtbus von “Cruz del Sur“ zurück nach Lima. Im Vergleich zum eher rustikalen “Picaflor“ war dieser Bus sehr luxuriös: 160° neigbarer gut gepolsterter Sitz, extra Kissen und Decke, Snack und Getränk zum Abendessen, Flachbildschirm (wie im Flugzeug). War dankbar, dass ich auf dieser Fahrt relativ gut schlafen konnte. Und ich bin sehr dankbar für die ganze Reise, alle Erlebnisse und alle Bewahrung. Viermal die Anden überquert (3x auf dem Landweg, 1x im Flugzeug), vier Nächte im Bus verbracht, fünf Hauptstationen besucht und in acht verschiedenen Betten geschlafen etc. etc. etc. – es gäbe noch vieles zu erzählen …

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