Archiv der Kategorie: Mission

Peru-Reise 2017

Meine zweite Peru-Reise in diesem Jahr geht dem Ende entgegen. Bereits im Januar hatte ich die Möglichkeit hier zu sein und an der Bibelschule des Alianza-Gemeindeverbandes das Fach „Gemeinde und Mission“ zu unterrichten. Diesmal war geplant, denselben Kurs an der Bibelschule eines anderen Gemeindeverbandes in Lima zu unterrichten. Doch kurz vor Beginn meiner Reise erhielt ich die Nachricht, dass mangels Studenten das ganze Semester gestrichen wurde; ob die Bibelschule danach weitergeführt wird ist noch unklar. Durch diese kurzfristige Programmänderung waren zwar die ersten Tage in Lima etwas entspannter, doch das folgende Programm umso dichter.

Tayabamba

Die nächste Haupt-Station auf der Reise war Tayabamba bzw. Allauca (im Bergland), wo ich bereits 2015 einen einwöchigen Bibelkurs durchgeführt hatte. Die reine Fahrtzeit von Lima über Trujillo nach Tayabamba betrug insgesamt rund 26 Stunden; ein großer Teil der Strecke ist eine einspurige Erd-Piste, die in einem „relativ guten Zustand“ ist. Früher betrug die Reisezeit zwischen Trujillo und Tayabamba ca. 4 Tage!

Allauca

In Allauca (ca. 15 Min von Tayabama entfernt) führte ich einen Bibelkurs zum Thema „Endzeit“ durch. Insgesamt waren über 60 Teilnehmer aus den Bergdörfern bzw. Gemeinden der Umgebung gekommen. Wie an so vielen Orten in Peru gab es auch hier in der Vergangenheit Leute, die ein Datum zur Wiederkunft Jesu verbreiteten. Da Jesus natürlich nicht zum angegebenen Datum erschien, verließen viele die Gemeinden, da sie meinten, die Bibel wäre nicht zuverlässig. Doch nicht die Bibel ist das Problem, sondern die Bibelauslegung. Jesus hat sich ganz klar geäußert, dass keiner „Zeit und Stunde“ seiner Wiederkunft kennt. So war es mir ein großes Anliegen, zur Schrift hinzuführen, zu schauen, was wirklich geschrieben steht, und zwischen unseren „Vorstellungen“ und „Vermutungen“ und dem, was wirklich klar geoffenbart ist, zu unterscheiden.

Die nächste Reise-Station war Trujillo (Küste), wo ich denselben Bibelkurs hielt, diesmal an der Bibelschule des Alianza-Gemeindeverbandes. Außerdem war ich eingeladen, am Sonntag in der Gemeinde zu predigen. Da die dortige Gemeinde (Alianza America Sur) sehr gewachsen ist, der Gottesdienstraum aber nur 180 Personen fasst, gibt es nun eben fünf Gottesdienste am Sonntag (zwei am Vormittag und drei am Abend). So predigte ich das erste Mal am selben Sonntag in fünf Gottesdiensten über dasselbe Thema; eine neue, interessante Erfahrung.

Die letzte Haupt-Station meiner Reise war Pucallpa (Urwald), wo ich an der Jahreskonferenz von FAIENAP (Dachverband evangelischer Indianerkirchen) teilnahm. Die ersten beiden Tage der Jahreskonferenz sind jeweils für die Mitgliederversammlung reserviert, bei der u.a. die Delegierten aus den angeschlossenen Gemeindeverbänden berichten. Die restlichen drei Tage findet eine Rüstzeit mit verschiedenen Referenten und Themen statt. Dieses Jahr hatte ich die Möglichkeit über das Thema „Gemeinde und Mission“ zu sprechen. Es gibt einige Indianer-Pastoren, die in diesem Bereich bereits sehr engagiert sind. Doch insgesamt wissen die Gemeinden relativ wenig über dieses Thema und so ist auch in den Indianerkirchen eine wachsende Kluft zwischen „Gemeinde“ und „Mission“ erkennbar – in derselben Weise wie in der westlichen Welt [Der Missiologe George W. Peters drückte es einmal so aus: „Die zwischen Kirchen und Missionsgesellschaften bestehende Kluft ist eine völlig abnorme Entwicklung in der Geschichte der Kirche. Deshalb haben wir heute so viele missionslose Kirchen (Gemeinden) und so viele kirchenlose (gemeindelose) Missionsgesellschaften.”].

Während jeder Peru-Reise gibt es Dinge, die – trotz all dem inzwischen Bekannten – immer wieder ins Auge springen. Dazu gehören z.B. weiter steigende Preise (u.a. für Lebensmittel), überall sind Leute mit ihrem Smartphone unterwegs und telefonieren, spielen, etc., d.h. sie sind permanent damit beschäftigt.

Einmal mehr wurde mir bewusst, was für ein Privileg es ist (in unserem Dorf im Schwarzwald) sauberes Trinkwasser und saubere Luft zu haben. In Trujillo war das Wasser dermaßen stark gechlort (evtl. wegen der Überschwemmungen im Frühjahr mit Unterbrechung der Wasserversorgung), dass innerhalb von zwei Tagen meine Darmflora massiv gestört bzw. in Mitleidenschaft gezogen wurde. Im Urwald ist gerade die Zeit, in der Brandrodungen stattfinden und während meines Aufenthalts war ständig staubige und/oder rauchige Luft – ganz zu schweigen von der Luftverschmutzung durch den Verkehr in Lima.

Bei den Besuchen in unterschiedlichsten Regionen des Landes wird mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich die Mentalität und kulturelle Prägung der Leute ist. Peru ist wirklich multi-kulti. Oft haben die Peruaner der verschiedenen Regionen Kultur-Stress untereinander, sind sich dessen aber oft nicht bewusst. Beim Flug von Amsterdam nach Lima saß ich neben einer Frau aus Cuzco; wir kamen ins Gespräch und ich fragte sie, ob sie auch Quechua spräche. Sie bejahte und wir kamen auf die Vielfalt der Quechua-Dialekte zu sprechen. Sie meinte allen Ernstes, dass überall in Peru (fast) dieselbe Quechua-Variante gesprochen würde wie in Cuzco! – Dabei gibt es über 20 Varianten des Quechua in Peru, die sehr unterschiedlich sind und die einander nur sehr beschränkt verstehen. Wie die Inka hielt sie wohl Cuzco für den „Nabel der Welt“. Ähnliches geschieht im Bereich der Bildung. Die Verantwortlichen (die meist Lima für den „Nabel der Welt“ halten) haben oft leider kaum eine Ahnung von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Ethnien und Sprachen im Amazonasgebiet. So kommt es vor, das z.B. die Ashénica als Teil der Asháninca-Gruppe betrachtet werden und Schulbücher in Asháninca erhalten, die weder die Lehrer – geschweige denn die Schüler – verstehen!

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Neuauflage von „Basics interkultureller Kommunikation“

basics-cover-2auflKürzlich erschien eine Neuauflage meines Buches „Basics interkultureller Kommunikation“.

Der Preis für die Printausgabe beträgt weiterhin Euro 11,95 (inkl. MwSt.); der Preis für das eBook konnte auf Euro 8,99 (inkl. MwSt.) gesenkt werden.

Innerhalb der nächsten 14 Tage ist das eBook sogar zum Promotionspreis von Euro 7,99 (inkl. MwSt.) erhältlich!

Weitere Infos zu „Basics interkultureller Kommunikation“ finden Sie hier oder im folgenden Video-Clip:

George W. Peters´ Bekenntnis zur Autorität der Bibel

Der Missionswissenschaftler Dr. George W. Peters beginnt seine Theologie der Mission mit einer persönlichen Stellungnahme und einem klaren Bekenntnis zur Autorität der Bibel:

„Ich entschuldige mich nicht dafür, daß ich die Bibel ohne vorgeschaltete Kritik als Autorität akzeptiere. Die Bibel ist die Grundlage und die Quelle des Glaubens, nicht das Ergebnis des Glaubens. Es geht mir darum, alles unter das Urteil des göttlichen Wortes zu bringen. Ohne zögern akzeptiere ich die Irrtumslosigkeit des biblischen Berichtes, die Historizität des Vorwortes der Bibel – 1.Mose 1-11 -, den mosaischen Ursprung des Pentateuchs und die historische, konservative, evangelikale Stellung zu allen Büchern der Bibel. Ich habe diese Stellung nicht blindlings bezogen. Die historisch-kritische Forschung ist mir nicht fremd. Die Auseinandersetzungen über Offenbarung und Inspiration, Authentizität und Integrität der Bibel sind mir wohl bekannt. Über Jahre hinweg verfolgte ich aufmerksam und nachdenklich die verschiedensten philosophischen und theologischen Strömungen und ihren Umgang mit der Bibel. Ich fand aber all diese Theorien mangelhaft. Sie scheinen mir weder offenbarungsgemäß, noch historisch, noch rational zu verfahren. Es fehlen ihnen die historischen Beweise für ihre Behauptungen und die klaren autoritativen Kriterien. Sie bauten weder meinen Glauben noch mein Leben auf. Es handelte sich bei ihnen um subjektive, unkritische Spekulationen. Sie mehrten weder missionarische Motivation noch schafften sie missionarische Dynamik. Diese Theorien nahmen weder mein Herz in Beschlag, noch spornten sie meinen Willen an. Deshalb bleibe ich bei der Bibel als meinem Führer, meiner Wegweisung und meiner Autorität.“ George W. Peters. Missionarisches Handeln und biblischer Auftrag. Eine Theologie der Mission, S. 9f.

Bibelübersetzung für die Quechua am Napo-Fluss

Wycliffe Bible Translators hat einen Kurzfilm über das Bibelübersetzungsprojekt für die Quechua am Napo-Fluss (Peru) veröffentlicht. Der Film gibt einen guten Einblick in die Arbeit des Übersetzungsteams und zeigt auch die Bedeutung einer Bibelübersetzung in der Herzenssprache der Ethnie auf.

Zwei der Mitglieder des Übersetzungsteams kenne ich persönlich. Von Christa habe ich sehr viel über die Indianersprachen im peruanischen Urwald gelernt, dies hat mir in meinem Dienst als Bibellehrer sehr geholfen. Claudia habe ich während einem Missionsvortrag, den ich in einer Gemeinde in Lima gehalten habe, kennengelernt. Sie arbeitet mit viel Freude und Hingabe, damit auch die Quechua am Napo-Fluss endlich Gottes Wort in ihrer Herzenssprache bekommen.

Hier der auf Youtube veröffentlichte Film (in Englisch):

FAIENAP-Konferenz, „Schnappe deinen Gauner“ und weitere Eindrücke einer Peru-Reise

Seit wir im Jahr 2006 wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind reise ich fast jedes Jahr nach Peru. Dieses Jahr bin ich bereits das zweite Mal hier. Auf jeder Reise mischen sich unter das Bekannte und Vertraute viele neue Eindrücke.

Die ersten beiden Wochen verbrachte ich in Pucallpa, wo ich an der FAIENAP-Konferenz teilnahm. Vergangenes Jahr hatte man damit begonnen, die Hauptstraße, die aus der Stadt in Richtung Lima führt, vom Kilometer 5 (Flughafen) bis zum Kilometer 15 vierspurig auszubauen. Eigentlich hätte sie inzwischen fertig sein sollen, war sie aber nicht (dafür baut man jetzt die Straße vom Kilometer 5 Richtung Stadtmitte sechsspurig aus). Der Taxifahrer erzählte mir, dass im Dezember 2014 die Bauarbeiten plötzlich, ohne weitere Erklärungen, eingestellt worden waren. Vermutlich war das Geld irgendwie ausgegangen… Zurück blieben eine ganze Reihe Beton-Konstruktionen unfertiger Fußgängerbrücken (die mich an die Brücke des „Tren eléctrico“ [elektrische Stadtbahn] in Surco erinnerte, die rund zwei Jahrzehnte so vor sich hin stand, bis Präsident Alan García das in den 1980er-Jahren begonnene Projekt in seiner zweiten Amtszeit dann endlich fertig stellte) sowie unvollendeter Fahrbahnerweiterungen, die lebensgefährlich sind, wenn man etwas von der Piste abkommt.

Hardt - FahneVor Antritt meiner Reise hatte mich einer meiner Söhne gebeten, zu schauen, ob der Wegweiser nach „Hardt“ (unserem Wohnort in D), noch an dem Pfosten auf der Missionsstation Cashibo hängt (an dem weitere Wegweiser zu bedeutenden Metropolen angebracht sind) – und davon ein Foto zu machen. Mein Vater hat dieses Hinweisschild einst gemacht und bei einem Besuch (als wir noch in Cashibo wohnten) mitgebracht und feierlich aufgehängt. Als ich dann nach Cashibo kam erlebte ich als Schwabe eine freudige Überraschung: neben dem Wegweiser (u.a. nach Hardt) hing neuerdings auch eine Fahne des „Königreiches Württemberg“ – ein paar junger Leute aus dem Süden der Republik hatten sie mitgebracht und dort aufgehängt :-).

FAIENAP2015Schwerpunkt meines Aufenthalts in Pucallpa war die Teilnahme an der jährlichen Konferenz von FAIENAP (Dachverband evangelischer Indianerkirche im peruanischen Amazonasgebiet). Aufgrund der angespannten finanziellen Situation von FAIENAP mussten die Delegierten der angeschlossenen Stammeskirchen die Reisekosten für die Teilnahme selbst aufbringen mussten. Insbesondere für diejenigen, die im Norden im Gebiet zwischen dem Marañon und der ecuadorianischen Grenzen leben, war das ein großes Opfer – zusätzlich zur langen Reise. So war (nicht nur) ich gespannt, wie viele Delegierte unter diesen Umständen die Reise nach Pucallpa antreten würden. Die positive Überraschung war, dass von den 11 der 17 angeschlossenen Kirchenverbände Vertreter zur Konferenz kamen (ein paar allerdings mit Verspätung); die Teilnehmerzahl war nicht wesentlich schlechter, als in den Fällen, wo die Reisekosten von FAIENAP übernommen wurden. Ein wichtiges Thema während der FAIENAP-Konferenz sind die Berichte aus den verschiedenen Regionen und Stammeskirchen. Ein Thema, das in den vergangenen Jahren immer wieder auftaucht ist die Art und Weise wie manche Leute bzw. Organisationen „Missionsarbeit“ betreiben. Was ich damit meine wird anhand der Geschichte deutlich, die uns der Delegierte der Quechua-Kirchen aus San Martín erzählt hat:

Eine diesem Kirchenverband angeschlossene Gemeinde war dabei ein neues Kirchengebände zu bauen. Plötzlich tauchten „Pastoren“ bzw. „Missionare“ einer anderen Organisation auf, und baten Hilfe an, um das Gebäude fertig zu stellen. Wie sie betonten wäre diese Hilfe „ohne Verpflichtungen“ für die Gemeinde. Zunächst besorgten sie das benötigte Wellblech, um das Dach fertig zu decken, dann eine Lautsprecheranlage und noch eine ganze Anzahl von Plastikstühlen. Plötzlich begannen sie damit, den Quechua-Pastor der Gemeinde, durch einen eigenen Pastor zu ersetzen und am Schluss fragten sie die Gemeinde, ob sie weiterhin bei ihrem bisherigen Gemeindeverband bleiben wolle, oder zu ihrer Organisation wechseln wolle (was ihnen den Vorteil weiterer finanzieller Unterstützung bringen würde).

Zu Glück bekamen die Verantwortlichen des Quechua-Kirchenverbandes rechtzeitig Wind von der Sache und konnten das böse Spiel noch rechtzeitig stoppen. Leider gibt es viele Fälle, in diesen dies nicht mehr möglich war :-(. Auf diese Art „Missionsarbeit“ zu betreiben ist wirklich unter der Gürtellinie. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man so etwas tun kann und frage mich, ob diese Leute überhaupt irgendeine Art von „Dienst-Ethik“ haben oder die ganze Sache nur eine Geschäft ist, bei der es darum geht, möglichst viel „Erfolg“ vorweisen zu können, egal mit welchen Mitteln??? (In meinem spanischsprachigen Blog habe ich diese Begebenheit aufgegriffen und einen ausführlichen Artikel zum Thema „Dienst-Ethik“ geschrieben: ¿Y qué de una ética ministerial?).

Im Gegensatz zu dieser unerfreulichen Geschichte hat es mich sehr gefreut, während der FAIENAP-Konferenz sechs meiner ehemaligen Studenten zu treffen, die seit vielen Jahren treu im Dienst stehen und inzwischen Leiter ihrer Stammeskirchen sind (bzw. einer von ihnen, Wilser, ist seit 2014 der neue Geschäftsführer von FAIENAP). Das war sehr ermutigend und hat mir wieder einmal bewusst gemacht, dass sich die Mühe lohnt, in die Ausbildung von Indianern zu investieren, auch wenn die „Ergebnisse“ nicht sofort sichtbar sind.

Nach zwei sehr heißen Wochen in Pucallpa (zweimal hatten wir 37°C im Haus) ging´s dann zurück nach Lima. Dort erreichte mich ein Anruf (ich hatte meine peruanische Handynummer auf Facebook gepostet) von meinem ehemaligen Quechua-Pastaza1999Bibelschullehrer-Kollegen David, der inzwischen in Lima als Pastor tätig ist. Er lud mich am Sonntag zum Predigen in seine Gemeinde mit anschließendem Mittagessen ein. Wir hatten uns über 10 Jahre nicht gesehen, freuten uns sehr über das Wiedersehen und sprachen über gemeinsame Erlebnisse, insbesondere unsere „historische Reise“ im Jahr 1999 zu den Quechua am Pastaza-Fluss (siehe Foto; ein Kapitel in „Begegnungen in Peru“ handelt ebenfalls von den Quechua Pastaza). Außerdem genoss ich es, eine Stunde Zeit für die Predigt zu haben :-).

LimaSicherheit ist ein großes Thema in Peru, insbesondere auch in Lima, wo die Kriminalität nicht weniger wird. Da Polizei und Justiz nicht immer zur Stelle sind und auch sonst nicht immer ihre Aufgabe so wahrnehmen, wie sie es eigentlich sollten, nehmen immer mehr Bürger die Sache selbst in die Hand. Ein derzeit populäres Motto in Peru lautet „Chapa tu choro“ – „Schnappe deinen Gauner“! Dahinter steckt aber nicht unbedingt die Idee, diesen dann der Justiz zu übergeben, sondern ihn auch selbst zu bestrafen. In einer Radiosendung hörte ich in einem Interview, wie in einem Stadtviertel in Lima sogar Plakate aufgehängt wurden, die mögliche Kriminelle warnten: „Wenn wir dich erwischen werden wir dich nicht zur Polizei bringen, sondern lynchen!“ – Bei Youtube gibt es inzwischen eine ganze Reihe an Filmaufnahmen, die zeigen, wie das in der Praxis aussieht (Suchbegriff: „Chapa tu choro“). Die Kriminellen haben wirklich „Glück“, wenn jemand sich erbarmt und rechtzeitig die Polizei ruft :-(.

LimaxBeim Besuch meines Patenkindes im Stadtteil San Martín de Porres (Lima), wurde ich dann Zeuge einer gesteigerten Wachsamkeit. Während des Besuchs wartete der Taxifahrer in seinem Auto, parkte es aber um die Straßenecke im Schatten. Plötzlich gab es eine Lautsprecherdurchsage an die Bewohner im Viertel, die auf das Taxi hinwies und darum bat, sich zu melden, da man sonst davon ausginge, dass da jemand mit bösen Absichten wäre. Die Eltern meines Patenkindes klärten die Sache sofort mit den Verantwortlichen und kurz darauf kam eine „Entwarnung“ (und der Taxifahrer, der die Durchsagen natürlich auch gehört hatte, war erleichtert :-)). Sie erklärten, dass es in der Vergangenheit vermehrt zu Diebstählen und Raubüberfällen gekommen sei, durch verschiedene Maßnahmen wie diese, aber wieder etwas Ruhe ins Viertel eingekehrt sei.

Begegnungen in Peru_Cover_kl2Weitere Erlebnisse und Eindrücke aus meiner Arbeit mit den Ethnien im Urwald finden Sie übrigens in der Neuauflage meines Buches „Begegnungen in Peru“.

“Begegnungen in Peru“ – Neuauflage

Begegnungen in Peru_Cover_kl2Am 10. Juli erschien eine Neuauflage von “Begegnungen in Peru – Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert“.

Die Printausgabe (Pb., 112 S.) kostet € 7,90 (inkl. MwSt) und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Achtung: neue ISBN: 978-3-7386-2127-3).

Eine eBook-Ausgabe (Kindle, iTunes, ePub) von “Begegnungen in Peru“ wird in Kürze erhältlich sein. Bis Ende August d.J. wird das eBook für einen Aktionspreis von € 4,99 (inkl. MwSt) erhältlich sein; der reguläre Preis wird danach € 5,99 (inkl. MwSt) betragen.

Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Norderstedt: Books on Demand, 2015. ISBN 978-3-7386-2127-3, Paperback, 112 Seiten, Preis: € 7,90 /- CHF 11,90 (inkl. MwSt).

Weitere Infos und Bezugsmöglichkeiten: www.jürgenschmidt.net

„Kleine Reise“ zum Bibelkurs in die Anden

Kürzlich kehrte ich von meiner ersten Peru-Reise in diesem Jahr zurück.

Kurz vor dem Ticlio-Pass

Kurz vor dem Ticlio-Pass

Knappe zwei Wochen verbrachte ich im Bergland. Von Lima aus ging es zunächst über die Carretera Central nach Huánuco, wo ich meinen Kollegen und Reisebegleiter Guillermo traf. Tags darauf machten wir uns dann gemeinsam auf die lange Reise über Tingo Maria und Tocache (im Urwald) nach Tayabamba. Die Fahrt von Huánuco nach

Fahrt von Tingo Maria nach Tocache - Río Huallaga

Fahrt von Tingo Maria nach Tocache – Río Huallaga

Tocache ging aufgrund relativ guter Straßen recht flott. In Tocache hatten wir dann mehrere Stunden Aufenthalt, in denen Guillermo einiges über die Geschichte der Stadt und der Umgebung erzählte, die früher eine Hochburg des Coca-Anbaus – mit allen Konsequenzen (vielen

Tocache

Tocache

Toten) war. Am Abend ging die Reise dann mit einem Geländewagen über Uchiza nach Tayabamba weiter – im Regen auf einer glitschigen Erdpiste, immer wieder durchquerten wir Bäche – bis wir irgendwann vom Urwald ins Bergland kamen. Nach über 12 Stunden Fahrt (der Chauffeur machte gegen morgen immer öfters Pause weil er hundemüde war) kamen wir dann in Tayabamba an. Tayabamba gehört zum Departamento „La Libertad“

Tayabamba

Tayabamba

(Hauptstadt Trujillo) und ist eine Kleinstadt mit ca. 10.000 Einwohnern in den Anden, auf ca. 3.250m Höhe. Auf dem Rückweg wählten wir dann die Route über die Küste, d.h. zunächst von Tayabamba über Sihuas nach Trujillo und von dort aus nach Lima. Die reine Reisezeit von Lima nach Tayabamba (ohne die Aufenthalte zwischen dem Wechsel der Verkehrsmittel zu rechnen) betrug jeweils rund 26 Stunden (die reine Flugzeit von Stuttgart nach Lima beträgt 13 Stunden…)!

01Sierra_de_PatazWährend der Reise durchquert man eine beeindruckende Landschaft, die sowohl Staunen und Bewunderung für Gottes Schöpfung, als auch Furcht auslöst. Gott sei Dank (!!!) für eine ruhige und bewahrte Reise ohne Zwischenfälle!

Der Zweck der Reise nach Tayabamba war ein Bibelkurs für Laienpastoren. Dort in der Region gibt es derzeit 22 Gemeinden des Alianza Gemeindeverbandes, aber nur einer der Pastoren hat eine abgeschlossene mehrjährige theologische Ausbildung. Die restlichen Gemeindeleiter sind Laien mit mehr oder weniger Ausbildung (meist weniger als mehr).

Gochapita

Gochapita

Eine Woche lang unterrichtete ich täglich 5 Stunden die beiden Kurse „Bibelpanorama“ und „Grundprinzipien der Bibelauslegung“. Dazu kamen weitere Dienste. Am Tag unserer Ankunft durfte ich gleich in Tayabamba im Abendgottesdienst predigen, am folgenden Abend hatte ich das Thema im Jugendtreff und am Sonntagmorgen die Predigt in Gochapita, einem Dorf auf über 3.500m Höhe, etwa eine Stunde von Tayabamba entfernt. Die Woche darauf, kurz vor der Abreise nach Trujillo, predigte ich nochmals in Tayabamba.

Da während unseres Aufenthalts in Tayabamba eine Woche lang das Fest des Heiligen Toribio gefeiert wurde (die Stadtverwaltung hatte dafür ein Budget von einer halben Million Nuevos Soles, d.h. ca. € 156.000 bereitgestellt – das Jahr zuvor waren es „nur“ etwa € 100.000,–), und ziemlich viel Lärm in der Stadt war (teilweise bis 3 Uhr morgens), fand der Bibelkurs in Allauca, einem Dorf,

Allauca

Allauca

etwa 20 Minuten Fahrtzeit bergaufwärts, statt. Eine weise Entscheidung der Verantwortlichen, denn dort konnten wir uns wirklich ungestört auf den Unterricht konzentrieren!

Von den eingeladenen 22 Gemeinden waren insgesamt 63 fest eingeschriebene Studenten aus 19 Gemeinden zum Bibelkurs gekommen. Zusätzlich waren täglich jeweils mehrere Gasthörer anwesend. Obwohl die Kurse sehr herausfordernd waren, waren die Teilnehmer eifrig mit dabei und nutzten die Gelegenheit, die Bibel besser kennen und verstehen zu lernen. Die Pausen nutzten sie, um sich draußen in der Sonne etwas aufzuwärmen, denn in der Kirche, wo das Seminar stattfand, war es doch ziemlich frisch. Ein Küchenteam der Gemeinde von Allauca versorgte uns in dieser Woche mit allerlei Leckereien aus dem Bergland – immer in der (unberechtigten) Sorge, es könnte zu wenig sein.

01jsWährend der letzten Woche meiner Reise in Lima hatte ich noch mehrere weitere Events. U.a. hielt ich am Theologischen Seminar der Presbyterianer (STEP) sowie in der Mennonitengemeinde (bei der ich nun das fünfte Jahr in Folge Dienste hatte) Vorträge über „Die Relevanz des Alten Testaments und der chronologischen Bibellehre in der Missionsarbeit“.

Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde?

Kürzlich erschien im 3L Verlag das Buch „Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde?“ von Greg Gilbert und Kevin DeYoung. Mit viel Leidenschaft versuchen die beiden Autoren Orientierung im missionalen Dschungel zu geben. – Denn, wenn jegliche Aktivität einer Gemeinde inzwischen „Mission“ ist, dann ist am Ende vermutlich gar nichts mehr Mission bzw. zu erwarten, dass die Verkündigung des Evangeliums auf der Strecke bleibt.

Was mir an dem Buch sehr gefällt ist, dass die Autoren sehr gründlich mit der Bibel arbeiten und wirklich fundiert exegetisch argumentieren. Dabei kommen sie einerseits zur Schlussfolgerung, dass der Missions-Auftrag der Gemeinde in der Verkündigung des Evangeliums besteht (denn dies gehört zu den „Kern-Kompetenzen“ der Gemeinde und nicht von irgendwelchen anderen weltlichen Institutionen). Gleichzeitig verneinen sie keinesfalls, dass eine Gemeinde viele gute andere Dinge tun kann und tun sollte (aus Nächstenliebe). Aber sie empfehlen – auch der Klarheit wegen – diese anderen (guten, wichtigen) Aktivitäten der Gemeinde nicht als „Mission“ zu bezeichnen.

Craig Gilbert, einer der Autoren, war auch der Hauptredner der diesjährigen Evangelium21-Konferenz, bei der es um das Thema „Was ist der Auftrag der Gemeinde?“ ging. Die Vorträge können inzwischen über die Internetseite von Evangelium21 angehört bzw. als mp3-Dateien heruntergeladen werden.

Literatur zum Thema Mission

In der Rubrik „Jesus in my life“ –>“Mission“ habe ich heute eine neue Seite hinzugefügt: „Literatur zum Thema Mission„.

Zum Thema „Mission“ gibt es natürlich eine ganze Fülle von Literatur. An dieser Stelle möchte ich auf Bücher, Schriften und Dokumente hinweisen, die sich grundlegend mit der Thematik beschäftigen. Manches davon ist auch zum Download im Internet erhältlich.

Insbesondere Hinweisen möchte ich auf den „Tübinger Pfingstaufruf zur Erneuerung des biblisch-heilsgeschichtlichen Missionsverständnisses (2013)“.

Interessante Vorträge von T4G: The Unadjusted Gospel

Hatte im Urlaub Zeit und Gelegenheit, die Vorträge von der Together for the Gospel-Konferenz 2010 anzuhören. Die Vorträge standen unter dem Thema „The Unadjusted Gospel“. Die Thematik wurde von unterschiedlichen Referenten und von verschiedenen Seiten beleuchtet. Aus der Fülle der Themen möchte ich nur ein paar erwähnen, die mich besonders angesprochen haben:

  • Al Mohler geht der Frage nach, wie es zu Anpassungen des Evangeliums an den aktuellen Zeitgeist kommt.
  • Thabiti Anyabwile stellt wichtige Fragen bezüglich der Einflußnahme des Evangeliums auf die Kultur.
  • John Piper befaßt sich mit der Frage, ob Jesus dasselbe Evangelium wie Paulus verkündigt hat.
  • Ligon Duncan spricht über die Bedeutung der Schriften der Kirchenväter und fragt, ob diese das biblische Evangelium kannten.

Wer einigermaßen Englisch versteht, dem kann ich die Vorträge sehr empfehlen!