Archiv der Kategorie: Peru

Peru-Reise 2017

Meine zweite Peru-Reise in diesem Jahr geht dem Ende entgegen. Bereits im Januar hatte ich die Möglichkeit hier zu sein und an der Bibelschule des Alianza-Gemeindeverbandes das Fach „Gemeinde und Mission“ zu unterrichten. Diesmal war geplant, denselben Kurs an der Bibelschule eines anderen Gemeindeverbandes in Lima zu unterrichten. Doch kurz vor Beginn meiner Reise erhielt ich die Nachricht, dass mangels Studenten das ganze Semester gestrichen wurde; ob die Bibelschule danach weitergeführt wird ist noch unklar. Durch diese kurzfristige Programmänderung waren zwar die ersten Tage in Lima etwas entspannter, doch das folgende Programm umso dichter.

Tayabamba

Die nächste Haupt-Station auf der Reise war Tayabamba bzw. Allauca (im Bergland), wo ich bereits 2015 einen einwöchigen Bibelkurs durchgeführt hatte. Die reine Fahrtzeit von Lima über Trujillo nach Tayabamba betrug insgesamt rund 26 Stunden; ein großer Teil der Strecke ist eine einspurige Erd-Piste, die in einem „relativ guten Zustand“ ist. Früher betrug die Reisezeit zwischen Trujillo und Tayabamba ca. 4 Tage!

Allauca

In Allauca (ca. 15 Min von Tayabama entfernt) führte ich einen Bibelkurs zum Thema „Endzeit“ durch. Insgesamt waren über 60 Teilnehmer aus den Bergdörfern bzw. Gemeinden der Umgebung gekommen. Wie an so vielen Orten in Peru gab es auch hier in der Vergangenheit Leute, die ein Datum zur Wiederkunft Jesu verbreiteten. Da Jesus natürlich nicht zum angegebenen Datum erschien, verließen viele die Gemeinden, da sie meinten, die Bibel wäre nicht zuverlässig. Doch nicht die Bibel ist das Problem, sondern die Bibelauslegung. Jesus hat sich ganz klar geäußert, dass keiner „Zeit und Stunde“ seiner Wiederkunft kennt. So war es mir ein großes Anliegen, zur Schrift hinzuführen, zu schauen, was wirklich geschrieben steht, und zwischen unseren „Vorstellungen“ und „Vermutungen“ und dem, was wirklich klar geoffenbart ist, zu unterscheiden.

Die nächste Reise-Station war Trujillo (Küste), wo ich denselben Bibelkurs hielt, diesmal an der Bibelschule des Alianza-Gemeindeverbandes. Außerdem war ich eingeladen, am Sonntag in der Gemeinde zu predigen. Da die dortige Gemeinde (Alianza America Sur) sehr gewachsen ist, der Gottesdienstraum aber nur 180 Personen fasst, gibt es nun eben fünf Gottesdienste am Sonntag (zwei am Vormittag und drei am Abend). So predigte ich das erste Mal am selben Sonntag in fünf Gottesdiensten über dasselbe Thema; eine neue, interessante Erfahrung.

Die letzte Haupt-Station meiner Reise war Pucallpa (Urwald), wo ich an der Jahreskonferenz von FAIENAP (Dachverband evangelischer Indianerkirchen) teilnahm. Die ersten beiden Tage der Jahreskonferenz sind jeweils für die Mitgliederversammlung reserviert, bei der u.a. die Delegierten aus den angeschlossenen Gemeindeverbänden berichten. Die restlichen drei Tage findet eine Rüstzeit mit verschiedenen Referenten und Themen statt. Dieses Jahr hatte ich die Möglichkeit über das Thema „Gemeinde und Mission“ zu sprechen. Es gibt einige Indianer-Pastoren, die in diesem Bereich bereits sehr engagiert sind. Doch insgesamt wissen die Gemeinden relativ wenig über dieses Thema und so ist auch in den Indianerkirchen eine wachsende Kluft zwischen „Gemeinde“ und „Mission“ erkennbar – in derselben Weise wie in der westlichen Welt [Der Missiologe George W. Peters drückte es einmal so aus: „Die zwischen Kirchen und Missionsgesellschaften bestehende Kluft ist eine völlig abnorme Entwicklung in der Geschichte der Kirche. Deshalb haben wir heute so viele missionslose Kirchen (Gemeinden) und so viele kirchenlose (gemeindelose) Missionsgesellschaften.”].

Während jeder Peru-Reise gibt es Dinge, die – trotz all dem inzwischen Bekannten – immer wieder ins Auge springen. Dazu gehören z.B. weiter steigende Preise (u.a. für Lebensmittel), überall sind Leute mit ihrem Smartphone unterwegs und telefonieren, spielen, etc., d.h. sie sind permanent damit beschäftigt.

Einmal mehr wurde mir bewusst, was für ein Privileg es ist (in unserem Dorf im Schwarzwald) sauberes Trinkwasser und saubere Luft zu haben. In Trujillo war das Wasser dermaßen stark gechlort (evtl. wegen der Überschwemmungen im Frühjahr mit Unterbrechung der Wasserversorgung), dass innerhalb von zwei Tagen meine Darmflora massiv gestört bzw. in Mitleidenschaft gezogen wurde. Im Urwald ist gerade die Zeit, in der Brandrodungen stattfinden und während meines Aufenthalts war ständig staubige und/oder rauchige Luft – ganz zu schweigen von der Luftverschmutzung durch den Verkehr in Lima.

Bei den Besuchen in unterschiedlichsten Regionen des Landes wird mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich die Mentalität und kulturelle Prägung der Leute ist. Peru ist wirklich multi-kulti. Oft haben die Peruaner der verschiedenen Regionen Kultur-Stress untereinander, sind sich dessen aber oft nicht bewusst. Beim Flug von Amsterdam nach Lima saß ich neben einer Frau aus Cuzco; wir kamen ins Gespräch und ich fragte sie, ob sie auch Quechua spräche. Sie bejahte und wir kamen auf die Vielfalt der Quechua-Dialekte zu sprechen. Sie meinte allen Ernstes, dass überall in Peru (fast) dieselbe Quechua-Variante gesprochen würde wie in Cuzco! – Dabei gibt es über 20 Varianten des Quechua in Peru, die sehr unterschiedlich sind und die einander nur sehr beschränkt verstehen. Wie die Inka hielt sie wohl Cuzco für den „Nabel der Welt“. Ähnliches geschieht im Bereich der Bildung. Die Verantwortlichen (die meist Lima für den „Nabel der Welt“ halten) haben oft leider kaum eine Ahnung von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Ethnien und Sprachen im Amazonasgebiet. So kommt es vor, das z.B. die Ashénica als Teil der Asháninca-Gruppe betrachtet werden und Schulbücher in Asháninca erhalten, die weder die Lehrer – geschweige denn die Schüler – verstehen!

Advertisements

Bibelübersetzung für die Quechua am Napo-Fluss

Wycliffe Bible Translators hat einen Kurzfilm über das Bibelübersetzungsprojekt für die Quechua am Napo-Fluss (Peru) veröffentlicht. Der Film gibt einen guten Einblick in die Arbeit des Übersetzungsteams und zeigt auch die Bedeutung einer Bibelübersetzung in der Herzenssprache der Ethnie auf.

Zwei der Mitglieder des Übersetzungsteams kenne ich persönlich. Von Christa habe ich sehr viel über die Indianersprachen im peruanischen Urwald gelernt, dies hat mir in meinem Dienst als Bibellehrer sehr geholfen. Claudia habe ich während einem Missionsvortrag, den ich in einer Gemeinde in Lima gehalten habe, kennengelernt. Sie arbeitet mit viel Freude und Hingabe, damit auch die Quechua am Napo-Fluss endlich Gottes Wort in ihrer Herzenssprache bekommen.

Hier der auf Youtube veröffentlichte Film (in Englisch):

Erdöl-Austritt verschmutzt Amazonasgebiet!

Wieder einmal kam es im peruanischen Amazonasgebiet bei der Förderung von Erdöl bzw. durch ein Leck in einer Pipeline zu massiven Verschmutzungen der Gewässer. Bereits am 25. Januar 2016 kam es am Río Chiriaco durch das Leck in einer Pipeline zum Austritt von Rohöl, das den ganzen Fluss verunreinigt. Am 9. Februar 2016 verschlimmerte sich die Situation, als aufgrund starker Regenfälle (es ist gerade Regenzeit) der von Petro Peru gebaute Damm, um das Rohöl zurückzuhalten, überflutet wurde.

Das folgende auf Youtube eingestellte Video zeigt den Río Chiriaco überzogen mit einer Ölschicht. Der Chiriaco fließt in den Marañon, der ab seinem Zusammenfließen mit dem Ucayali den Amazonas bildet. Die Bevölkerung an diesen Flüssen ist über die Verschmutzung der Gewässer sehr besorgt und leidet auch an dem starken Geruch, der sich überall ausbreitet.

In dem Video wird den Funktionären der verantwortlichen Erdölgesellschaft vorgeworfen, sie würden dem Vorfall nicht die gebührende Bedeutung beimessen. Außerdem zeigt man sich überrascht, dass die Medien den Fall Kleinreden und berichten, alles wäre unter Kontrolle. Doch die Videoaufnahmen zeigen etwas anderes. Der Río Chiriaco ist derzeit auf einer Länge von ca. 30 Kilometer verschmutzt – von dem Ort, wo das Leck in der Pipeline ist, bis zu seiner Einmündung in den Río Marañon. Für die Menschen, die dort wohnen, ist dieser Öl-Unfall eine absolute Katastrophe, ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf Flora und Fauna!

Für diejenigen, die Spanisch sprechen, ein paar Links zu den Nachrichten von RPP-Noticias über den Vorfall:

Indígenas denunciarán a la estatal Petroperú por derrame en Amazonía

Amazonas: alarma por derrame de petróleo que contamina al río Marañón

Funcionarios regionales evalúan derrame de petróleo en el río Chiriaco

Bagua: nativos Awajun afectados por filtración de petróleo

Petroperú niega negligencia en derrame de crudo en Amazonas y Loreto

FAIENAP-Konferenz, „Schnappe deinen Gauner“ und weitere Eindrücke einer Peru-Reise

Seit wir im Jahr 2006 wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind reise ich fast jedes Jahr nach Peru. Dieses Jahr bin ich bereits das zweite Mal hier. Auf jeder Reise mischen sich unter das Bekannte und Vertraute viele neue Eindrücke.

Die ersten beiden Wochen verbrachte ich in Pucallpa, wo ich an der FAIENAP-Konferenz teilnahm. Vergangenes Jahr hatte man damit begonnen, die Hauptstraße, die aus der Stadt in Richtung Lima führt, vom Kilometer 5 (Flughafen) bis zum Kilometer 15 vierspurig auszubauen. Eigentlich hätte sie inzwischen fertig sein sollen, war sie aber nicht (dafür baut man jetzt die Straße vom Kilometer 5 Richtung Stadtmitte sechsspurig aus). Der Taxifahrer erzählte mir, dass im Dezember 2014 die Bauarbeiten plötzlich, ohne weitere Erklärungen, eingestellt worden waren. Vermutlich war das Geld irgendwie ausgegangen… Zurück blieben eine ganze Reihe Beton-Konstruktionen unfertiger Fußgängerbrücken (die mich an die Brücke des „Tren eléctrico“ [elektrische Stadtbahn] in Surco erinnerte, die rund zwei Jahrzehnte so vor sich hin stand, bis Präsident Alan García das in den 1980er-Jahren begonnene Projekt in seiner zweiten Amtszeit dann endlich fertig stellte) sowie unvollendeter Fahrbahnerweiterungen, die lebensgefährlich sind, wenn man etwas von der Piste abkommt.

Hardt - FahneVor Antritt meiner Reise hatte mich einer meiner Söhne gebeten, zu schauen, ob der Wegweiser nach „Hardt“ (unserem Wohnort in D), noch an dem Pfosten auf der Missionsstation Cashibo hängt (an dem weitere Wegweiser zu bedeutenden Metropolen angebracht sind) – und davon ein Foto zu machen. Mein Vater hat dieses Hinweisschild einst gemacht und bei einem Besuch (als wir noch in Cashibo wohnten) mitgebracht und feierlich aufgehängt. Als ich dann nach Cashibo kam erlebte ich als Schwabe eine freudige Überraschung: neben dem Wegweiser (u.a. nach Hardt) hing neuerdings auch eine Fahne des „Königreiches Württemberg“ – ein paar junger Leute aus dem Süden der Republik hatten sie mitgebracht und dort aufgehängt :-).

FAIENAP2015Schwerpunkt meines Aufenthalts in Pucallpa war die Teilnahme an der jährlichen Konferenz von FAIENAP (Dachverband evangelischer Indianerkirche im peruanischen Amazonasgebiet). Aufgrund der angespannten finanziellen Situation von FAIENAP mussten die Delegierten der angeschlossenen Stammeskirchen die Reisekosten für die Teilnahme selbst aufbringen mussten. Insbesondere für diejenigen, die im Norden im Gebiet zwischen dem Marañon und der ecuadorianischen Grenzen leben, war das ein großes Opfer – zusätzlich zur langen Reise. So war (nicht nur) ich gespannt, wie viele Delegierte unter diesen Umständen die Reise nach Pucallpa antreten würden. Die positive Überraschung war, dass von den 11 der 17 angeschlossenen Kirchenverbände Vertreter zur Konferenz kamen (ein paar allerdings mit Verspätung); die Teilnehmerzahl war nicht wesentlich schlechter, als in den Fällen, wo die Reisekosten von FAIENAP übernommen wurden. Ein wichtiges Thema während der FAIENAP-Konferenz sind die Berichte aus den verschiedenen Regionen und Stammeskirchen. Ein Thema, das in den vergangenen Jahren immer wieder auftaucht ist die Art und Weise wie manche Leute bzw. Organisationen „Missionsarbeit“ betreiben. Was ich damit meine wird anhand der Geschichte deutlich, die uns der Delegierte der Quechua-Kirchen aus San Martín erzählt hat:

Eine diesem Kirchenverband angeschlossene Gemeinde war dabei ein neues Kirchengebände zu bauen. Plötzlich tauchten „Pastoren“ bzw. „Missionare“ einer anderen Organisation auf, und baten Hilfe an, um das Gebäude fertig zu stellen. Wie sie betonten wäre diese Hilfe „ohne Verpflichtungen“ für die Gemeinde. Zunächst besorgten sie das benötigte Wellblech, um das Dach fertig zu decken, dann eine Lautsprecheranlage und noch eine ganze Anzahl von Plastikstühlen. Plötzlich begannen sie damit, den Quechua-Pastor der Gemeinde, durch einen eigenen Pastor zu ersetzen und am Schluss fragten sie die Gemeinde, ob sie weiterhin bei ihrem bisherigen Gemeindeverband bleiben wolle, oder zu ihrer Organisation wechseln wolle (was ihnen den Vorteil weiterer finanzieller Unterstützung bringen würde).

Zu Glück bekamen die Verantwortlichen des Quechua-Kirchenverbandes rechtzeitig Wind von der Sache und konnten das böse Spiel noch rechtzeitig stoppen. Leider gibt es viele Fälle, in diesen dies nicht mehr möglich war :-(. Auf diese Art „Missionsarbeit“ zu betreiben ist wirklich unter der Gürtellinie. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man so etwas tun kann und frage mich, ob diese Leute überhaupt irgendeine Art von „Dienst-Ethik“ haben oder die ganze Sache nur eine Geschäft ist, bei der es darum geht, möglichst viel „Erfolg“ vorweisen zu können, egal mit welchen Mitteln??? (In meinem spanischsprachigen Blog habe ich diese Begebenheit aufgegriffen und einen ausführlichen Artikel zum Thema „Dienst-Ethik“ geschrieben: ¿Y qué de una ética ministerial?).

Im Gegensatz zu dieser unerfreulichen Geschichte hat es mich sehr gefreut, während der FAIENAP-Konferenz sechs meiner ehemaligen Studenten zu treffen, die seit vielen Jahren treu im Dienst stehen und inzwischen Leiter ihrer Stammeskirchen sind (bzw. einer von ihnen, Wilser, ist seit 2014 der neue Geschäftsführer von FAIENAP). Das war sehr ermutigend und hat mir wieder einmal bewusst gemacht, dass sich die Mühe lohnt, in die Ausbildung von Indianern zu investieren, auch wenn die „Ergebnisse“ nicht sofort sichtbar sind.

Nach zwei sehr heißen Wochen in Pucallpa (zweimal hatten wir 37°C im Haus) ging´s dann zurück nach Lima. Dort erreichte mich ein Anruf (ich hatte meine peruanische Handynummer auf Facebook gepostet) von meinem ehemaligen Quechua-Pastaza1999Bibelschullehrer-Kollegen David, der inzwischen in Lima als Pastor tätig ist. Er lud mich am Sonntag zum Predigen in seine Gemeinde mit anschließendem Mittagessen ein. Wir hatten uns über 10 Jahre nicht gesehen, freuten uns sehr über das Wiedersehen und sprachen über gemeinsame Erlebnisse, insbesondere unsere „historische Reise“ im Jahr 1999 zu den Quechua am Pastaza-Fluss (siehe Foto; ein Kapitel in „Begegnungen in Peru“ handelt ebenfalls von den Quechua Pastaza). Außerdem genoss ich es, eine Stunde Zeit für die Predigt zu haben :-).

LimaSicherheit ist ein großes Thema in Peru, insbesondere auch in Lima, wo die Kriminalität nicht weniger wird. Da Polizei und Justiz nicht immer zur Stelle sind und auch sonst nicht immer ihre Aufgabe so wahrnehmen, wie sie es eigentlich sollten, nehmen immer mehr Bürger die Sache selbst in die Hand. Ein derzeit populäres Motto in Peru lautet „Chapa tu choro“ – „Schnappe deinen Gauner“! Dahinter steckt aber nicht unbedingt die Idee, diesen dann der Justiz zu übergeben, sondern ihn auch selbst zu bestrafen. In einer Radiosendung hörte ich in einem Interview, wie in einem Stadtviertel in Lima sogar Plakate aufgehängt wurden, die mögliche Kriminelle warnten: „Wenn wir dich erwischen werden wir dich nicht zur Polizei bringen, sondern lynchen!“ – Bei Youtube gibt es inzwischen eine ganze Reihe an Filmaufnahmen, die zeigen, wie das in der Praxis aussieht (Suchbegriff: „Chapa tu choro“). Die Kriminellen haben wirklich „Glück“, wenn jemand sich erbarmt und rechtzeitig die Polizei ruft :-(.

LimaxBeim Besuch meines Patenkindes im Stadtteil San Martín de Porres (Lima), wurde ich dann Zeuge einer gesteigerten Wachsamkeit. Während des Besuchs wartete der Taxifahrer in seinem Auto, parkte es aber um die Straßenecke im Schatten. Plötzlich gab es eine Lautsprecherdurchsage an die Bewohner im Viertel, die auf das Taxi hinwies und darum bat, sich zu melden, da man sonst davon ausginge, dass da jemand mit bösen Absichten wäre. Die Eltern meines Patenkindes klärten die Sache sofort mit den Verantwortlichen und kurz darauf kam eine „Entwarnung“ (und der Taxifahrer, der die Durchsagen natürlich auch gehört hatte, war erleichtert :-)). Sie erklärten, dass es in der Vergangenheit vermehrt zu Diebstählen und Raubüberfällen gekommen sei, durch verschiedene Maßnahmen wie diese, aber wieder etwas Ruhe ins Viertel eingekehrt sei.

Begegnungen in Peru_Cover_kl2Weitere Erlebnisse und Eindrücke aus meiner Arbeit mit den Ethnien im Urwald finden Sie übrigens in der Neuauflage meines Buches „Begegnungen in Peru“.

“Begegnungen in Peru“ – Neuauflage

Begegnungen in Peru_Cover_kl2Am 10. Juli erschien eine Neuauflage von “Begegnungen in Peru – Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert“.

Die Printausgabe (Pb., 112 S.) kostet € 7,90 (inkl. MwSt) und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Achtung: neue ISBN: 978-3-7386-2127-3).

Eine eBook-Ausgabe (Kindle, iTunes, ePub) von “Begegnungen in Peru“ wird in Kürze erhältlich sein. Bis Ende August d.J. wird das eBook für einen Aktionspreis von € 4,99 (inkl. MwSt) erhältlich sein; der reguläre Preis wird danach € 5,99 (inkl. MwSt) betragen.

Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Norderstedt: Books on Demand, 2015. ISBN 978-3-7386-2127-3, Paperback, 112 Seiten, Preis: € 7,90 /- CHF 11,90 (inkl. MwSt).

Weitere Infos und Bezugsmöglichkeiten: www.jürgenschmidt.net

„Kleine Reise“ zum Bibelkurs in die Anden

Kürzlich kehrte ich von meiner ersten Peru-Reise in diesem Jahr zurück.

Kurz vor dem Ticlio-Pass

Kurz vor dem Ticlio-Pass

Knappe zwei Wochen verbrachte ich im Bergland. Von Lima aus ging es zunächst über die Carretera Central nach Huánuco, wo ich meinen Kollegen und Reisebegleiter Guillermo traf. Tags darauf machten wir uns dann gemeinsam auf die lange Reise über Tingo Maria und Tocache (im Urwald) nach Tayabamba. Die Fahrt von Huánuco nach

Fahrt von Tingo Maria nach Tocache - Río Huallaga

Fahrt von Tingo Maria nach Tocache – Río Huallaga

Tocache ging aufgrund relativ guter Straßen recht flott. In Tocache hatten wir dann mehrere Stunden Aufenthalt, in denen Guillermo einiges über die Geschichte der Stadt und der Umgebung erzählte, die früher eine Hochburg des Coca-Anbaus – mit allen Konsequenzen (vielen

Tocache

Tocache

Toten) war. Am Abend ging die Reise dann mit einem Geländewagen über Uchiza nach Tayabamba weiter – im Regen auf einer glitschigen Erdpiste, immer wieder durchquerten wir Bäche – bis wir irgendwann vom Urwald ins Bergland kamen. Nach über 12 Stunden Fahrt (der Chauffeur machte gegen morgen immer öfters Pause weil er hundemüde war) kamen wir dann in Tayabamba an. Tayabamba gehört zum Departamento „La Libertad“

Tayabamba

Tayabamba

(Hauptstadt Trujillo) und ist eine Kleinstadt mit ca. 10.000 Einwohnern in den Anden, auf ca. 3.250m Höhe. Auf dem Rückweg wählten wir dann die Route über die Küste, d.h. zunächst von Tayabamba über Sihuas nach Trujillo und von dort aus nach Lima. Die reine Reisezeit von Lima nach Tayabamba (ohne die Aufenthalte zwischen dem Wechsel der Verkehrsmittel zu rechnen) betrug jeweils rund 26 Stunden (die reine Flugzeit von Stuttgart nach Lima beträgt 13 Stunden…)!

01Sierra_de_PatazWährend der Reise durchquert man eine beeindruckende Landschaft, die sowohl Staunen und Bewunderung für Gottes Schöpfung, als auch Furcht auslöst. Gott sei Dank (!!!) für eine ruhige und bewahrte Reise ohne Zwischenfälle!

Der Zweck der Reise nach Tayabamba war ein Bibelkurs für Laienpastoren. Dort in der Region gibt es derzeit 22 Gemeinden des Alianza Gemeindeverbandes, aber nur einer der Pastoren hat eine abgeschlossene mehrjährige theologische Ausbildung. Die restlichen Gemeindeleiter sind Laien mit mehr oder weniger Ausbildung (meist weniger als mehr).

Gochapita

Gochapita

Eine Woche lang unterrichtete ich täglich 5 Stunden die beiden Kurse „Bibelpanorama“ und „Grundprinzipien der Bibelauslegung“. Dazu kamen weitere Dienste. Am Tag unserer Ankunft durfte ich gleich in Tayabamba im Abendgottesdienst predigen, am folgenden Abend hatte ich das Thema im Jugendtreff und am Sonntagmorgen die Predigt in Gochapita, einem Dorf auf über 3.500m Höhe, etwa eine Stunde von Tayabamba entfernt. Die Woche darauf, kurz vor der Abreise nach Trujillo, predigte ich nochmals in Tayabamba.

Da während unseres Aufenthalts in Tayabamba eine Woche lang das Fest des Heiligen Toribio gefeiert wurde (die Stadtverwaltung hatte dafür ein Budget von einer halben Million Nuevos Soles, d.h. ca. € 156.000 bereitgestellt – das Jahr zuvor waren es „nur“ etwa € 100.000,–), und ziemlich viel Lärm in der Stadt war (teilweise bis 3 Uhr morgens), fand der Bibelkurs in Allauca, einem Dorf,

Allauca

Allauca

etwa 20 Minuten Fahrtzeit bergaufwärts, statt. Eine weise Entscheidung der Verantwortlichen, denn dort konnten wir uns wirklich ungestört auf den Unterricht konzentrieren!

Von den eingeladenen 22 Gemeinden waren insgesamt 63 fest eingeschriebene Studenten aus 19 Gemeinden zum Bibelkurs gekommen. Zusätzlich waren täglich jeweils mehrere Gasthörer anwesend. Obwohl die Kurse sehr herausfordernd waren, waren die Teilnehmer eifrig mit dabei und nutzten die Gelegenheit, die Bibel besser kennen und verstehen zu lernen. Die Pausen nutzten sie, um sich draußen in der Sonne etwas aufzuwärmen, denn in der Kirche, wo das Seminar stattfand, war es doch ziemlich frisch. Ein Küchenteam der Gemeinde von Allauca versorgte uns in dieser Woche mit allerlei Leckereien aus dem Bergland – immer in der (unberechtigten) Sorge, es könnte zu wenig sein.

01jsWährend der letzten Woche meiner Reise in Lima hatte ich noch mehrere weitere Events. U.a. hielt ich am Theologischen Seminar der Presbyterianer (STEP) sowie in der Mennonitengemeinde (bei der ich nun das fünfte Jahr in Folge Dienste hatte) Vorträge über „Die Relevanz des Alten Testaments und der chronologischen Bibellehre in der Missionsarbeit“.

Peru-Reise 2014 – Eindrücke und Jetlag…

Meine diesjährige Reise nach Peru liegt hinter mir. Derzeit kämpfe ich noch mit dem “Jetlag“, – eine gute Gelegenheit, um rückblickend meine Eindrücke zusammenzufassen.

Jede Reise besteht aus einer Mischung zwischen “Neuem“ und “Bekanntem“, und damit mit der Gefahr sich entweder zu wiederholen, oder zu viel als bekannt voraus zusetzen.

Peru-Reise 2014

Ticlio-Pass

Wie bereits vergangenes Jahr war ich in den drei großen Zonen Küste, Bergland und Urwald unterwegs. Nach einem kurzen Zwischenhalt in Lima ging´s zunächst nach Huariaca, einer Stadt auf etwa 3.000m Höhe im Bergland. Um nach Huariaca zu gelangen nimmt man i.d.R. den Bus, der auf der Carretera Central über del Ticlio Pass, La Oroya, die „Pampas de Junín“ nach Huánuco fährt – und steigt etwa eineinhalb Stunden vor der Endstation Huánuco aus. Dabei fährt man durch eine atemberaubend schöne Landschaft! Doch nicht nur die Landschaft raubt einem dabei manchmal den Atem, auch der Fahrstil und die Überholmanöver der Verkehrsteilnehmer. Ungefähr zwei Wochen vor meiner Reise ist ein Bus auf dieser Route verunglückt (wohl wegen Übermüdung des Fahrers) – es gab über zwanzig Tote, mehrere davon waren aus Huariaca. Einen der Angehörigen kenne ich von meiner Reise vom Vorjahr – seine dreißigjährige Tochter ist bei dem Unglück ums Leben gekommen und es hat ihn schwer getroffen. Sein Schmerz ist groß und es fehlen die Worte…

Einer der Faktoren, der nicht zur Erhöhung der Sicherheit auf der Carretera Central beiträgt, sind korrupte Polizisten. Wird jemand bei einem Verstoß gegen die Verkehrsregeln erwischt – so wie der Fahrer eines Sammeltaxis, in dem ich bei der diesjährigen Reise mitfuhr – dann kann er die Angelegenheit oft ohne Anzeige und mit einem relativ günstigen Trinkgeld regeln. Viele nutzen die Bestechlichkeit gewisser Polizisten aus, indem sie zusammen mit ihren Papieren etwas Geld übergeben – und fahren weiter wie bisher.

Huariaca

Huariaca

Wie bereits vergangenes Jahr wurde ich in Huariaca herzlich aufgenommen und gut verpflegt. An zwei Tagen hintereinander durfte ich in verschiedenen Familien “Cuy Picante“ genießen. Da mein Aufenthalt diesmal etwas kürzer war, hatte ich nur zwei Abendvorträge, nahm allerdings an einem regionalen Pastorentreffen teil, wo ich die Gelegenheit hatte, über die Herausforderung des Missionsbefehls zu sprechen. Die Teilnahme an diesem Treffen war für mich auch insofern interessant, dass ich etwas Einblick in die Situation der Gemeinden im Bergland erhielt. Von den über 10 Alianza-Pastoren aus der Region haben zur zwei eine abgeschlossene formale theologische Ausbildung. In verschiedenen Gesprächen gewann ich den Eindruck, dass die Ausbildungsmöglichkeiten für Indianerpastoren im Urwald, die sich in einer ähnlichen Situation (Familie, Bildungsnieveau, Finanzen, etc.) befinden, fast besser sind, als im Bergland!

Chacra

Chacra

Den Sonntagsgottesdienst feierten wir diesmal in dem kleinen Gehöft eines älteren Ehepaars (beide um die 80 Jahre alt), etwa eine Stunde oberhalb von Huariaca. Die beiden leben in ihrer “Chacra“ (Pflanzung), die von einer Mauer aus Lehmziegeln umgeben ist; ist Haus ist ebenfalls aus Lehmziegeln gebaut (mit fließend kalt Wasser und Stromanschluss). In ihrer Chacra pflanzen sie alle möglichen Kräuter an (darunter viele Heilkräuter), die sie auf dem Markt verkaufen. Ihre Kinder leben in Lima und möchten die Eltern eigentlich zu sich in die Stadt holen; die Eltern wollen aber nicht dort hin (was gut verständlich ist) und werden so lange sie noch fit sind (sie machen beide noch einen recht fitten Eindruck!) in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

Nach dem Gottesdienst, den wir im Freien in einem Kreis am Boden sitzend gefeiert haben, wurde gegrillt und gemeinsam gegessen.

Die nächste Station auf meiner Reise war Pucallpa im Urwald. Eigentlich hatte ich geplant, von Huánuco direkt mit dem Bus dorthin zu fahren. Doch irgendwo unterwegs auf der Strecke war eine Brücke eingestürzt und mehrere Tage lang waren keine Bus-Tickets zu erhalten. Selbst das Durchkommen mit dem Sammeltaxi war ungewiss. So musste ich kurzfristig umdisponieren, mit dem Nacht-Bus nach Lima zurück fahren, und von dort aus das Flugzeug nehmen.

Fußgängerzone Pucallpa

Fußgängerzone Pucallpa

Die Urwaldstadt Pucallpa wächst weiter wie verrückt. Das erste große Einkaufszentrum (Shopping-Mall) hat inzwischen eröffnet, das zweite steht kurz vor der Eröffnung. Derzeit wird die Carretera Federico Basadre, die aus der Stadt heraus in Richtung Lima führt, bis zum Kilometer 15 vierspurig ausgebaut. Viele Nebenstäßchen in Pucallpa und Yarina, die bisher nur Erdstraßen waren, wurden in den vergangenen Jahren asphaltiert. Die Fußgängerzone, die letztes Jahr noch in Bau war, ist inzwischen fertig gestellt. Es wurden moderne Ampeln mit Sekundenanzeige bis zum Umschalten installiert (sowohl für die Fahrer wie auch für die Fußgänger). Es geht voran in der Stadt und im Departamento Ucayali. Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Kurz vor der Weiterreise nach Pucallpa sah ich im peruanischen Fernsehen eine Reportage über die Zerstörung des Urwalds im Departamento Ucayali. Ein ausländischer Konzern ist dabei eine große Fläche aufzukaufen und zunächst einmal vollständig abzubrennen – obwohl ein Teil davon sogar geschützter Urwald ist. Die Leute in dem betroffenen Gebiet, die ihre Grundstücke nicht verkaufen wollen (ihnen werden 600 Nuevos Soles pro Hektar, d.h. etwa 180 Euro, angeboten) werden bedroht.

Palmöl-Fabrik

Palmöl-Fabrik

Es wurden Bilder von den Grundstück einer jungen Frau gezeigt, um das herum alles abgefackelt wurde! In Pucallpa habe ich mit meinem Taxifahrer Don Oscar über diese Sendung gesprochen. Er meinte, dass auf der abgebrannten Fläche vermutlich Palmen für die Herstellung von Palmöl angebaut werden sollen. Direkt neben dem Gefängnis ist übrigens eine Fabrik zur Herstellung von Palmöl entstanden und bereits in Betrieb. Die Reste werden dort verfeuert und der schwarze Rauch verpestet ungefiltert die Luft. Die Häftlinge nebenan im Gefängnis, die vieles von dem Dreck abkriegen, müssen den Eindruck haben, im Vorhof der Hölle gelandet zu sein…

FAIENAP-Konferenz

FAIENAP-Konferenz

In Pucallpa nahm ich an der Jahreskonferenz von FAIENAP, dem Dachverband der evangelischen Indianerkirchen, teil. Seit dem letzten Jahr gab es größere Veränderungen bei FAIENAP: einen fast komplett neuen Vorstand, einen neuen Geschäftsführer und eine neue Mitarbeiterin in der Verwaltung. Angesichts dieser vielen Veränderungen war ich doch positiv überrascht, was die neuen Verantwortlichen seit Anfang des Jahres alles bewegt haben.

Ein kleiner Teil von Lima

Ein kleiner Teil von Lima

Die letzte Woche der Reise verbrachte ich in Lima. Auch diese Stadt wächst weiter wie verrückt. Immer öfters werden eingeschossige Häuser abgerissen und Wohnblocks mit mehreren Stockwerken auf das frei gewordene Grundstück gebaut. Der Verkehr – vor allem in Stoßzeiten – nimmt immer mehr zu und es ist ratsam genügend Zeit einzuplanen. Insgesamt ist Lima eine sehr stressige Stadt, nicht nur für mich als Besucher, sondern auch für die Leute, die dort leben. Das hängt nicht nur mit dem vielen Verkehr und Lärm zusammen, sondern auch mit der Kriminalität. Man muss permanent aufpassen, was um einem herum vorgeht, kann keinem Fremden trauen, und selbst bei der Auswahl des Taxis ist Vorsicht geboten. D.h. das Leben in Lima ist alles andere als “gechillt“; entspannt “abhängen“ kann man nur im Schutz eines abgeschlossenen Geländes oder Hauses. Dementsprechend finden viele Begegnung in geschützten Räumen statt, dafür aber umso herzlicher – insbesondere in „frommen“ Kreisen. Dieses Jahr war ich bereits das vierte Jahr in Folge zu Diensten in der

Mennoniten-Gemeinde

Mennoniten-Gemeinde

Mennoniten-Gemeinde eingeladen. Inzwischen ist die kleine Gemeinde vom Stadtteil Lince in den Stadtteil San Juan de Miraflores (nicht zu verwechseln mit dem Stadtteil Miraflores) umgezogen, weil dort die Mieten wesentlich günstiger sind. In dem neuen Lokal ist mehr Platz und die Gemeinde ist am Wachsen. Zusätzlich zu den Diensten bei den Mennoniten hielt ich an zwei theologischen Ausbildungsstätten (Bibel-Seminar des Alianza Cristiana y Misionera-Kirchenverbandes / Theologisches Seminar der presbyterianischen Gemeinden) zum Thema „Die interkulturelle Kommunikation des Evangeliums“. Dabei stellte ich auch die, in diesem Jahr neu erschienene, spanische Ausgabe meines Buches „Basics interkultureller Kommunikation“ vor. Das Thema stieß auf großes Interesse und ich erhielt mehrere Anfragen für die geplante Reise im nächsten Jahr. – Doch zunächst ist es Zeit wieder ins Bett zu gehen, der Jetlag…

Zur Situation indigener Völker im peruanischen Amazonasgebiet

Im gestrigen Artikel über “In Isolation lebende Indianer aus Peru in Brasilien“ wurde zumindest ein bisschen deutlich, wie schwierig die Situation dieser Ethnien inzwischen geworden ist.

coverbegegnungen3auflIn der erweiterten Neuauflage von «Begegnungen in Peru» gehe ich ebenfalls auf die Situation dieser sehr verwundbaren Ethnien ein.

Aus aktuellem Anlass habe ich daher eine Leseprobe aus Kapitel 12 (Weitere Entwicklungen seit 2007) veröffentlicht. Hier geht´s zur Leseprobe

In Isolation lebende Indianer aus Peru in Brasilien

Der Nachrichtendienst Servindi weist auf ein bei Youtube veröffentlichtes Video hin, das den ersten Kontakt mit in Isolation lebenden Indianern aus Peru in Brasilien zeigt. Dabei soll es sich um Angehörige einer Ethnie aus Peru handeln, die in Brasilien Schutz suchen, weil sie sonst von peruanischen Holzfällern und Drogenkurieren getötet würden.

Der Kontakt ereignete sich am 29 Juni diesen Jahres im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Peru am Envira-Fluss im Bundesstaat Acre. Nach Auskunft der brasilianischen Indianerbehörde FUNAI gehören die Angehörigen dieser in Isolation lebenden Ethnie einer Untergruppe der Pano-Sprachfamilie an.

Ein Yaminahua-Indianer (die Yaminahua gehören ebenfalls zur Pano-Sprachfamilie) wurde von FUNAI als Übersetzer hinzugezogen. Offenbar hätten die Mitglieder dieser Ethnie sowohl Angst vor Angriffen durch andere isoliert lebende Ethnien in der Region (es ist von fünf größeren Gruppen die Rede) als auch vor Massakern durch Holzfäller und Drogenkuriere, wobei letztere wohl die größere Gefahr darstellen würden.

Hier geht´s zum Bericht von Servindi in spanischer Sprache.

Peru-Reise 2013 – Eindrücke

faienap-ofi

Das FAIENAP-Büro – mit neuem Design!

Bei meiner diesjährigen Reise nach Peru hatte ich Gelegenheit, die drei Hauptregionen zu besuchen: den Urwald, das Bergland und die Küste.
Die ersten eineinhalb Wochen verbrachte ich im Urwald, genauer gesagt im FAIENAP-Zentrum in Pucallpa. Der Fixpunkt jeder Peru-Reise ist die Teilnahme an der jährlichen FAIENAP-Konferenz, der Rest der Reise variiert von Jahr zu Jahr. Das besondere an der FAIENAP-Konferenz ist, dass sich dort Leiter der Indianerkirchen aus den unterschiedlichsten Regionen und Ethnien des Urwaldgebiets treffen und über die jeweilige Situation berichten. Das ermöglicht ein relativ schnelles „Update“ und einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen.

Nuevo_Pucallpa

Nuevo Pucallpa

Die Stadt Pucallpa wächst weiter wie verrückt. In alten Reiseführern wird sie noch mit einer „Goldgräberstadt“ verglichen, inzwischen hat sie mehrere hunderttausend Einwohner. Am Kilometer 13,5 wurde im September 2012 im Rahmen einer „Invasion“ Land besetzt (ein recht populärer Weg, um zu einem Grundstück zu kommen…) und kurzerhand eine neue Pucallpa_GrossbaustelleSiedlung errichtet: „Nuevo Pucallpa“.

Inzwischen drängen die großen Supermarktketten aus Lima auch in die Provinz – sogar nach Pucallpa.

Pucallpa - Fußgaengerzone

Neue Fußgängerzone in Pucallpa

Kürzlich wurde dort ein „Maestro“-Baumarkt eröffnet, ein Supermarkt von „Plaza Vea“ wird demnächst fertiggestellt werden und eröffnen, ein „Real Plaza“ und weitere sind im Bau.

Die Grundstückspreise im Zentrum sind regelrecht explodiert – viele bieten ihre Häuser zum Verkauf an, um den Gewinn zu realisieren und sich am Rand der Stadt niederzulassen.

Reloj Público - Pucallpa

Reloj Público – Pucallpa

Positiv sind Bemühungen zur Verschönerung der Innenstadt, insbesondere der Gestaltung einer Fußgängerzone von der „Plaza de Armas“ zur „Reloj Público“.

Weitere eineinhalb Wochen verbrachte ich in Huariaca, einer Kleinstadt auf ca. 3.000m Höhe, an der Carretera Central zwischen Huánuco und Cerro de Pasco.

Huariaca

Huariaca

Um nach Huariaca zu kommen nahm ich zunächst einen Überlandbus von Pucallpa nach Huánuco, danach ein Sammeltaxi von Huánuco nach Huariaca. Ein ehemaliger Kollege (und guter Freund!) der Indianerbibelschule ist dort seit einem knappen Jahr Pastor in einer Gemeindeaufbauarbeit. Er bat mich, ihn bei der Arbeit mit der Gemeinde zu unterstützen und insbesondere eine Vision für Mission zu vermitteln. Aus der Idee einige Vorträge zum Thema zu halten wurde kurzerhand die „1. Missionskonferenz in Huariaca“, zu der auch Mitglieder anderer Gemeinden eingeladen wurden. Während meines Aufenthalts wurde ich von verschiedenen Familien zum Essen eingeladen und durfte die Köstlichkeiten der Bergland-Küche genießen. Da die Leute dort meist draußen („en el campo“) arbeiten, haben sie einen entsprechenden Energiebedarf und die Portionen sind entsprechend groß… – vermutlich habe ich zugenommen :-).
Die (Rück)Reise nach Lima erfolgte im Überlandbus. Ein großer Teil der Strecke führte durch die „Pampa de Junín“, eine Hochebene auf über 4.000m Höhe. Am

Kurz vor dem Ticlio-Paß

Kurz vor dem Ticlio-Paß

Schluß ging es über den Ticlio-Paß (4.835m) und dann hinunter nach Lima. Je mehr wir uns Lima näherten, desto zäher wurde der Verkehr und desto länger dauerte der Rest der Strecke. Da der Taxifahrer, den ich normalerweise kontaktiere, schon Kundschaft hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als an der Busstation ein Taxi für die Fahrt zur Unterkunft zu suchen. Was mich regelmäßig nervt, sind die Versuche der Taxifahrer, „Gringo-Preise“ von mir zu verlangen. In der Regel mache ich sie darauf aufmerksam, dass ich ihr Taxi nicht kaufen will, sondern nur einen Transport von A nach B wünsche… Meist läßt sich dann ein vernünftiger Preis aushandeln. Das gelang auch diesmal, nur aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der langen Zeit, die er zum Ziel brauchte, war der Taxifahrer recht „stinkig“… – Eine völlig andere Haltung hatte der Taxifahrer, den mir das Kinderwerk Lima ein paar Tage später für die Rückfahrt von El Agustino nach Surco besorgte. Nach dem Besuch bei meinem Patenkind wollte ich auf dem Inka-Markt in Miraflores, sowie in der christlichen Buchhandlung „El Inca“ (ebenfalls in Miraflores) noch einige Einkäufe machen, was einen Zwischenstopp von etwas mehr als einer Stunde bedeutete. Der Taxifahrer machte mir einen fairen Preis, den er auch aufrecht erhielt, als ich ihn am Ende der Fahrt nochmals fragte, wieviel ich ihm schuldig sei. Ich hab nun die Karte mit seiner Telefonnummer und er einen neuen Kunden.
SurcoAuch die Stadt Lima ist weiter am Wachsen. Im Stadtteil Surco, wo ich untergebracht bin, fällt mir auf, dass viele der ein- bis zweistöckigen Häuser abgerissen und große Wohnblocks gebaut werden. Da Grundstücke inzwischen teuer, knapp und sehr begehrt sind, wird in die Höhe gebaut. Die Preise für Eigentumswohnungen in manchen Stadtteilen haben sich innerhalb der letzten fünf Jahre fast verdreifacht. Auch die Preise für Lebensmittel und Lebenshaltungskosten sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen, was günstiger wurde sind Technik-Artikel. Viele haben inzwischen ihr Smartphone, ein Tablet oder einen Laptop. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, wie die Leute das hier machen, gerade auch diejenigen, die nicht zu den Großverdienern gehören, aber irgendwie scheint es zu funktionieren… Peru ist ein schönes, aber auch geheimnisvolles Land – in Vielem…