AIDS bedroht Indianer

Oft bringen wir das Wort „AIDS“ mit Afrika in Verbindung. Nachrichten über Millionen von Toten, ganze Generationen, die einfach wegsterben und nur Alte und Kinder zurücklassen führen uns die Schrecklichkeit dieser Krankheit vor Augen. AIDS ist zu einer globalen Bedrohung geworden und hat inzwischen auch die Indianer im peruanischen Urwald erreicht.

Lange Zeit wurde das Thema AIDS in den öffentlichen Statistiken von Peru kaum beachtet. Inzwischen häufen sich aber die Nachrichten über das Vorkommen dieser Krankheit – und zwar in immer alarmierenderen Ausmaßen. Die peruanische Zeitung „La Republica“ hat vor einigen Monaten eine Statistik veröffentlicht, nach der über 40% derjenigen, die sich in Peru mit dem HIV-Virus infizieren, noch nicht einmal 18 Jahre alt sind.

Ein besonderer Zuwachs wird aus der Urwaldstadt Pucallpa berichtet, in deren Nähe wir unsere Missionsstation mit einer Bibelschule für Indianer haben. Ich stehe in engem Kontakt mit Jeiser Suarez, einem gläubigen Shipibo-Indianer. Jeiser Suarez ist Krankenpfleger und ihm liegt die Prävention von AIDS sehr am Herzen. Er hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Problematik auseinander gesetzt, u.a. weil er zusammen mit einer NGO, die Forschungen über die Prostitution unter Shipibo-Frauen durchführte, als Begleiter und Übersetzer mehrere Shipibodörfer besuchte. In einem Bericht  über das Thema aus indianischer Sicht (veröffentlicht unter http://www.faienap.org ->Indianer ) beklagt er insbesondere das große Informationsdefizit unter seinen Landsleuten zum Thema AIDS. Die meisten Shipibo-Indianer, wenn sie überhaupt schon von AIDS gehört haben, bringen diese Krankheit nur mit Homosexualität und Prostitution in Verbindung, sind sich aber nicht bewusst, dass die Krankheit auch sie selbst jederzeit erreichen kann. Viele Indianer beginnen ihr Sexualleben schon sehr früh, was eine schnelle Ausbreitung der Krankheit begünstigt. Kontakte mit Händlern, Holzfällern oder Arbeitern der Erdölgesellschaften, die häufig wechselnde Geschlechtspartner haben, vergrößern das Risiko einer Infektion; ebenso die Nähe zu einer Stadt.
Gemäß einem Bericht des Gesundheitsministeriums über die gesundheitliche Situation der Shipibo-Indianer starben im Jahr 2000 bereits drei Shipibofrauen offiziell an AIDS; wie hoch die Dunkelziffer der Erkrankungen ist, lässt sich nur schwer erahnen. Auch aus anderen Stämmen (Aguaruna, Huambisa, etc.) gibt es immer häufiger Nachrichten über AIDS-Kranke Indianer.

Bei den C a q u i n t e: Dorfversammlung um über AIDS und andere Geschlechtskrankheiten zu informieren

Bei unserem Stammeseinsatz unter den C a q u i n t e, im September 2004, haben wir in einer Dorfversammlung ausführlich über das Thema informiert. Erschreckend war die Unwissenheit, sprich das Nicht-Informiert-Sein. Selbst der Gesundheitshelfer des Dorfes, der bei einem seiner 3 Drei-Tages-Kurse zwar mal von der Krankheit gehört hatte, war sich der Problematik nicht bewußt.

Sie leben zwar z.T. noch recht abgelegen; dennoch gibt mehr als genügend Möglichkeiten, daß AIDS auch zu ihnen kommt – oder vielleicht schon angekommen ist, wer weiß das schon? Als Seelsorger habe ich einen sehr tiefen Einblick in ihr Leben erhalten, auch in ihre Sexualpraxis. Die Gefahr, daß dieses 400-Personen-Volk aufgrund von AIDS innerhalb der nächsten 20 Jahre vollständig von der Landkarte verschwinden könnte, ist m.E. nicht zu unterschätzen.

Allein das Führen des Sexuallebens nach biblischen Maßstäben kann den Indianern wirklichen Schutz gegen AIDS geben. Daher wird an unserer Bibelschule das Thema Geschlechtskrankheiten inzwischen besonders behandelt. Unsere Schüler kommen aus rund 15 verschiedenen Stämmen des peruanischen Urwaldes und sind somit wichtige Multiplikatoren, um mit zu helfen das bestehende Informationsdefizit in den Indianerdörfern zu verringern und auf eine Veränderung hinzuarbeiten.

Denn: wenn es nicht zum Umdenken und zur Umkehr in der gängigen Sexualpraxis kommt, dann besteht die reelle Gefahr, dass es unter den Indianern zu einer ähnlichen Entwicklung wie in Afrika kommt…

Um dem vorzubeugen ist es nötig jetzt zu handeln und auf die Gefahr, die AIDS für die – meist kleinen – Indianervölker im peruanischen Urwald darstellt, hinzuweisen.

Beim Versuch, das Thema in einer christlichen Zeitschrift zu plazieren erhielt ich vom zuständigen Redakteur u.a. folgende Rückmeldung:

„Ich habe ihn [den Artikel] gelesen. Es ist schon interessant und erschreckend, wie die Aidsseuche inzwischen die letzten Winkel der Erde erreicht hat. Andererseits kann ich mir eine Veröffentlichung in dieser Form nicht vorstellen. Um es kraß zu sagen: Drei an Aids verstorbene Shipibo-Frauen sind einfach marginal gegenüber den Millionen in Afrika. Das ist keine Größenordnung, die eine Meldung oder gar einen größeren Beitrag rechtfertigt. „

Es bleibt nur zu hoffen, daß AIDS in ein paar Jahren nicht so viele Indianer hinweg gerafft hat, daß es eine Meldung rechtfertigt…

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