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“Begegnungen in Peru“ – Neuauflage

Begegnungen in Peru_Cover_kl2Am 10. Juli erschien eine Neuauflage von “Begegnungen in Peru – Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert“.

Die Printausgabe (Pb., 112 S.) kostet € 7,90 (inkl. MwSt) und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Achtung: neue ISBN: 978-3-7386-2127-3).

Eine eBook-Ausgabe (Kindle, iTunes, ePub) von “Begegnungen in Peru“ wird in Kürze erhältlich sein. Bis Ende August d.J. wird das eBook für einen Aktionspreis von € 4,99 (inkl. MwSt) erhältlich sein; der reguläre Preis wird danach € 5,99 (inkl. MwSt) betragen.

Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Norderstedt: Books on Demand, 2015. ISBN 978-3-7386-2127-3, Paperback, 112 Seiten, Preis: € 7,90 /- CHF 11,90 (inkl. MwSt).

Weitere Infos und Bezugsmöglichkeiten: www.jürgenschmidt.net

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Spuren von in Isolation lebenden Indianern in Peru entdeckt

Servindi.org informiert auf ihrer Internetseite über einen Bericht der Indianerorganisation AIDESEP (Region Ucayali). Demnach wurden am 7. März diesen Jahres im Murunahua Reservat klare Spuren einer in Isolation lebenden Ethnie entdeckt. Das Murunahua Reservat liegt im Amazonasgebiet in der Grenzregion zu Brasilien und wurde extra als Schutzgebiet für in Isolation lebende Gruppen eingerichtet. Leider dringen immer wieder illegale Holzfäller in dieses Gebiet ein, u.a. auf der Suche nach Mahagoni.

Das Auffinden klarer Hinweise isoliert lebender Indianer ist von großer Bedeutung. Es gibt derzeit – allein im peruanischen Urwald – etwa 14 – 17 Stämme, die in freiwilliger Isolation leben. D.h. sie leben irgendwo im Urwald – ohne Kontakt zur Außenwelt. Das bedeutet nicht, dass diese Gruppen nicht wüssten, dass es da noch andere Menschen gäbe. Aber sie vermeiden meist ganz bewusst den Kontakt. Das hat seine Gründe. Ein Grund ist der sogenannte „Kautschukboom“, der zwischen 1870 und 1915 seinen Höhepunkt hatte und sehr großen Einfluss ausübte. Für den Export, v.a. nach England wurden große Mengen an Kautschuk benötigt. Dazu wurde ein breit angelegtes System von Händlern aufgebaut, bis das Produkt letztlich in Europa ankam. An vorderster Front standen die Kautschuk-Patrone, die im Urwald ein Anwerbesystem aufbauten, durch das Indianer ausgebeutet und versklavt wurden. In der damaligen Zeit zog sich eine ganze Anzahl von Stämmen bewusst in den Urwald zurück, um der Versklavung und Ausbeutung zu entgehen. Manche dieser Gruppen öffneten sich 30 oder 50 Jahre später wieder, gründeten wieder Dörfer an den großen Flüssen, und setzten sich dadurch den Einflüssen der sie umgebenden Welt und der sogenannten „Zivilisation“ aus. Andere Gruppen bleiben bis heute in freiwilliger Isolation. Nur gelegentlich kommt es zu Kontakten, z.B. wenn Werkzeuge wie Macheten aufgebraucht sind und sie versuchen Nachschub zu bekommen. Manchmal kommt es auch zu „zufälligen Begegnungen“, oft mit Holzfällern – die nicht immer friedlich ablaufen. Einerseits reagieren diese isoliert lebenden Indianer oft recht aggressiv auf Außenstehende. – Die schlechten Erfahrungen ihrer Vorfahren haben sich stark ins Gedächtnis der Gruppe eingeprägt. Ein weiterer Grund ist, dass es immer wieder zu Morden an Indianern kommt, deren Anwesenheit u.a. Holzfällern (die oft auch illegal Tropenhölzer ausbeuten) ein Dorn im Auge ist.

Im Jahr 2010 wurde eine interessante Studie veröffentlicht: „DESPOJO TERRITORIAL, CONFICTO SOCIAL Y EXTERMINIO – Pueblos indígenas en situación de aislamiento, contacto esporádico y contacto inicial de la Amazonía peruana“. Sie kann hier als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Man kann den Titel folgendermaßen übersetzen: „Enteignung des Territoriums, sozialer Konflikt und Vernichtung. – Indigene Völker des peruanischen Amazonasgebietes in Isolation, sporadischem Kontakt und erstem Kontakt.“ Diese Studie ist sehr interessant, weil sie die Situation dieser besonders verwundbaren Völker m.E. sehr gut beschreibt. Es geht um Ethnien, die in 8 Gebieten des peruanischen Urwaldes leben. Diese Gruppen haben die Isolation als Überlebensstrategie gewählt. Es sind oft sehr kleine Sippenverbände, die zerstreut im Urwald leben. Sie sind sehr verwundbar:

  • Kleine Gruppen.
  • Anfällig für Epidemien, weil sie keine Antikörper für „Zivilisationskrankheiten“ haben.
  • Aufgrund ihres Lebensstils als Halbnomaden brauchen sie ein großes Territorium, um sich selbst versorgen zu können. Das ist typisch für Wildbeuter.

 Diese Gruppen sind verschiedenen Bedrohungen ausgesetzt:

  • Illegalem Holzschlag.
  • Dem Eindringen von Holzfällern oder von Siedlern.
  • Der Ausbeutung von Erdöl oder Erdgas.
  • Straßenbauprojekten – Straßenverbindungen von Peru nach Brasilien.
  • Projekten zum Bau von Wasserkraftanlagen zur Elektrizitätsgewinnung (Verkauf des Stroms nach Brasilien).
  • Krankheiten, Epidemien.

 Leider wird das Vorhandensein dieser Gruppen immer wieder geleugnet. Denn es gibt u.a. internationale Abkommen, z.B. die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, in dem es um internationale Rechte für indigene Völker geht. Peru hat diese Konvention im Jahr 1994 ratifiziert. Es ist unter anderem vorgeschrieben, dass indigene Völker bei Vorhaben, die ihre Lebensweise bzw. ihr Lebensumfeld und Territorium stark beeinflussen, vorher konsultiert und um ihre Zustimmung gebeten werden müssen. Dies ist insbesondere bei der Ausbeutung von Rohstoffen (Holz, Erdöl, Erdgas) der Fall.  Wie eine Landkarte zeigt (Seite 39 der Studie bzw. Seite 38 im PDF-Dokument), hat es ausgerechnet in manchen Gebieten, in denen Ethnien in freiwilliger Isolation leben, besonders viele Rohstoffe. Der springende Punkt ist folgender: Wenn es diese Gruppen nicht gibt, dann müssen sie auch nicht konsultiert und um Zustimmung gefragt werden!

Immer wieder stößt man aber auf klare Hinweise für das Vorhandensein dieser Gruppen:

  • Berichte über zufällige Begegnungen oder sogar Zwischenfälle.
  • Das Auffinden von Spuren, wie z.B. verlassene Schutzhütten (siehe z.B. (Seite 13 der Studie bzw. Seite 12 im PDF-Dokument).
  • Das Auffinden ganzer Gruppen, wie z.B. bei einem Erkundungsflug der Naturschutzbehörde am 18. September 2007 am río Las Piedras.

 Es ist schon interessant, aber auch erschreckend, wie sich die Geschichte irgendwie zu wiederholen scheint. Vor 100 Jahren waren diese Gruppen durch den starken Bedarf an Kautschuk, v.a. bei uns in Europa, bedroht. Heute sind sie u.a. auch durch unseren starken Bedarf nach Rohstoffen, insbesondere Erdöl bedroht…

Infos zur Kultur verschiedener Ethnien (Candoshi, Caquinte, Quechua Pastaza, Shipibo) im peruanischen Amazonasgebiet finden Sie übrigens auch in meinem Buch „Begegnungen in Peru“.

Weihnachten, sauberes Trinkwasser und die Candoshi-Indianer

Fand heute auf Youtube einen gut gemachten Film von Living Water, einer christlichen Hilfsorganisation, mit dem Titel „Christmas [is] changing the world“. Darin wird am Beispiel der Candoshi-Indianer in Peru die Situation vieler Dörfer auf diesem Planeten Erde beschrieben, in denen es keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser gibt – und welchen Unterschied ein Brunnen macht!
Die Candoshi sind eine der Ethnien in Peru, mit denen ich mich besonders verbunden fühle. Sie waren die erste Gruppe, die ich während einer vierwöchigen Reise näher kennenlernte. Ein Erlebnis mit meinem Freund Okama (einem Candoshi-Indianer) während dessen Aufenthalts auf der Missionsstation Cashibo, machte uns deutlich, wie traumatisiert die Menschen oft durch Krankheiten und Tod sind, die durch mangelnde Hygiene und schmutziges Wasser ausgelöst werden:
„Schon während der ersten Woche des Bibelkurses wurde Okamas kleiner Sohn Mama, der damals etwa ein dreiviertel Jahr alt war, sehr krank. Er hatte Brechdurchfall, der einfach nicht aufhören wollte. Als sie schließlich mit ihm die Krankenstation aufsuchten, war der Kleine schon gefährlich ausgetrocknet. Eines Morgens nach dem Unterricht bat mich Okama darum, ein Foto von seinem Sohn zu machen. Ich spürte, dass er Angst um das Leben seines Kindes hatte. Während ich noch mit der anderen Klasse Unterricht hatte, kamen Okama und Florinda mit ihren Kindern zu uns nach Hause. Martha war mitten im Kochstress und dachte: „Oh, nein, nicht jetzt, kein Besuch bitte!“ Martha sah, dass sie bedrückt aussahen und fragte sie nach ihrem Anliegen. Okama wollte, dass sie Fotos von seinem Sohn machte. Dann, plötzlich kamen ihm die Tränen und bestürzt sah Martha, wie auch Florinda die Tränen über die Wangen liefen. Martha fragte sich, was hier los sei. Okama presste hervor: „Das Kind wird sicher sterben.“ – Er wollte wenigstens noch ein Erinnerungsfoto von ihm haben. Betroffen stand Martha da und fühlte sich hilflos gegenüber dieser Angst der Eltern. Auf ihre Fragen hin bestätigte Okama, dass sie bereits bei der Krankenschwester gewesen wären. Diese sagte zwar, dass der Kleine wieder gesund werden würde, aber er konnte dies nicht glauben. Insgeheim fragte sich Martha, ob sie schon andere Kinder verloren hatten – und später erfuhren wir, dass tatsächlich schon zwei Kinder wegen Durchfall gestorben waren.“ Aus: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. S. 42f.
Ich finde es immer wieder krass zu sehen, wie ungleich die Dinge in dieser Welt verteilt sind. Während an manchen Orten im Übermaß Geld verdient und in immer exzessivere Luxusobjekte gesteckt wird, haben Menschen an anderen Orten nicht einmal das Nötigste zum Leben oder so schlechte Lebensbedingungen, dass es einem schon vom Hinschauen schlecht wird! – Dabei könnte oft mit einem relativ geringen Einsatz an finanziellen Mitteln Abhilfe geschaffen, und die Lebensbedingungen der Menschen in einem ganz entscheidenden Bereich verbessert werden – wie z.B. durch die Arbeit von Living Water.

Hier nun der Film – mit englischen Untertiteln:

http://www.youtube-nocookie.com/v/Nsw5ssR8pic?fs=1&hl=de_DE