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Gesetz und Liebe

Derzeit lese ich das Buch „Biblische Ethik“ von Robertson McQuilkin. Im 2. Kapitel geht es um das Gesetz. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels geht es um das Verhältnis zwischen Gesetz und Liebe. Darin schreibt er:

„Wohlmeinende Leute, die vorgeben, der Bibel zu glauben, verbinden sich mit wohlmeinenden Leuten, welche die Autorität der Schrift leugnen, und verweisen jegliches Gesetz oder alle Gebote außer dem der Liebe nach draußen in die Finsternis der Nicht-Liebe. Es scheint, als müsse man sich zwischen den schweren Tugenden der Gerechtigkeit und Heiligkeit und der höchsten Tugend der Liebe entscheiden. Doch wenn Liebe die Summe des Willens Gottes für die Menschheit ist und wenn Gerechtigkeit als richtig oder als Wahrheit auf moralischem Gebiet beschrieben wird, ist sicher jedes der beiden, selbst wenn wir sie nicht als Synonyme verstehen, ein wichtiges Element des Wesens Gottes. Wenn Gottes gerechtes Wesen und sein gerechter Wille für die Menschen u.a. in Geboten ausgedrückt wird, so ist das Halten dieser Gebote die Auswirkung oder der praktische Ausdruck der Liebe, die dann als die Summe aller Gebote oder als Motiv gesehen wird. Ohne diesen Gehorsam aus Liebe gegenüber dem Gesetz kennen wir Gott nicht und unser christliches Bekenntnis ist eine Lüge (Mt 28,20; Joh 14,15.23.31; 15,10.14; Röm 13,10; Jak 2,8; 1Jo 2,4-6; 3,24; 4,8; 5,3; 2Jo 6).“ Robertson McQuilkin. Biblische Ethik: Eine Einführung in biblisch begründetes Denken und Handeln, S. 81.

McQuilkin spricht damit ein Thema an, das immer aktueller wird, nämlich die Tendenz, Gottes Gebote gegen die Liebe auszuspielen, bzw. Gottes Gebote mit dem Argument der Liebe auszuhebeln (was den Kern der Sache vermutlich besser trifft). Wie bei vielen anderen Themenbereichen wird hier ein (scheinbarer) Gegensatz konstruiert der keiner ist. Jesus wies klar darauf hin, dass die Liebe (zu Gott und zu Menschen) in einer engen Beziehung zum Gesetz und zu Gottes Geboten steht (Mt 22,36-40; Joh 14,15; 1 Joh 2,3-4), ebenso auch Paulus (Gal 5,14; Röm 13,8-10). Dabei geht es aber nicht nur um die Gebote, die dazu dienen „direkten Schaden“ (z.B. du sollst nicht stehlen, töten) abzuwenden, sondern um alle Gebote, die zum „Moralgesetz“ gehören. Unliebsame Gebote (insbesondere der Sexualmoral) mit dem Argument der Liebe („es ist doch nur Liebe!“ / „kann denn Liebe Sünde sein?“) aufzulösen mag zwar auf rein menschlicher Ebene den Anschein von Liebe erwecken, doch dies zu tun ist ein direkter Angriff auf Gott, der diese Gebote gegeben hat. Man bringt damit letztlich zum Ausdruck, dass man meint besser zu wissen, was für den Menschen „gut“ sei, als der allwissende (gute, gerechte, heilige, vollkommene, barmherzige, etc.) Gott, der den Menschen geschaffen hat und wirklich weiß, was für uns „gut“ ist. Diese Selbstüberhebung des Menschen über Gott und seine Gebote ist ja nichts Neues. Bei Menschen, die mit Gott, dem Glauben und der Kirche „nichts am Hut haben“ braucht man sich über so eine Haltung auch nicht groß wundern (ich selbst dachte ja auch mal so…). Traurig ist nur, dass sich diese Haltung auch bei immer mehr „Christen“ auszubreiten scheint und sie darin auch noch bestärkt werden, u.a. durch Theologen, welche die „Liebe“ gegen „Gesetz“ (Gebote, Gottes Wort) ausspielen. 😦

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