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Soli Deo Gloria?!

Die fünf Solas der Reformation sind:

  1. Sola Scriptura – Allein die Schrift
  2. Sola Gratia – Allein aus Gnade
  3. Sola Fide – Allein aus Glauben
  4. Solus Christus – Allein durch Christus
  5. Soli Deo Gloria – Gott allein sei die Ehre

 Diese fünf Solas fassen die Kernpunkte der reformatorischen Lehre, insbesondere der Soteriologie (Lehre vom Heil), kurz und knapp zusammen. Nach meiner Beobachtung sind zumindest die ersten vier mehr oder weniger bekannt (auch wenn sie in der Praxis oft nicht genügend beachtet werden): Die Heilige Schrift, die Bibel, ist die alleinige Grundlage der christlichen Lehre – insbesondere auch für die Lehre vom Heil. Die Errettung des Sünders geschieht allein aus Gnade, allein durch den Glauben und allein durch Jesus Christus.

Doch der fünfte Kernpunkt, „Soli Deo Gloria“, wird relativ selten erwähnt. Meist hörte ich davon im Zusammenhang mit Johann Sebastian Bach, der die Abkürzung der drei Worte, S.D.G., unter seine Kompositionen setzte um die alleinige Ehre dafür Gott zu geben. Doch im Zusammenhang mit der Heilslehre wird „Soli Deo Gloria“ recht selten erwähnt. Das ist irgendwie seltsam – oder?

Liegt es vielleicht daran, dass wir heute – auch in „frommen Kreisen“ – eher anthropozentrisch (Menschen zentriert) als theozentrisch (Gott zentriert) ausgerichtet sind? Könnte es sein, dass wir zwar schon noch betonen, dass die Errettung des Sünders allein aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus geschieht, aber gleichzeitig (bewusst oder unbewusst) von einer gewissen Mitwirkung des Menschen bei seiner Errettung ausgehen? D.h. könnte es sein, dass Glaube („Ich habe mich entschieden zu glauben“), Bekehrung („Ich habe mich bekehrt“) und Wiedergeburt („Wenn du an Jesus glaubst und ein Übergabegebet sprichst, dann wirst du von neuem geboren“) inzwischen (wieder) dem menschlichen Einflussbereich zugeschrieben werden? D.h. wenn ich (mit meinem angeblich „freien Willen“) die Entscheidung zu Glaube und Bekehrung getroffen habe, dann habe ich ja doch einen gewissen Beitrag zu meiner Errettung geleistet (wie viel denn? 1%, 5%, 10%…?) – und als logische Konsequenz stehen Gott dann auch nicht mehr 100% der Ehre zu…

Die Reformatoren betonten, dass unsere Errettung 100% Gottes gnädiges Geschenk ist, und der Mensch absolut nichts tun kann, um sich die Gnade Gottes auch nur irgendwie zu „verdienen“. Selbst der Glaube ist letztlich ein Geschenk Gottes, d.h. auch darauf, dass jemand an Christus glaubt kann sich niemand etwas einbilden. Der Reformator Johannes Calvin geht im 3. Buch seiner Institutio, in den Kapiteln 15-18, auf die Frage nach einem eventuellen menschlichen Beitrag („Werk“, „Verdienst“) zu seinem Heil ein. Das 15. Kapitel hat er folgendermaßen überschrieben: „Was man vom Verdienst der Werke rühmt, macht Gottes Lobpreis für das Zustandebringen der Gerechtigkeit, zugleich aber auch die Heilsgewißheit zunichte“. Es lohnt sich sehr, seine Ausführungen zu lesen!

In seinen Briefen weist der Apostel Paulus immer wieder auf die Kernpunkte der Heilslehre hin – auch darauf, dass der Mensch keinerlei Grund hat, sich vor Gott zu rühmen:

„Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ (Römer 3,21-28)

„Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme. Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit, wie geschrieben steht: »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!«“ (1.Korinther 1,26-31)

„Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“ (Epheser 2,8-9)

Soli Deo Gloria!

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Fröhliche Weihnachten!

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“ (Johannes 1,14-17)

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In Gerechtigkeit regieren – Jesus macht den Unterschied!

Der Prophet Jesaja ist der „Evangelist“ des Alten Testaments, denn sein Buch enthält mehr Prophetien über Jesus als das restliche Alte Testament zusammen. Viele Abschnitte bei Jesaja handeln vom Friedensreich des Messias, das Jesus bei seiner Wiederkunft aufrichten wird. Ja, wenn Jesus wiederkommt, dann wird endlich Frieden und Gerechtigkeit herrschen! Bei der heutigen Bibellese bin ich auf den folgenden Abschnitt gestoßen:

„Siehe, ein König wird in Gerechtigkeit regieren; und die Obersten, sie werden nach Recht herrschen.

Und jeder wird sein wie ein Bergungsort vor dem Wind und ein Schutz vor dem Wolkenbruch, wie Wasserbäche in dürrer Gegend, wie der Schatten eines gewaltigen Felsens im lechzenden Land.

Da werden die Augen der Sehenden nicht mehr verklebt sein, und die Ohren der Hörenden werden aufmerksam sein.

Und das Herz der Unbesonnenen wird auf Erkenntnis achtgeben, und die Zunge der Stammelnden wird fließend Deutliches reden.

Der Törichte wird nicht mehr edel genannt und der Schurke nicht mehr vornehm geheißen werden.

Denn ein törichter Mensch redet Törichtes. Und sein Herz bereitet Unheil, Ruchloses zu tun und Irreführendes gegen den HERRN zu reden, um die Seele des Hungrigen leer zu lassen und dem Durstigen den Trank zu verweigern.

Und die Werkzeuge des Schurken sind böse: er beschließt böse Anschläge, um die Elenden durch Lügenreden zugrunde zu richten, selbst wenn der Arme redet, was Recht ist.

Aber der Edle beschließt Edles, und auf Edlem besteht er.“                                                             (Jesaja 32,1-8)

Welch ein Kontrast zu dem, was wir in dieser gegenwärtigen gefallenen Welt erleben!

Die Advents- und Weihnachtszeit soll uns nicht nur an Jesu erstes Kommen, sondern auch an seine (jederzeit mögliche) Wiederkunft erinnern. Aber nicht nur das, sie ist auch eine persönliche Anfrage an jeden von uns: Bin ich auf sein Kommen vorbereitet? Jederzeit? Wünsche ich mir überhaupt, dass Jesus wiederkommt und SEIN Reich aufrichtet?

„Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen; komm, Herr Jesus!“ (Offenbarung 22,20)

 

 

Die Advents- und Weihnachtszeit bewusst feiern

Cover - Weihnachten ohne Jesus 2 Auflage„Ich möchte Sie gleichzeitig ermutigen, die Advents- und Weihnachtszeit bewusst zu feiern. Im Neuen Testament finden wir keinerlei Hinweise darauf, dass wir diese Zeit feiern sollen. Interessant ist aber ein Blick in das Alte Testament. Dort finden wir mehrere große Feste, die das Volk Israel feiern sollte (z.B. Passah, das Laubhüttenfest, den großen Versöhnungstag). An diesen Festen sollte es sich an Gottes große Taten erinnern und die Erinnerung daran auch an die kommende Generation weitergeben. Die ersten Christen haben dieses Modell aufgenommen und bereits schon früh begonnen am ersten Tag der Woche, dem Sonntag, zusammenzukommen und der Auferstehung Jesu zu gedenken (vgl. Apostelgeschichte 20,7; 1. Korinther 16,2). Erst im zweiten Drittel des vierten Jahrhunderts begann man Weihnachten am 25. Dezember zu feiern. In den darauffolgenden Jahrhunderten ist Weihnachten dann zum Hauptfest der westlichen Kirchen geworden.

Es liegt letztlich an uns, ob wir Advent und Weihnachten zu einer Tradition ohne Inhalt verkommen lassen, oder ob wir diese Feste bewusst nutzen, um uns selbst an Gottes wundervolle Taten zu erinnern, über unsere Beziehung zu ihm nachzudenken und auch unseren Kindern von Gott weiterzusagen, damit sie IHN persönlich kennenlernen können.“

Jürgen H. Schmidt, Weihnachten ohne Jesus? – Den Grund für Weihnachten neu entdecken, S. 34f

Advent

Cover - Weihnachten ohne Jesus 2 Auflage„Der Advent soll uns an das Kommen Jesu erinnern und auf das Kommen Jesu vorbereiten. Wenn wir die Bibel aufmerksam lesen, dann bemerken wir, das dieses Kommen Jesu nicht ein spontaner Einfall Gottes war, sondern dass es von langer Hand vorbereitet wurde. In der Bibel, insbesondere im Alten Testament, finden wir viele Spuren, die auf Jesu Kommen vorbereiten und es ankündigen. In diesem Kapitel werden wir einige dieser Spuren etwas verfolgen. Das Alte Testament ist durchdrungen von der Erwartung und Hoffnung auf den Messias. Je mehr ich das Alte Testament studiere, desto begeisterter und faszinierter bin ich, wie Gott sein Kommen vorbereitet und angekündigt hat. Vor allem der Prophet Jesaja bietet dabei eine riesige Fundgrube. Jesaja enthält mehr Prophetien über Jesus als das restliche Alte Testament zusammen! Daher kann Jesaja zurecht als der “Evangelist” des Alten Testaments bezeichnet werden.“

Jürgen H. Schmidt: Weihnachten ohne Jesus? – Den Grund für Weihnachten neu entdecken, S.12.

Gedanken zum 600. Todestag von Jan Hus

Der Geburtstag von Jan (Johannes) Hus lässt sich leider nicht mit Sicherheit festlegen, er wird – je nach Kirchengeschichtsbuch – zwischen 1369 und 1371 angegeben. Dafür ist aber der Tag seines Todes umso bekannter – der 6. Juli 1415. An diesem Tag wurde er vom Konstanzer Konzil im Dom von Konstanz zum „Ketzer“ erklärt. Anschließend übergab man ihn dem „weltlichen Gericht“, das die Drecksarbeit ausführen durfte und ihn noch am selben Tag auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Seine Asche wurde anschließend in den Rhein geschüttet.

Hus wurde stark von den Schriften des Engländers John Wyclif (etwa 1320 bis 1384) beeinflusst. In diesen übte Wyclif starke Kritik am Reliquien- und Wallfahrtswesen, Ablässen sowie am Amt des Papstes. Er hob hervor, dass die Bibel die Quelle aller christlichen Erkenntnis ist und widmete sich u.a. auch der Übersetzung der Vulgata (lateinische Bibel) in die englische Sprache. Hus, der in Prag sowohl als Universitätsprofessor wie auch als Prediger in der St. Michaelskirche tätig war, nahm viele der Ideen Wyclifs auf und verbreitete diese. An der Hochschule bildete sich einerseits um Hus ein Kreis von Anhängern der Lehren Wyclifs, andererseits regte sich auch heftiger Widerstand. Da Hus nicht nachgab wurde er mit dem Bann belegt und exkommuniziert. Drei Jahre lebte er als Gebannter und verbrachte diese Zeit überwiegend in Südböhmen.

Da die Kirche zur damaligen Zeit sehr gespalten war (es gab drei Päpste, die sich untereinander stritten) lies Kaiser Sigmund von November 1414 bis April 1418 das Konzil von Konstanz abhalten, um die Spaltungen zu überwinden und Reformen vorzunehmen. Sigmund wollte dort auch die „böhmische Frage“ lösen. Daher wurde Hus zum Konzil vorgeladen. Da Hus vom Kaiser freies Geleit zugesichert wurde, war Hus – trotz verschiedener Warnungen – bereit nach Konstanz zu reisen, wo er am 3. November 1414 ankam. Nach einer ersten Unterredung mit Kardinälen, Ende November 1414, wurde seine Inhaftierung beschlossen. Als Kaiser Sigmund in Konstanz eintraf erteilte er die Genehmigung, den Ketzerprozess gegen Hus weiterzuführen und ihn in Haft zu lassen. Die Konzilsherren versuchten Hus dazu zu bewegen, seinen „Ketzereien“ abzuschwören und zu widerrufen. Hus beharrte darauf, dass die Heilige Schrift der alleinige Maßstab für die christliche Lehre sei. Er sei bereit abzuschwören, wenn man ihn aus der Schrift überzeugen könne – doch offensichtlich war man dazu nicht in der Lage. Im Kerker wurde Hus eine Widerrufsschrift vorgelegt, doch er blieb standhaft was zu seiner Verurteilung als „Ketzer“ und seinem Tod führte.

Weitere Infos zu Hus finden Sie in meinem eBook “Glaubensspuren – von Böhmen nach Sachsen. Johannes Hus und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf“.

In den 600 Jahren seit Hus´ Tod hat sich inzwischen vieles ereignet.

Hus wird zusammen mit John Wyclif und anderen zu den „Vorreformatoren“ gezählt. Er soll angeblich vor seiner Verbrennung gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen.“ – Der tschechische Name „Hus“ bedeutet „Gans“; der Schwan wird auf den Reformator Martin Luther bezogen. Der „Fall Hus“ hatte auch Einfluss auf Martin Luther und es finden sich so manche Parallelen zwischen den beiden Fällen. Bei der Leipziger Disputation (1519) hat Johannes Eck seinen „Widersacher“ Martin Luther auf Lehraussagen von Johannes Hus hingewiesen, die vom Konstanzer Konzil 1415 verurteilt wurden. Dies brachte Luther zu der schockierenden Erkenntnis, dass sowohl Papst, als auch Konzilien irren können. Luther und die anderen Reformatoren haben (ebenso wie Wyclif und Hus vor ihnen) ausschließlich die Bibel als einzige Autorität und einzigen Maßstab in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung anerkannt. Sola Scriptura – Allein die Schrift – wurde zu einem der fünf Kernpunkte (fünf Solas) der reformatorischen Lehre.

Im Gegensatz dazu hielt die römisch katholische Kirche weiterhin an anderen zusätzlichen „Autoritäten“ und „Maßstäben“ neben der Heiligen Schrift fest, nämlich der Tradition und der Autorität der Kirche (kirchliches Lehramt). So wurden seither auch weitere Dogmen festgelegt, die nicht aus der Bibel begründet werden können wie z.B. das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Marias (1854), das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes (1870) und das Dogma der leiblichen Himmelfahrt Marias (1950). Außerdem haben sich die von den Reformatoren kritisierten Lehren der katholischen Kirche (u.a. Rechtfertigung, Ablass, Fegefeuer, etc.) nicht grundlegend geändert (s.a. „Luther, die Schmalkaldischen Artikel und die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“).

Leider verlief auch die Entwicklung der aus der Reformation hervorgegangenen protestantischen Kirchen nicht gerade erfreulich. Insbesondere seit dem Aufkommen der modernen Bibelkritik vor über 200 Jahren kam es zu dramatischen Veränderungen. Mein Eindruck ist, dass heute zwar noch nominell, aus Tradition, am „Sola Scriptura“ festgehalten wird, in der Praxis haben sich aber ebenfalls zwei weitere „Autoritäten“ und „Maßstäbe“ neben der Heiligen Schrift etabliert, die (wie in der römisch katholischen Kirche) letztlich über der Schrift stehen: 1) die historisch-kritische „Bibelwissenschaft“ (zur angeblichen „Wissenschaftlichkeit“ siehe die Vorträge und Bücher von Eta Linnemann) sowie 2) der Zeitgeist (d.h. die Anpassung an die 51% Mehrheit und das, was gesellschaftsfähig ist). Ich wies bereits in meinem Artikel „Sola Scriptura?!“ darauf hin, dass heute die Inspiration (und Wahrheit) der Heiligen Schrift offiziell von der EKD angezweifelt wird. Was dort hinsichtlich der Reformatoren ausgesagt wird („Seit dem siebzehnten Jahrhundert werden die biblischen Texte historisch-kritisch erforscht. Deshalb können sie nicht mehr so wie zur Zeit der Reformatoren als »Wort Gottes« verstanden werden. Die Reformatoren waren ja grundsätzlich davon ausgegangen, dass die biblischen Texte wirklich von Gott selbst gegeben waren. Angesichts von unterschiedlichen Versionen eines Textabschnitts oder der Entdeckung verschiedener Textschichten lässt sich diese Vorstellung so nicht mehr halten.“ in: Rechtfertigung und Freiheit. 500 Jahre Reformation 2017. Ein Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), S.84.) gilt auch für Hus. Anders formuliert ist die heutige Sicht der Dinge folgende: Ihr habt damals geglaubt, dass die Bibel wirklich Gottes Wort sei – wir wissen es heute (aufgrund der modernen Bibelkritik) besser. Ihr habt damals zwar sehr für eure Überzeugungen geeifert und gekämpft – aber eigentlich ohne tragfähige Grundlage. Viele von euch haben sich in Lebensgefahr begeben und sogar mit ihrem Leben bezahlt – aber eigentlich war es das nicht Wert, weil ihr in eurer damaligen Unwissenheit von falschen Voraussetzungen ausgegangen seid… – Ich vermute mal, Wyclif, Hus, Luther, Calvin – und viele andere – würden angesichts dieser Sichtweise ungläubig den Kopf schütteln oder sich im Grabe umdrehen. Sie waren überzeugt von der Wahrheit und Autorität der Bibel; davon, dass die Heilige Schrift wirklich durch den Heiligen Geist inspiriert ist und sich Gott darin geoffenbart hatte (und es gibt gute Gründe dafür, an dieser Sichtweise auch heute festzuhalten – trotz moderner Bibelkritik). Es war ihnen ein Anliegen, dass die Bibel in die jeweilige Landessprache übersetzt und dem Volk zugänglich gemacht wird. Sie haben heftigsten Widerstand für ihre Überzeugungen in Kauf genommen und erduldet.

Auffällig ist, dass obwohl die Bibel weltweit ein Bestseller ist, dieses Buch weiterhin so umkämpft ist. Nach meiner Beobachtung wird dieser Kampf um die Bibel auf verschiedenen Ebenen ausgetragen: 1) Der Versuch, Menschen den Zugang zur Bibel zu verwehren (z.B. durch Verbote in islamischen oder kommunistischen Ländern). 2) Der Versuch, die Bibel (ihre Botschaft, Inspiration, Wahrheit) zu diskreditieren (ironischerweise haben „Theologen“ da „bessere“ Arbeit geleistet als Gegner des Christentums). 3) Der Versuch, Menschen, die die Bibel wirklich als inspiriertes Wort Gottes anerkennen zu diskreditieren (indem man sie als „unwissenschaftlich“, „ewig gestrig“, „minderbemittelt“ oder wie auch immer darstellt). Ich habe den Eindruck, dass all diese Versuche u.a. Ausdruck einer Furcht vor dem ist, was geschehen könnte, wenn sich Menschen, Bevölkerungsgruppen oder gar ganze Völker dem stellen und darauf hören, was Gott in seinem Wort geoffenbart hat. Gottes Wort hat den Menschen – sein Denken und sein Handeln – zu jeder Zeit in Frage gestellt. Das ist unangenehm, das ist demütigend (denn Gott macht deutlich, dass ER das Maß aller Dinge ist, und nicht der Mensch), und das ist mitunter gefährlich für den Status Quo, sowie für die jeweiligen Machthaber. Aber das Wichtigste ist, bei Gottes Offenbarung durch sein Wort geht es um das Evangelium. Es geht darum, wie Menschen gerettet werden können: Allein aus Gnade, allein aus Glauben und allein durch Christus!

Ich bin dankbar für Jan Hus, John Wyclif, Martin Luther, Johannes Calvin, Johannes Brenz und viele andere, die auf die Bibel hingewiesen haben, für ihre Wahrheit eingestanden sind und für ihre Verbreitung gesorgt haben. Nein, Jan Hus ist am 6. Juli 1415 nicht umsonst in Konstanz gestorben, er hat genau begriffen worum´s geht und was für ihn persönlich auf dem Spiel steht.

„Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“ (Jesaja 40,8)

„Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Matthäus 24,35)

„Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: »Der Gerechte wird aus Glauben leben.« Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“ (Römer 1,16-18)

Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde?

Kürzlich erschien im 3L Verlag das Buch „Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde?“ von Greg Gilbert und Kevin DeYoung. Mit viel Leidenschaft versuchen die beiden Autoren Orientierung im missionalen Dschungel zu geben. – Denn, wenn jegliche Aktivität einer Gemeinde inzwischen „Mission“ ist, dann ist am Ende vermutlich gar nichts mehr Mission bzw. zu erwarten, dass die Verkündigung des Evangeliums auf der Strecke bleibt.

Was mir an dem Buch sehr gefällt ist, dass die Autoren sehr gründlich mit der Bibel arbeiten und wirklich fundiert exegetisch argumentieren. Dabei kommen sie einerseits zur Schlussfolgerung, dass der Missions-Auftrag der Gemeinde in der Verkündigung des Evangeliums besteht (denn dies gehört zu den „Kern-Kompetenzen“ der Gemeinde und nicht von irgendwelchen anderen weltlichen Institutionen). Gleichzeitig verneinen sie keinesfalls, dass eine Gemeinde viele gute andere Dinge tun kann und tun sollte (aus Nächstenliebe). Aber sie empfehlen – auch der Klarheit wegen – diese anderen (guten, wichtigen) Aktivitäten der Gemeinde nicht als „Mission“ zu bezeichnen.

Craig Gilbert, einer der Autoren, war auch der Hauptredner der diesjährigen Evangelium21-Konferenz, bei der es um das Thema „Was ist der Auftrag der Gemeinde?“ ging. Die Vorträge können inzwischen über die Internetseite von Evangelium21 angehört bzw. als mp3-Dateien heruntergeladen werden.

Ostern

Jesus Christus spricht: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und bin lebendig für immer und ewig! Ich habe die Schlüssel des Todes und des Totenreichs.“ Offenbarung 1,17b-18

Ostern

Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich
von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ihm ist das Reich
über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich
ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Wer nun verzagt,
lästert ihn und Gottes Ehre.
Gnade hat er zugesagt,
dass der Sünder sich bekehre.
Gott verstößt in Christus nicht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Sein Heil ist mein,
sein sei auch mein ganzes Leben;
reines Herzens will ich sein,
bösen Lüsten widerstreben.
Er verlässt den Schwachen nicht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ich bin gewiss,
nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Nun ist der Tod
mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht:
»Herr, Herr, meine Zuversicht!«

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757

Karfreitag

„Aber Gott hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.“  (Römer 5,8)

Karfreitag kl
Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.

Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen,
die Sünde tragen:

welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde
den Fluch der Sünde.

Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.

Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder,
es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder,
lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde
zu Gottes Freunde.

Da du dich selbst für mich dahingegeben,
wie könnt ich noch nach meinem Willen leben?
Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre,
zu deiner Ehre.

Ich will nicht Hass mit gleichem Hass vergelten,
wenn man mich schilt, nicht rächend wiederschelten,
du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder,
schaltst auch nicht wieder.

Unendlich Glück! Du littest uns zugute.
Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.
Du hast mein Heil, da du für mich gestorben,
am Kreuz erworben.

Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken,
so lass dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken.
Dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide,
mir Fried und Freude.

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757

Luther, die Schmalkaldischen Artikel und die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Die Schmalkaldischen Artikel (1537) sind Luthers theologisches Vermächtnis an die evangelische Christenheit. Sie enthalten eine entschiedene Darstellung zentraler Punkte der reformatorischen Lehre, die in scharfem Kontrast zur römisch-katholischen Lehre standen. Diese Schrift ist in drei Hauptteile eingeteilt:

1. Im ersten (sehr kurzen) Hauptteil geht es um den dreieinigen Schöpfer und die Menschheit des Sohnes. Luther schreibt dazu: „Um diese Artikel gibt es keinen Zank und Streit, weil wir sie auf beiden Seiten bekennen. Darum ist es nicht nötig, jetzt weiter davon zu handeln.“

2. Im zweiten Hauptteil geht es um das Evangelium, d.h. das Amt und Werk Jesu Christi und die Erlösung allein durch Christus, allein aus Gnade und allein durch den Glauben (zusammengefasst in vier Artikeln). Ausgehend vom Evangelium behandelt Luther andere Themen, die aufs Engste mit der Rechtfertigungslehre verknüpft sind: das Messopfer, Fegefeuer, angebliche Erscheinungen Verstorbener, Wallfahrten, Bruderschaften, Reliquiendienst, Ablass, Anrufung der Heiligen, die Bestimmung der Stifter und Klöster und das Papsttum. Sehr nüchtern rechnet Luther bei diesen Themen mit scharfem Widerstand von römisch-katholischer Seite (die Artikel waren ursprünglich zur Darstellung des evangelischen Standpunkts bei einem Konzil geschrieben worden) und schreibt: „An diesen vier Artikeln werden sie beim Konzil genug zu verdammen haben. Denn sie können und wollen nicht das geringste Gliedlein von einem dieser Artikel uns zugestehen.“

3. Im dritten Hauptteil werden in siebzehn weiteren Artikeln die folgenden Themen behandelt: (Erb)Sünde, Gesetz, Buße, Evangelium, Taufe, Abendmahl, Schlüsselgewalt, Beichte, Bann, Weihe und Berufung, Priesterehe (bzw. Zölibat), wie man vor Gott gerecht wird und von guten Werken, Klostergelübde und Menschensatzungen. Luthers Begründung seines Standpunkts erfolgt weitestgehend anhand der Heiligen Schrift, dabei steht wieder das Evangelium bzw. die Rechtfertigungslehre im Zentrum.

Am Ende der Schmalkaldischen Artikel, in seinem Schlusswort, schreibt Luther: „Dies sind die Artikel, auf denen ich bestehen muss und bestehen will bis in meinen Tod (so Gott will). Und ich weiß an ihnen nichts zu ändern oder nachzugeben. Will aber jemand etwas nachgeben, so tue er es auf seine eigene Verantwortung.“

Am 31. Oktober 1999 (Reformationstag) wurde zwischen dem Lutherischen Weltbund und der römisch-katholischen Kirche die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ unterzeichnet. Durch diese „Gemeinsame Erklärung“ sollte u.a. feierlich bekundet werden, dass zwischen Lutheranern und Katholiken ein Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre bestehe. Darin heißt es u.a. „Wir bekennen gemeinsam, dass der Mensch im Blick auf sein Heil völlig auf die rettende Gnade Gottes angewiesen ist. Die Freiheit, die er gegenüber den Menschen und den Dingen der Welt besitzt, ist keine Freiheit auf sein Heil hin. Das heißt, als Sünder steht er unter dem Gericht Gottes und ist unfähig, sich von sich aus Gott um Rettung zuzuwenden oder seine Rechtfertigung vor Gott zu verdienen oder mit eigener Kraft sein Heil zu erreichen. Rechtfertigung geschieht allein aus Gnade.“ (4.1 (19)) – Nun, das sind schöne Worte. Die Frage ist, wie die kirchliche Realität aussieht, denn an den offiziellen Dogmen hat sich meines Wissens nichts Wesentliches verändert, – siehe dazu z.B. den Katechismus der Katholischen Kirche des Vatikans (insbesondere zum Thema „Ablässe“ – Frage 1471 – 1479, die Frage 1472 spricht auch erstmals vom „Purgatorium“, d.h. dem „Fegefeuer“). Und nicht umsonst hatten sich schon vor der Unterzeichnung 160 deutsche evangelische Theologen gegen die „Gemeinsame Erklärung“ ausgesprochen, weil sie den lutherischen Gedanken verwässere. Ich schätze mal, Luther hätte dies etwas markanter ausgedrückt… – Letztes Jahr wurde ich übrigens in Lima bei einem Mittagessen von zwei protestantischen Theologen auf die „Gemeinsame Erklärung“ angesprochen; sie sind keine Lutheraner, aber ich hatte den Eindruck, sie waren irgendwie verwirrt darüber…

Nun, manch einer mag vielleicht denken, was Luther vor 478 Jahren von sich gegeben hat, das ist „Schnee von gestern“. Ich bin da anderer Meinung, denn es geht darin um das Wesen des Evangeliums und die Gefahr der Verfälschung des Evangeliums, wenn wir uns nicht an die fünf reformatorischen „Solas“ halten. Daher kann ich die Lektüre der Schmalkaldischen Artikel nur wärmstens empfehlen – insbesondere evangelischen Christen.