Schlagwort-Archive: Georg Müller

Georg Müller – der “Waisenvater von Bristol“

Georg Müller (1805 – 1898) wurde 1805 in Kroppenstädt im Königreich Preußen geboren. Sein Vater war Steuereinnehmer und Georg wuchs schon in seiner Kindheit mit viel Geld auf. Die Idee seines Vaters war, dass er sich daran gewöhnen sollte viel Geld zu besitzen ohne es auszugeben. – Er gab es natürlich aus und nahm wiederholt sogar von den Steuergeldern. Mit 10 Jahren trat er ins Gymnasium ein, um sich auf die Universität vorzubereiten. Nach dem Wunsch seines Vaters sollte er Geistlicher werden, nicht um Gott zu dienen, sondern um ein angenehmes Leben führen zu können. Die Jugend Müllers war geprägt von Kartenspielen, Zecherei und anderen Lastern. Nach der Konfirmation wollte er anfangen besser zu leben, allerdings aus eigener Kraft. Doch er hatte seinen Vorsatz bald vergessen und es wurde immer schlimmer mit ihm. Als 16jähriger wurde er wegen Zechprellerei für 25 ins Gefängnis gesperrt, bis sein Vater kam. die Schulden bezahlte und ihm eine ordentliche Tracht Prügel erteilte. Von da ab wandte er sich – zumindest äußerlich – zum Besseren. Er wurde ein guter, arbeitsamer Schüler, lebte aber weiterhin verschwenderisch und in Betrügereien.
1825 begann er in Halle das Theologiestudium. Er wollte zwar ein besseres Leben führen, lebte aber weiterhin in Sünde. Im November 1825 kam dann der Wendepunkt in seinem Leben. Er wurde zur Hausversammlung eines gläubigen Kaufmanns eingeladen und lernte Jesus Christus als seinen Herrn und Heiland kennen. Er begann die Bibel zu lesen und zu beten. 1826, beim Lesen von Missionsnachrichten, reifte der Entschluß, dass er Missionar werden wollte. Um diese Zeit kam auch Dr. Tholuck, ein gläubiger Theologieprofessor, nach Halle. Dr. Tholuck half Müller sehr auf seinem Glaubensweg. Georg Müllers Vater war von der Bekehrung seines Sohnes gar nicht begeistert, und noch weniger von seinem Entschluß Missionar werden zu wollen. So kam es zum Bruch mit dem Vater und Georg beschloß, von ihm auch kein Geld mehr anzunehmen. Er fand Arbeit und konnte auf diese Weise sein Studium finanzieren. Ab August 1826 unternahm er seine ersten Predigtversuche und lernte so Stück für Stück das Wort Gottes zu verkündigen. Ende 1827 erhält er durch Dr. Tholuck die Anfrage,  ob er sich vorstellen könnte als Judenmissionar zu arbeiten. Die Londoner Missionsgesellschaft wollte gerne einen Prediger nach Bukarest schicken. Nach Gebet und Gesprächen mit anderen Gläubigen erklärte er sich bereit dazu. Im Juni 1828 erhielt er dann die Zusage aus London, dass er für sechs Monate zur Probe als Missionsstudent aufgenommen wurde. 1829 kam er in London an und studierte zunächst am Missionsseminar. Diese Zeit brachte ihn in seinem geistlichen Leben nochmals einiges voran und ihm wurde deutlich, dass nur das Wort Gottes unser Maßstab zur Beurteilung geistlicher Dinge sein kann. In dieser Zeit wurde ihm aber auch deutlich, dass er seinen Dienst nicht auf Juden beschränken wollte und so löste er sich 1830 von der Mission. Er begann zunächst als Pastor in Teignmouth zu arbeiten und predigte daneben auch in verschiedenen Dörfern. Im selben Jahr heiratete er Mary Groves. Im Oktober 1830 kam er zur Überzeugung, dass das System, mit dem sein Gehalt finanziert wurde, nämlich die Versteigerung der Kirchensitze, nicht mit Gottes Willen übereinstimmt. So entschloß er sich, ohne festes Gehalt zu arbeiten und von freiwilligen Gaben auf Glaubensbasis zu leben. Er begann all seine Bedürfnisse im Gebet Gott vorzulegen und kam auch zur Überzeugung, dass es nicht Gottes Wille ist Schulden zu machen.
Im April 1831 wurde Müller, zusammen mit seinem Freund und Prediger-Kollegen Henry Craik nach Bristol eingeladen. Sie begannen in der Gideon- und in der Bethesda-Gemeinde zu predigen und die Gemeinden weiter aufzubauen.
Im Juni 1833 begann Müller erste Speisungen für die Armen anzubieten, und bald gaben sie Brot an 60 bis 80 Personen aus. Doch die Nachbarn begannen sich daran zu stören, und auch aus zeitlichen Gründen konnte er diesen Dienst nicht fortführen. Doch Müller machte in dieser Zeit eine erstaunliche Erfahrung: während er so viele Menschen mit versorgte wuchs sein Spendenaufkommen an, als er damit aufhörte ging es wieder auf das Maß zurück, was er für sich und seine Familie zum Leben brauchte.
Im Frühjahr 1834 gründete er dann eine „Anstalt zur Verbreitung von Schrifterkenntnis“. Dabei ging es in erster Linie um folgende Arbeitsbereiche: Unterstützung von Tagesschulen, Sonntagsschulen und Erwachsenenschulen auf biblischer Grundlage; die Verbreitung der Heiligen Schrift und die Unterstützung missionarischer Bemühungen. Innerhalb nur eines Jahres entstanden fünf Tagesschulen (2 für Jungen, 3 für Mädchen) mit 439 Schülern, sowie eine Sonntagsschule und eine Erwachsenenschule.
Im November 1835 kam ihm der Gedanke an die Eröffnung eines Waisenhauses als weiterer Arbeitszweig der „Anstalt“. Angesichts vieler Gläubiger, die sich kaum Zeit für Gott nahmen, in der Angst sie könnten nicht genügend Einkommen haben, wollte er damit ein Zeichen setzen, damit jeder sehen kann, dass Gott treu ist und Gebet erhört. Er wollte diese Arbeit beginnen, obwohl er dafür keine freien Mittel hatte und kaum 6 Monate später wurde das erste Waisenhaus und die 6. Tagesschule eröffnet. Im Laufe der Zeit kamen wurden immer mehr Häuser angemietet bis ca. 120 Waisen betreut wurden. Allerdings war die Lage der Häuser nicht ideal und es kam auch zur Störung der Nachbarn. Ende 1845 bewegte Müller den Gedanken, ob es nicht zweckmäßiger wäre ein Waisenhaus zu bauen. Fünf Jahre später, 1850 wurde das 1. eigene Waisenhaus fertiggestellt. Darin war es möglich jetzt 300 Kinder aufzunehmen. Bis 1867 kamen vier weitere Häuser dazu und rund 2000 Waisen konnten betreut werden. Zusätzlich wurden pro Jahr über 2000 Bibeln verteilt und ca. 120 Missionare unterstützt.
Hand in Hand mit dem Wachstum des Werkes läßt sich auch Müllers Weg, Gott immer mehr zu vertrauen, verfolgen. Es gab sehr viele Tage, an denen er morgens noch nicht wußte wie er die anstehenden Kosten decken sollte, doch Gott ließ ihn nicht einen Tag im Stich.
Ab 1875, d.h. im Alter von 70 Jahren begann er mit einer Serie von Predigtreisen, die ihn mehrmals auch in die USA, auf das europäische Festland und sogar nach Indien und Australien führten. 1892, im Alter von 87 Jahren unternahm er seine letzte große Reise. Die folgenden Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1898 verbrachte er v.a. in Bristol, wo er seine Wohnung in einem der Waisenhäuser hatte. Obwohl er die Nachfolge in der Leitung des Werkes schon vor vielen Jahren geregelt hatte (er hatte sie seinem Schwiegersohn Wright übertragen), stand Müller doch bis zuletzt in der Arbeit und predigte noch regelmäßig in den Gottesdiensten und Gebetsstunden.
Georg Müllers Leben war eine positive Herausforderung für viele Menschen. Sein Glauben an Gottes Versorgung prägte letztlich auch die Arbeit anderer Männer wie Hudson Taylor oder Charles Studd. In seinem Leben ging es letztlich darum Gott zu verherrlichen und zu beweisen, dass es einen Gott gibt, der Gebet erhört. Georg Müller war davon überzeugt, dass Gott im Leben jedes Gläubigen ebenso handeln wird, sofern dieser Jesus ganz an die erste Stelle setzt und Gottes Ehre sucht.

Folgender Videoclip auf Youtube erzählt eine Episode aus Georg Müllers Leben:

Literaturempfehlung:
Georg Müller. Und der himmlische Vater ernährt sie doch. Tagebücher
Wuppertal: R. Brockhaus Verlag.

Advertisements