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Fröhliche Weihnachten!

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“ (Johannes 1,14-17)

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Gedanken zum 600. Todestag von Jan Hus

Der Geburtstag von Jan (Johannes) Hus lässt sich leider nicht mit Sicherheit festlegen, er wird – je nach Kirchengeschichtsbuch – zwischen 1369 und 1371 angegeben. Dafür ist aber der Tag seines Todes umso bekannter – der 6. Juli 1415. An diesem Tag wurde er vom Konstanzer Konzil im Dom von Konstanz zum „Ketzer“ erklärt. Anschließend übergab man ihn dem „weltlichen Gericht“, das die Drecksarbeit ausführen durfte und ihn noch am selben Tag auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Seine Asche wurde anschließend in den Rhein geschüttet.

Hus wurde stark von den Schriften des Engländers John Wyclif (etwa 1320 bis 1384) beeinflusst. In diesen übte Wyclif starke Kritik am Reliquien- und Wallfahrtswesen, Ablässen sowie am Amt des Papstes. Er hob hervor, dass die Bibel die Quelle aller christlichen Erkenntnis ist und widmete sich u.a. auch der Übersetzung der Vulgata (lateinische Bibel) in die englische Sprache. Hus, der in Prag sowohl als Universitätsprofessor wie auch als Prediger in der St. Michaelskirche tätig war, nahm viele der Ideen Wyclifs auf und verbreitete diese. An der Hochschule bildete sich einerseits um Hus ein Kreis von Anhängern der Lehren Wyclifs, andererseits regte sich auch heftiger Widerstand. Da Hus nicht nachgab wurde er mit dem Bann belegt und exkommuniziert. Drei Jahre lebte er als Gebannter und verbrachte diese Zeit überwiegend in Südböhmen.

Da die Kirche zur damaligen Zeit sehr gespalten war (es gab drei Päpste, die sich untereinander stritten) lies Kaiser Sigmund von November 1414 bis April 1418 das Konzil von Konstanz abhalten, um die Spaltungen zu überwinden und Reformen vorzunehmen. Sigmund wollte dort auch die „böhmische Frage“ lösen. Daher wurde Hus zum Konzil vorgeladen. Da Hus vom Kaiser freies Geleit zugesichert wurde, war Hus – trotz verschiedener Warnungen – bereit nach Konstanz zu reisen, wo er am 3. November 1414 ankam. Nach einer ersten Unterredung mit Kardinälen, Ende November 1414, wurde seine Inhaftierung beschlossen. Als Kaiser Sigmund in Konstanz eintraf erteilte er die Genehmigung, den Ketzerprozess gegen Hus weiterzuführen und ihn in Haft zu lassen. Die Konzilsherren versuchten Hus dazu zu bewegen, seinen „Ketzereien“ abzuschwören und zu widerrufen. Hus beharrte darauf, dass die Heilige Schrift der alleinige Maßstab für die christliche Lehre sei. Er sei bereit abzuschwören, wenn man ihn aus der Schrift überzeugen könne – doch offensichtlich war man dazu nicht in der Lage. Im Kerker wurde Hus eine Widerrufsschrift vorgelegt, doch er blieb standhaft was zu seiner Verurteilung als „Ketzer“ und seinem Tod führte.

Weitere Infos zu Hus finden Sie in meinem eBook “Glaubensspuren – von Böhmen nach Sachsen. Johannes Hus und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf“.

In den 600 Jahren seit Hus´ Tod hat sich inzwischen vieles ereignet.

Hus wird zusammen mit John Wyclif und anderen zu den „Vorreformatoren“ gezählt. Er soll angeblich vor seiner Verbrennung gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen.“ – Der tschechische Name „Hus“ bedeutet „Gans“; der Schwan wird auf den Reformator Martin Luther bezogen. Der „Fall Hus“ hatte auch Einfluss auf Martin Luther und es finden sich so manche Parallelen zwischen den beiden Fällen. Bei der Leipziger Disputation (1519) hat Johannes Eck seinen „Widersacher“ Martin Luther auf Lehraussagen von Johannes Hus hingewiesen, die vom Konstanzer Konzil 1415 verurteilt wurden. Dies brachte Luther zu der schockierenden Erkenntnis, dass sowohl Papst, als auch Konzilien irren können. Luther und die anderen Reformatoren haben (ebenso wie Wyclif und Hus vor ihnen) ausschließlich die Bibel als einzige Autorität und einzigen Maßstab in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung anerkannt. Sola Scriptura – Allein die Schrift – wurde zu einem der fünf Kernpunkte (fünf Solas) der reformatorischen Lehre.

Im Gegensatz dazu hielt die römisch katholische Kirche weiterhin an anderen zusätzlichen „Autoritäten“ und „Maßstäben“ neben der Heiligen Schrift fest, nämlich der Tradition und der Autorität der Kirche (kirchliches Lehramt). So wurden seither auch weitere Dogmen festgelegt, die nicht aus der Bibel begründet werden können wie z.B. das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Marias (1854), das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes (1870) und das Dogma der leiblichen Himmelfahrt Marias (1950). Außerdem haben sich die von den Reformatoren kritisierten Lehren der katholischen Kirche (u.a. Rechtfertigung, Ablass, Fegefeuer, etc.) nicht grundlegend geändert (s.a. „Luther, die Schmalkaldischen Artikel und die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“).

Leider verlief auch die Entwicklung der aus der Reformation hervorgegangenen protestantischen Kirchen nicht gerade erfreulich. Insbesondere seit dem Aufkommen der modernen Bibelkritik vor über 200 Jahren kam es zu dramatischen Veränderungen. Mein Eindruck ist, dass heute zwar noch nominell, aus Tradition, am „Sola Scriptura“ festgehalten wird, in der Praxis haben sich aber ebenfalls zwei weitere „Autoritäten“ und „Maßstäbe“ neben der Heiligen Schrift etabliert, die (wie in der römisch katholischen Kirche) letztlich über der Schrift stehen: 1) die historisch-kritische „Bibelwissenschaft“ (zur angeblichen „Wissenschaftlichkeit“ siehe die Vorträge und Bücher von Eta Linnemann) sowie 2) der Zeitgeist (d.h. die Anpassung an die 51% Mehrheit und das, was gesellschaftsfähig ist). Ich wies bereits in meinem Artikel „Sola Scriptura?!“ darauf hin, dass heute die Inspiration (und Wahrheit) der Heiligen Schrift offiziell von der EKD angezweifelt wird. Was dort hinsichtlich der Reformatoren ausgesagt wird („Seit dem siebzehnten Jahrhundert werden die biblischen Texte historisch-kritisch erforscht. Deshalb können sie nicht mehr so wie zur Zeit der Reformatoren als »Wort Gottes« verstanden werden. Die Reformatoren waren ja grundsätzlich davon ausgegangen, dass die biblischen Texte wirklich von Gott selbst gegeben waren. Angesichts von unterschiedlichen Versionen eines Textabschnitts oder der Entdeckung verschiedener Textschichten lässt sich diese Vorstellung so nicht mehr halten.“ in: Rechtfertigung und Freiheit. 500 Jahre Reformation 2017. Ein Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), S.84.) gilt auch für Hus. Anders formuliert ist die heutige Sicht der Dinge folgende: Ihr habt damals geglaubt, dass die Bibel wirklich Gottes Wort sei – wir wissen es heute (aufgrund der modernen Bibelkritik) besser. Ihr habt damals zwar sehr für eure Überzeugungen geeifert und gekämpft – aber eigentlich ohne tragfähige Grundlage. Viele von euch haben sich in Lebensgefahr begeben und sogar mit ihrem Leben bezahlt – aber eigentlich war es das nicht Wert, weil ihr in eurer damaligen Unwissenheit von falschen Voraussetzungen ausgegangen seid… – Ich vermute mal, Wyclif, Hus, Luther, Calvin – und viele andere – würden angesichts dieser Sichtweise ungläubig den Kopf schütteln oder sich im Grabe umdrehen. Sie waren überzeugt von der Wahrheit und Autorität der Bibel; davon, dass die Heilige Schrift wirklich durch den Heiligen Geist inspiriert ist und sich Gott darin geoffenbart hatte (und es gibt gute Gründe dafür, an dieser Sichtweise auch heute festzuhalten – trotz moderner Bibelkritik). Es war ihnen ein Anliegen, dass die Bibel in die jeweilige Landessprache übersetzt und dem Volk zugänglich gemacht wird. Sie haben heftigsten Widerstand für ihre Überzeugungen in Kauf genommen und erduldet.

Auffällig ist, dass obwohl die Bibel weltweit ein Bestseller ist, dieses Buch weiterhin so umkämpft ist. Nach meiner Beobachtung wird dieser Kampf um die Bibel auf verschiedenen Ebenen ausgetragen: 1) Der Versuch, Menschen den Zugang zur Bibel zu verwehren (z.B. durch Verbote in islamischen oder kommunistischen Ländern). 2) Der Versuch, die Bibel (ihre Botschaft, Inspiration, Wahrheit) zu diskreditieren (ironischerweise haben „Theologen“ da „bessere“ Arbeit geleistet als Gegner des Christentums). 3) Der Versuch, Menschen, die die Bibel wirklich als inspiriertes Wort Gottes anerkennen zu diskreditieren (indem man sie als „unwissenschaftlich“, „ewig gestrig“, „minderbemittelt“ oder wie auch immer darstellt). Ich habe den Eindruck, dass all diese Versuche u.a. Ausdruck einer Furcht vor dem ist, was geschehen könnte, wenn sich Menschen, Bevölkerungsgruppen oder gar ganze Völker dem stellen und darauf hören, was Gott in seinem Wort geoffenbart hat. Gottes Wort hat den Menschen – sein Denken und sein Handeln – zu jeder Zeit in Frage gestellt. Das ist unangenehm, das ist demütigend (denn Gott macht deutlich, dass ER das Maß aller Dinge ist, und nicht der Mensch), und das ist mitunter gefährlich für den Status Quo, sowie für die jeweiligen Machthaber. Aber das Wichtigste ist, bei Gottes Offenbarung durch sein Wort geht es um das Evangelium. Es geht darum, wie Menschen gerettet werden können: Allein aus Gnade, allein aus Glauben und allein durch Christus!

Ich bin dankbar für Jan Hus, John Wyclif, Martin Luther, Johannes Calvin, Johannes Brenz und viele andere, die auf die Bibel hingewiesen haben, für ihre Wahrheit eingestanden sind und für ihre Verbreitung gesorgt haben. Nein, Jan Hus ist am 6. Juli 1415 nicht umsonst in Konstanz gestorben, er hat genau begriffen worum´s geht und was für ihn persönlich auf dem Spiel steht.

„Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“ (Jesaja 40,8)

„Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Matthäus 24,35)

„Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: »Der Gerechte wird aus Glauben leben.« Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“ (Römer 1,16-18)

Kurzbiographie über Hus und Zinzendorf

cover_GlaubensspurenIm Rahmen des von Books on Demand neu aufgelegten Programms “BoD E-Short“ habe ich das eBook “Glaubensspuren – von Böhmen nach Sachsen. Johannes Hus und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf“ veröffentlicht.
Das eBook hat die ISBN 9783734710438 und kostet 2.99 EUR (inkl. MwSt.). Für die unterschiedlichen Lesegeräte sind jeweils eigene Ausgaben erhältlich:

Nachfolgend die Kurzbeschreibung des Inhalts:
Von Johannes Hus (ca. 1370 – 1415) in Böhmen führt eine direkte Spur bis zu Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf (1700 – 1760) in Sachsen. Seit 1722 siedelten sich immer mehr Glaubensflüchtlinge, die der böhmischen Brüderkirche entstammten, auf den Ländereien des Grafen an. So kam es letztlich zur Entstehung der Herrnhuter Brüdergemeine und der ersten großen Missionsbewegung im Protestantismus. Die vorliegende Veröffentlichung enthält jeweils eine Kurzbiographie über Hus und über Zinzendorf. Darin wird nicht nur ein Überblick über das Leben dieser beiden Glaubenszeugen gegeben, sondern auch versucht, die Bedeutung ihres Lebenswerkes kurz zu skizzieren und herauszustellen.

Glaubensbekenntnisse

Glaubensbekenntnisse spielen spielen bereits seit Beginn des Christentums eine wichtige Rolle. Sie formulieren und fassen zusammen, an welchen Gott und an welche Lehren Christen glauben. Glaubensbekenntnisse ersetzen die Bibel nicht, vielmehr gründen sie sich auf das Wort Gottes, die Bibel, indem sie die wichtigsten Kernaussagen der Heiligen Schrift kurz und prägnant auf den Punkt bringen. Eines der frühsten Glaubensbekenntnisse der Christenheit bestand nur aus drei (griechischen) Worten: „Jesus Christos Kyrios“, d.h. „Jesus Christus (ist der) Herr“ (und nicht der Kaiser in Rom, etc. …). Am Bekanntesten ist das Apostolische Glaubensbekenntnis, das auf das Romanum, ein ursprünglich griechisches Bekenntnis der Gemeinde in Rom aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, zurückgeht. Das Romanum wurde wohl vor allem bei der Taufe verwendet. Aus dem Romanum hat sich im 4./5. Jahrhundert das Apostolicum, das Apostolische Glaubensbekenntnis entwickelt.

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Glaubensbekenntnissen spielten u.a. Irrlehren, welche die Grundlagen der Bibel verließen, Verwirrung stifteten und Menschen letztlich in die Irre führten. Bis heute hat sich daran letztlich nichts verändert, außer, dass alte Irrtümer und Irrlehren immer wieder neu aufgemischt und in neuer Verpackung verbreitet werden. Ein Blick in die alten Glaubensbekenntnisse tut daher Not – und uns persönliche täte er gut! Manche Themen wurden schon vor langer Zeit von gläubigen und weisen Menschen auf Grundlage der Bibel gründlich bearbeitet und geklärt. An den Ergebnissen, zu denen sie kamen, ist eigentlich nicht zu rütteln, noch ist es nötig, „das Rad jedes Mal neu zu erfinden“.

Daher möchte ich Mut machen, die alten Bekenntnisse aufmerksam zu lesen, insbesondere auch die, welche uns nicht (so sehr) bekannt sind. Wir werden darin wichtige Glaubensschätze finden!

Nachfolgend finden Sie Links zu altkirchlichen und reformatorischen Glaubensbekenntnissen:

Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel

Dieses Glaubensbekenntnis legt einen gewissen Schwerpunkt auf die Person Jesu Christi und sein gleichzeitiges Gott- und Menschsein.

Das Augsburger Bekenntnis („Confessio Augustana“)

Dieses Bekenntnis wurde Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahr 1530 überreicht. Es gehört zu den frühsten Bekenntnissen der lutherischen Reformation.

Das Westminster Bekenntnis

Das Westminster Bekenntnis von 1647 mit den Texten biblischer Belegstellen als PDF-Datei. (Download)

Das Westminster Bekenntnis auf der Internetseite der Evangelisch reformierte Kirche W.B. in Österreich

Zum diesem Bekenntnis bekennen sich heute Reformierte aus der ganzen Welt. Es ist auch das Glaubensbekenntnis presbyterianischer Kirchen.

Eta Linnemann – von der Bibelkritikerin zum Kind Gottes

Prof. Dr. Eta Linnemann (1926 – 2009) studierte in Marburg Theologie, u.a. bei Rudolf Bultmann („Entmythologisierung“). Sie wurde dann Professorin für Theologie an der TU in Braunschweig sowie Honorarprofessorin für Neues Testament in Marburg. Als Theologieprofessorin war sie eine überzeugte Verfechterin der historisch-kritischen Theologie – bis sie eines Tages zu einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus fand.

Ein Resultat ihrer Bekehrung war, dass Eta Linnemann damit begann sich kritisch mit der Bibelkritik auseinanderzusetzen. Eine Konsequenz davon war, dass sie ihre Bücher „Gleichnisse Jesu – Einführung und Auslegung“ und „Studien zur Passionsgeschichte“ verwarf, da sie sich vollständig von der Bibelkritik abwandte. Im Gegenzug entstanden neue Bücher, in denen sie die Glaubwürdigkeit der Bibel verteidigt und entlarvt, wie es um die angebliche „Wissenschaftlichkeit“ der historisch-kritischen Methode wirklich bestellt ist.

Auf der Internetseite des Gemeindenetzwerk wurde das persönliche Zeugnis von Eta Linnemann „Warum ich als Theologieprofessorin ausstieg“ veröffentlicht.

Bei Sermon-Online wurden mehrere Vorträge von Eta Linnemann veröffentlich; sie können dort im mp3-Format heruntergeladen werden. Ein guter Einstieg ist der Vortrag „Kritik der Bibelkritik – Teil 1/5 – Von der Bibelkritikerin zum Kind Gottes“, in dem sie sehr ausführlich über ihre Bekehrung berichtet.

Bibliografie:

Eta Linnemann: Die Bibel oder die Bibelkritik?: Was ist glaubwürdig? VTR, 2007: Die Bibel oder die Bibelkritik?: Was ist glaubwürdig?

Eta Linnemann: Bibelkritik auf dem Prüfstand: Wie wissenschaftlich ist die „wissenschaftliche Theologie“? VTR, 1999: Bibelkritik auf dem Prüfstand: Wie wissenschaftlich ist die „wissenschaftliche Theologie“?

Eta Linnemann: Gibt es ein synoptisches Problem? VTR, 1999: Gibt es ein synoptisches Problem?

Eta Linnemann: Original oder Fälschung – Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel. CLV, 1994: Original oder Fälschung: Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel

Eta Linnemann: Wissenschaft oder Meinung? Anfragen und Alternativen. Hänssler, 1986: Wissenschaft oder Meinung?: Anfragen und Alternativen

Credo Magazine zum 100.Geburtstag von Francis Schaeffer

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen kurzen Artikel über Francis Schaeffer veröffentlicht. Anlässlich des 100. Geburtstags von Francis Schaeffer (1912 – 1984) hat das Credo Magazine ihm die Oktober-Ausgabe gewidmet. Es enthält sehr interessante Artikel (in englischer Sprache), die einen Überblick über sein Leben, seinen Dienst sowie seine Botschaft geben. U.a. enthält das Magazin folgende Artikel:

  • Francis Schaeffer: 1912-1984 by Bruce Little
  • Spiritual Reality: Francis Schaeffer on the Christian Life by William Edgar
  • In Spirit and In Truth: Schaeffer, True Spirituality and the Emergent Church by Bryan A. Follis
  • Ideas Have Consequences: Lessons from the Theology of Francis Schaeffer by Stephen Wellum
  • Speaking the Truth in Love: Lessons from the Life of Francis Schaeffer by Stephen Wellum

Das Credo Magazine steht als PDF zum Gratis-Download bereit.

Jim Elliot

Jim Elliot (1927 – 1956) war einer der fünf Auca-Missionare, die 1956 bei dem Versuch einen ersten, direkten Kontakt mit den Aucas (Waorani) aufzunehmen, ermordet wurden. (Die Ethnie wurde aufgrund ihrer Gewalttätigkeit von Ketschua-Indianern als „Auca“ bezeichnet; die Selbstbezeichnung der Ethnie ist jedoch „Waorani“ – diesen Begriff werde ich im weiteren Verlauf gebrauchen, auch wenn in der Literatur noch oft die Rede von den „Aucas“ ist).

Geboren und aufgewachsen ist Jim Elliot in Portland (USA). Sein Vater war Evangelist, seine Mutter Chiropraktikerin. Bereits im Alter von 6 Jahren lernte er Jesus Christus als seinen Retter kennen.
Nach Abschluss der polytechnischen Oberschule ging er zum Studium an das Wheaton-College (1945-49). Finanziell hätte er sich das Studium eigentlich nicht leisten können, aber Jim war überzeugt, dass Gott ihn dorthin geführt hatte und die nötigen Mittel kamen zusammen, teilweise durch einen Freund, teilweise durch ein Stipendium und eine Halbtagsstelle. Elliot hatte sein Studium mit einem klaren Ziel angetreten: Er hatte sein Leben Gott ganz übergeben und wollte ihm mit seinem Leben dienen.
Im Sommer 1947 fuhr er per Anhalter nach Mexiko, zusammen mit einem Freund, dessen Eltern dort als Missionare lebten. In dieser Zeit wurde ihm klar, dass Gott ihn zu einem Dienst in Lateinamerika berufen hatte. Ende 1948 nahm er an der Internationalen Studentischen Missionskonferenz an der Universität von Illinois teil. Dort wurde ihm deutlich, dass er unter den Indianern im südamerikanischen Urwald arbeiten soll.
Seine Tagebuchaufzeichnungen machen deutlich, dass er sich schon während seiner Studienzeit mit einer völligen Hingabe und einem möglichen Tod für Christus auseinandersetzte. 1948 schrieb er in sein Tagebuch: „Der ist kein Tor, der hingibt, was er nicht behalten kann, auf dass er gewinne, was er nicht verlieren kann“. – Und: „Vater, wenn Du mich nach Südamerika gehen lassen willst, um dort für Dich zu wirken und zu sterben, dann bitte ich Dich, lass mich bald gehen. Doch nicht mein Wille.“
Nach Abschluss des Colleges folgte eine Zeit in der Jim Elliot in verschiedenen Gemeinden mitarbeitete und teilweise auch als Aushilfslehrer beschäftigt war. Gleichzeitig führte er einen ausführlichen Briefwechsel mit zwei Missionaren, u.a. mit Wilfried Tidmarsh der einen Nachfolger für seine Arbeit unter den Ketschua-Indianern in Ecuador suchte. 1950 belegte er an der Universität von Oklahoma einen Kurs über das Studium schriftloser Sprachen (Linguistik). Dort kam er in Kontakt mit einem Missionar, der früher unter den Ketschuas gearbeitet hatte. Durch diesen Missionar hörte er auch zum ersten Mal von den Waorani – und sein Herz fing sofort Feuer von der Idee, diesen Stamm mit dem Evangelium zu erreichen.
1952 war es dann soweit und Jim reiste mit dem Schiff nach Ecuador, wo er im Gebiet der Ketschuas die verwaiste Missionsstation Shandira übernahm. In Shandira widmete er sich der Arbeit unter den Ketchuas und dem Aufbau der Station. Diese wurde jedoch ein Jahr später durch heftige Regenfälle und das Ansteigen des Flusses völlig zerstört. Wenige Monate danach heiratete er seine Frau Elisabeth, die er während seiner Studienzeit in Wheaton kennengelernt hatte. Auf Einladung der Ketchua begannen sie nach der Hochzeit in Puyupungu eine neue Station zu mit Schule für die Indianerkinder zu eröffnen, während seine Kollegen Shandia wieder neu aufbauten. Im September 1955 erhielt er die Nachricht, dass die Missionspiloten endlich einige Waorani-Häuser entdeckt hatten. Es kam zu mehreren indirekten Kontakten mit den Waorani, bei denen Geschenke mit dem Flugzeug abgeworfen wurden. Wenige Kilometer von der Waorani-Siedlung entfernt fanden sie am Strand des Curaray-Flusses eine Landemöglichkeit für das Flugzeug. Am 3. Januar landeten sie dort, errichteten eine Baumhütte und warteten auf eine Begegnung mit den Waorani. Sie waren zu fünft: Jim Elliot, Pete Fleming, Ed McCully, Nate Saint und Roger Youderian. Am 8. Januar kamen die Waorani und griffen die Missionare an. Obwohl diese bewaffnet waren, machten sie davon keinen Gebrauch und ließen sich töten. Die Waorani sprachen später oft davon und konnten es nicht begreifen. Außerdem ereignete sich nach dem Tod der Männer ein merkwürdiges Phänomen: ein Singen und Leuten am Himmel. Dies überzeugte die Waorani, dass die Missionare friedlich und gut gewesen waren, und dass ihr Tod ein gewaltiges übernatürliches Ereignis hervorgerufen hatte.
Zwei Jahre später kehrten Elisabeth Elliot und Rachel Saint (die Schwester des Piloten Nate Saint) zurück um die Arbeit der Männer fortzusetzen und die Waorani öffneten sich für das Evangelium. Es gibt ein Foto das einen der Waorani, die Jim und seine Freunde getötet haben, dabei zeigt, wie er Jims Tochter Valerie an der Hand führt.

„In meinem Inneren weiß ich, dass meine Hoffnungen und Pläne keine bessere Lenkung und Erfüllung hätten finden können, als Er sie mir gegeben hat. Möge es uns allen so ergehen, mögen wir erfahren, wie wahr das Wort ist: <Er wird uns leiten bis an den Tod>“

Literaturempfehlungen
Elisabeth Elliot: Im Schatten des Allmächtigen. Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 1993.
Jörg Erb: Missionsgestalten. Lahr-Dinglingen: Verlag der St. Johannis-Druckerei, 1973.

„Jenseits der Herrlichkeit“ ist eine Dokumentation der Ereignisse in der auch Zeitzeugen zu Wort kommen. Der Trailer zur DVD ist auf Youtube zu sehen:

Charles Studd

Charles Studd (1860 – 1931) wurde in Indien als Sohn eines reichen Plantagenbesitzers geboren und ist im Luxus aufgewachsen. Nachdem die Familie nach England zurückgekehrt war kam zunächst sein Vater durch den Erweckungsprediger D.L. Moody zum lebendigen Glauben an Jesus Christus und begann sein Haus als Versammlungsort zur Verfügung zu stellen. Durch einen jungen Evangelisten kamen dann auch Charles und seine beiden Brüder am selben Tag zum Glauben. Charles studierte in Oxford und war außerdem als ausgezeichneter Kricketspieler in ganz England bekannt. Obwohl er sein Leben Christus anvertraut hatte spielte doch der Sport die wichtigste Rolle in seinem Leben. Eine schwere Erkrankung seines jüngeren Bruders führte die Wende herbei. Charles besuchte nach dessen Genesung die Versammlungen Moodys und machte einen Neuanfang mit Gott. Er spielte zwar weiterhin Kricket, doch mit einer anderen Einstellung. Der Sport war nicht mehr die Hauptsache in seinem Leben.
Charles Studd begann auch, Gottes Führung für sein Leben zu suchen. Dabei forderte ihn die Schrift eines Atheisten (!) besonders heraus, wirklich das zu leben was er vorgab zu glauben. Er kam zum Schluß nur noch das tun zu wollen, was Gott ihm zeigte.
Als er bei der Verabschiedung eines Missionars nach China teilnahm wurde er sehr angesprochen. Er fragte Gott dazu und ihm wurde deutlich, daß er mit der von Hudson Taylor gegründeten China Inland-Mission als Missionar nach China gehen soll. Vor der Ausreise wurde ihm klar, dass er sein Vermögen, über das er ab seinem 25. Lebensjahr verfügen durfte, Christus geben soll. So wie Gott ihm zeigte, dass er sein Geld verteilen solle, verschenkte er Stück für Stück sein Vermögen, das nach heutigem Wert mehreren Millionen Euro entsprach. Einen Teil stellte er Moody zur Verfügung, der damit das Moody-Bible-Institute gründete.
1885 reiste er nach China aus, wo er in Pingyuan und Tai-Yuen seinen Dienst begann. 1888 heiratete er Priscilla Livingstone Stewart, eine junge Missionarin aus Irland, die 1887 in Shanghai angekommen war. Als sie eines Tages Gott um Weisung für ihr Leben bat sah sie in leuchtenden Buchstaben die Worte „China, Indien, Afrika“ – und so sollte es sich buchstäblich erfüllen. 1893 war Charles todkrank, aber ohne Gottes Auftrag wollte er nicht nach Hause zurückkehren. Nachdem er Freunde und Mitarbeiter gebeten hatte, ihn mit Öl zu salben und für ihn zu beten, wurde er wieder gesund.  1894 kehrte die Familie Studd zusammen mit ihren vier Töchtern nach England zurück. Es folgten fünf Jahre Dienst in der Evangelisation und in der Motivierung der Christen für den Missionsdienst in England und den USA.
1900 erfolgte die erneute Ausreise als Missionare, diesmal nach Ootacamund in Südindien, wo er bis 1906 tätig war. Vor allem Studds einfache und direkte Art das Evangelium zu verkündigen hatte großen Erfolg. Während seiner Arbeit in Indien litt er unter quälenden Asthmaanfällen.
Nach der Rückkehr nach England hielt er von 1906 – 1910 Vorträge vor zehntausenden von Menschen und viele kamen zum Glauben. Als er 1908 durch Liverpool ging sah er ein merkwürdiges Plakat mit der Aufschrift „Kannibalen brauchen Missionare“. Er ging zu dem angekündigten Vortrag und hörte von der Notwendigkeit der Mission in Afrika. Als er sich dachte: „Warum sind keine Christen hinausgegangen?“ antwortete ihm Gott: „Warum gehst du nicht?“ Studd dachte an seinen schlechten Gesundheitszustand und wirklich, die Ärzte sprachen sich gegen eine Ausreise nach Afrika aus. Auch seine Frau sprach sich zunächst dagegen aus. Doch er begann Vorbereitungen zu treffen und für das Anliegen der Weltmission zu werben. Am 10. Dezember 1910, er war inzwischen fünfzig Jahre alt, reiste er erstmals alleine nach Afrika aus um eine erste Erkundungsreise zu unternehmen, die ihn bis in den Südsudan führte. Mit den Verantwortlichen der Church Missionary Society kam er zu dem Schluß in Belgisch-Kongo mehrere Missionsstationen zu eröffnen, um den Menschen dort das Evangelium zu bringen.
1913 reiste er erneut nach Afrika aus, diesmal in Begleitung des zwanzigjährigen Alfred B. Buxton um diesen Plan in die Praxis umzusetzen. Nach zwei Jahren kehrte er nach England zurück, um weitere Missionare für die Arbeit zu gewinnen. 1916 reiste er zum letzten Mal nach Afrika aus, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1931 blieb. Ihn begleiteten acht Missionare, darunter seine Tochter Edith die sich später mit Alfred Buxton verheiratete. Seine Frau Priscilla blieb in England wo sie sich um den Aufbau der Heimatzentrale und die Gewinnung neuer Missionare kümmerte.
Das Werk wuchs und es entstand daraus das Missionswerk WEC (Weltweiter Einsatz für Christus). 1922 wurden die ersten Missionare ins Amazonasgebiet ausgesandt, danach auch nach Indien, Arabien, Spanish-Guinea und Klein-Tibet. Inzwischen arbeitet die Mission in über 30 Ländern auf fünf Erdteilen.
Studd unternahm regelmäßige Evangelisationsreisen, zunächst noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad, später als sein Gesundheitszustand schlechter wurde auch mit der Sänfte. Mit fast 70 Jahren machte er sich noch an die Übersetzung des Neuen Testamentes in die Kingwana Sprache. 1928 erhielt er für vierzehn Tage Besuch von seiner Frau, die er seit ca. 13 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ein Jahr später verstarb Priscilla Studd überraschend während einer Spanienreise. Wenige Monate vor seinem Tod durfte er noch erleben, wie die einheimische Kirche den Missionsaufrag übernahm und ihre ersten Missionare in die benachbarten Stämme schickte. Am 16. Juli 1931 verstarb er; mehr als 1.500 Afrikaner nahmen an seiner Beerdigung teil.
Charles Studd sagte einmal: „Wenn Jesus Christus Gott ist und für mich starb, kann mir für ihn kein Opfer zu groß sein.“ – Er sagte dies nicht nur, durch Gottes Gnade lebte er auch so.

Buchempfehlungen:
Norman P. Grubb. Charles Studd – Kein Opfer zu groß
Giessen: Brunnen Verlag, 1986.
Eileen Vincent: Charles und Priscilla Studd – Vereint im Kampf für Christus
Bielefeld: Christliche Literaturverbreitung, 1996.

Auf Youtube ist übrigens folgende Dokumentation über Charles Studd zu finden:

 

James Hudson Taylor

James Hudson Taylor (1837 – 1905) wurde 1832 in Barnsley / England geboren. Sein Vater war Apotheker. Mit fünfzehn Jahren trat er eine Banklehre an, die er allerdings ein Jahr später wieder verlies. Statt dessen begann er in der Apotheke seines Vaters mitzuarbeiten. Als er 17 Jahre alt war las er ein Traktat und erkannte, was Jesus Christus für ihn getan hatte. Im gleichen Jahr wurde ihm deutlich, dass er als Missionar nach China berufen ist. Ein Jahr später, 1850, begann er mit dem Medizinstudium, um sich so auf den Missionsdienst vorzubereiten. Gleichzeitig begann er, sich einen einfachen Lebensstil anzutrainieren und gab oft sein letztes Geld an Bedürftige weiter. Er lebte nach dem Beispiel des Waisenvaters Georg Müller, der alle finanziellen Anliegen vor Gott brachte und aus dem Glauben hunderte von Waisen und Missionare unterstützte, obwohl er selbst kein Geld besaß.
1853 reiste Taylor im Auftrag der Chinesischen Evangelisationsgesellschaft erstmals nach China aus, wo er zunächst in Shanghai lebte. Sein Ziel war es, das Innere Chinas mit dem Evangelium zu erreichen, doch seine Mission wollte die Arbeit auf Küstenstädte wie Shanghai beschränken. 1855 unternahm er dennoch Predigtreisen ins Innere des Landes, obwohl dies verboten war. Während dieser Zeit wurde ihm auch deutlich, dass es für seine Evangelisationstätigkeit hilfreicher wäre, wenn er seine englische Kleidung ablegt und die Kleidung eines chinesischen Lehrers – samt Zopf – anlegte. Er setzte dies in die Tat um und die Chinesen nahmen ihn so noch besser auf – während dagegen viele seiner Kollegen mit Spott und Entsetzen reagierten.
Im Jahr 1857 trat er von der Chinesischen Evangelisationsgesellschaft zurück und arbeitete auf eigene Rechnung. Ein Jahr später heiratete er Maria J. Dyer, die als Missionarskind in China geboren war. 1859 übernahm er die Verantwortung im Krankenhaus in Ningpo, wo er bis zur Rückkehr nach England im Jahr 1860 fast Tag und Nacht tätig war. Die Arbeit hatte seine Gesundheit so angegriffen, dass er für die nächsten fünf Jahre in England bleiben mußte. Während dieser Jahre in England setzte er sein Medizinstudium fort und arbeitete außerdem an der Überarbeitung des Neuen Testamentes im Ningpo-Dialekt. In seinem Studierzimmer hing eine Landkarte von China. Tag für Tag wurde ihm die Dringlichkeit einer Arbeit in ganz China bewußt, doch keine Missionsgesellschaft wollte sich darauf einlassen. Doch Hudson Taylor betete viel für dieses Anliegen. Außerdem besuchte er viele Gemeinden, um über die Notwendigkeit der Arbeit in China zu informieren. In ihm wuchs die Überzeugung, dass es einer besonderen Missionsgesellschaft für die Evangelisation des Inneren Chinas bedürfe. In seinem Haus entstand im Herbst 1864 eine Art Schule für Missionskandidaten. 1865 kam es dann zur Gründung der „China Inland Mission“ (heute Überseeische Missionsgemeinschaft – ÜMG). 1866 reiste die erste Gruppe unter der Leitung von Hudson Taylor nach China aus – ganz im Vertrauen, dass Gott für alle Bedürfnisse der Arbeit sorgen würde. Vor allem das erste Jahr war von Schwierigkeiten in der Missionarsgemeinschaft geprägt (u.a. ging es auch um die chinesische Kleidung) und erforderte alle Geduld die Taylor aufbringen konnte. 1867 starb seine Tochter Gracie, ein Ereignis, das dazu beitrug die Krise zu überwinden. 1870 starb auch seine Frau Maria. Als ein Jahr später das Ehepaar Berger, das in England die Geschäftsführung der Mission übernommen hatte, diese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fortführen konnte, wurde eine vorübergehende Rückkehr nach England notwendig. Hudson Taylor übernahm die Geschäftsführung der Mission. 1872 kehrte er nach China zurück, wo er sich kurz darauf mit Miss Faulding verheiratete, welche die Leiterin der Frauenarbeit in Hangchow war.
Die Arbeit ging voran, aber 1874, wenige Wochen vor der Rückkehr nach England, hatte er einen Sturz, bei dem seine Wirbelsäule verletzt wurde. In England kam es dann zur Lähmung  der unteren Glieder und Taylor war etwa ein Jahr lang vollständig ans Bett gefesselt. Trotz dieser schwierigen Situation setzte er die Arbeit vom Bett aus fort. Zu Beginn konnte er noch schreiben, doch sein Zustand verschlechterte sich und er war nicht einmal mehr dazu fähig. Doch Gott half auch in dieser Situation und sandte viele Freiwillige, die nach Diktat schrieben, Briefe beantworteten und die Buchhaltung führten. Hudson Taylor hatte sich 18 weitere Männer für den Dienst in China erbeten und nun saßen sie an seinem Bett und er studierte mit ihnen die chinesische Sprache. Freunde begannen für seine Heilung zu beten und er genas.
1878 erfolgte eine erneute Ausreise und ein weiterer Dienst in China. 1888 reiste er auf Einladung das erste Mal in die USA, wo er mit dem Evangelisten D.L. Moody zusammentraf. 1889 folgten weitere Reisen nach Schweden, Norwegen und Dänemark, 1890 auch nach Australien. 1893 sprach er auch bei der Studentenkonferenz in Frankfurt / Main, wo ihn auch der bekannte Tübinger Theologe Karl Heim hörte. Heim berichtet in seiner Autobiographie davon, u.a. auch, wie die kritisch geprägten Studenten Taylor fragten: „Wie können Sie an jedes Wort der Bibel glauben?“ – Taylor antwortete: „Wenn Sie morgen wieder von Frankfurt abreisen wollen, so schlagen Sie das Kursbuch auf und sehen nach, wann der Zug abgeht. Und wenn da steht, um sieben Uhr morgens fährt der erste Zug, so stellen Sie weiter keine Untersuchungen an über die Zuverlässigkeit des Kursbuchs, sondern gehen morgens sieben Uhr auf den Bahnhof und finden dort den angegebenen Zug. Genauso, wie Sie es mit dem Kursbuch machen, habe ich es seit fünfzig Jahren mit der Bibel und ihren Geboten gemacht, und ich habe ihre Weisungen in einem langen Leben auch unter hunderten von Todesgefahren immer richtig gefunden. Wenn zum Beispiel in der Bibel steht: ´Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch alles übrige zufallen´ so habe ich mich danach gerichtet, und bin dabei in allen kritischen Lebenslagen nie enttäuscht worden. Handeln Sie ebenso, und Sie werden dieselbe Erfahrung machen!“
Das Werk der Mission wuchs weiter und Hudson Taylor hatte bis 1902 die Leitung inne. Im Februar 1905 unternahm er eine letzte Reise nach China, auf der er am 3. Juni 1905 in Hunan starb. – Zu dieser Zeit waren etwa 850 Missionare der von ihm gegründeten China Inland Mission in China tätig.

Buchempfehlungen:
John C. Pollock: Hudson Taylor – Pionier im verbotenen Land
Giessen: Brunnen Verlag, 1983.
Howard und Geraldine Taylor: Das geistliche Geheimnis Hudson Taylors
Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 1984.

Auf Youtube fand ich noch folgende Episode: „Hudson Taylor und seine letzte Münze“

Georg Müller – der “Waisenvater von Bristol“

Georg Müller (1805 – 1898) wurde 1805 in Kroppenstädt im Königreich Preußen geboren. Sein Vater war Steuereinnehmer und Georg wuchs schon in seiner Kindheit mit viel Geld auf. Die Idee seines Vaters war, dass er sich daran gewöhnen sollte viel Geld zu besitzen ohne es auszugeben. – Er gab es natürlich aus und nahm wiederholt sogar von den Steuergeldern. Mit 10 Jahren trat er ins Gymnasium ein, um sich auf die Universität vorzubereiten. Nach dem Wunsch seines Vaters sollte er Geistlicher werden, nicht um Gott zu dienen, sondern um ein angenehmes Leben führen zu können. Die Jugend Müllers war geprägt von Kartenspielen, Zecherei und anderen Lastern. Nach der Konfirmation wollte er anfangen besser zu leben, allerdings aus eigener Kraft. Doch er hatte seinen Vorsatz bald vergessen und es wurde immer schlimmer mit ihm. Als 16jähriger wurde er wegen Zechprellerei für 25 ins Gefängnis gesperrt, bis sein Vater kam. die Schulden bezahlte und ihm eine ordentliche Tracht Prügel erteilte. Von da ab wandte er sich – zumindest äußerlich – zum Besseren. Er wurde ein guter, arbeitsamer Schüler, lebte aber weiterhin verschwenderisch und in Betrügereien.
1825 begann er in Halle das Theologiestudium. Er wollte zwar ein besseres Leben führen, lebte aber weiterhin in Sünde. Im November 1825 kam dann der Wendepunkt in seinem Leben. Er wurde zur Hausversammlung eines gläubigen Kaufmanns eingeladen und lernte Jesus Christus als seinen Herrn und Heiland kennen. Er begann die Bibel zu lesen und zu beten. 1826, beim Lesen von Missionsnachrichten, reifte der Entschluß, dass er Missionar werden wollte. Um diese Zeit kam auch Dr. Tholuck, ein gläubiger Theologieprofessor, nach Halle. Dr. Tholuck half Müller sehr auf seinem Glaubensweg. Georg Müllers Vater war von der Bekehrung seines Sohnes gar nicht begeistert, und noch weniger von seinem Entschluß Missionar werden zu wollen. So kam es zum Bruch mit dem Vater und Georg beschloß, von ihm auch kein Geld mehr anzunehmen. Er fand Arbeit und konnte auf diese Weise sein Studium finanzieren. Ab August 1826 unternahm er seine ersten Predigtversuche und lernte so Stück für Stück das Wort Gottes zu verkündigen. Ende 1827 erhält er durch Dr. Tholuck die Anfrage,  ob er sich vorstellen könnte als Judenmissionar zu arbeiten. Die Londoner Missionsgesellschaft wollte gerne einen Prediger nach Bukarest schicken. Nach Gebet und Gesprächen mit anderen Gläubigen erklärte er sich bereit dazu. Im Juni 1828 erhielt er dann die Zusage aus London, dass er für sechs Monate zur Probe als Missionsstudent aufgenommen wurde. 1829 kam er in London an und studierte zunächst am Missionsseminar. Diese Zeit brachte ihn in seinem geistlichen Leben nochmals einiges voran und ihm wurde deutlich, dass nur das Wort Gottes unser Maßstab zur Beurteilung geistlicher Dinge sein kann. In dieser Zeit wurde ihm aber auch deutlich, dass er seinen Dienst nicht auf Juden beschränken wollte und so löste er sich 1830 von der Mission. Er begann zunächst als Pastor in Teignmouth zu arbeiten und predigte daneben auch in verschiedenen Dörfern. Im selben Jahr heiratete er Mary Groves. Im Oktober 1830 kam er zur Überzeugung, dass das System, mit dem sein Gehalt finanziert wurde, nämlich die Versteigerung der Kirchensitze, nicht mit Gottes Willen übereinstimmt. So entschloß er sich, ohne festes Gehalt zu arbeiten und von freiwilligen Gaben auf Glaubensbasis zu leben. Er begann all seine Bedürfnisse im Gebet Gott vorzulegen und kam auch zur Überzeugung, dass es nicht Gottes Wille ist Schulden zu machen.
Im April 1831 wurde Müller, zusammen mit seinem Freund und Prediger-Kollegen Henry Craik nach Bristol eingeladen. Sie begannen in der Gideon- und in der Bethesda-Gemeinde zu predigen und die Gemeinden weiter aufzubauen.
Im Juni 1833 begann Müller erste Speisungen für die Armen anzubieten, und bald gaben sie Brot an 60 bis 80 Personen aus. Doch die Nachbarn begannen sich daran zu stören, und auch aus zeitlichen Gründen konnte er diesen Dienst nicht fortführen. Doch Müller machte in dieser Zeit eine erstaunliche Erfahrung: während er so viele Menschen mit versorgte wuchs sein Spendenaufkommen an, als er damit aufhörte ging es wieder auf das Maß zurück, was er für sich und seine Familie zum Leben brauchte.
Im Frühjahr 1834 gründete er dann eine „Anstalt zur Verbreitung von Schrifterkenntnis“. Dabei ging es in erster Linie um folgende Arbeitsbereiche: Unterstützung von Tagesschulen, Sonntagsschulen und Erwachsenenschulen auf biblischer Grundlage; die Verbreitung der Heiligen Schrift und die Unterstützung missionarischer Bemühungen. Innerhalb nur eines Jahres entstanden fünf Tagesschulen (2 für Jungen, 3 für Mädchen) mit 439 Schülern, sowie eine Sonntagsschule und eine Erwachsenenschule.
Im November 1835 kam ihm der Gedanke an die Eröffnung eines Waisenhauses als weiterer Arbeitszweig der „Anstalt“. Angesichts vieler Gläubiger, die sich kaum Zeit für Gott nahmen, in der Angst sie könnten nicht genügend Einkommen haben, wollte er damit ein Zeichen setzen, damit jeder sehen kann, dass Gott treu ist und Gebet erhört. Er wollte diese Arbeit beginnen, obwohl er dafür keine freien Mittel hatte und kaum 6 Monate später wurde das erste Waisenhaus und die 6. Tagesschule eröffnet. Im Laufe der Zeit kamen wurden immer mehr Häuser angemietet bis ca. 120 Waisen betreut wurden. Allerdings war die Lage der Häuser nicht ideal und es kam auch zur Störung der Nachbarn. Ende 1845 bewegte Müller den Gedanken, ob es nicht zweckmäßiger wäre ein Waisenhaus zu bauen. Fünf Jahre später, 1850 wurde das 1. eigene Waisenhaus fertiggestellt. Darin war es möglich jetzt 300 Kinder aufzunehmen. Bis 1867 kamen vier weitere Häuser dazu und rund 2000 Waisen konnten betreut werden. Zusätzlich wurden pro Jahr über 2000 Bibeln verteilt und ca. 120 Missionare unterstützt.
Hand in Hand mit dem Wachstum des Werkes läßt sich auch Müllers Weg, Gott immer mehr zu vertrauen, verfolgen. Es gab sehr viele Tage, an denen er morgens noch nicht wußte wie er die anstehenden Kosten decken sollte, doch Gott ließ ihn nicht einen Tag im Stich.
Ab 1875, d.h. im Alter von 70 Jahren begann er mit einer Serie von Predigtreisen, die ihn mehrmals auch in die USA, auf das europäische Festland und sogar nach Indien und Australien führten. 1892, im Alter von 87 Jahren unternahm er seine letzte große Reise. Die folgenden Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1898 verbrachte er v.a. in Bristol, wo er seine Wohnung in einem der Waisenhäuser hatte. Obwohl er die Nachfolge in der Leitung des Werkes schon vor vielen Jahren geregelt hatte (er hatte sie seinem Schwiegersohn Wright übertragen), stand Müller doch bis zuletzt in der Arbeit und predigte noch regelmäßig in den Gottesdiensten und Gebetsstunden.
Georg Müllers Leben war eine positive Herausforderung für viele Menschen. Sein Glauben an Gottes Versorgung prägte letztlich auch die Arbeit anderer Männer wie Hudson Taylor oder Charles Studd. In seinem Leben ging es letztlich darum Gott zu verherrlichen und zu beweisen, dass es einen Gott gibt, der Gebet erhört. Georg Müller war davon überzeugt, dass Gott im Leben jedes Gläubigen ebenso handeln wird, sofern dieser Jesus ganz an die erste Stelle setzt und Gottes Ehre sucht.

Folgender Videoclip auf Youtube erzählt eine Episode aus Georg Müllers Leben:

Literaturempfehlung:
Georg Müller. Und der himmlische Vater ernährt sie doch. Tagebücher
Wuppertal: R. Brockhaus Verlag.