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Sola Scriptura?!

Sola Scriptura – Allein die Schrift – das ist einer der fünf Kernpunkte (fünf Solas) der reformatorischen Lehre. Die Reformatoren haben (wie die Vorreformatoren John Wyclif und Johannes Hus) ausschließlich die Bibel als einzige Autorität und einzigen Maßstab in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung anerkannt. Damit haben sie sich bewusst gegen andere „Autoritäten“ und „Maßstäbe“ gewandt, denen neben der Bibel ebenfalls Gültigkeit eingeräumt wurde (und leider immer noch eingeräumt wird). Sola Scriptura war die Grundlage aller „evangelischen“ Kirchen, seit der Reformation – egal ob es sich um die lutherische, reformierte oder auch um die verschiedenen Freikirchen handelt, die zwischenzeitlich entstanden sind. Wie gesagt: „war“, denn die Grundlage von „sola Scriptura“ wird immer mehr verworfen. „Offiziell“ (theoretisch) gilt das Prinzip zwar noch, und die evangelischen Pfarrer werden auch weiterhin auf „Schrift und Bekenntnis“ verpflichtet, doch die Praxis sieht m. E. längst anders aus. Das Prinzip von „sola Scriptura“ wurde bereits vor über 200 Jahren mit dem Aufkommen der Bibelkritik verlassen, mit der gleichzeitig die These aufkam, die Bibel sei überhaupt nicht Gottes Wort. Bereits vergangenes Jahr hat die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) einen Grundlagentext zu 500 Jahren Reformation 2017 mit dem Titel „Rechtfertigung und Freiheit“ herausgegeben. Darin werden die fünf Solas der Reformation behandelt. In den Ausführungen zu „Sola scriptura – allein aufgrund der Schrift“ (S. 76ff) bekennt die EKD Farbe und erklärt, wie sie heute dazu steht:

„Seit dem siebzehnten Jahrhundert werden die biblischen Texte historisch-kritisch erforscht. Deshalb können sie nicht mehr so wie zur Zeit der Reformatoren als »Wort Gottes« verstanden werden. Die Reformatoren waren ja grundsätzlich davon ausgegangen, dass die biblischen Texte wirklich von Gott selbst gegeben waren. Angesichts von unterschiedlichen Versionen eines Textabschnitts oder der Entdeckung verschiedener Textschichten lässt sich diese Vorstellung so nicht mehr halten. Damit aber ergibt sich die Frage, ob, wie und warum sola scriptura auch heute gelten kann.“ (Rechtfertigung und Freiheit. 500 Jahre Reformation 2017. Ein Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), S.84.)

Gleichzeitig, auf derselben Seite dieser Publikation, wird gesagt: „Aber dennoch gilt: »Nach evangelischer Auffassung müssen sich die Traditionen immer am Ursprungszeugnis der Schrift und ihrer Mitte orientieren, sie müssen von hier aus kritisch bewertet und immer neu angeeignet werden.«“ (S.84). Moment mal, irgendwie verstehe ich diese Logik nicht! Einerseits könne nach EKD-Lesart die Bibel nicht mehr als „Wort Gottes“ verstanden werden, andererseits solle man sich aber doch „am Ursprungszeugnis der Schrift“ orientieren??? Oder um es etwas anders auszudrücken: Einerseits wird die Bibel letztlich verworfen (auch wenn Bibelkritiker das vielleicht nicht unbedingt so sehen würden), indem ihre Wahrheit (und Inspiration) als Wort Gottes angezweifelt wird. Dieselbe Bibel, die nicht nur die Grundlage für die von der Kirche zu verkündigende Botschaft ist, sondern letztlich auch als einzige die Existenz der Kirche legitimiert. Andererseits wird aber so getan, als ob die Bibel doch noch eine Bedeutung habe und zur Orientierung und als Maßstab diene? Gleichzeitig wird in der Praxis deutlich, dass in der Handhabung der Bibel die Bibelkritik voll durchschlägt und sowohl Botschaft als auch ethische Maßstäbe nach Bedarf (Lust und Laune?) an den Zeitgeist angepasst werden. Was ist denn das für eine Inkonsequenz? Wenn die Bibel nicht wirklich die Wahrheit berichtet und nur irgendwelche „Mythen“, „nette Geschichten“ oder „Vorstellungen“ mit einer „religiösen Bedeutung“ enthält, warum sollte die Bibel dann überhaupt eine Relevanz für unser Leben haben? Und warum braucht es dann überhaupt noch eine christliche Kirche? Wäre es dann nicht ehrlicher zu sagen: „wir machen den Laden dicht“ anstatt sich der Tradition von Reformatoren verpflichtet zu fühlen, die davon ausgegangen sind, „dass die biblischen Texte wirklich von Gott selbst gegeben waren“ (und sich nach Meinung bibelkritischer Theologen und der EKD halt geirrt bzw. es nicht besser gewusst hätten)? Eine Kirche, welche die Grundlage verwirft, auf der sie aufgebaut ist, wird letztlich an Bedeutung verlieren (siehe auch den Artikel „Diaspora Deutschland“ in der FAZ). Außerdem sind die Leute ja auch nicht dumm, sie merken sehr wohl, dass da eine Diskrepanz besteht. Der stetige Mitgliederschwund der evangelischen Kirche und leere Gottesdienste sprechen für sich.

An dieser Stelle möchte ich eines klarstellen: Auch wenn ich hier sehr generell über die EKD (mit ihren angeschlossenen Landeskirchen) spreche, so ist mir doch sehr bewusst, dass es innerhalb der EKD mit ihren Ortsgemeinden und ihren Pfarrern eine sehr große Bandbreite zwischen sehr liberal bis sehr konservativ gibt. Doch insgesamt gesehen sind die Konservativen in der EKD, die sich wirklich an Schrift und Bekenntnis halten und auch am „sola Scriptura“ weiterhin im Sinne der Reformatoren festhalten (inklusive, dass die Bibel wirklich wahr und Gottes Wort ist), inzwischen in der Minderheit. Das Interessante ist allerdings, dass diese Gemeinden oft relativ gut besuchte Gottesdienste und auch sonst ein aktives und lebendiges Gemeindeleben haben. Das Bedenkliche ist, dass gerade Pfarrer, die das „sola Scriptura“ ernst nehmen und dies auch in ihrer Verkündigung zum Ausdruck bringen, immer wieder (und immer öfters?) massiven Widerstand bekommen – und zwar nicht nur von Außenstehenden, was man ja verstehen könnte – sondern von ihrer eigenen Kirchenleitung. Das macht auf mich den Eindruck, als ob man geistliches Leben, das in einzelnen Gemeinden noch vorhanden ist, bewusst zerstören möchte. Des Weiteren ist mir bewusst, dass sich die Bibelkritik (vor allem von Deutschland ausgehend) inzwischen in die ganze Welt hinaus verbreitet, und diese auch vor freikirchlichen Türen nicht Halt gemacht hat (d.h. das Problem sich nicht allein auf die EKD beschränkt).

Im Jahr 1984 kam Francis Schaeffers Buch „The Great Evangelical Disaster“ heraus (das Buch ist in Deutsch unter dem Titel „Die große Anpassung“ erschienen), in dem er insbesondere auch auf das Thema Bibelkritik eingeht und zeigt, wo sie hinführt (was auch das Coverfoto der Originalausgabe deutlich zum Ausdruck bringt). Francis Schaeffer hat darin vor allem die „evangelikale Welt“ im Blick. Er schreibt darin u.a.:

„Die Evangelikalen sehen sich in unseren Tagen einer Wasserscheide gegenüber, die die Natur der biblischen Inspiration und Autorität betrifft. In dieser Sache liegt eine ebensolche Wasserscheide vor wie in dem von mir beschriebenen Beispiel. Innerhalb der evangelikalen Welt gibt es eine Anzahl von Menschen, die ihre Ansichten über die Unfehlbarkeit der Bibel abändern, so dass die unumschränkte Autorität der Bibel vollständig untergraben wird. Aber dies geschieht in einer sehr spitzfindigen Art und Weise. Wie der Schnee, der Seite an Seite auf der Gebirgskette liegt, scheinen die neuen Ansichten über die Autorität der Bibel oft nicht so sehr weit von dem entfernt zu sein, was die Evangelikalen bis vor kurzem immer noch glaubten. Aber ebenso wie der Schnee, der Seite an Seite auf dem Gebirgskamm liegt, enden die neuen Ansichten schließlich, wenn man sie konsequent verfolgt, Tausende von Meilen von den alten entfernt. Was auf den ersten Blick nur ein kleiner Unterschied zu sein scheint, wird zuletzt zu einem sehr bedeutenden Unterschied. Es macht, wie wir wohl erwarten werden, einen großen Unterschied aus, was die Theologie, die Lehre und die geistlichen Fragen angeht, aber es entscheidet auch grundsätzlich über die alltäglichen Dinge im Leben eines Christen und über die Art, wie wir uns als Christen unserer Umwelt gegenüber zu verhalten haben. Mit anderen Worten: Wenn wir in Bezug auf die unumschränkte Autorität der Bibel einen Kompromiss eingehen, dann wird dies mit der Zeit einen Einfluss darauf haben, was es im theologischen Sinne heißt, ein Christ zu sein, und dieser Kompromiss wird auch Auswirkungen darauf haben, wie wir in dem gesamten Spektrum des menschlichen Lebens unser Leben führen.“ (Francis A. Schaeffer. Die große Anpassung. Der Zeitgeist und die Evangelikalen., CLV, 3. Aufl. 2008, S. 52f)

Wie Schaffer in diesem Abschnitt und im weiteren Verlauf seines lesenswerten Buches zum Ausdruck bringt, haben Bibelkritik und Abwendung von der unumschränkten Autorität der Bibel (die von den Reformatoren durch das „sola Scriptura“ ausgedrückt wurde) gravierende Auswirkungen. Diese mögen zwar nicht sofort sichtbar sein, werden aber früher oder später im Leben der Menschen, der Kirche und auch in der Gesellschaft offenbar werden. Manches von dem, was wir in unserer heutigen Gesellschaft beobachten (insbesondere der Verfall von Werten, mit teilweise grausamen Konsequenzen) ist auch eine Frucht der Abwendung von der Bibel.

Bereits schon in einem früheren Blogeintrag habe ich auf das Buch des Inders Vishal Mangalwadi (Das Buch der Mitte: Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur) hingewiesen, in dem er die Beziehungen, die zwischen der westlichen Gesellschaft und der Bibel bestehen, untersucht. Leider ist vielen nicht bewusst, wie sehr die Reformation und die Bibel unsere Gesellschaft geprägt haben, und was eine Abwendung von der Schrift nicht nur für die Kirche, sondern auch für unsere Gesellschaft bedeutet.

Auf Martin Luther geht (angeblich) der Ausspruch „Ecclesia semper reformanda est”, d.h. „die Kirche muss ständig reformiert werden“ zurück. Egal, ob diese Aussage nun wirklich von Luther oder jemand anders stammt, sie ist wahr. Sowohl das AT wie auch das NT machen auf die Tendenz des Menschen zum Abfall von Gott aufmerksam. Diese Tendenz ist eine Konsequenz des Sündenfalls, der von der Schlange mit den Worten „Ja, sollte Gott gesagt haben…?“ (1. Mose 3,1) eingeleitet wurde. Daher brauchen wir auch gerade heute eine neue Reformation und eine Rückbesinnung auf die fünf Solas der Reformation – beginnend mit „sola Scriptura“!

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Vom Verlust der Menschenwürde

Sowohl die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen als auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beginnen mit einem Hinweis auf die Würde des Menschen. Damit setzen die jeweiligen Verfasser bei einem wichtigen Aspekt unseres Menschseins an: der Menschenwürde.  Allerdings werden in diesen Texten zwei wesentliche Fragen nicht beantwortet:

  1. Was genau macht denn diese Würde des Menschen aus?
  2. Worauf gründet sich diese Würde des Menschen?

Die Wikipedia schreibt zur Menschenwürde u.a. folgendes:

„Im modernen Sinne versteht man darunter, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder anderer Merkmale wie Geschlecht, Alter oder Zustand denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gegebenes schützenswertes Merkmal auszeichnen, die Würde.

Der Begriff Menschenwürde ist verwurzelt in einer christlichen Tradition und beinhaltet damit eine bestimmte Sicht auf Menschenrechte.“

Damit gibt uns die Wikipedia eine gute Definition des Begriffs, zugleich weist sie auf die Ursprünge desselben hin. Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass der Begriff der Menschenwürde in der jüdisch-christlichen Weltanschauung verwurzelt ist und seine Grundlage in 1.Mose 1,27 verankert ist:

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“

Nun haben wir aber ein großes Problem. Dieses Zitat aus 1.Mose 1,27 ist ja sehr schön… Aber: Wer glaubt denn heute noch wirklich, dass es so ist, wie es hier geschrieben steht? Und: Ist diese Aussage der Bibel heute überhaupt noch politisch korrekt?

Wenn wir auf die Geschichte der letzten 200 Jahre zurückblicken, dann entdecken wir ein interessantes Phänomen: Einerseits wurden die Würde des Menschen und damit verbundene Menschenrechte verstärkt thematisiert. Gleichzeitig gab es immer stärker werdende Angriffe auf das jüdisch-christliche Weltbild, das doch die eigentliche Grundlage der Menschenwürde bildet. D.h. man hat damit begonnen einen wichtigen Aspekt unseres Menschseins hervorzuheben – und gleichzeitig damit begonnen, das Fundament abzugraben. So kam es meines Erachtens zu einem Verlust der Menschenwürde, obwohl man sich doch so sehr bemühte, die Würde des Menschen hervorzuheben.

Der erste Angriff auf das jüdisch-christliche Weltbild begann vor etwa 200 Jahren mit der Entstehung der sogenannten „modernen Bibelwissenschaft“ und der Bibelkritik. Wir wurden belehrt, es habe sich alles gar nicht so zugetragen, die Bibel sei in Wahrheit nicht Gottes Wort und überliefere uns nur Mythen. So blieb nur der Zweifel. Die Aussage in 1.Mose 1,27 wurde zu einer netten Metapher degradiert, die den Versuch darstellt, unserem menschlichen Leben Sinn und Bedeutung zu stiften. Genauso gut hätte man aber auch Grimms Märchen oder jede andere Geschichte zur Sinnstiftung heranziehen können…

Der zweite Angriff auf das jüdisch-christliche Weltbild begann vor etwa 150 Jahren mit Darwins Evolutionstheorie. Wir wurden belehrt, „die Natur“ habe die ganze Schöpfung (es ist einfach schwierig diesen Begriff „Schöpfung“ nicht zu gebrauchen…) von selbst, per Zufall hervorgebracht. Durch viel Zeit, Zufall, Mutation und Selektion habe sich alles irgendwann entwickelt – auch der Mensch. Im schlimmsten Fall stammen wir von einer Amöbe ab (wer schon einmal Amöben im Verdauungstrakt hatte, der weiß, wie unangenehm das sein kann…), im besten Fall vom Affen. Eines der Hauptmittel, das die Evolution bei diesem Prozess gebraucht habe, sei die Selektion, d.h. das Überleben des Stärkeren und der Tod des Schwächeren. Denkt man dieses Erklärungsmodell (besser: diese Philosophie) konsequent zu Ende, dann gibt es weder eine sinnvolle Begründung für Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Entwicklungshilfe u.v.a.m., noch eine sinnvolle Begründung für die Menschenwürde. Und wenn der Mensch sowieso nur aus Materie besteht und halt so etwas wie eine „hochentwickelte Maschine“ ist, dann hat logischerweise der Mensch den größten Wert, der auch am besten funktioniert und die höchsten Leistungen für die weitere Entwicklung der Menschheit erbringt. Wer nur durchschnittlich (oder sogar unter dem Durchschnitt) ist, oder nicht mehr richtig funktioniert, der hat logischerweise wenig Wert oder seinen Wert ganz verloren – und ist eigentlich eine Belastung für die Gesellschaft und die weitere Höherentwicklung der Menschheit.

Der dritte Angriff auf das jüdisch-christliche Weltbild begann vor etwa 40 – 50 Jahren und nimmt immer mehr an Stärke zu. Die Erschaffung des Menschen als Gottes Ebenbild (gemäß 1.Mose 1,27) – und zwar als Mann und als Frau – begründet seine Würde. Jedes menschliche Geschöpf hat dieselbe Würde, sowohl als Mann wie auch als Frau. Leider wurde die Würde der Frau immer wieder mit Füßen getreten. In Folge der 68er-Bewegung wurde das berechtigte Anliegen der Gleichberechtigung der Frau immer stärker thematisiert. Zusätzlich wurde aber „auch die traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau und das Patriarchat insgesamt massiv in Frage gestellt.“ (Wikipedia: Emanzipation)

Doch auch dabei ist man nicht stehen geblieben. Ungefähr seit Mitte der 80er-Jahre kam es (von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt) zur Entwicklung einer Gender-Ideologie, die letztlich weit über das Anliegen der Gleichstellung der Geschlechter hinausgeht. Man begann zwischen dem „sozialen Geschlecht“ oder „psychologischen Geschlecht“ (engl. „Gender“) und dem „biologischen Geschlecht“ (engl. „sex“) einer Person zu unterscheiden. Der eigentliche Grundgedanke dieser Philosophie ist folgender: Es gäbe überhaupt keinen Zusammenhang zwischen dem natürlichen Geschlecht und Geschlechterrollen, sondern die Geschlechterrollen seien lediglich ein Konstrukt. D.h. die Natur habe letztlich nicht vorgegeben, wer ein Mann und wer eine Frau sei, sondern die Kategorien „Mann“ und „Frau“ seien lediglich „soziale Konstrukte“. Aus diesem Grund wird auch angestrebt, dass die Kindererziehung geschlechtsneutral erfolgen solle, d.h. dass den Kindern keine Geschlechterrollen mehr vermittelt sollen, damit sie ihre eigene (Gender)Identität individuell entwickeln können (so etwas Ähnliches hatten wir schon mal: Anti-Autoritäre-Erziehung – nur nicht eingreifen, keine Grenzen setzen, das Kind tun und lassen dürfen was es will um seinem Glück und seiner Entwicklung ja nicht im Wege zu stehen..).

Der Kern dieser Gender-Philosophie steht nicht nur im Widerspruch zum Schöpfungsbericht der Bibel, sondern auch zu den Naturwissenschaften. Es ist ein biologisches Faktum (Organe, Gene, etc.), dass es zwei Geschlechter gibt. Darüber hinaus ist es empirisch erwiesen, dass die Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern nicht nur biologischer Natur sind, sondern tiefer im jeweiligen Wesen von Mann und Frau verankert sind (unabhängig von der Sozialisation; wobei zweifelsohne auch die Erziehung Auswirkungen auf die Ausprägung der Geschlechteridentität hat).

Ich finde es krass zu sehen, wohin uns die Emanzipationsbewegung inzwischen gebracht hat: Aus dem berechtigten Anliegen der Gleichberechtigung (d.h. die Frauen als gleichwertig zu würdigen – nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch) wurde Stück für Stück eine Tyrannei der Gleichmacherei, in der man versucht, alle bestehenden Unterschiede zu negieren und einzuebnen. Meines Erachtens bleibt dabei die Würde des Menschen letztlich auf der Strecke. Anstatt es als Würde anzusehen, ein Mann oder eine Frau zu sein, wurde es zu einer Bürde! Sowohl Männer als auch Frauen sind in unserer Gesellschaft immer häufiger gezwungen sich zu entschuldigen, wenn sie sein wollen, was ihrem Wesen entspricht. Es ist ja inzwischen schon fast ein No-Go, wenn eine (intelligente, gut gebildete und ausgebildete) Frau sich (freiwillig!) dazu entscheidet „nur“ Hausfrau und Mutter zu sein und ihre Kinder selbst aufzuziehen. Und als männliches Wesen gilt man heute recht schnell als verhaltensauffällig oder hyperaktiv, wenn man seine „wilde und raue Seite“ zum Ausdruck bringen oder seine Kräfte mit anderen männlichen Wesen messen möchte (das beginnt schon in der Schule, insbesondere manche Lehrerinnen [ich meine natürlich männliche und weibliche – analog zur neuen political correctness der Uni Leipzig] mögen es gar nicht, wenn Jungs etwas lebhafter sind); es kommt besser an, wenn man „soft“ und „einfühlsam“ ist. Aber wenigstens kann Mann sich im Fernsehen gelegentlich noch einen guten alten Western (Winnetou oder was mit John Wayne), oder „Der letzte Bulle“ anschauen, und davon träumen z.B. Mick Brisgau oder Old Shatterhand zu sein. Noch schwieriger wird es allerdings, wenn Mann sich um eine neue Arbeitsstelle (insbesondere um eine Führungsposition) bewirbt, er aber – obwohl er womöglich unter allen BewerberInnen die allerbeste Qualifikation für diesen Job aufweist – nicht genommen wird (oder nicht genommen werden darf), weil er das falsche (biologische) Geschlecht hat. Interessanterweise kommt es in diesem Fall aber sehr wohl auf seine biologischen Geschlechtsmerkmale an. Aber vielleicht würde ihm eine Geschlechtsumwandlung  ja helfen, die letzte Hürde zum neuen Job zu nehmen? – Damit mich niemand falsch versteht: Ich bin davon überzeugt, dass es sehr wohl auch (viele) Frauen gibt, die Männern in ihrer beruflichen Qualifikation (weit) überlegen sind. Diesen Frauen sollten wirklich alle Möglichkeiten offenstehen, um bis in die obersten Chefetagen aufzusteigen. Aber ist es nicht entwürdigend für eine Frau, wenn sie sich nie sicher sein kann, ob sie es nur aufgrund ihres (biologischen) Geschlechts (quasi als „Quotenfrau“) oder aufgrund ihrer Persönlichkeit und Kompetenz dahin geschafft hat?

Sollte es wirklich zu einer radikalen Umsetzung der Gender-Ideologie (die uns in den letzten 20 Jahren nur Scheibchenweise, im Sinne einer „Salami-Taktik“ präsentiert wurde) kommen, dann wird das tiefgreifende Konsequenzen für die Stabilität unserer Gesellschaft haben. Abschließend möchte ich bemerken, dass Kritik an dieser Ideologie von verschiedenen Seiten geäußert werden, sowohl von Leuten, die sich bewusst zu einer christlichen Weltanschauung bekennen, als auch von Menschen, die das nicht (oder nicht explizit) tun. Im Internet gibt es verschiedene gute Artikel und auch Vorträge dazu (siehe Ende dieses Artikels).

Ich würde mir wünschen, dass jeder Mensch mit Würde Mensch sein darf und seine Würde geachtet wird – eben weil er (wie ich persönlich ganz fest glaube) nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde. Und ich würde mir wünschen, dass Frauen mit Würde Frauen und Männer mit Würde Männer sein dürfen – eben weil beides (wie ich persönlich ganz fest glaube) der Ebenbildlichkeit Gottes entspricht. Außerdem würde ich mir wünschen, dass Männer und Frauen sich gegenseitig als Ergänzung betrachten können und sich daran freuen – anstatt einander als Konkurrenz oder gar Bedrohung anzusehen.

Artikel und Vorträge zur Gender-Ideologie:

  • Der Podcast von Dr. Johannes Hartl mit dem Titel „Der Kampf um Europa“ setzt sich intensiv mit den Hintergründen der Gender-Ideologie auseinander.
  • Der Artikel „Gender-Mainstreaming“ auf der Wikipedia gibt einen Überblick über das Thema. Interessant ist insbesondere auch der Abschnitt über die Kritik daran.
  • Der TheoBlog enthält viele interessante Artikel zum Thema Gender-Mainstreaming. Diese Seite ist gleichzeitig eine Fundgrube für weiterführende Artikel im Internet.
  • Der Artikel „Schlecht, schlechter, Geschlecht“ von Harald Martenstein weist auf viele wichtige Aspekte der Thematik hin.

Interessante Vorträge von T4G: The Unadjusted Gospel

Hatte im Urlaub Zeit und Gelegenheit, die Vorträge von der Together for the Gospel-Konferenz 2010 anzuhören. Die Vorträge standen unter dem Thema „The Unadjusted Gospel“. Die Thematik wurde von unterschiedlichen Referenten und von verschiedenen Seiten beleuchtet. Aus der Fülle der Themen möchte ich nur ein paar erwähnen, die mich besonders angesprochen haben:

  • Al Mohler geht der Frage nach, wie es zu Anpassungen des Evangeliums an den aktuellen Zeitgeist kommt.
  • Thabiti Anyabwile stellt wichtige Fragen bezüglich der Einflußnahme des Evangeliums auf die Kultur.
  • John Piper befaßt sich mit der Frage, ob Jesus dasselbe Evangelium wie Paulus verkündigt hat.
  • Ligon Duncan spricht über die Bedeutung der Schriften der Kirchenväter und fragt, ob diese das biblische Evangelium kannten.

Wer einigermaßen Englisch versteht, dem kann ich die Vorträge sehr empfehlen!

“Yes we can!“ – im Licht der Literarkritik

Barack Obama war es, der die drei Worte „Yes we can!“ bekannt machte. Ja, der vielmehr selbst durch diese Worte bekannt wurde! Auch wenn sich in 50 Jahren fast niemand mehr an die Erfolge des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten erinnern wird, durch das Aussprechen dieser drei magischen Worte wird er für immer im kollektiven Gedächtnis der Weltgeschichte bleiben – so, wie der 35. Präsident durch sein klares Bekenntnis: „Ick bin ein Berliner!“

Allerdings habe ich es schon länger geahnt: Obama war nicht der erste, der diese Worte, die ihn berühmt gemacht haben, gesprochen hat. Als erfahrenem Vater von drei Kindern, der unzählige Folgen von „Bob der Baumeister“ gesehen hat (in 3 Sprachen: Deutsch, Schweizerdeutsch: „Bob de Boumaa“ und Spanisch: „Bob el Constructor“), kamen mir diese Worte schon lange allzu bekannt vor. Denn die Hauptaussage, die in jeder Folge von „Bob der Baumeister“ x-mal wiederholt wird, hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt: „Können wir das schaffen? – Joh, wir schaffen das!“ (CH: „Chönned mirs flickä? – Sicher, klar!“  Spanisch: ¿Podemos hacerlo? ¡Sí podemos!).

Und tatsächlich, das Youtuben (d.h. googeln auf Youtube) hat mir Gewissheit und meiner armen Seele Ruhe verschafft. In der Originalausgabe von „Bob the Builder“ geht der Dialog folgendermaßen: „Can we fix it? – YES WE CAN!

Nun stellt sich natürlich die entscheidende Frage: Wie lässt sich erklären, dass Obama in seiner Rede dieselben Worte verwendet hat, wie der Autor von „Bob the Builder“? Ganz davon zu schweigen, ob es gerecht ist, dass der eine dafür ewigen Ruhm erhält, während der andere – außer von erfahrenen Vätern und ihren Kindern – kaum beachtet wird?!
Also, wie lässt sich die Verwendung derselben Worte – und die gleichzeitige Verschiedenheit (Rede von Obama / Geschichten von Bob) erklären?
Da wir es hier mit einer Art „synoptischem Problem“ zu tun haben, stellt uns die moderne Theologie mit ihrer Literarkritik entsprechende Werkzeuge zur Verfügung. Dabei können wir zwei grundsätzliche Ansätze unterscheiden: 1) Lösungsversuche im Rahmen einer Abhängigkeitserklärung. 2) Lösungsversuche im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung (hier ist nicht die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten gemeint, sondern dass Obama und der Autor von Bob nichts miteinander zu tun haben).

1) Lösungsversuche im Rahmen einer Abhängigkeitserklärung

Diese Lösungsversuche gehen davon aus, dass eine literarische Abhängigkeit zwischen der Rede Obamas und den Geschichten von Bob the Builder besteht.

Hier möchte ich kurz zwei mögliche Ansätze vorstellen:

a) Die Benutzungshypothese – mir gefällt allerdings mehr der moderne und zeitgenössische Begriff „Plagiatshypothese“ (diesen hat – laut Google – vor mir nämlich noch kein anderer Theologe verwendet 🙂 ).
Die Plagiatshypothese besagt, dass Obama beim Schreiben seiner Rede eine Vorlage hatte und daraus abschrieb, allerdings ohne die übernommenen Worte explizit als Zitat zu kennzeichnen. Vielleicht hat er als erfahrener Vater mit seinen Kindern regelmäßig „Bob the Builder“ angeschaut und der Dialog hat sich (wie bei mir) tief bei ihm eingegraben? Die Frage wäre dann allerdings, ob er die Worte vorsätzlich und bewusst übernommen hat, oder ob das eher unbewusst geschehen ist? Aus eigener Erfahrung könnte ich mir eher das Zweite vorstellen…  Ein weiterer Einwand ist, ob die Übernahme eines kurzen Satzes schon als Plagiat – und damit möglicherweise auch als Urheberrechtsverletzung – zu werten ist? Es gibt viele Sätze mit drei Worten: „Ich habe Hunger!“ „Ich liebe Dich!“ etc. – Ganz zu schweigen von dem Problem, eindeutig den Urheber dieser Kurz-Sätze ausfindig zu machen!

b) Die Zweiquellenhypothese
Vergleicht man Obamas Rede mit den Bob-Filmen, dann wird man gewisse Ähnlichkeiten in den Themen feststellen: Es geht um´s Aufbauen. Es geht darum, Dinge zum Guten zu wenden. Es geht darum, die Leute zu ermutigen, zu motivieren und deutlich zu machen, dass wir es gemeinsam schaffen und bewältigen. Die Zweiquellenhypothese besagt, dass Obama und dem Autor von Bob zwei Quellen zur Verfügung standen, aus denen sie ihr jeweiliges Material zusammentrugen: 1) Ein Rahmenwerk (R), aus dem sie die Ideen zur Storyline bezogen haben. 2) Eine Redequelle (Q), aus dem z.B. die Worte „Yes we can!“ stammen. Manche Theologen haben diese Zweiquellenhypothese sogar zu einer Vierquellenhypothese ausgebaut, und um zwei weitere Quellen ergänzt: 3) Die Quelle O, d.h. das Sondergut von Obama (also all das, was bei Obama, aber nicht in den Bob-Filmen vorkommt). 4) Die Quelle B, d.h. das Sondergut von Bob (also all das, was bei Bob, aber nicht in Obamas Rede vorkommt). Während die Vierquellenhypothese bald wieder verworfen wurde, gilt heute die Zweiquellenhypothese als wissenschaftlich bzw. politisch korrekt. Ich weiß aber nicht, ob der Autor von Bob und Obama damit einverstanden wären… – denn es bestehen doch gewisse Ähnlichkeiten mit der Plagiatshypothese und das ist sowohl für Autoren wie auch für Politiker ein bisschen problematisch.

2) Lösungsversuche im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung

Diese Lösungsversuche gehen davon aus, dass Obama und der Autor von Bob ihre Werke unabhängig voneinander geschrieben haben, d.h. es besteht eine gegenseitige literarische Unabhängigkeit.

a) Der schriftliche Ur-Baumeister
Ausgangsbasis ist die Existenz eines schriftlichen Werkes in aramäischer Sprache, das wir an dieser Stelle als den „Ur-Baumeister“ bezeichnen wollen. Dieser schriftliche Ur-Baumeister wurde nun in verschiedene Sprachen übersetzt und dabei bearbeitet. Das Problem bei dieser Hypothese ist allerdings, dass es zwar die Ähnlichkeiten („Yes we can!“) durchaus erklären kann, aber nicht die Unterschiede – trotz gemeinsamer schriftlicher Vorlage.

b) Der mündliche Ur-Baumeister (Traditionshypothese)
Diese Hypothese geht von der Existenz eines mündlichen Ur-Baumeisters (in aramäischer und/oder griechischer Sprache) aus. Indem die Geschichte immer wieder weitererzählt wurde kam es zu einem Prozess mündlicher Überlieferung. Irgendwann wurden dann Notizen in aramäischer oder griechischer Sprache gemacht. Diese Notizen wurden der besseren Verständlichkeit halber dann in verschiedene englischsprachige Fassungen übertragen. Die entsprechenden Fassungen entsprechen der Periode der schriftlichen Niederlegung (Bob entstand noch vor dem Wechsel ins neue Millenium, Obamas Rede erst ein knappes Jahrzehnt später). Die literarischen Unterschiede in den beiden Werken werden auf die unterschiedliche Ausbildung und Kapazität der Autoren zurückgeführt. Sicher spielt in diesem Fall auch die jeweilige Zielgruppe noch eine Rolle: Wähler bzw. Kinder.

c) Die Fragmententheorie
Hier geht man von der Existenz früher schriftlicher Aufzeichnungen über den Baumeister aus. In einer ersten Stufe gab es direkte unabhängige Aufzeichnungen, z.B. über Taten, Herausforderungen und Worte des Baumeisters. In einer zweiten Stufe wurden diese unabhängigen Aufzeichnungen zusammengestellt (Sammlung der Taten, Sammlung der Herausforderungen, Sammlung der Worte, etc.). In einer dritten Stufe wurden diese Sammlungen verschiedener Herkunft zu einem Werk zusammengefügt – d.h. es entstanden einerseits Obamas Rede als auch Bob the Builder aus Fragmentensammlungen unterschiedlicher Herkunft. Das Problem ist nur, dass man bisher keine Spuren solch früher Aufzeichnungen gefunden hat…

Vielleicht raucht Ihnen nach dieser Fülle von Hypothesen und dem Ausflug in den Dschungel moderner Theologie (falls Sie es überhaupt geschafft haben, den Artikel bis hier zu lesen – auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch, Sie haben´s gleich geschafft!) der Kopf? Vielleicht beginnen Sie sogar zu zweifeln – an Bob, oder sogar an Obama? Und überhaupt: Hat Obama überhaupt „Yes we can!“ gesagt? – Oder handelt es sich dabei um „unechte Obama-Worte“? (D.h. Obama habe diese Aussage nie so gemacht, sondern seine Anhänger hätten sie ihm nachträglich in den Mund gelegt…) In diesem Fall kann ich Sie beruhigen: Augenzeugen und moderne Fernsehaufzeichnungen belegen uns die Tatsache, dass er es gesagt hat (vorausgesetzt, es war Obama selbst, der diese Rede gehalten hat und nicht sein Double…).

Jesus und die Schreiber der vier Evangelien haben es da viel schwerer – leider gab es damals noch kein Fernsehen. Die Augenzeugen von damals und ihre Berichte wurden in den vergangenen 200 Jahren dermaßen diskreditiert, dass sie heute kaum noch ernst genommen werden – und das, obwohl sie für die Wahrheit ihrer Berichte mit ihrem eigenen Leben einstanden.

Falls dieser Artikel bei Ihnen vielleicht doch gewisse Zweifel an den Methoden der Bibelkritik geweckt haben sollte, dann empfehle ich Ihnen den kurzen Artikel „Eta Linnemann – von der Bibelkritikerin zum Kind Gottes“ sowie die Bücher und Vorträge von Prof. Dr. Eta Linnemann (kostenlos bei Sermon-Online downloadbar).

Und falls Sie von alledem nichts verstanden haben und moderne Theologie auch kein Thema für Sie ist  – machen Sie sich keine Sorgen, das ist keine wirkliche Wissenslücke, Sie haben im Grunde nichts Wichtiges verpasst. Ich würde Ihnen nur eines empfehlen: Gehen Sie weiterhin von der Redlichkeit Barack Obamas beim Schreiben seiner Rede – und von der Redlichkeit der Evangelisten beim Schreiben Ihrer Berichte über das Leben Jesu aus.

Eta Linnemann – von der Bibelkritikerin zum Kind Gottes

Prof. Dr. Eta Linnemann (1926 – 2009) studierte in Marburg Theologie, u.a. bei Rudolf Bultmann („Entmythologisierung“). Sie wurde dann Professorin für Theologie an der TU in Braunschweig sowie Honorarprofessorin für Neues Testament in Marburg. Als Theologieprofessorin war sie eine überzeugte Verfechterin der historisch-kritischen Theologie – bis sie eines Tages zu einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus fand.

Ein Resultat ihrer Bekehrung war, dass Eta Linnemann damit begann sich kritisch mit der Bibelkritik auseinanderzusetzen. Eine Konsequenz davon war, dass sie ihre Bücher „Gleichnisse Jesu – Einführung und Auslegung“ und „Studien zur Passionsgeschichte“ verwarf, da sie sich vollständig von der Bibelkritik abwandte. Im Gegenzug entstanden neue Bücher, in denen sie die Glaubwürdigkeit der Bibel verteidigt und entlarvt, wie es um die angebliche „Wissenschaftlichkeit“ der historisch-kritischen Methode wirklich bestellt ist.

Auf der Internetseite des Gemeindenetzwerk wurde das persönliche Zeugnis von Eta Linnemann „Warum ich als Theologieprofessorin ausstieg“ veröffentlicht.

Bei Sermon-Online wurden mehrere Vorträge von Eta Linnemann veröffentlich; sie können dort im mp3-Format heruntergeladen werden. Ein guter Einstieg ist der Vortrag „Kritik der Bibelkritik – Teil 1/5 – Von der Bibelkritikerin zum Kind Gottes“, in dem sie sehr ausführlich über ihre Bekehrung berichtet.

Bibliografie:

Eta Linnemann: Die Bibel oder die Bibelkritik?: Was ist glaubwürdig? VTR, 2007: Die Bibel oder die Bibelkritik?: Was ist glaubwürdig?

Eta Linnemann: Bibelkritik auf dem Prüfstand: Wie wissenschaftlich ist die „wissenschaftliche Theologie“? VTR, 1999: Bibelkritik auf dem Prüfstand: Wie wissenschaftlich ist die „wissenschaftliche Theologie“?

Eta Linnemann: Gibt es ein synoptisches Problem? VTR, 1999: Gibt es ein synoptisches Problem?

Eta Linnemann: Original oder Fälschung – Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel. CLV, 1994: Original oder Fälschung: Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel

Eta Linnemann: Wissenschaft oder Meinung? Anfragen und Alternativen. Hänssler, 1986: Wissenschaft oder Meinung?: Anfragen und Alternativen

Die große Anpassung

Habe – nach erster Lektüre vor ca. 10 Jahren – mal wieder das Buch „Die große Anpassung – Der Zeitgeist und die Evangelikalen“ von Francis Schaeffer gelesen. Es war Schaeffers letztes Buch, das 1984, im Jahres seines Todes, publiziert wurde. Wieder einmal war ich von der Klarheit und Schärfe, die Schaeffers Analysen in allen seinen Büchern kennzeichnen, sowie seinem Ringen um Wahrheit und Liebe sehr beeindruckt. Auch heute – 27 Jahre nach der Erstveröffentlichung – hat dieses Buch absolut nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil, „The Great Evangelical Disaster“ – „Die große Evangelikale Katastrophe“, wie der englische Originaltitel des Buches lautet, wird nicht kleiner – sie weitet sich zunehmend aus (siehe auch meinen Artikel „Quo vadis Evangelikale Bewegung?“). Um so wichtiger wäre es, nochmals genau auf Schaeffers Botschaft und Vermächtnis an die Evangelikalen zu hören. Auch wenn sie heute noch weniger „politisch korrekt“ ist und vielen vermutlich noch weniger schmecken wird…

Bibelkritik: Wissenschaft oder Meinung?

Hab gerade das Buch „Wissenschaft oder Meinung?“ fertig gelesen. Darin hinterfragt Frau Prof. Dr. Eta Linnemann kritisch die so selbstverständlich gewordene Wissenschaftsgläubigkeit. Sie definiert dabei die Grenze zwischen wissenschaftlichem Arbeiten und bloßen Meinungen neu und macht auf überzeugende Weise deutlich, dass ein auf die Bibel gegründetes Denken eine gute Grundlage für ein sauberes, wissenschaftliches Arbeiten bietet.
Als Theologin geht sie dabei insbesondere auf die als “wissenschaftlich” anerkannte historisch-kritische Methode ein, erklärt und beleuchtet deren Denkvoraussetzungen, und hinterfragt dabei auch kritisch die angebliche “Wissenschaftlichkeit” dieser Methode. – Als ehemalige “Insiderin” kennt sie sich natürlich bestens in dem Geflecht von Methoden, Hypothesen und Grundannahmen aus. Ihre Analysen, und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen, sind erschreckend. Gleichzeitig wird aber auch verständlich, warum die Situation heute so ist, wie sie ist, und viele Menschen keine Antworten mehr in der Kirche suchen.
Das Buch ist auch für einen theologischen Laien gut verständlich zu lesen. – Und es lohnt sich dies zu tun, da es Mut macht, nicht mehr alles als “wissenschaftlich” zu akzeptieren und zu schlucken, was uns als solches präsentiert wird. Es ist auch eine sehr lohnenswerte Lektüre für (angehende) Theologen, die eigentlich auf keiner Literaturliste fehlen dürfte! Die ISBN ist: 3-933372-22-4