Schlagwort-Archive: Indianer

Bibelübersetzung für die Quechua am Napo-Fluss

Wycliffe Bible Translators hat einen Kurzfilm über das Bibelübersetzungsprojekt für die Quechua am Napo-Fluss (Peru) veröffentlicht. Der Film gibt einen guten Einblick in die Arbeit des Übersetzungsteams und zeigt auch die Bedeutung einer Bibelübersetzung in der Herzenssprache der Ethnie auf.

Zwei der Mitglieder des Übersetzungsteams kenne ich persönlich. Von Christa habe ich sehr viel über die Indianersprachen im peruanischen Urwald gelernt, dies hat mir in meinem Dienst als Bibellehrer sehr geholfen. Claudia habe ich während einem Missionsvortrag, den ich in einer Gemeinde in Lima gehalten habe, kennengelernt. Sie arbeitet mit viel Freude und Hingabe, damit auch die Quechua am Napo-Fluss endlich Gottes Wort in ihrer Herzenssprache bekommen.

Hier der auf Youtube veröffentlichte Film (in Englisch):

Advertisements

“Begegnungen in Peru“ – Neuauflage

Begegnungen in Peru_Cover_kl2Am 10. Juli erschien eine Neuauflage von “Begegnungen in Peru – Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert“.

Die Printausgabe (Pb., 112 S.) kostet € 7,90 (inkl. MwSt) und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Achtung: neue ISBN: 978-3-7386-2127-3).

Eine eBook-Ausgabe (Kindle, iTunes, ePub) von “Begegnungen in Peru“ wird in Kürze erhältlich sein. Bis Ende August d.J. wird das eBook für einen Aktionspreis von € 4,99 (inkl. MwSt) erhältlich sein; der reguläre Preis wird danach € 5,99 (inkl. MwSt) betragen.

Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Norderstedt: Books on Demand, 2015. ISBN 978-3-7386-2127-3, Paperback, 112 Seiten, Preis: € 7,90 /- CHF 11,90 (inkl. MwSt).

Weitere Infos und Bezugsmöglichkeiten: www.jürgenschmidt.net

Zur Situation indigener Völker im peruanischen Amazonasgebiet

Im gestrigen Artikel über “In Isolation lebende Indianer aus Peru in Brasilien“ wurde zumindest ein bisschen deutlich, wie schwierig die Situation dieser Ethnien inzwischen geworden ist.

coverbegegnungen3auflIn der erweiterten Neuauflage von «Begegnungen in Peru» gehe ich ebenfalls auf die Situation dieser sehr verwundbaren Ethnien ein.

Aus aktuellem Anlass habe ich daher eine Leseprobe aus Kapitel 12 (Weitere Entwicklungen seit 2007) veröffentlicht. Hier geht´s zur Leseprobe

In Isolation lebende Indianer aus Peru in Brasilien

Der Nachrichtendienst Servindi weist auf ein bei Youtube veröffentlichtes Video hin, das den ersten Kontakt mit in Isolation lebenden Indianern aus Peru in Brasilien zeigt. Dabei soll es sich um Angehörige einer Ethnie aus Peru handeln, die in Brasilien Schutz suchen, weil sie sonst von peruanischen Holzfällern und Drogenkurieren getötet würden.

Der Kontakt ereignete sich am 29 Juni diesen Jahres im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Peru am Envira-Fluss im Bundesstaat Acre. Nach Auskunft der brasilianischen Indianerbehörde FUNAI gehören die Angehörigen dieser in Isolation lebenden Ethnie einer Untergruppe der Pano-Sprachfamilie an.

Ein Yaminahua-Indianer (die Yaminahua gehören ebenfalls zur Pano-Sprachfamilie) wurde von FUNAI als Übersetzer hinzugezogen. Offenbar hätten die Mitglieder dieser Ethnie sowohl Angst vor Angriffen durch andere isoliert lebende Ethnien in der Region (es ist von fünf größeren Gruppen die Rede) als auch vor Massakern durch Holzfäller und Drogenkuriere, wobei letztere wohl die größere Gefahr darstellen würden.

Hier geht´s zum Bericht von Servindi in spanischer Sprache.

Peru-Reise 2013 – Eindrücke

faienap-ofi

Das FAIENAP-Büro – mit neuem Design!

Bei meiner diesjährigen Reise nach Peru hatte ich Gelegenheit, die drei Hauptregionen zu besuchen: den Urwald, das Bergland und die Küste.
Die ersten eineinhalb Wochen verbrachte ich im Urwald, genauer gesagt im FAIENAP-Zentrum in Pucallpa. Der Fixpunkt jeder Peru-Reise ist die Teilnahme an der jährlichen FAIENAP-Konferenz, der Rest der Reise variiert von Jahr zu Jahr. Das besondere an der FAIENAP-Konferenz ist, dass sich dort Leiter der Indianerkirchen aus den unterschiedlichsten Regionen und Ethnien des Urwaldgebiets treffen und über die jeweilige Situation berichten. Das ermöglicht ein relativ schnelles „Update“ und einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen.

Nuevo_Pucallpa

Nuevo Pucallpa

Die Stadt Pucallpa wächst weiter wie verrückt. In alten Reiseführern wird sie noch mit einer „Goldgräberstadt“ verglichen, inzwischen hat sie mehrere hunderttausend Einwohner. Am Kilometer 13,5 wurde im September 2012 im Rahmen einer „Invasion“ Land besetzt (ein recht populärer Weg, um zu einem Grundstück zu kommen…) und kurzerhand eine neue Pucallpa_GrossbaustelleSiedlung errichtet: „Nuevo Pucallpa“.

Inzwischen drängen die großen Supermarktketten aus Lima auch in die Provinz – sogar nach Pucallpa.

Pucallpa - Fußgaengerzone

Neue Fußgängerzone in Pucallpa

Kürzlich wurde dort ein „Maestro“-Baumarkt eröffnet, ein Supermarkt von „Plaza Vea“ wird demnächst fertiggestellt werden und eröffnen, ein „Real Plaza“ und weitere sind im Bau.

Die Grundstückspreise im Zentrum sind regelrecht explodiert – viele bieten ihre Häuser zum Verkauf an, um den Gewinn zu realisieren und sich am Rand der Stadt niederzulassen.

Reloj Público - Pucallpa

Reloj Público – Pucallpa

Positiv sind Bemühungen zur Verschönerung der Innenstadt, insbesondere der Gestaltung einer Fußgängerzone von der „Plaza de Armas“ zur „Reloj Público“.

Weitere eineinhalb Wochen verbrachte ich in Huariaca, einer Kleinstadt auf ca. 3.000m Höhe, an der Carretera Central zwischen Huánuco und Cerro de Pasco.

Huariaca

Huariaca

Um nach Huariaca zu kommen nahm ich zunächst einen Überlandbus von Pucallpa nach Huánuco, danach ein Sammeltaxi von Huánuco nach Huariaca. Ein ehemaliger Kollege (und guter Freund!) der Indianerbibelschule ist dort seit einem knappen Jahr Pastor in einer Gemeindeaufbauarbeit. Er bat mich, ihn bei der Arbeit mit der Gemeinde zu unterstützen und insbesondere eine Vision für Mission zu vermitteln. Aus der Idee einige Vorträge zum Thema zu halten wurde kurzerhand die „1. Missionskonferenz in Huariaca“, zu der auch Mitglieder anderer Gemeinden eingeladen wurden. Während meines Aufenthalts wurde ich von verschiedenen Familien zum Essen eingeladen und durfte die Köstlichkeiten der Bergland-Küche genießen. Da die Leute dort meist draußen („en el campo“) arbeiten, haben sie einen entsprechenden Energiebedarf und die Portionen sind entsprechend groß… – vermutlich habe ich zugenommen :-).
Die (Rück)Reise nach Lima erfolgte im Überlandbus. Ein großer Teil der Strecke führte durch die „Pampa de Junín“, eine Hochebene auf über 4.000m Höhe. Am

Kurz vor dem Ticlio-Paß

Kurz vor dem Ticlio-Paß

Schluß ging es über den Ticlio-Paß (4.835m) und dann hinunter nach Lima. Je mehr wir uns Lima näherten, desto zäher wurde der Verkehr und desto länger dauerte der Rest der Strecke. Da der Taxifahrer, den ich normalerweise kontaktiere, schon Kundschaft hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als an der Busstation ein Taxi für die Fahrt zur Unterkunft zu suchen. Was mich regelmäßig nervt, sind die Versuche der Taxifahrer, „Gringo-Preise“ von mir zu verlangen. In der Regel mache ich sie darauf aufmerksam, dass ich ihr Taxi nicht kaufen will, sondern nur einen Transport von A nach B wünsche… Meist läßt sich dann ein vernünftiger Preis aushandeln. Das gelang auch diesmal, nur aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der langen Zeit, die er zum Ziel brauchte, war der Taxifahrer recht „stinkig“… – Eine völlig andere Haltung hatte der Taxifahrer, den mir das Kinderwerk Lima ein paar Tage später für die Rückfahrt von El Agustino nach Surco besorgte. Nach dem Besuch bei meinem Patenkind wollte ich auf dem Inka-Markt in Miraflores, sowie in der christlichen Buchhandlung „El Inca“ (ebenfalls in Miraflores) noch einige Einkäufe machen, was einen Zwischenstopp von etwas mehr als einer Stunde bedeutete. Der Taxifahrer machte mir einen fairen Preis, den er auch aufrecht erhielt, als ich ihn am Ende der Fahrt nochmals fragte, wieviel ich ihm schuldig sei. Ich hab nun die Karte mit seiner Telefonnummer und er einen neuen Kunden.
SurcoAuch die Stadt Lima ist weiter am Wachsen. Im Stadtteil Surco, wo ich untergebracht bin, fällt mir auf, dass viele der ein- bis zweistöckigen Häuser abgerissen und große Wohnblocks gebaut werden. Da Grundstücke inzwischen teuer, knapp und sehr begehrt sind, wird in die Höhe gebaut. Die Preise für Eigentumswohnungen in manchen Stadtteilen haben sich innerhalb der letzten fünf Jahre fast verdreifacht. Auch die Preise für Lebensmittel und Lebenshaltungskosten sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen, was günstiger wurde sind Technik-Artikel. Viele haben inzwischen ihr Smartphone, ein Tablet oder einen Laptop. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, wie die Leute das hier machen, gerade auch diejenigen, die nicht zu den Großverdienern gehören, aber irgendwie scheint es zu funktionieren… Peru ist ein schönes, aber auch geheimnisvolles Land – in Vielem…

Filmaufnahmen von in Isolation lebenden Indianern in Peru veröffentlicht!

In der erweiterten Auflage von „Begegnungen in Peru“ behandle ich auch das Thema der in freiwilliger Isolation lebenden Stämme im peruanischen Urwald:

„Derzeit gibt es – alleine im peruanischen Urwaldgebiet – etwa 14 bis 17 Ethnien, die in freiwilliger Isolation leben. D.h., diese Gruppen leben irgendwo im Urwald, ohne Kontakt zur Außenwelt zu pflegen. Das bedeutet nicht, dass diese Ethnien nicht wüssten, dass es da noch andere Menschen gäbe.“ (Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert, S. 102)

Darin erwähne ich auch die Masho-Piro, eine dieser Ethnien:

„Andere Gruppen, z.B. die Mashco-Piro, bleiben bis heute in freiwilliger Isolation. Nur gelegentlich kommt es zu Kontakten, z.B., wenn Werkzeuge (Macheten etc.) aufgebraucht sind und sie versuchen, Nachschub zu bekommen. Zufällige Begegnungen, z.B. mit Holzfällern, verlaufen nicht immer friedlich, denn die schlechten Erfahrungen ihrer Vorfahren haben sich tief ins kollektive Gedächtnis der Ethnie eingeprägt. Dazu kommt, dass es in neuerer Zeit immer wieder zu Morden an Indianern kam, deren Anwesenheit (illegalen) Holzfällern ein Dorn im Auge war. Daher reagieren diese isoliert lebenden Indianer mitunter aggressiv auf Außenstehende.“ (Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert, S.103)

Vom 24. – 26.  Juni 2013 – an drei aufeinander folgenden Tagen – näherte sich jeweils eine Gruppe Mashco-Piro dem Indianerdorf Monte Salvado in der Region Madre de Dios am Río Las Piedras, wo sie um Nahrungsmittel und andere Produkte baten. – Eine ungewöhnliche Aktion, die vermutlich auf die prekäre Situation dieser sehr verwundbaren Ethnie hinweist.

Kürzlich erschien im peruanischen Fernsehen eine Reportage über dieses Ereignis, in der auch Filmaufnahmen davon gezeigt werden. Die Reportage wurde inzwischen auch auf Youtube veröffentlicht:

Video über die Caquinte-Indianer

Caquinte-Indianer Peru klIn der Vergangenheit habe ich immer wieder auf die Caquinte-Indianer in Peru hingewiesen, so z.B. im letzten Artikel „Die Caquinte-Indianer und die Erdölgesellschaft“.

Gestern erhielt ich von einer früheren peruanischen Kollegin den Hinweis, dass kürzlich ein Video über die Caquinte veröffentlicht wurde. Obwohl´s schon etwas später war, musste ich mir den einstündigen Film natürlich sofort ansehen :-). Die Filmaufnahmen wurden im Dorf Tsoroja gedreht; dieses Dorf kenne ich recht gut, denn ich habe auf mehreren Reisen zwischen 2000 und 2005 dort insgesamt rund zweieinhalb Monate verbracht. So hat es mich dann auch sehr gefreut, viele bekannte Gesichter in dem Film zu sehen. Kein Grund zur Freude sind allerdings verschiedene Entwicklungen dort im Dorf und auch insgesamt innerhalb der Ethnie. Bei meiner Reise im vergangenen Jahr in das Caquinte-Dorf Quitepampani habe ich persönlich einen näheren Einblick in die Herausforderungen und die damit verbundenen Nöte erhalten. Diese kommen auch sehr gut in der auf Youtube veröffentlichten Dokumentation zum Ausdruck. Die Herausforderungen betreffen verschiedene Aspekte wie die Anerkennung der Caquinte als eigene Ethnie, das Bildungswesen und die Bildungschancen, die medizinische Versorgung, der Schutz ihrer Lebensgrundlage (Wasser, Wildbestände etc.) sowie die Präsenz einer Ölgesellschaft in ihrem Territorium.

Der Film „El Pueblo Indígena Kakinte (Caquinte)“ kann hier auf Youtube angesehen werden (Spanisch). Was mir sehr daran gefällt ist, dass die Caquinte darin selbst sehr ausführlich zu Wort kommen.

In mehreren Kapiteln meines Buchs „Begegnungen in Peru“ geht´s übrigens auch um die Caquinte-Indianer (und verschiedene Leute, die in o.g. Video interviewt werden). In der 3. aktualisierten und erweiterten Auflage habe ich auch ein weiteres Kapitel hinzugefügt, in dem ich von meinen Besuchen in das Caquinte-Dorf „Quitepampani“ in den Jahren 2005 und 2012 berichte.

Kumbarikira

Bin heute auf einen schönen Videoclip gestoßen, der auf Youtube veröffentlicht wurde. Darin singen Jugendliche aus der Stammesgruppe der Kukama-Kukamiria (Peru) sowohl in Spanisch als auch in ihrer Stammessprache. In diesem Video geht es um die Stärkung der eigenen sprachlichen und kulturellen Identität dieser Ethnie. Mir gefällt die Art und Weise, wie die Jugendlichen darin die Freude an ihrer eigenen Sprache – Kukama – zum Ausdruck bringen. Interessant ist, wie sie dabei gleichzeitig modern und traditionell sind. Das deckt sich mit den Beobachtungen, die ich in Bezug auf die indigene Bevölkerung in Peru in den vergangenen Jahren gemacht habe.
In der erweiterten Neuauflage meines Buches „Begegnungen in Peru“ gehe ich in einem neu hinzugefügten Kapitel auf weitere Entwicklungen seit 2007 ein. Die aktuelle Entwicklung der ethnischen Gruppen in Peru bewegt sich derzeit zwischen den beiden Extremen „Isolation“ und „Assimilation“.

„Zwischen diesen beiden Extremen, der „Isolation“ und der „Assimilation“, gibt es einen dritten Weg, den viele Gruppen beschreiten. Es ist quasi eine Art „Mittelweg“. Einerseits sind sie für die Möglichkeiten der „modernen Welt“ offen und möchten am Fortschritt teilhaben. Gleichzeitig besinnen sie sich aber auf ihre eigene kulturelle Identität als eigenständige Ethnie. D.h., die Angehörigen dieser Gruppen gewinnen einerseits ein neues Selbstbewusstsein und bekennen sich zu ihrem indigenen Hintergrund. Gleichzeitig gehen sie in die Offensive und fordern die Anerkennung und den Respekt der übrigen Gesellschaft in Peru – und ein Ende von Diskriminierungen und Benachteiligungen.“ (Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Norderstedt: Books on Demand, 3. Aufl. 2013, S.107)

Hier nun der Videoclip auf Youtube, viel Spaß beim Anschauen!

http://youtu.be/GlS_LaWRbZk

Die Caquinte-Indianer und die Erdölgesellschaft

Mit einer Gesamtbevölkerung von ungefähr 400 Personen gehören die Caquinte-Indianer zu den kleineren Ethnien im peruanischen Amazonasgebiet. Caquinte-Indianer 2005Sie leben in einem abgelegeneren Gebiet des Urwaldes, südlich des Río Tambo und westlich des Río Urubamba, dort, wo die letzten Ausläufer der Anden ins Tiefland übergehen. Ebenso wie ihre direkten Nachbarn, die Ashaninca, Yine und Machiguenga, gehören sie zur Arawak-Sprachfamilie.

Bereits seit längerer Zeit wird im Gebiet des Nachbarstamms der Machiguenga Erdöl und Erdgas gefördert (Siehe auch die Artikel zu „Mysteriose Todesfälle bei den Machiguenga-Indianern“). Im Jahr 2005 wurden die Caquinte darüber informiert, dass ihr Gebiet im Zentrum eines neu ausgewiesenen Gebietes liegt (Lote 57), in dem nach Erdöl gesucht werden soll. Ich bekam damals noch die Anfänge mit, wie die Bevölkerung mit dieser neuen Situation konfrontiert wurde und versuchte, damit umzugehen. In meinem Buch „Begegnungen in Peru“ gehe ich kurz darauf ein:

„Bei meinem letzten Besuch, im Juni 2005 berichtete Josué, dass er im Mai als Vize-Dorfchef an einer Informationsveranstaltung in Sepahua teilnahm. Dort wurden sie darüber informiert, dass eine Erdölgesellschaft in ihrer Gegend nach Erdöl bohren wolle. Die Angelegenheit wurde von der peruanischen Regierung bereits Ende 2003 beschlossen, die Konzession im Januar 2004 vergeben. Die Caquinte erfuhren aber erst im Mai 2005 davon! Ich nahm wahr, dass die Einwohner von Tsoroja in dieser Frage in zwei Lager gespalten waren: Die Mehrheit wollte nicht, dass die Erdölgesellschaft kommt, nahm es aber etwas fatalistisch auf, nach dem Motto „da kann man ja sowieso nichts machen“. Die anderen wollten Fortschritt und Entwicklung und waren dafür. In den Gesprächen äußerten sie ihre Ängste, dass die Umwelt und damit ihre Lebensgrundlage zerstört werden. Aber auch, dass dabei die kulturelle Identität und das soziale Gleichgewicht unter ihnen gestört, bzw. zerstört werden. Da die Caquinte nur ein kleines Volk von insgesamt etwa 400 Personen sind, kann man sich vorstellen, welche Herausforderung, um nicht zu sagen Bedrohung, das Kommen der Erdölgesellschaft für diese Menschen bedeutet. Inzwischen hat sich die Angelegenheit soweit entwickelt, dass das Dorf Tsoroja der Erdölgesellschaft erlaubt hat, in ihrem Gebiet nach Erdöl zu suchen. Man darf gespannt sein, was daraus wird und ob die Sache gut geht …“ (Jürgen H. Schmidt, Begegnungen in Peru – Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert, S.87f).

Auch bei meiner vorerst letzten Reise – im Jahr 2005 – in das Caquinte-Dorf Quitepampani stellte sich die Situation ähnlich dar, wie in Tsoroja. Vergangenes Camp ÖlgesellschaftJahr hatte ich endlich wieder die Gelegenheit, nochmals das Dorf Quitepampani zu besuchen. (Siehe dazu meine Reiseberichte „Rohstoffabbau im Urwald – Herausforderungen und viele Fragen…“ sowie „Eindrücke einer Reise“. Auf dem Foto ist das Camp der Erdölgesellschaft in der Nähe des Dorfes Quitepampani zu sehen.)

Während meines einwöchigen Aufenthaltes hatte ich viele seelsorgerliche Gespräche mit Bewohnern des Dorfes. Ein Thema, das mir dabei ständig begegnete, waren der Streit und die Zwistigkeiten, die mit dem Umgang mit der Erdölgesellschaft und der Verteilung des erwarteten „Wohlstandes“ zu tun hatten. Es gab einen tiefen Riss im Dorf, der mitten durch Familien hindurch ging – mit entsprechend lautstarken Diskussionen!

Gestern veröffentlichte Servindi einen Bericht über eine kurzfristig anberaumte Versammlung der Caquinte-Organisation ODPK (die ODPK wurde 2005 aufgrund der Angelegenheit mit der Erdölgesellschaft gegründet), die am 28.April 2013 stattfand. Bei dieser Versammlung wurde der Erdölgesellschaft vorgeworfen, hinter Aktionen zu stecken, die versuchen das Volk der Caquinte zu spalten und letztlich zu zerstören. Gleichzeitig erkennen die Caquinte die Differenzen an, die innerhalb ihres Volkes in dieser Frage bestehen. Während der Versammlung wurde die Selbstverpflichtung erneuert, diese Differenzen zu überwinden, um gegen die Bedrohungen durch die Erdölgesellschaft und auch durch andere Gruppen, die das Volk spalten wollen, bestehen zu können. – Es ist Begegnungen in Peruden Caquinte wirklich zu wünschen, dass ihnen dies gelingen möge!

Weitere Infos über das Volk der Caquinte-Indianer finden Sie in meinem Buch „Begegnungen in Peru“, das sowohl als Printversion wie auch als eBook im Buchhandel erhältlich ist. – Der Junge auf dem Cover-Foto ist übrigens auch ein Caquinte… 🙂

Radio Logos – eine christliche Radiostation für Indianer im peruanischen Urwald

radiochazutaWährend der FAIENAP-Konferenz 2010 in Chazuta informierte Jairo Sangama, der Pastor der Gemeinde, über das geplante Projekt eine christliche Radiostation für Indianer im peruanischen Urwald aufzubauen. Damals zeigte er uns das Gelände, wo diese Radiostation entstehen sollte. Insgesamt investierte Jairo fünf Jahre in die Realisierung des Projekts.

radio_logos_peruVergangenes Jahr, im August, wurde aus dem Traum dann Wirklichkeit: Radio Logos ging auf Sendung! Mit dem Kurzwellensender kann das ganze nördliche Urwaldgebiet von Peru erreicht werden. Die Sendungen werden sowohl in spanischer Sprache als auch in den Sprachen mehrerer Ethnien im Empfangsgebiet ausgestrahlt.

Auf Youtube fand ich heute einen Clip, der die Entstehung von Radio Logos (in englischer Sprache) erzählt: