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Fröhliche Weihnachten!

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“ (Johannes 1,14-17)

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In Gerechtigkeit regieren – Jesus macht den Unterschied!

Der Prophet Jesaja ist der „Evangelist“ des Alten Testaments, denn sein Buch enthält mehr Prophetien über Jesus als das restliche Alte Testament zusammen. Viele Abschnitte bei Jesaja handeln vom Friedensreich des Messias, das Jesus bei seiner Wiederkunft aufrichten wird. Ja, wenn Jesus wiederkommt, dann wird endlich Frieden und Gerechtigkeit herrschen! Bei der heutigen Bibellese bin ich auf den folgenden Abschnitt gestoßen:

„Siehe, ein König wird in Gerechtigkeit regieren; und die Obersten, sie werden nach Recht herrschen.

Und jeder wird sein wie ein Bergungsort vor dem Wind und ein Schutz vor dem Wolkenbruch, wie Wasserbäche in dürrer Gegend, wie der Schatten eines gewaltigen Felsens im lechzenden Land.

Da werden die Augen der Sehenden nicht mehr verklebt sein, und die Ohren der Hörenden werden aufmerksam sein.

Und das Herz der Unbesonnenen wird auf Erkenntnis achtgeben, und die Zunge der Stammelnden wird fließend Deutliches reden.

Der Törichte wird nicht mehr edel genannt und der Schurke nicht mehr vornehm geheißen werden.

Denn ein törichter Mensch redet Törichtes. Und sein Herz bereitet Unheil, Ruchloses zu tun und Irreführendes gegen den HERRN zu reden, um die Seele des Hungrigen leer zu lassen und dem Durstigen den Trank zu verweigern.

Und die Werkzeuge des Schurken sind böse: er beschließt böse Anschläge, um die Elenden durch Lügenreden zugrunde zu richten, selbst wenn der Arme redet, was Recht ist.

Aber der Edle beschließt Edles, und auf Edlem besteht er.“                                                             (Jesaja 32,1-8)

Welch ein Kontrast zu dem, was wir in dieser gegenwärtigen gefallenen Welt erleben!

Die Advents- und Weihnachtszeit soll uns nicht nur an Jesu erstes Kommen, sondern auch an seine (jederzeit mögliche) Wiederkunft erinnern. Aber nicht nur das, sie ist auch eine persönliche Anfrage an jeden von uns: Bin ich auf sein Kommen vorbereitet? Jederzeit? Wünsche ich mir überhaupt, dass Jesus wiederkommt und SEIN Reich aufrichtet?

„Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen; komm, Herr Jesus!“ (Offenbarung 22,20)

 

 

Ostern

Jesus Christus spricht: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und bin lebendig für immer und ewig! Ich habe die Schlüssel des Todes und des Totenreichs.“ Offenbarung 1,17b-18

Ostern

Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich
von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ihm ist das Reich
über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich
ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Wer nun verzagt,
lästert ihn und Gottes Ehre.
Gnade hat er zugesagt,
dass der Sünder sich bekehre.
Gott verstößt in Christus nicht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Sein Heil ist mein,
sein sei auch mein ganzes Leben;
reines Herzens will ich sein,
bösen Lüsten widerstreben.
Er verlässt den Schwachen nicht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ich bin gewiss,
nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Nun ist der Tod
mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht:
»Herr, Herr, meine Zuversicht!«

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757

Karfreitag

„Aber Gott hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.“  (Römer 5,8)

Karfreitag kl
Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.

Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen,
die Sünde tragen:

welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde
den Fluch der Sünde.

Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.

Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder,
es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder,
lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde
zu Gottes Freunde.

Da du dich selbst für mich dahingegeben,
wie könnt ich noch nach meinem Willen leben?
Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre,
zu deiner Ehre.

Ich will nicht Hass mit gleichem Hass vergelten,
wenn man mich schilt, nicht rächend wiederschelten,
du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder,
schaltst auch nicht wieder.

Unendlich Glück! Du littest uns zugute.
Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.
Du hast mein Heil, da du für mich gestorben,
am Kreuz erworben.

Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken,
so lass dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken.
Dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide,
mir Fried und Freude.

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757

Judasbrief: Führte Jesus das Volk Israel aus Ägypten?

Bin gerade an den Vorbereitungen zu einem Seminar über den Judasbrief. In Vers 5 heißt es „dass der Herr, nachdem er das Volk einmal aus dem Land Ägypten gerettet hatte…“ Bei der Lektüre des Textes im griechischen NT stellte ich jedoch fest, dass dort nicht κύριος (Herr) sondern Ἰησοῦς (Jesus) steht.

Wie kommt das?

Beim weiteren Nachforschen stellte ich fest, dass in den vorherigen Ausgaben (Novum Testamentum Graece: Nestle Aland Ausgabe 27 / Greek New Testament Ausgabe 3, vermutlich auch Ausgabe 4 – liegt mir aber nicht vor) noch das Wort κύριος (Herr) steht, in der neusten Ausgabe (Novum Testamentum Graece: Nestle Aland Ausgabe 28 / Greek New Testament Ausgabe 5) aber Ἰησοῦς (Jesus).

Ich gehe mal davon aus, dass aufgrund des Manuskriptbefunds gewichtige Gründe vorlagen, dieser Lesart („Jesus“ statt „Herr“) den Vorzug zu geben. Wenn dies wirklich die ursprüngliche Lesart war (d.h. Judas dieses Wort verwendet hat), dann verweist Judas hier ganz klar, eindeutig und explizit auf die Gottheit und das präexistente Wirken Jesu. D.h. der präexistente Sohn Gottes und Messias Jesus hat sein Volk Israel aus Ägypten gerettet! Eine Parallele dazu finden wir übrigens in 1.Korinther 10,4, wo Paulus über das Volk Israel in der Wüste schreibt: „…denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der sie begleitete. Der Fels aber war der Christus.“

Glaubensbekenntnisse

Glaubensbekenntnisse spielen spielen bereits seit Beginn des Christentums eine wichtige Rolle. Sie formulieren und fassen zusammen, an welchen Gott und an welche Lehren Christen glauben. Glaubensbekenntnisse ersetzen die Bibel nicht, vielmehr gründen sie sich auf das Wort Gottes, die Bibel, indem sie die wichtigsten Kernaussagen der Heiligen Schrift kurz und prägnant auf den Punkt bringen. Eines der frühsten Glaubensbekenntnisse der Christenheit bestand nur aus drei (griechischen) Worten: „Jesus Christos Kyrios“, d.h. „Jesus Christus (ist der) Herr“ (und nicht der Kaiser in Rom, etc. …). Am Bekanntesten ist das Apostolische Glaubensbekenntnis, das auf das Romanum, ein ursprünglich griechisches Bekenntnis der Gemeinde in Rom aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, zurückgeht. Das Romanum wurde wohl vor allem bei der Taufe verwendet. Aus dem Romanum hat sich im 4./5. Jahrhundert das Apostolicum, das Apostolische Glaubensbekenntnis entwickelt.

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Glaubensbekenntnissen spielten u.a. Irrlehren, welche die Grundlagen der Bibel verließen, Verwirrung stifteten und Menschen letztlich in die Irre führten. Bis heute hat sich daran letztlich nichts verändert, außer, dass alte Irrtümer und Irrlehren immer wieder neu aufgemischt und in neuer Verpackung verbreitet werden. Ein Blick in die alten Glaubensbekenntnisse tut daher Not – und uns persönliche täte er gut! Manche Themen wurden schon vor langer Zeit von gläubigen und weisen Menschen auf Grundlage der Bibel gründlich bearbeitet und geklärt. An den Ergebnissen, zu denen sie kamen, ist eigentlich nicht zu rütteln, noch ist es nötig, „das Rad jedes Mal neu zu erfinden“.

Daher möchte ich Mut machen, die alten Bekenntnisse aufmerksam zu lesen, insbesondere auch die, welche uns nicht (so sehr) bekannt sind. Wir werden darin wichtige Glaubensschätze finden!

Nachfolgend finden Sie Links zu altkirchlichen und reformatorischen Glaubensbekenntnissen:

Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel

Dieses Glaubensbekenntnis legt einen gewissen Schwerpunkt auf die Person Jesu Christi und sein gleichzeitiges Gott- und Menschsein.

Das Augsburger Bekenntnis („Confessio Augustana“)

Dieses Bekenntnis wurde Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahr 1530 überreicht. Es gehört zu den frühsten Bekenntnissen der lutherischen Reformation.

Das Westminster Bekenntnis

Das Westminster Bekenntnis von 1647 mit den Texten biblischer Belegstellen als PDF-Datei. (Download)

Das Westminster Bekenntnis auf der Internetseite der Evangelisch reformierte Kirche W.B. in Österreich

Zum diesem Bekenntnis bekennen sich heute Reformierte aus der ganzen Welt. Es ist auch das Glaubensbekenntnis presbyterianischer Kirchen.

Rechtfertigung allein durch Christus

In Kapitel 11 des 3.Buches von Calvins Institutio geht es um die Rechtfertigungslehre. In seinen Ausführungen macht er deutlich, dass die Rechtfertigung allein aus Glauben geschieht. Im weiteren Verlauf erklärt Calvin, dass unsere Rechtfertigung allein durch Christus geschieht, indem dem Gläubigen Christi Gerechtigkeit zugerechnet wird:

„Daraus ergibt sich auch, daß wir allein durch das Eintreten der Gerechtigkeit Christi für uns dahin gelangen, vor Gott gerechtfertigt zu werden. Das bedeutet soviel, als wenn wir sagten: der Mensch ist nicht in sich selbst gerecht, sondern nur deshalb, weil ihm Christi Gerechtigkeit durch Zurechnung mitgeteilt wird. Das ist wert, von uns sehr genau beachtet zu werden. Denn damit zerfällt der Wahn, als ob der Glaube den Menschen deshalb rechtfertige, weil dieser durch den Glauben am Geiste Gottes teilhabe, durch den er (tatsächlich) gerecht gemacht würde; diese Ansicht steht zu der oben entwickelten Lehre in einem schlechthin unversöhnlichen Gegensatz. Denn der Mensch muß doch wohl zweifellos ohne jede eigene Gerechtigkeit dastehen, wenn er gelehrt wird, seine Gerechtigkeit außerhalb seiner selbst zu suchen! Eben dies aber behauptet der Apostel mit größter Deutlichkeit, wenn er schreibt: „Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zum Sühnopfer für die Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“ (2. Kor. 5,21).

Da sieht man: unsere Gerechtigkeit liegt nicht in uns, sondern in Christus; uns kommt sie nur aus dem Rechtsgrunde zu, daß wir an Christus Anteil haben, wie wir ja mit ihm alle seine Reichtümer besitzen! Dem steht nicht entgegen, daß Paulus an anderer Stelle erklärt, die Sünde sei „der Sünde halben“ in Christi Fleisch verdammt worden, „auf daß die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde …“ (Röm. 8,3). Denn die „Erfüllung“, die Paulus hier meint, ist keine andere als die, welche wir durch Zurechnung erlangen! Denn der Herr Christus gibt uns an seiner Gerechtigkeit mit dem Recht Anteil, daß er dabei auf wundersame Weise – soweit es Gottes Urteil betrifft! – seine Kraft in uns übergehen läßt! Nichts anderes hat Paulus gemeint; das ergibt sich aus einer anderen, kurz vorher befindlichen Stelle mehr als deutlich: „Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder wurden, so auch durch eines Gehorsam werden viele Gerechte!“ (Röm. 5,19). Hier gründet also Paulus unsere Gerechtigkeit auf den Gehorsam Christi – aber was heißt das anders, als daß er behauptet: allein deshalb gelten wir als gerecht, weil Christi Gehorsam uns so zugute kommt, als ob er unser eigen wäre?“ (III, 11, 23)

 

Rechtfertigung allein aus Glauben

In Kapitel 11 des 3.Buches von Calvins Institutio geht es um die Rechtfertigung durch den Glauben. Calvin geht der Frage nach „Was bedeutet der Ausdruck und um was handelt es sich in der Sache?“ Dabei kommt er auch auf die Frage zu sprechen, ob unsere Werke irgendeinen Beitrag zu unserer Rechtfertigung erbringen. Calvins Antwort ist ein klares NEIN, dabei orientiert sich seine Antwort an der Schrift:

„Die zweite Stelle lautet: „Daß aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn ‘der Gerechte wird seines Glaubens leben!\\\‘ Das Gesetz aber ist nicht des Glaubens, sondern der Mensch, der es tut, der wird dadurch leben!\\\’” (Gal. 3,11f.). Wie sollte diese Beweisführung bestehen können, wenn es nicht feststünde, daß beim Glauben die Werke nicht zur Anrechnung kommen, sondern völlig von ihm zu trennen sind? Paulus sagt uns: das Gesetz ist etwas anderes als der Glaube. Wieso aber? Eben deshalb, weil zur Gerechtigkeit nach dem Gesetz die Werke erforderlich sind! Es ergibt sich also: zur Gerechtigkeit aus dem Glauben sind die Werke nicht erforderlich! Diese Vergleichung läßt offenbar werden, daß der, welcher durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Verdienst der Werke, ja abseits von allem Verdienst der Werke die Rechtfertigung erlangt – denn der Glaube empfängt ja die Gerechtigkeit, die das Evangelium uns zuteil werden läßt! Der Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium besteht also darin, daß dieses die Gerechtigkeit nicht an Werke bindet, sondern sie allein auf Gottes Barmherzigkeit gründet. Im gleichen Sinne behauptet Paulus im Römerbrief, Abraham habe keinen Anlaß zum Rühmen, weil ihm sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet worden sei (Röm. 4,2ff.). Als Begründung führt er an, daß für die Gerechtigkeit aus dem Glauben da Raum ist, wo keine Werke sind, die auf Lohn Anspruch hätten! Wo Werke sind, führt er aus, da wird ihnen der schuldige Lohn zugemessen; was aber dem Glauben geschenkt wird, das geschieht aus lauter Gnade! Denn die Worte, die er an dieser Stelle verwendet, führen in ihrem Sinn zu diesem Ergebnis. Einige Verse später erklärt er, wir empfingen das Erbe aus Glauben, damit wir es aus Gnaden erlangten, und daraus zieht er die Folgerung, dies Erbe sei uns aus Gnaden gegeben, da wir es ja im Glauben empfingen! (Röm. 4,16). Wieso ist das möglich? Einzig deshalb, weil der Glaube, ohne jede Unterstützung durch die Werke, ganz auf Gottes Erbarmen ruht! Im gleichen Sinne ist es auch zweifellos zu verstehen, wenn er an anderer Stelle lehrt, „die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“, sei zwar „bezeugt durch das Gesetz und die Propheten“, aber sie sei doch „ohne Zutun des Gesetzes offenbart“! (Röm. 3,21). Denn indem er das Gesetz ausschließt, behauptet er, daß wir keinerlei Hilfe durch die Werke empfangen, auch die Gerechtigkeit nicht durch das Tun von Werken erlangen, sondern ganz leer kommen, um sie zu ergreifen!“ (III, 11, 18)

 

“Yes we can!“ – im Licht der Literarkritik

Barack Obama war es, der die drei Worte „Yes we can!“ bekannt machte. Ja, der vielmehr selbst durch diese Worte bekannt wurde! Auch wenn sich in 50 Jahren fast niemand mehr an die Erfolge des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten erinnern wird, durch das Aussprechen dieser drei magischen Worte wird er für immer im kollektiven Gedächtnis der Weltgeschichte bleiben – so, wie der 35. Präsident durch sein klares Bekenntnis: „Ick bin ein Berliner!“

Allerdings habe ich es schon länger geahnt: Obama war nicht der erste, der diese Worte, die ihn berühmt gemacht haben, gesprochen hat. Als erfahrenem Vater von drei Kindern, der unzählige Folgen von „Bob der Baumeister“ gesehen hat (in 3 Sprachen: Deutsch, Schweizerdeutsch: „Bob de Boumaa“ und Spanisch: „Bob el Constructor“), kamen mir diese Worte schon lange allzu bekannt vor. Denn die Hauptaussage, die in jeder Folge von „Bob der Baumeister“ x-mal wiederholt wird, hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt: „Können wir das schaffen? – Joh, wir schaffen das!“ (CH: „Chönned mirs flickä? – Sicher, klar!“  Spanisch: ¿Podemos hacerlo? ¡Sí podemos!).

Und tatsächlich, das Youtuben (d.h. googeln auf Youtube) hat mir Gewissheit und meiner armen Seele Ruhe verschafft. In der Originalausgabe von „Bob the Builder“ geht der Dialog folgendermaßen: „Can we fix it? – YES WE CAN!

Nun stellt sich natürlich die entscheidende Frage: Wie lässt sich erklären, dass Obama in seiner Rede dieselben Worte verwendet hat, wie der Autor von „Bob the Builder“? Ganz davon zu schweigen, ob es gerecht ist, dass der eine dafür ewigen Ruhm erhält, während der andere – außer von erfahrenen Vätern und ihren Kindern – kaum beachtet wird?!
Also, wie lässt sich die Verwendung derselben Worte – und die gleichzeitige Verschiedenheit (Rede von Obama / Geschichten von Bob) erklären?
Da wir es hier mit einer Art „synoptischem Problem“ zu tun haben, stellt uns die moderne Theologie mit ihrer Literarkritik entsprechende Werkzeuge zur Verfügung. Dabei können wir zwei grundsätzliche Ansätze unterscheiden: 1) Lösungsversuche im Rahmen einer Abhängigkeitserklärung. 2) Lösungsversuche im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung (hier ist nicht die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten gemeint, sondern dass Obama und der Autor von Bob nichts miteinander zu tun haben).

1) Lösungsversuche im Rahmen einer Abhängigkeitserklärung

Diese Lösungsversuche gehen davon aus, dass eine literarische Abhängigkeit zwischen der Rede Obamas und den Geschichten von Bob the Builder besteht.

Hier möchte ich kurz zwei mögliche Ansätze vorstellen:

a) Die Benutzungshypothese – mir gefällt allerdings mehr der moderne und zeitgenössische Begriff „Plagiatshypothese“ (diesen hat – laut Google – vor mir nämlich noch kein anderer Theologe verwendet 🙂 ).
Die Plagiatshypothese besagt, dass Obama beim Schreiben seiner Rede eine Vorlage hatte und daraus abschrieb, allerdings ohne die übernommenen Worte explizit als Zitat zu kennzeichnen. Vielleicht hat er als erfahrener Vater mit seinen Kindern regelmäßig „Bob the Builder“ angeschaut und der Dialog hat sich (wie bei mir) tief bei ihm eingegraben? Die Frage wäre dann allerdings, ob er die Worte vorsätzlich und bewusst übernommen hat, oder ob das eher unbewusst geschehen ist? Aus eigener Erfahrung könnte ich mir eher das Zweite vorstellen…  Ein weiterer Einwand ist, ob die Übernahme eines kurzen Satzes schon als Plagiat – und damit möglicherweise auch als Urheberrechtsverletzung – zu werten ist? Es gibt viele Sätze mit drei Worten: „Ich habe Hunger!“ „Ich liebe Dich!“ etc. – Ganz zu schweigen von dem Problem, eindeutig den Urheber dieser Kurz-Sätze ausfindig zu machen!

b) Die Zweiquellenhypothese
Vergleicht man Obamas Rede mit den Bob-Filmen, dann wird man gewisse Ähnlichkeiten in den Themen feststellen: Es geht um´s Aufbauen. Es geht darum, Dinge zum Guten zu wenden. Es geht darum, die Leute zu ermutigen, zu motivieren und deutlich zu machen, dass wir es gemeinsam schaffen und bewältigen. Die Zweiquellenhypothese besagt, dass Obama und dem Autor von Bob zwei Quellen zur Verfügung standen, aus denen sie ihr jeweiliges Material zusammentrugen: 1) Ein Rahmenwerk (R), aus dem sie die Ideen zur Storyline bezogen haben. 2) Eine Redequelle (Q), aus dem z.B. die Worte „Yes we can!“ stammen. Manche Theologen haben diese Zweiquellenhypothese sogar zu einer Vierquellenhypothese ausgebaut, und um zwei weitere Quellen ergänzt: 3) Die Quelle O, d.h. das Sondergut von Obama (also all das, was bei Obama, aber nicht in den Bob-Filmen vorkommt). 4) Die Quelle B, d.h. das Sondergut von Bob (also all das, was bei Bob, aber nicht in Obamas Rede vorkommt). Während die Vierquellenhypothese bald wieder verworfen wurde, gilt heute die Zweiquellenhypothese als wissenschaftlich bzw. politisch korrekt. Ich weiß aber nicht, ob der Autor von Bob und Obama damit einverstanden wären… – denn es bestehen doch gewisse Ähnlichkeiten mit der Plagiatshypothese und das ist sowohl für Autoren wie auch für Politiker ein bisschen problematisch.

2) Lösungsversuche im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung

Diese Lösungsversuche gehen davon aus, dass Obama und der Autor von Bob ihre Werke unabhängig voneinander geschrieben haben, d.h. es besteht eine gegenseitige literarische Unabhängigkeit.

a) Der schriftliche Ur-Baumeister
Ausgangsbasis ist die Existenz eines schriftlichen Werkes in aramäischer Sprache, das wir an dieser Stelle als den „Ur-Baumeister“ bezeichnen wollen. Dieser schriftliche Ur-Baumeister wurde nun in verschiedene Sprachen übersetzt und dabei bearbeitet. Das Problem bei dieser Hypothese ist allerdings, dass es zwar die Ähnlichkeiten („Yes we can!“) durchaus erklären kann, aber nicht die Unterschiede – trotz gemeinsamer schriftlicher Vorlage.

b) Der mündliche Ur-Baumeister (Traditionshypothese)
Diese Hypothese geht von der Existenz eines mündlichen Ur-Baumeisters (in aramäischer und/oder griechischer Sprache) aus. Indem die Geschichte immer wieder weitererzählt wurde kam es zu einem Prozess mündlicher Überlieferung. Irgendwann wurden dann Notizen in aramäischer oder griechischer Sprache gemacht. Diese Notizen wurden der besseren Verständlichkeit halber dann in verschiedene englischsprachige Fassungen übertragen. Die entsprechenden Fassungen entsprechen der Periode der schriftlichen Niederlegung (Bob entstand noch vor dem Wechsel ins neue Millenium, Obamas Rede erst ein knappes Jahrzehnt später). Die literarischen Unterschiede in den beiden Werken werden auf die unterschiedliche Ausbildung und Kapazität der Autoren zurückgeführt. Sicher spielt in diesem Fall auch die jeweilige Zielgruppe noch eine Rolle: Wähler bzw. Kinder.

c) Die Fragmententheorie
Hier geht man von der Existenz früher schriftlicher Aufzeichnungen über den Baumeister aus. In einer ersten Stufe gab es direkte unabhängige Aufzeichnungen, z.B. über Taten, Herausforderungen und Worte des Baumeisters. In einer zweiten Stufe wurden diese unabhängigen Aufzeichnungen zusammengestellt (Sammlung der Taten, Sammlung der Herausforderungen, Sammlung der Worte, etc.). In einer dritten Stufe wurden diese Sammlungen verschiedener Herkunft zu einem Werk zusammengefügt – d.h. es entstanden einerseits Obamas Rede als auch Bob the Builder aus Fragmentensammlungen unterschiedlicher Herkunft. Das Problem ist nur, dass man bisher keine Spuren solch früher Aufzeichnungen gefunden hat…

Vielleicht raucht Ihnen nach dieser Fülle von Hypothesen und dem Ausflug in den Dschungel moderner Theologie (falls Sie es überhaupt geschafft haben, den Artikel bis hier zu lesen – auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch, Sie haben´s gleich geschafft!) der Kopf? Vielleicht beginnen Sie sogar zu zweifeln – an Bob, oder sogar an Obama? Und überhaupt: Hat Obama überhaupt „Yes we can!“ gesagt? – Oder handelt es sich dabei um „unechte Obama-Worte“? (D.h. Obama habe diese Aussage nie so gemacht, sondern seine Anhänger hätten sie ihm nachträglich in den Mund gelegt…) In diesem Fall kann ich Sie beruhigen: Augenzeugen und moderne Fernsehaufzeichnungen belegen uns die Tatsache, dass er es gesagt hat (vorausgesetzt, es war Obama selbst, der diese Rede gehalten hat und nicht sein Double…).

Jesus und die Schreiber der vier Evangelien haben es da viel schwerer – leider gab es damals noch kein Fernsehen. Die Augenzeugen von damals und ihre Berichte wurden in den vergangenen 200 Jahren dermaßen diskreditiert, dass sie heute kaum noch ernst genommen werden – und das, obwohl sie für die Wahrheit ihrer Berichte mit ihrem eigenen Leben einstanden.

Falls dieser Artikel bei Ihnen vielleicht doch gewisse Zweifel an den Methoden der Bibelkritik geweckt haben sollte, dann empfehle ich Ihnen den kurzen Artikel „Eta Linnemann – von der Bibelkritikerin zum Kind Gottes“ sowie die Bücher und Vorträge von Prof. Dr. Eta Linnemann (kostenlos bei Sermon-Online downloadbar).

Und falls Sie von alledem nichts verstanden haben und moderne Theologie auch kein Thema für Sie ist  – machen Sie sich keine Sorgen, das ist keine wirkliche Wissenslücke, Sie haben im Grunde nichts Wichtiges verpasst. Ich würde Ihnen nur eines empfehlen: Gehen Sie weiterhin von der Redlichkeit Barack Obamas beim Schreiben seiner Rede – und von der Redlichkeit der Evangelisten beim Schreiben Ihrer Berichte über das Leben Jesu aus.

Theologie der Erweckung

Wenden wir uns nun, nach einem kleinen Ausflug in die Welt der Satire, wieder ernsthafteren Themen zu…

Kürzlich ist mir per „Zufall“ das Buch „Theologie der Erweckung“ von Richard Lovelace in die Hände gefallen. Hab bisher erst knapp 90 Seiten gelesen, aber es ist sehr interessant – und neben ein paar Fragezeichen (?) überwiegen die Ausrufezeichen (!), die ich an den Seitenrand gemalt habe.

 Im Vorwort beschreibt Lovelace, worum es ihm in seinem Buch geht. Er beginnt mit dem Satz: „Dieses Werk stellt ein Handbuch einer Geistlichen Theologie dar, in der die Geschichte und die Theologie der christlichen Erfahrung miteinander verbunden werden.“ (S. 11)

 „Wahre Spiritualität stellt keine übermenschliche Religiosität dar, sondern einfach wahre Menschlichkeit, die von den Bindungen der Sünde befreit und durch den Heiligen Geist erneuert wurde.“ (S.19)

U.a. bildet Jonathan Edwards Erweckungstheologie ein wichtiges Vorbild für sein Buch. So beginnt das erste Kapitel mit einem geschichtlichen Überblick unter dem Titel „Jonathan Edwards und die Jesusbewegung“. Darin weist er auf die Wurzeln der evangelikalen Bewegung hin und beschreibt die Merkmale verschiedener Erweckungsbewegungen bis in die neuere Zeit (in diesem Fall bis Mitte / Ende der 1970er Jahre; die amerikanische Originalausgabe erschien 1979; die deutsche Übersetzung 1984).

Lovelace weist auf das 1741 erschienene Buch „Merkmale für das Wirken des Geistes Gottes“ von Jonathan Edward hin (S.38), in dem dieser fünf Echtheitsmerkmale der damaligen Erweckungsbewegung nennt:

  1. sie macht Jesus Christus groß
  2. sie kämpft gegen die Mächte der Finsternis
  3. sie ehrt die Heilige Schrift
  4. sie fördert die gesunde Lehre
  5. sie schließt die Ausgießung der Liebe zu Gott und Menschen ein.

 Das zweite Kapitel behandelt „Biblische Vorbilder für sich wiederholende und anhaltende Erneuerungen“ indem er auf das Schema „Abfall und Erneuerung“ hinweist. Die beiden Hauptgründe, die er für den immer wieder vorkommenden Abfall im Volk Gottes nennt sind 1) die Kluft zwischen den Generationen, und 2) die Mächte der Finsternis.

„In Erweckungen gleicht die Kirche oft einem Kleinkind, das zwar äußerst lebendig, aber im Blick auf viele Bereiche seiner zukünftigen Entwicklung reichlich unterentwickelt ist.“ (S.74)

 Das dritte Kapitel handelt von „Vorbedingungen für eine anhaltende Erneuerung“. Darin behandelt er Aspekte wie „Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis“, „die Größe der Sünde“, „das Fleisch“ und „die Welt“. Gleich zu Beginn dieses Kapitels zitiert Lovelace aus dem Eingangskapitel von Calvins Institutio:

Die Annahme Christi und die Annahme aller Bereiche der Erlösung hängen ab von dem Wissen um die Heiligkeit Gottes und von dem Überzeugtsein von der Größe unserer Sünde.“ (S.76)

 Ein paar weitere nachdenkenswerte Zitate aus diesem Kapitel:

„Leise glitt die ganze Kirche in die Lehre Marcions ab, indem sie es vermied, von dem heiligen und allmächtigen Gott zu reden, der alle Tage über die Gottlosen zürnt und dessen Zorn über denen bleibt, die seinen Sohn nicht annehmen. Indem sie dieses Bild in einen unberührten Winkel ihres Herzens abschob, setzte die Kirche an dessen Stelle einen neuen Gott, der die Züge einer freundlichen Großmutter trug, verbunden mit der Milde und Lieblichkeit eines Jesus, der kaum für unsere Sünden zu sterben brauchte. Viele amerikanische Gemeinden bezahlten praktisch ihre Geistlichen dafür, daß diese sie vor dem wahren Gott schützten.“ (S.78)

„Nur im Licht der am Kreuz geoffenbarten überwältigenden Liebe Gottes zu seiner Schöpfung können wir seinen Zorn über die Zerstörung dieser Schöpfung verstehen. Im Kreuz wird beides tatsächlich sichtbar: Gottes Zorn über die Sünde und seine große Liebe und sein Erbarmen, durch die er die zerstörte Welt und ihre Zerstörer erneuert. Gottes Barmherzigkeit, Geduld und Liebe muß in der Kirche voll und ganz verkündigt werden. Doch sie werden unglaubwürdig, wenn sie nicht in Spannung gebracht werden zu der unendlichen Macht Gottes, seiner völligen Beherrschung der Welt, seiner Heiligkeit und seiner Gerechtigkeit.“ (S.79)

„Edwards merkte, daß man alle Erfahrungen mit Gott nachahmen konnte, nur nicht die, die seine Heiligkeit betrafen.“ (S.79)

 „Der moderne Mensch ist nicht immun gegenüber den Einwirkungen traditioneller christlicher Begriffe. Er ist einfach machtlos gegenüber dem Vorhandensein von Antworten auf Fragen, die zu stellen er noch nicht gelernt hat.“ (S.86)