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John Bunyan

John Bunyan (1628 – 1688) wuchs als Sohn eines Kesselflickers in Elstow (England) auf. Seine Zeit war in politischer Hinsicht von der Auseinandersetzung zwischen den Königstreuen und den Parlamentariern geprägt. Während die Königstreuen meinten, der König hätte das alleinige Regierungsrecht, strebten die Parlamentarier eine gewisse Gewaltenteilung an. Auch in seinem eigenen Elternhaus gab es geteilte Meinungen darüber: Sein Großvater und seine Mutter waren Anhänger der Parlamentarier, sein Vater ein Königstreuer.

John Bunyan wurde sehr stark von seiner Mutter geprägt, einer gläubigen Frau, die ihn zu selbständigem Denken erzog. Als er 10 Jahre alt war, schickte ihn sein Vater in die Schule, die er ungefähr fünf Jahre lang besuchte. 1643 kam es zur Eskalation und der Bürgerkrieg brach aus. Ein Jahr später starb seine Mutter an der Pest und kurz darauf auch seine Schwester. Sobald er 16  Jahre alt war, schloß er sich der Armee der Parlamentarier unter der Leitung von Oliver Cromwell an.
Schon in seiner Jugend wäre John Bunyan zweimal fast ertrunken. An einem Abend, als er zur Geburtstagsfeier seiner späteren Frau eingeladen war, und ein Freund ihn beim Wachdienst vertrat, kam es zu einem Angriff der Königstruppen und sein Freund starb an seiner Stelle. Dieses Erlebnis brachte ihm den stellvertretenden Erlösungstod deutlich nahe, aber es sollte noch einige Jahre dauern, bis er wirklich begriff, was Jesus für ihn getan hatte.
1647 hatten die Parlamentarier den Sieg errungen und er wurde aus der Armee entlassen. Er ging wieder zurück nach Elstow zu seinem Vater, der ihm seine Hilfe anbot sich als Kesselflicker selbständig zu machen. Er nahm dieses Angebot an und heiratete kurz darauf Mary, die er während seiner Soldatenzeit kennengelernt hatte.
Mary war ebenfalls eine gläubige Frau und forderte John heraus, ganz mit Jesus zu leben. John hatte seit seiner Kindheit immer wieder Alpträume, dass er in der Hölle landen würde. Er bemühte sich aus aller Kraft, ein besseres Leben zu führen, was ihm aber nur teilweise gelang.
Als er 1652 durch die Straßen von Bedford ging hörte er, wie sich vier Frauen, die beim Spinnen zusammen saßen, über Jesus und die Wiedergeburt unterhalten. Das Gespräch bewegte ihn. Nach einigen Wochen kam er wieder nach Bedford und er suchte den gleichen Platz wieder auf. Die Frauen waren wieder da und John sprach sie an. Sie luden ihn zum Gottesdienst ein. Wenig später kaufte er sich Martin Luthers Kommentar zum Galaterbrief, der ihn sehr ansprach und ihm Hoffnung machte, dass auch er Erlösung finden könnte. Es folgten noch einige innere Kämpfe, doch dann kam der Durchbruch. John Bunyan erkannte, „dass die Gnade aus dem Blut Christi ausreicht, um seine Seele zu retten.“
John ließ sich taufen und trat der Gemeinde in Bedford bei. 1655 zog er nach Bedford um und begann, neben seiner Arbeit als Kesselflicker, dem Pastor bei der Arbeit zu helfen. Wenige Zeit später begann er auch Bücher zu schreiben. 1658 starb seine Frau Mary, sie ihm vier Kinder hinterließ, darunter die älteste Tochter Mary, die blind geboren war.
Etwa ein Jahr später heiratete er Elisabeth, die Cousine seiner verstorbenen Frau, die ihm auch bei seiner schriftstellerischen Arbeit half. Nach dem Tod Oliver Cromwells kam es zur Rückkehr von Prinz Charles nach England, der zum König ernannt wurde. Die Religionsfreiheit begann auszutrocknen und es durften nur noch anglikanische Geistliche mit Lizenz predigen. Bunyan wurde festgenommen, aber kurz darauf wieder freigelassen. Doch kurze Zeit später warnte ihn der Dorfpolizist; er wies ihn auf die verschärften Gesetzen hin und riet ihm, keine Versammlungen mehr zu halten. Kurz darauf wurde Bunyan als Prediger zu einer Hausversammlung eingeladen – und verhaftet. Der Richter wollte ihn nur unter der Bedingung freilassen, dass er verspräche, nicht mehr zu predigen. Doch Bunyan, der sich von Gott zu diesem Auftrag berufen wußte, konnte und wollte dieses Versprechen nicht ablegen. So begann eine insgesamt zwölfjährige Haftzeit, die zweimal unterbrochen wurde.

Im Gefängnis entstanden weitere Bücher, u.a. sein bekanntestes Buch, die „Pilgerreise zur seligen Ewigkeit„, eine Geschichte, die er sich eigentlich als Weihnachtserzählung für seine Kinder ausgedacht hatte. Im Gefängnis hatte er auch die Möglichkeit, ungehindert seinem Predigtdienst nachzugehen und viele Menschen kamen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus, auch der Gefängniswärter. An manchen Tagen wurden Gefängnisgottesdienste veranstaltet zu denen die Leute aus der Stadt strömten um Bunyan predigen zu hören. Immer wieder bekam er auch Gesellschaft von Predigern aus anderen Denominationen, die aus demselben Grund wie er inhaftiert worden waren.
Im 1671 wurde eine Duldungserklärung für nicht-anglikanische Denominationen verabschiedet und Bunyan sowie die anderen religiösen Häftlinge entlassen. 1672 wurde er zum Pastor der Meeter-Gemeinde in Bedford ernannt und konnte für einige Zeit seinen Dienst ungehindert ausüben. 1675 wurde die Duldungserklärung vom König widerrufen und bereits einen Monat später wurde Bunyan wieder inhaftiert. Er selbst schieb dazu:

„Dann brachte man mich wieder ins Gefängnis und ich setzte mich sofort wieder hin, um zu schreiben. Ich habe zu lange nichts mehr geschrieben. Vielleicht ist dies hier nicht so sehr ein Gefängnis als ein Büro, von dem aus ich die Welt mit Christi Botschaft erreichen kann“.

1677 wurde er aufgrund einer Bittschrift der Quäker, sowie auf Fürsprache von Freunden, die für ihn bürgten, endgültig freigelassen. Die letzten Jahre seines Lebens waren ausgefüllt mit seiner Tätigkeit als Prediger, Seelsorger und Schriftsteller.
John Bunyan war in vieler Hinsicht ein Mann mit Profil. Trotz geringer Schulbildung schrieb er 60 Bücher. Auch wenn er keine juristische Ausbildung hatte verhalf er dazu, daß die religiöse Freiheit seinen Platz im englischen Recht fand. Auch ohne formale theologische Ausbildung und kirchlichem Titel wurde er einer der mächtigsten Prediger seiner Generation. Er war ein Mann mit Hingabe, der bereit war für seinen Herrn zu leiden und sich weigerte das Evangelium zu verleugnen.

Empfohlene Biographie:
William Deal. John Bunyan. Der Kesselflicker von Bedford. Verlag der Francke-Buchhandlung, 2. Aufl. (1985)

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