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Theologie der Erweckung

Wenden wir uns nun, nach einem kleinen Ausflug in die Welt der Satire, wieder ernsthafteren Themen zu…

Kürzlich ist mir per „Zufall“ das Buch „Theologie der Erweckung“ von Richard Lovelace in die Hände gefallen. Hab bisher erst knapp 90 Seiten gelesen, aber es ist sehr interessant – und neben ein paar Fragezeichen (?) überwiegen die Ausrufezeichen (!), die ich an den Seitenrand gemalt habe.

 Im Vorwort beschreibt Lovelace, worum es ihm in seinem Buch geht. Er beginnt mit dem Satz: „Dieses Werk stellt ein Handbuch einer Geistlichen Theologie dar, in der die Geschichte und die Theologie der christlichen Erfahrung miteinander verbunden werden.“ (S. 11)

 „Wahre Spiritualität stellt keine übermenschliche Religiosität dar, sondern einfach wahre Menschlichkeit, die von den Bindungen der Sünde befreit und durch den Heiligen Geist erneuert wurde.“ (S.19)

U.a. bildet Jonathan Edwards Erweckungstheologie ein wichtiges Vorbild für sein Buch. So beginnt das erste Kapitel mit einem geschichtlichen Überblick unter dem Titel „Jonathan Edwards und die Jesusbewegung“. Darin weist er auf die Wurzeln der evangelikalen Bewegung hin und beschreibt die Merkmale verschiedener Erweckungsbewegungen bis in die neuere Zeit (in diesem Fall bis Mitte / Ende der 1970er Jahre; die amerikanische Originalausgabe erschien 1979; die deutsche Übersetzung 1984).

Lovelace weist auf das 1741 erschienene Buch „Merkmale für das Wirken des Geistes Gottes“ von Jonathan Edward hin (S.38), in dem dieser fünf Echtheitsmerkmale der damaligen Erweckungsbewegung nennt:

  1. sie macht Jesus Christus groß
  2. sie kämpft gegen die Mächte der Finsternis
  3. sie ehrt die Heilige Schrift
  4. sie fördert die gesunde Lehre
  5. sie schließt die Ausgießung der Liebe zu Gott und Menschen ein.

 Das zweite Kapitel behandelt „Biblische Vorbilder für sich wiederholende und anhaltende Erneuerungen“ indem er auf das Schema „Abfall und Erneuerung“ hinweist. Die beiden Hauptgründe, die er für den immer wieder vorkommenden Abfall im Volk Gottes nennt sind 1) die Kluft zwischen den Generationen, und 2) die Mächte der Finsternis.

„In Erweckungen gleicht die Kirche oft einem Kleinkind, das zwar äußerst lebendig, aber im Blick auf viele Bereiche seiner zukünftigen Entwicklung reichlich unterentwickelt ist.“ (S.74)

 Das dritte Kapitel handelt von „Vorbedingungen für eine anhaltende Erneuerung“. Darin behandelt er Aspekte wie „Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis“, „die Größe der Sünde“, „das Fleisch“ und „die Welt“. Gleich zu Beginn dieses Kapitels zitiert Lovelace aus dem Eingangskapitel von Calvins Institutio:

Die Annahme Christi und die Annahme aller Bereiche der Erlösung hängen ab von dem Wissen um die Heiligkeit Gottes und von dem Überzeugtsein von der Größe unserer Sünde.“ (S.76)

 Ein paar weitere nachdenkenswerte Zitate aus diesem Kapitel:

„Leise glitt die ganze Kirche in die Lehre Marcions ab, indem sie es vermied, von dem heiligen und allmächtigen Gott zu reden, der alle Tage über die Gottlosen zürnt und dessen Zorn über denen bleibt, die seinen Sohn nicht annehmen. Indem sie dieses Bild in einen unberührten Winkel ihres Herzens abschob, setzte die Kirche an dessen Stelle einen neuen Gott, der die Züge einer freundlichen Großmutter trug, verbunden mit der Milde und Lieblichkeit eines Jesus, der kaum für unsere Sünden zu sterben brauchte. Viele amerikanische Gemeinden bezahlten praktisch ihre Geistlichen dafür, daß diese sie vor dem wahren Gott schützten.“ (S.78)

„Nur im Licht der am Kreuz geoffenbarten überwältigenden Liebe Gottes zu seiner Schöpfung können wir seinen Zorn über die Zerstörung dieser Schöpfung verstehen. Im Kreuz wird beides tatsächlich sichtbar: Gottes Zorn über die Sünde und seine große Liebe und sein Erbarmen, durch die er die zerstörte Welt und ihre Zerstörer erneuert. Gottes Barmherzigkeit, Geduld und Liebe muß in der Kirche voll und ganz verkündigt werden. Doch sie werden unglaubwürdig, wenn sie nicht in Spannung gebracht werden zu der unendlichen Macht Gottes, seiner völligen Beherrschung der Welt, seiner Heiligkeit und seiner Gerechtigkeit.“ (S.79)

„Edwards merkte, daß man alle Erfahrungen mit Gott nachahmen konnte, nur nicht die, die seine Heiligkeit betrafen.“ (S.79)

 „Der moderne Mensch ist nicht immun gegenüber den Einwirkungen traditioneller christlicher Begriffe. Er ist einfach machtlos gegenüber dem Vorhandensein von Antworten auf Fragen, die zu stellen er noch nicht gelernt hat.“ (S.86)

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Jonathan Edwards Biografie

Im Urlaub las ich die bei CLV erschienene Biografie (ISBN: 978-3-86699-306-8)  von Iain H. Murray  über Jonathan Edwards (1703 – 1758). Jonathan Edwards war einer der bedeutendsten Erweckungsprediger und Theologen des 18. Jahrhunderts. Die Lektüre dieser Biografie war für mich ein großer persönlicher Gewinn. Dem Autor gelang es nicht nur den Lebensweg von Jonathan Edwards nachzuzeichnen, der von vielen Höhen und v.a. auch Tiefen gekennzeichnet war, sondern auch einen Einblick in dessen schriftstellerische Arbeit zu geben. Sie hat bei mir Interesse geweckt, das eine oder andere Buch von Jonathan Edwards selbst zu lesen. Auch wenn die Biografie mit 576 Seiten recht umfangreich ist, die Lektüre lohnt sich!