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Narrele, was lachst du?

In ihrem Buch “Narrele, was lachst du?” beschreibt Ruth Gay auf humorvolle, aber auch sehr tiefgehende Art die Geschichte der Ostjuden in Amerika. Anhand von scheinbar banalen Themen wie Fußböden, Markisen, Hüten, Essen, Korsetts, etc. illustriert sie die Veränderungen zwischen der alten Heimat und der Neuen Welt. Sie arbeitet dabei sehr gut den Kontrast zwischen dem traditionellen Leben im Dorf, und den fast unbegrenzten Möglichkeiten in der Neuen Welt heraus. Dabei wird deutlich, wie sich Stück für Stück auch die Kultur der jüdischen Einwanderer an die neuen Herausforderungen und Möglichkeiten angepasst hat. Viele Kindheits- und Jugenderinnerungen machen ihre Erzählung lebendig. – Kurz gesagt: es ist ein Buch, das ich sehr empfehlen kann!
ISBN 3-442-76141-7

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Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit

Lese gerade das Buch „Die Lehren des Judentums“ (ISBN 3-8262-1003-4). Im Abschnitt über „Nächstenliebe“ las ich Folgendes:

„Zu den schöpferischen Leistungen des Judentums gehört die Entdeckung des Mitmenschen und damit der Menschheit. Die Sorge der nichtjüdischen antiken Denker konzentriert sich um das Ich, nach dem Wohl und Wehe des andern wird nur nebenher gefragt. Was ist das Ziel des menschlichen Lebens? so lautet das Grundproblem der Ethik bei den griechischen Philosophen; „Glückseligkeit“ antworten sie und geben je nach ihrem Standpunkt verschiedene Wege an, diese Glückseligkeit zu erreichen: Herrschaft der Vernunft über die Triebe, Genuß, Bedürfnislosigkeit, Gelassenheit. Kein einziger von ihnen aber hat die Antwort gefunden: Du sollst glücklich werden, indem du deinen Mitmenschen glücklich machst, indem du ihm Gutes erweist, ihm hilfst, ihm die Last des Lebens erleichterst. Die nichtjüdische Ethik des Altertums ist durchaus egoistisch orientiert, sie ist Individualethik, der die großen Fragen der Sozialethik fremd bleiben. Einzig und allein die Bibel hat den Mitmenschen als notwendigen Faktor in die ethische Betrachtung eingeführt und seine Wohlfahrt zur Norm für die Beurteilung des menschlichen Handelns erhoben.“

Mich persönlich hat dieser Abschnitt ins Nachdenken gebracht. Denn es werden darin zwei unterschiedliche philosophische Grundlagen gegenübergestellt, die letztlich Auswirkungen auf die Ethik haben.
Vergangenes Jahr haben insbesondere Nachrichten über Kindesmisshandlungen und Kindstötungen (aber auch andere Dinge, wie z. B. Amokläufe an Schulen, etc.) die deutsche Öffentlichkeit erschüttert. Und man fragt sich, was ist los bei uns in „good old Germany“? Irgendetwas muss ja dahinter stecken? – Nun, die Dinge sind sehr komplex und es gibt sicher keine Patentlösungen. Ich wage es aber trotzdem die Frage zu stellen, ob nicht auch eine „philosophische Wende“ mit für diese und andere Probleme in unserer Gesellschaft verantwortlich sein könnte? Was meine ich damit? – Eine Abkehr von den jüdisch-christlichen Wurzeln, die lange Zeit die Grundlage für Werte und Ethik unserer Gesellschaft waren; und eine Hinwendung zur Individualethik, bei der die Erreichung der persönlichen Glückseligkeit im Mittelpunkt steht.
Viele erwarten sich leider nichts mehr vom Christentum und mancher möchte es sogar ganz hinter sich lassen. Und das ist ein Stück weit verständlich, denn ein pures Namenschristentum für das Christus und die Heilige Schrift nicht mehr autoritativ sind, ist unattraktiv und kraftlos. Jesus wies in der Bergpredigt darauf hin, als er sagte: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz fade wird, womit soll es wieder salzig gemacht werden? Es taugt zu nichts mehr, als daß es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten werde.“ (Matthäus 5,13).
Dennoch ist es so, dass unsere Gesellschaft und Kultur noch auf einem jüdisch-christlichen Fundament stehen, auch wenn dieses inzwischen sehr brüchig geworden ist. Doch was wird sein, falls dieses Fundament eines Tages ganz zerstört sein wird? Was wird an seine Stelle treten? – Wir sollten uns die Dinge sehr genau anschauen, bevor wir uns für andere, vermeintlich bessere, Fundamente entscheiden, ob sie denn auch wirklich besser sind? – Falls nicht, wäre es vielleicht ratsam ein Quellenstudium zu betreiben und in der Bibel nachzuforschen, wie sich Gott eigentlich die Sache mit uns Menschen gedacht hat. Es könnte sein, dass wir bei genauem Hinschauen viele überraschende und positive Entdeckungen machen, die wir so vielleicht gar nicht erwartet hätten. Und dass die Bibel durchaus ein aktuelles Buch ist, das uns einiges zu sagen hat – nicht nur über Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit!