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Die Caquinte-Indianer und die Erdölgesellschaft

Mit einer Gesamtbevölkerung von ungefähr 400 Personen gehören die Caquinte-Indianer zu den kleineren Ethnien im peruanischen Amazonasgebiet. Caquinte-Indianer 2005Sie leben in einem abgelegeneren Gebiet des Urwaldes, südlich des Río Tambo und westlich des Río Urubamba, dort, wo die letzten Ausläufer der Anden ins Tiefland übergehen. Ebenso wie ihre direkten Nachbarn, die Ashaninca, Yine und Machiguenga, gehören sie zur Arawak-Sprachfamilie.

Bereits seit längerer Zeit wird im Gebiet des Nachbarstamms der Machiguenga Erdöl und Erdgas gefördert (Siehe auch die Artikel zu „Mysteriose Todesfälle bei den Machiguenga-Indianern“). Im Jahr 2005 wurden die Caquinte darüber informiert, dass ihr Gebiet im Zentrum eines neu ausgewiesenen Gebietes liegt (Lote 57), in dem nach Erdöl gesucht werden soll. Ich bekam damals noch die Anfänge mit, wie die Bevölkerung mit dieser neuen Situation konfrontiert wurde und versuchte, damit umzugehen. In meinem Buch „Begegnungen in Peru“ gehe ich kurz darauf ein:

„Bei meinem letzten Besuch, im Juni 2005 berichtete Josué, dass er im Mai als Vize-Dorfchef an einer Informationsveranstaltung in Sepahua teilnahm. Dort wurden sie darüber informiert, dass eine Erdölgesellschaft in ihrer Gegend nach Erdöl bohren wolle. Die Angelegenheit wurde von der peruanischen Regierung bereits Ende 2003 beschlossen, die Konzession im Januar 2004 vergeben. Die Caquinte erfuhren aber erst im Mai 2005 davon! Ich nahm wahr, dass die Einwohner von Tsoroja in dieser Frage in zwei Lager gespalten waren: Die Mehrheit wollte nicht, dass die Erdölgesellschaft kommt, nahm es aber etwas fatalistisch auf, nach dem Motto „da kann man ja sowieso nichts machen“. Die anderen wollten Fortschritt und Entwicklung und waren dafür. In den Gesprächen äußerten sie ihre Ängste, dass die Umwelt und damit ihre Lebensgrundlage zerstört werden. Aber auch, dass dabei die kulturelle Identität und das soziale Gleichgewicht unter ihnen gestört, bzw. zerstört werden. Da die Caquinte nur ein kleines Volk von insgesamt etwa 400 Personen sind, kann man sich vorstellen, welche Herausforderung, um nicht zu sagen Bedrohung, das Kommen der Erdölgesellschaft für diese Menschen bedeutet. Inzwischen hat sich die Angelegenheit soweit entwickelt, dass das Dorf Tsoroja der Erdölgesellschaft erlaubt hat, in ihrem Gebiet nach Erdöl zu suchen. Man darf gespannt sein, was daraus wird und ob die Sache gut geht …“ (Jürgen H. Schmidt, Begegnungen in Peru – Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert, S.87f).

Auch bei meiner vorerst letzten Reise – im Jahr 2005 – in das Caquinte-Dorf Quitepampani stellte sich die Situation ähnlich dar, wie in Tsoroja. Vergangenes Camp ÖlgesellschaftJahr hatte ich endlich wieder die Gelegenheit, nochmals das Dorf Quitepampani zu besuchen. (Siehe dazu meine Reiseberichte „Rohstoffabbau im Urwald – Herausforderungen und viele Fragen…“ sowie „Eindrücke einer Reise“. Auf dem Foto ist das Camp der Erdölgesellschaft in der Nähe des Dorfes Quitepampani zu sehen.)

Während meines einwöchigen Aufenthaltes hatte ich viele seelsorgerliche Gespräche mit Bewohnern des Dorfes. Ein Thema, das mir dabei ständig begegnete, waren der Streit und die Zwistigkeiten, die mit dem Umgang mit der Erdölgesellschaft und der Verteilung des erwarteten „Wohlstandes“ zu tun hatten. Es gab einen tiefen Riss im Dorf, der mitten durch Familien hindurch ging – mit entsprechend lautstarken Diskussionen!

Gestern veröffentlichte Servindi einen Bericht über eine kurzfristig anberaumte Versammlung der Caquinte-Organisation ODPK (die ODPK wurde 2005 aufgrund der Angelegenheit mit der Erdölgesellschaft gegründet), die am 28.April 2013 stattfand. Bei dieser Versammlung wurde der Erdölgesellschaft vorgeworfen, hinter Aktionen zu stecken, die versuchen das Volk der Caquinte zu spalten und letztlich zu zerstören. Gleichzeitig erkennen die Caquinte die Differenzen an, die innerhalb ihres Volkes in dieser Frage bestehen. Während der Versammlung wurde die Selbstverpflichtung erneuert, diese Differenzen zu überwinden, um gegen die Bedrohungen durch die Erdölgesellschaft und auch durch andere Gruppen, die das Volk spalten wollen, bestehen zu können. – Es ist Begegnungen in Peruden Caquinte wirklich zu wünschen, dass ihnen dies gelingen möge!

Weitere Infos über das Volk der Caquinte-Indianer finden Sie in meinem Buch „Begegnungen in Peru“, das sowohl als Printversion wie auch als eBook im Buchhandel erhältlich ist. – Der Junge auf dem Cover-Foto ist übrigens auch ein Caquinte… 🙂

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Mysteriöse Todesfälle bei den Machiguenga-Indianern (3)

Am Sonntag ist nun auch das siebte Kind – das seit mehreren Tagen in einem Krankenhaus im Koma lag – verstorben :-(.
In den vergangenen Tagen brachte der peruanische Nachrichtensender RPP Noticias mehrere Berichte, in denen Bezug auf Aussagen von Seiten der Gesundheitsbehörden genommen wurde. Demnach wird davon ausgegangen, dass Tollwut, übertragen durch Fledermäuse, die Ursache für die Todesfälle in dem Machiguenga-Dorf Camaná ist. In einer Nachricht wird hervorgehoben, dass seit 14 Jahren keine Impfungen gegen Tollwut in diesem Dorf durchgeführt worden seien, in einer weiteren Nachricht wird „bestätigt“, dass durchschnittlich 262 Personen in Camaná innerhalb der vergangenen sechs Monaten von Fledermäusen gebissen worden seien. Gemäß einer Nachricht vom 22. Mai sei Tollwut die Ursache für den Tod der sieben Kinder; von diesen sind allerdings fünf in ihrem Dorf verstorben – und ob bei diesen überhaupt eine Obduktion durchgeführt wurde ist fraglich…
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Nachricht vom 23. Mai, dass die Kommission des peruanischen Parlaments (Comisión de Salud y Población), welche die Vorfälle in Camaná untersucht, nicht mit dem Bericht des stellvertretenden Gesundheitsministers zufrieden ist, und nun ihre Erkundigungen ausweiten will. In dieser Nachricht wird auch erwähnt, dass Repräsentanten der Erdgasgesellschaft, einer Einladung der Kommission nicht gefolgt seien. Am 12. März war es in der näheren Umgebung von Camaná, infolge eines Lecks an einer unterirdischen Pipeline, zum Austritt von Erdgas gekommen. Da es nach diesem Vorfall zu den Erkrankungen und Todesfällen im Dorf gekommen ist, vermuten die Bewohner, dass dies die eigentliche Ursache ist. Trotz all der Berichte und Erklärungen, dass die mysteriösen Todesfälle auf Tollwut zurückzuführen seien, bleiben bei den Betroffenen weiterhin offene Fragen – und Zweifel, dass das Leck in der Pipeline keine Schäden verursacht haben soll…

Hier geht´s zu den erwähnten Nachrichten auf der Internetseite von RPP Noticias:

Mysteriöse Todesfälle – ungefähr 100 Machiguenga-Indianer schwer erkrankt

Gestern berichtete ich über mysteriöse Todesfälle in dem peruanischen Indianerdorf Camaná, wo bisher sechs Kinder verstorben sind. Heute erreichte mich die Nachricht, dass inzwischen ungefähr 100 Personen schwer erkrankt sind, darunter auch die Frau eines meiner ehemaligen Studenten.

Der peruanische Nachrichtensender RPP Noticias berichtete inzwischen ebenfalls über die Ereignisse in Camaná. Über die Ursache der Erkrankungen wird bisher noch spekuliert: Die einen vermuten, dass es sich um Vergiftungen, ausgelöst durch das Leck an einer Gasleitung handelt; die anderen vermuten, dass Tollwut, übertragen durch Fledermäuse, der Grund ist.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die peruanischen Behörden schnellstmöglichst der Sache annehmen, sich darum bemühen, weiteren Schaden von der Bevölkerung abzuwenden, aber auch, die wahren Ursachen für diese mysteriösen Todesfälle ans Licht zu bringen.

Am 16. Mai erschienen auf der Internetseite von RPP Noticias folgende Berichte dazu:

 

Mysteriose Todesfälle bei den Machiguenga-Indianern

In den letzten Tagen erhielt ich aus Peru mehrfach beunruhigende Nachrichten über mysteriöse Todesfälle bei den Machiguenga-Indianern. In dem abgelegenen Machiguenga-Dorf Camaná sind innerhalb kurzer Zeit fünf Kinder aus noch unbekannten Gründen verstorben; ein sechstes Kind verstarb am vergangenen Samstag – angeblich an Tollwut – in einem Krankenhaus in Lima. Ein siebtes Kind – mit denselben Krankheitssymptomen – liegt auf der Intensivstation eines Kinderkrankenhauses in Lima im Sterben. Zwischenzeitlich sind auch sieben Erwachsene in Camaná erkrankt. Die Machiguenga vermuten, dass eine Vergiftung die Ursache für diese Erkrankungen bzw. Todesfälle sein könnte. In ihrem Gebiet wird seit mehreren Jahren Erdgas gewonnen, und erst im März wurde in der Umgebung von Camaná ein Leck an einer unterirdischen Gasleitung festgestellt. Nach Meinung der Betreibergesellschaft habe es sich dabei um einen geringfügigen Schaden gehandelt, der sofort behoben worden sei. Allerdings starben anschließend viele Fische sowie Wasserschildkröten.
Die Bewohner von Camaná leben nun in großer Angst. Sie fragen sich, ob ihr Trinkwasser, das sie aus dem Fluss beziehen, sowie die Fische und das Fleisch des Wildes verseucht sind? Oder ob die Ursache doch etwa Tollwut ist, die durch Fledermäuse übertragen wird? Leider haben sie auf diese Fragen bisher keine klare und zuverlässige Antwort…

Am 10. Mai erschien auf der Internetseite von Servindi ein Bericht über diese mysteriösen Todesfälle: „Perú: Mueren 5 niños machiguengas por presunto envenenamiento por derrame de gas“