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Peru-Reise 2017

Meine zweite Peru-Reise in diesem Jahr geht dem Ende entgegen. Bereits im Januar hatte ich die Möglichkeit hier zu sein und an der Bibelschule des Alianza-Gemeindeverbandes das Fach „Gemeinde und Mission“ zu unterrichten. Diesmal war geplant, denselben Kurs an der Bibelschule eines anderen Gemeindeverbandes in Lima zu unterrichten. Doch kurz vor Beginn meiner Reise erhielt ich die Nachricht, dass mangels Studenten das ganze Semester gestrichen wurde; ob die Bibelschule danach weitergeführt wird ist noch unklar. Durch diese kurzfristige Programmänderung waren zwar die ersten Tage in Lima etwas entspannter, doch das folgende Programm umso dichter.

Tayabamba

Die nächste Haupt-Station auf der Reise war Tayabamba bzw. Allauca (im Bergland), wo ich bereits 2015 einen einwöchigen Bibelkurs durchgeführt hatte. Die reine Fahrtzeit von Lima über Trujillo nach Tayabamba betrug insgesamt rund 26 Stunden; ein großer Teil der Strecke ist eine einspurige Erd-Piste, die in einem „relativ guten Zustand“ ist. Früher betrug die Reisezeit zwischen Trujillo und Tayabamba ca. 4 Tage!

Allauca

In Allauca (ca. 15 Min von Tayabama entfernt) führte ich einen Bibelkurs zum Thema „Endzeit“ durch. Insgesamt waren über 60 Teilnehmer aus den Bergdörfern bzw. Gemeinden der Umgebung gekommen. Wie an so vielen Orten in Peru gab es auch hier in der Vergangenheit Leute, die ein Datum zur Wiederkunft Jesu verbreiteten. Da Jesus natürlich nicht zum angegebenen Datum erschien, verließen viele die Gemeinden, da sie meinten, die Bibel wäre nicht zuverlässig. Doch nicht die Bibel ist das Problem, sondern die Bibelauslegung. Jesus hat sich ganz klar geäußert, dass keiner „Zeit und Stunde“ seiner Wiederkunft kennt. So war es mir ein großes Anliegen, zur Schrift hinzuführen, zu schauen, was wirklich geschrieben steht, und zwischen unseren „Vorstellungen“ und „Vermutungen“ und dem, was wirklich klar geoffenbart ist, zu unterscheiden.

Die nächste Reise-Station war Trujillo (Küste), wo ich denselben Bibelkurs hielt, diesmal an der Bibelschule des Alianza-Gemeindeverbandes. Außerdem war ich eingeladen, am Sonntag in der Gemeinde zu predigen. Da die dortige Gemeinde (Alianza America Sur) sehr gewachsen ist, der Gottesdienstraum aber nur 180 Personen fasst, gibt es nun eben fünf Gottesdienste am Sonntag (zwei am Vormittag und drei am Abend). So predigte ich das erste Mal am selben Sonntag in fünf Gottesdiensten über dasselbe Thema; eine neue, interessante Erfahrung.

Die letzte Haupt-Station meiner Reise war Pucallpa (Urwald), wo ich an der Jahreskonferenz von FAIENAP (Dachverband evangelischer Indianerkirchen) teilnahm. Die ersten beiden Tage der Jahreskonferenz sind jeweils für die Mitgliederversammlung reserviert, bei der u.a. die Delegierten aus den angeschlossenen Gemeindeverbänden berichten. Die restlichen drei Tage findet eine Rüstzeit mit verschiedenen Referenten und Themen statt. Dieses Jahr hatte ich die Möglichkeit über das Thema „Gemeinde und Mission“ zu sprechen. Es gibt einige Indianer-Pastoren, die in diesem Bereich bereits sehr engagiert sind. Doch insgesamt wissen die Gemeinden relativ wenig über dieses Thema und so ist auch in den Indianerkirchen eine wachsende Kluft zwischen „Gemeinde“ und „Mission“ erkennbar – in derselben Weise wie in der westlichen Welt [Der Missiologe George W. Peters drückte es einmal so aus: „Die zwischen Kirchen und Missionsgesellschaften bestehende Kluft ist eine völlig abnorme Entwicklung in der Geschichte der Kirche. Deshalb haben wir heute so viele missionslose Kirchen (Gemeinden) und so viele kirchenlose (gemeindelose) Missionsgesellschaften.”].

Während jeder Peru-Reise gibt es Dinge, die – trotz all dem inzwischen Bekannten – immer wieder ins Auge springen. Dazu gehören z.B. weiter steigende Preise (u.a. für Lebensmittel), überall sind Leute mit ihrem Smartphone unterwegs und telefonieren, spielen, etc., d.h. sie sind permanent damit beschäftigt.

Einmal mehr wurde mir bewusst, was für ein Privileg es ist (in unserem Dorf im Schwarzwald) sauberes Trinkwasser und saubere Luft zu haben. In Trujillo war das Wasser dermaßen stark gechlort (evtl. wegen der Überschwemmungen im Frühjahr mit Unterbrechung der Wasserversorgung), dass innerhalb von zwei Tagen meine Darmflora massiv gestört bzw. in Mitleidenschaft gezogen wurde. Im Urwald ist gerade die Zeit, in der Brandrodungen stattfinden und während meines Aufenthalts war ständig staubige und/oder rauchige Luft – ganz zu schweigen von der Luftverschmutzung durch den Verkehr in Lima.

Bei den Besuchen in unterschiedlichsten Regionen des Landes wird mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich die Mentalität und kulturelle Prägung der Leute ist. Peru ist wirklich multi-kulti. Oft haben die Peruaner der verschiedenen Regionen Kultur-Stress untereinander, sind sich dessen aber oft nicht bewusst. Beim Flug von Amsterdam nach Lima saß ich neben einer Frau aus Cuzco; wir kamen ins Gespräch und ich fragte sie, ob sie auch Quechua spräche. Sie bejahte und wir kamen auf die Vielfalt der Quechua-Dialekte zu sprechen. Sie meinte allen Ernstes, dass überall in Peru (fast) dieselbe Quechua-Variante gesprochen würde wie in Cuzco! – Dabei gibt es über 20 Varianten des Quechua in Peru, die sehr unterschiedlich sind und die einander nur sehr beschränkt verstehen. Wie die Inka hielt sie wohl Cuzco für den „Nabel der Welt“. Ähnliches geschieht im Bereich der Bildung. Die Verantwortlichen (die meist Lima für den „Nabel der Welt“ halten) haben oft leider kaum eine Ahnung von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Ethnien und Sprachen im Amazonasgebiet. So kommt es vor, das z.B. die Ashénica als Teil der Asháninca-Gruppe betrachtet werden und Schulbücher in Asháninca erhalten, die weder die Lehrer – geschweige denn die Schüler – verstehen!

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George W. Peters´ Bekenntnis zur Autorität der Bibel

Der Missionswissenschaftler Dr. George W. Peters beginnt seine Theologie der Mission mit einer persönlichen Stellungnahme und einem klaren Bekenntnis zur Autorität der Bibel:

„Ich entschuldige mich nicht dafür, daß ich die Bibel ohne vorgeschaltete Kritik als Autorität akzeptiere. Die Bibel ist die Grundlage und die Quelle des Glaubens, nicht das Ergebnis des Glaubens. Es geht mir darum, alles unter das Urteil des göttlichen Wortes zu bringen. Ohne zögern akzeptiere ich die Irrtumslosigkeit des biblischen Berichtes, die Historizität des Vorwortes der Bibel – 1.Mose 1-11 -, den mosaischen Ursprung des Pentateuchs und die historische, konservative, evangelikale Stellung zu allen Büchern der Bibel. Ich habe diese Stellung nicht blindlings bezogen. Die historisch-kritische Forschung ist mir nicht fremd. Die Auseinandersetzungen über Offenbarung und Inspiration, Authentizität und Integrität der Bibel sind mir wohl bekannt. Über Jahre hinweg verfolgte ich aufmerksam und nachdenklich die verschiedensten philosophischen und theologischen Strömungen und ihren Umgang mit der Bibel. Ich fand aber all diese Theorien mangelhaft. Sie scheinen mir weder offenbarungsgemäß, noch historisch, noch rational zu verfahren. Es fehlen ihnen die historischen Beweise für ihre Behauptungen und die klaren autoritativen Kriterien. Sie bauten weder meinen Glauben noch mein Leben auf. Es handelte sich bei ihnen um subjektive, unkritische Spekulationen. Sie mehrten weder missionarische Motivation noch schafften sie missionarische Dynamik. Diese Theorien nahmen weder mein Herz in Beschlag, noch spornten sie meinen Willen an. Deshalb bleibe ich bei der Bibel als meinem Führer, meiner Wegweisung und meiner Autorität.“ George W. Peters. Missionarisches Handeln und biblischer Auftrag. Eine Theologie der Mission, S. 9f.

“Begegnungen in Peru“ – Neuauflage

Begegnungen in Peru_Cover_kl2Am 10. Juli erschien eine Neuauflage von “Begegnungen in Peru – Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert“.

Die Printausgabe (Pb., 112 S.) kostet € 7,90 (inkl. MwSt) und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Achtung: neue ISBN: 978-3-7386-2127-3).

Eine eBook-Ausgabe (Kindle, iTunes, ePub) von “Begegnungen in Peru“ wird in Kürze erhältlich sein. Bis Ende August d.J. wird das eBook für einen Aktionspreis von € 4,99 (inkl. MwSt) erhältlich sein; der reguläre Preis wird danach € 5,99 (inkl. MwSt) betragen.

Jürgen H. Schmidt: Begegnungen in Peru. Urwaldindianer auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Norderstedt: Books on Demand, 2015. ISBN 978-3-7386-2127-3, Paperback, 112 Seiten, Preis: € 7,90 /- CHF 11,90 (inkl. MwSt).

Weitere Infos und Bezugsmöglichkeiten: www.jürgenschmidt.net

„Kleine Reise“ zum Bibelkurs in die Anden

Kürzlich kehrte ich von meiner ersten Peru-Reise in diesem Jahr zurück.

Kurz vor dem Ticlio-Pass

Kurz vor dem Ticlio-Pass

Knappe zwei Wochen verbrachte ich im Bergland. Von Lima aus ging es zunächst über die Carretera Central nach Huánuco, wo ich meinen Kollegen und Reisebegleiter Guillermo traf. Tags darauf machten wir uns dann gemeinsam auf die lange Reise über Tingo Maria und Tocache (im Urwald) nach Tayabamba. Die Fahrt von Huánuco nach

Fahrt von Tingo Maria nach Tocache - Río Huallaga

Fahrt von Tingo Maria nach Tocache – Río Huallaga

Tocache ging aufgrund relativ guter Straßen recht flott. In Tocache hatten wir dann mehrere Stunden Aufenthalt, in denen Guillermo einiges über die Geschichte der Stadt und der Umgebung erzählte, die früher eine Hochburg des Coca-Anbaus – mit allen Konsequenzen (vielen

Tocache

Tocache

Toten) war. Am Abend ging die Reise dann mit einem Geländewagen über Uchiza nach Tayabamba weiter – im Regen auf einer glitschigen Erdpiste, immer wieder durchquerten wir Bäche – bis wir irgendwann vom Urwald ins Bergland kamen. Nach über 12 Stunden Fahrt (der Chauffeur machte gegen morgen immer öfters Pause weil er hundemüde war) kamen wir dann in Tayabamba an. Tayabamba gehört zum Departamento „La Libertad“

Tayabamba

Tayabamba

(Hauptstadt Trujillo) und ist eine Kleinstadt mit ca. 10.000 Einwohnern in den Anden, auf ca. 3.250m Höhe. Auf dem Rückweg wählten wir dann die Route über die Küste, d.h. zunächst von Tayabamba über Sihuas nach Trujillo und von dort aus nach Lima. Die reine Reisezeit von Lima nach Tayabamba (ohne die Aufenthalte zwischen dem Wechsel der Verkehrsmittel zu rechnen) betrug jeweils rund 26 Stunden (die reine Flugzeit von Stuttgart nach Lima beträgt 13 Stunden…)!

01Sierra_de_PatazWährend der Reise durchquert man eine beeindruckende Landschaft, die sowohl Staunen und Bewunderung für Gottes Schöpfung, als auch Furcht auslöst. Gott sei Dank (!!!) für eine ruhige und bewahrte Reise ohne Zwischenfälle!

Der Zweck der Reise nach Tayabamba war ein Bibelkurs für Laienpastoren. Dort in der Region gibt es derzeit 22 Gemeinden des Alianza Gemeindeverbandes, aber nur einer der Pastoren hat eine abgeschlossene mehrjährige theologische Ausbildung. Die restlichen Gemeindeleiter sind Laien mit mehr oder weniger Ausbildung (meist weniger als mehr).

Gochapita

Gochapita

Eine Woche lang unterrichtete ich täglich 5 Stunden die beiden Kurse „Bibelpanorama“ und „Grundprinzipien der Bibelauslegung“. Dazu kamen weitere Dienste. Am Tag unserer Ankunft durfte ich gleich in Tayabamba im Abendgottesdienst predigen, am folgenden Abend hatte ich das Thema im Jugendtreff und am Sonntagmorgen die Predigt in Gochapita, einem Dorf auf über 3.500m Höhe, etwa eine Stunde von Tayabamba entfernt. Die Woche darauf, kurz vor der Abreise nach Trujillo, predigte ich nochmals in Tayabamba.

Da während unseres Aufenthalts in Tayabamba eine Woche lang das Fest des Heiligen Toribio gefeiert wurde (die Stadtverwaltung hatte dafür ein Budget von einer halben Million Nuevos Soles, d.h. ca. € 156.000 bereitgestellt – das Jahr zuvor waren es „nur“ etwa € 100.000,–), und ziemlich viel Lärm in der Stadt war (teilweise bis 3 Uhr morgens), fand der Bibelkurs in Allauca, einem Dorf,

Allauca

Allauca

etwa 20 Minuten Fahrtzeit bergaufwärts, statt. Eine weise Entscheidung der Verantwortlichen, denn dort konnten wir uns wirklich ungestört auf den Unterricht konzentrieren!

Von den eingeladenen 22 Gemeinden waren insgesamt 63 fest eingeschriebene Studenten aus 19 Gemeinden zum Bibelkurs gekommen. Zusätzlich waren täglich jeweils mehrere Gasthörer anwesend. Obwohl die Kurse sehr herausfordernd waren, waren die Teilnehmer eifrig mit dabei und nutzten die Gelegenheit, die Bibel besser kennen und verstehen zu lernen. Die Pausen nutzten sie, um sich draußen in der Sonne etwas aufzuwärmen, denn in der Kirche, wo das Seminar stattfand, war es doch ziemlich frisch. Ein Küchenteam der Gemeinde von Allauca versorgte uns in dieser Woche mit allerlei Leckereien aus dem Bergland – immer in der (unberechtigten) Sorge, es könnte zu wenig sein.

01jsWährend der letzten Woche meiner Reise in Lima hatte ich noch mehrere weitere Events. U.a. hielt ich am Theologischen Seminar der Presbyterianer (STEP) sowie in der Mennonitengemeinde (bei der ich nun das fünfte Jahr in Folge Dienste hatte) Vorträge über „Die Relevanz des Alten Testaments und der chronologischen Bibellehre in der Missionsarbeit“.

Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde?

Kürzlich erschien im 3L Verlag das Buch „Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde?“ von Greg Gilbert und Kevin DeYoung. Mit viel Leidenschaft versuchen die beiden Autoren Orientierung im missionalen Dschungel zu geben. – Denn, wenn jegliche Aktivität einer Gemeinde inzwischen „Mission“ ist, dann ist am Ende vermutlich gar nichts mehr Mission bzw. zu erwarten, dass die Verkündigung des Evangeliums auf der Strecke bleibt.

Was mir an dem Buch sehr gefällt ist, dass die Autoren sehr gründlich mit der Bibel arbeiten und wirklich fundiert exegetisch argumentieren. Dabei kommen sie einerseits zur Schlussfolgerung, dass der Missions-Auftrag der Gemeinde in der Verkündigung des Evangeliums besteht (denn dies gehört zu den „Kern-Kompetenzen“ der Gemeinde und nicht von irgendwelchen anderen weltlichen Institutionen). Gleichzeitig verneinen sie keinesfalls, dass eine Gemeinde viele gute andere Dinge tun kann und tun sollte (aus Nächstenliebe). Aber sie empfehlen – auch der Klarheit wegen – diese anderen (guten, wichtigen) Aktivitäten der Gemeinde nicht als „Mission“ zu bezeichnen.

Craig Gilbert, einer der Autoren, war auch der Hauptredner der diesjährigen Evangelium21-Konferenz, bei der es um das Thema „Was ist der Auftrag der Gemeinde?“ ging. Die Vorträge können inzwischen über die Internetseite von Evangelium21 angehört bzw. als mp3-Dateien heruntergeladen werden.

Pfingsten

Pfingsten gehörte früher für mich zu den kirchlichen Festen, mit denen ich wenig anfangen konnte. Ich wusste zwar, dass es irgendwie mit dem Kommen des Heiligen Geistes zu tun hatte. Aber im Vergleich zu Weihnachten oder Ostern war Pfingsten nach meinem Empfinden irgendwie ungreifbar und in gewissem Maße suspekt.

Inzwischen kann ich mit Pfingsten wesentlich mehr anfangen. Zumindest ist das, was der Heilige Geist damals am Pfingstfest, nach Jesu Tod, Auferstehung und Himmelfahrt, getan hat, wesentlich konkreter für mich geworden. Ich möchte hier nur zwei Punkte davon nennen:

1) Pfingsten ist der Geburtstag der Gemeinde

 An Pfingsten hat der Heilige Geist aus den Nachfolgern Jesu das neutestamentliche Gottesvolk, die Gemeinde Jesu Christi, gebildet. Am Anfang bestand die Gemeinde nur aus Juden-Christen, d.h. aus Juden, die an Jesus als den Messias glaubten. Doch bald breitete sich die Botschaft des Evangeliums auch unter Nichtjuden (Nationen, Heiden) aus, und aus der Gemeinde wurde immer mehr eine internationale und interkulturelle Gemeinschaft, der Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen, Rassen, Stämmen und Sprachen angehören.

2) Pfingsten ist der Auftakt zur Weltmission

Nach seiner Auferstehung befahl Jesus seinen Jüngern „sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten – die ihr, sagte er, von mir gehört habt; denn Johannes taufte mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden nach diesen wenigen Tagen.“ (Apg 1,4-5). Und Jesus verhieß ihnen: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“ (Apg 1,8).

An Pfingsten erfüllte sich diese Verheißung. Durch die Sendung des Heiligen Geistes gab Gott quasi den „Startschuss“ zur Weltmission. Gleich an Pfingsten kam es zu einem enormen Wachstum der Gemeinde, als Menschen aus allen Regionen der damals bekannten Welt die Botschaft von Jesus hörten und zum Glauben kamen (Apg.2). Im weiteren Bericht der Apostelgeschichte lesen wir, wie sich das Evangelium seit Pfingsten immer weiter in der Welt ausbreitete – und das tut es noch heute.

 Anfang des 19. Jahrhunderts schrieb Philipp Spitta das Pfingstlied „O komm, du Geist der Wahrheit“ (Nr. 136 im Evangelischen Gesangbuch). Dieses Lied bringt zum Ausdruck, was der Heilige Geist in den Gläubigen wirken will und warum wir Ihn so dringend brauchen:

 1. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, daß jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

 2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt: komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

 3. Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je; darum mußt du uns rüsten mit Waffen aus der Höh. Du mußt uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu und mußt uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

 4. Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.

 5. In aller Heiden Lande erschallt dein kräftig Wort, sie werfen Satans Bande und ihre Götzen fort; von allen Seiten kommen sie in das Reich herein; ach soll es uns genommen, für uns verschlossen sein?

 6. O wahrlich, wir verdienen solch strenges Strafgericht; uns ist das Licht erschienen, allein wir glauben nicht. Ach lasset uns gebeugter um Gottes Gnade flehn, daß er bei uns den Leuchter des Wortes lasse stehn.

 7. Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern; mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn. O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, daß wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Text: Philipp Spitta (1827) 1833

Radio Logos – eine christliche Radiostation für Indianer im peruanischen Urwald

radiochazutaWährend der FAIENAP-Konferenz 2010 in Chazuta informierte Jairo Sangama, der Pastor der Gemeinde, über das geplante Projekt eine christliche Radiostation für Indianer im peruanischen Urwald aufzubauen. Damals zeigte er uns das Gelände, wo diese Radiostation entstehen sollte. Insgesamt investierte Jairo fünf Jahre in die Realisierung des Projekts.

radio_logos_peruVergangenes Jahr, im August, wurde aus dem Traum dann Wirklichkeit: Radio Logos ging auf Sendung! Mit dem Kurzwellensender kann das ganze nördliche Urwaldgebiet von Peru erreicht werden. Die Sendungen werden sowohl in spanischer Sprache als auch in den Sprachen mehrerer Ethnien im Empfangsgebiet ausgestrahlt.

Auf Youtube fand ich heute einen Clip, der die Entstehung von Radio Logos (in englischer Sprache) erzählt:

Gottes Wirken unter Indianern – CONPLEI-Konferenz 2012

Seit vielen Jahren führt CONPLEI (Nationaler Rat indigener Pastoren und Leiter) in Brasilien eine Jahreskonferenz durch, an der regelmäßig hunderte von Indianern aus vielen verschiedenen Ethnien Brasiliens und aus Nachbarländern teilnehmen.

Auf Youtube wurde nun ein kurzer Videobericht über die CONPLEI-Konferenz 2012 in deutscher Sprache veröffentlicht:

Basics interkultureller Kommunikation

Das Thema „interkulturelle Kommunikation“ begleitet mich in der Praxis schon lange. Vor ein paar Jahren fragte mich dann ein chilenischer Freund, ob ich dazu nicht ein Seminar anbieten könnte. Beim ersten dieser Seminare waren Teilnehmer aus vier Kontinenten und über zehn Nationen dabei; das Gespräch in gemischten Tischgruppen über das Thema war mega-spannend! Zwischenzeitlich habe ich mich noch mehr mit dem Thema beschäftigt und so ist mein neues Buch entstanden: „Basics interkultureller Kommunikation. Bausteine für die Entwicklung interkultureller Kompetenz.“

Ab sofort ist es im Buchhandel oder direkt bei mir (Versand gegen Vorauskasse) erhältlich. Der Ladenpreis für die Printversion (144 S., Pb) beträgt € 11,95  (inkl. MwSt). Demnächst wird auch eine eBook-Version erhältlich sein; diese wird € 9.49 (inkl. MwSt) kosten. Weitere Infos zum Buch (Inhalt, Leseprobe etc.) gibt es auf der Seite www.basics-interkultureller-kommunikation.de – dort werde ich auch weitere interessante Infos zum Thema (weiterführende Literaturhinweise, Artikel im Internet, etc.) veröffentlichen.

Hier die wichtigsten Infos zum Buch (Klappentext etc.):

„Im Zeitalter der Globalisierung und Migration ist interkulturelle Kommunikation nicht mehr länger ein Spezialthema, das nur für wenige Menschen Relevanz hat. Interkulturelle Kommunikation betrifft heute (fast) jeden, selbst wenn er seine Heimat nie verlässt. “Basics interkultureller Kommunikation“ gibt eine allgemeinverständliche Einführung in das Thema. Es hilft dabei Unterschiede zwischen den Kulturen zu verstehen und einzuordnen und zeigt auf, in welcher Weise kulturelle Unterschiede auch den Kommunikationsstil beeinflussen. Das Grundanliegen des Buches ist es, dem Leser Bausteine für die Entwicklung interkultureller Kompetenz mit auf den Weg zu geben, und dadurch zu einer besseren Verständigung zwischen den Kulturen beizutragen.“

„Jürgen H. Schmidt hat seine ersten interkulturellen Erfahrungen in seinem ursprünglichen Beruf als Bankkaufmann sowie auf Auslandsreisen gesammelt. Von 1998 bis 2006 lebte er zusammen mit seiner Familie in Peru. Dort war er, eingebunden in ein internationales Mitarbeiterteam, in der Ausbildung von Indianern des Amazonastieflandes tätig. Er kennt die Herausforderungen interkultureller Kommunikation aus eigener Erfahrung.“

Jürgen H. Schmidt: Basics interkultureller Kommunikation. Bausteine für die Entwicklung interkultureller Kompetenz. Norderstedt: Books on Demand, 2012.  ISBN 978-3-8448-1992-2, Paperback, 144 Seiten, Preis: € 11,95 bzw. CHF 17,90 (inkl. MwSt).

Jim Elliot

Jim Elliot (1927 – 1956) war einer der fünf Auca-Missionare, die 1956 bei dem Versuch einen ersten, direkten Kontakt mit den Aucas (Waorani) aufzunehmen, ermordet wurden. (Die Ethnie wurde aufgrund ihrer Gewalttätigkeit von Ketschua-Indianern als „Auca“ bezeichnet; die Selbstbezeichnung der Ethnie ist jedoch „Waorani“ – diesen Begriff werde ich im weiteren Verlauf gebrauchen, auch wenn in der Literatur noch oft die Rede von den „Aucas“ ist).

Geboren und aufgewachsen ist Jim Elliot in Portland (USA). Sein Vater war Evangelist, seine Mutter Chiropraktikerin. Bereits im Alter von 6 Jahren lernte er Jesus Christus als seinen Retter kennen.
Nach Abschluss der polytechnischen Oberschule ging er zum Studium an das Wheaton-College (1945-49). Finanziell hätte er sich das Studium eigentlich nicht leisten können, aber Jim war überzeugt, dass Gott ihn dorthin geführt hatte und die nötigen Mittel kamen zusammen, teilweise durch einen Freund, teilweise durch ein Stipendium und eine Halbtagsstelle. Elliot hatte sein Studium mit einem klaren Ziel angetreten: Er hatte sein Leben Gott ganz übergeben und wollte ihm mit seinem Leben dienen.
Im Sommer 1947 fuhr er per Anhalter nach Mexiko, zusammen mit einem Freund, dessen Eltern dort als Missionare lebten. In dieser Zeit wurde ihm klar, dass Gott ihn zu einem Dienst in Lateinamerika berufen hatte. Ende 1948 nahm er an der Internationalen Studentischen Missionskonferenz an der Universität von Illinois teil. Dort wurde ihm deutlich, dass er unter den Indianern im südamerikanischen Urwald arbeiten soll.
Seine Tagebuchaufzeichnungen machen deutlich, dass er sich schon während seiner Studienzeit mit einer völligen Hingabe und einem möglichen Tod für Christus auseinandersetzte. 1948 schrieb er in sein Tagebuch: „Der ist kein Tor, der hingibt, was er nicht behalten kann, auf dass er gewinne, was er nicht verlieren kann“. – Und: „Vater, wenn Du mich nach Südamerika gehen lassen willst, um dort für Dich zu wirken und zu sterben, dann bitte ich Dich, lass mich bald gehen. Doch nicht mein Wille.“
Nach Abschluss des Colleges folgte eine Zeit in der Jim Elliot in verschiedenen Gemeinden mitarbeitete und teilweise auch als Aushilfslehrer beschäftigt war. Gleichzeitig führte er einen ausführlichen Briefwechsel mit zwei Missionaren, u.a. mit Wilfried Tidmarsh der einen Nachfolger für seine Arbeit unter den Ketschua-Indianern in Ecuador suchte. 1950 belegte er an der Universität von Oklahoma einen Kurs über das Studium schriftloser Sprachen (Linguistik). Dort kam er in Kontakt mit einem Missionar, der früher unter den Ketschuas gearbeitet hatte. Durch diesen Missionar hörte er auch zum ersten Mal von den Waorani – und sein Herz fing sofort Feuer von der Idee, diesen Stamm mit dem Evangelium zu erreichen.
1952 war es dann soweit und Jim reiste mit dem Schiff nach Ecuador, wo er im Gebiet der Ketschuas die verwaiste Missionsstation Shandira übernahm. In Shandira widmete er sich der Arbeit unter den Ketchuas und dem Aufbau der Station. Diese wurde jedoch ein Jahr später durch heftige Regenfälle und das Ansteigen des Flusses völlig zerstört. Wenige Monate danach heiratete er seine Frau Elisabeth, die er während seiner Studienzeit in Wheaton kennengelernt hatte. Auf Einladung der Ketchua begannen sie nach der Hochzeit in Puyupungu eine neue Station zu mit Schule für die Indianerkinder zu eröffnen, während seine Kollegen Shandia wieder neu aufbauten. Im September 1955 erhielt er die Nachricht, dass die Missionspiloten endlich einige Waorani-Häuser entdeckt hatten. Es kam zu mehreren indirekten Kontakten mit den Waorani, bei denen Geschenke mit dem Flugzeug abgeworfen wurden. Wenige Kilometer von der Waorani-Siedlung entfernt fanden sie am Strand des Curaray-Flusses eine Landemöglichkeit für das Flugzeug. Am 3. Januar landeten sie dort, errichteten eine Baumhütte und warteten auf eine Begegnung mit den Waorani. Sie waren zu fünft: Jim Elliot, Pete Fleming, Ed McCully, Nate Saint und Roger Youderian. Am 8. Januar kamen die Waorani und griffen die Missionare an. Obwohl diese bewaffnet waren, machten sie davon keinen Gebrauch und ließen sich töten. Die Waorani sprachen später oft davon und konnten es nicht begreifen. Außerdem ereignete sich nach dem Tod der Männer ein merkwürdiges Phänomen: ein Singen und Leuten am Himmel. Dies überzeugte die Waorani, dass die Missionare friedlich und gut gewesen waren, und dass ihr Tod ein gewaltiges übernatürliches Ereignis hervorgerufen hatte.
Zwei Jahre später kehrten Elisabeth Elliot und Rachel Saint (die Schwester des Piloten Nate Saint) zurück um die Arbeit der Männer fortzusetzen und die Waorani öffneten sich für das Evangelium. Es gibt ein Foto das einen der Waorani, die Jim und seine Freunde getötet haben, dabei zeigt, wie er Jims Tochter Valerie an der Hand führt.

„In meinem Inneren weiß ich, dass meine Hoffnungen und Pläne keine bessere Lenkung und Erfüllung hätten finden können, als Er sie mir gegeben hat. Möge es uns allen so ergehen, mögen wir erfahren, wie wahr das Wort ist: <Er wird uns leiten bis an den Tod>“

Literaturempfehlungen
Elisabeth Elliot: Im Schatten des Allmächtigen. Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 1993.
Jörg Erb: Missionsgestalten. Lahr-Dinglingen: Verlag der St. Johannis-Druckerei, 1973.

„Jenseits der Herrlichkeit“ ist eine Dokumentation der Ereignisse in der auch Zeitzeugen zu Wort kommen. Der Trailer zur DVD ist auf Youtube zu sehen: