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Vom Verlust der Menschenwürde

Sowohl die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen als auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beginnen mit einem Hinweis auf die Würde des Menschen. Damit setzen die jeweiligen Verfasser bei einem wichtigen Aspekt unseres Menschseins an: der Menschenwürde.  Allerdings werden in diesen Texten zwei wesentliche Fragen nicht beantwortet:

  1. Was genau macht denn diese Würde des Menschen aus?
  2. Worauf gründet sich diese Würde des Menschen?

Die Wikipedia schreibt zur Menschenwürde u.a. folgendes:

„Im modernen Sinne versteht man darunter, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder anderer Merkmale wie Geschlecht, Alter oder Zustand denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gegebenes schützenswertes Merkmal auszeichnen, die Würde.

Der Begriff Menschenwürde ist verwurzelt in einer christlichen Tradition und beinhaltet damit eine bestimmte Sicht auf Menschenrechte.“

Damit gibt uns die Wikipedia eine gute Definition des Begriffs, zugleich weist sie auf die Ursprünge desselben hin. Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass der Begriff der Menschenwürde in der jüdisch-christlichen Weltanschauung verwurzelt ist und seine Grundlage in 1.Mose 1,27 verankert ist:

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“

Nun haben wir aber ein großes Problem. Dieses Zitat aus 1.Mose 1,27 ist ja sehr schön… Aber: Wer glaubt denn heute noch wirklich, dass es so ist, wie es hier geschrieben steht? Und: Ist diese Aussage der Bibel heute überhaupt noch politisch korrekt?

Wenn wir auf die Geschichte der letzten 200 Jahre zurückblicken, dann entdecken wir ein interessantes Phänomen: Einerseits wurden die Würde des Menschen und damit verbundene Menschenrechte verstärkt thematisiert. Gleichzeitig gab es immer stärker werdende Angriffe auf das jüdisch-christliche Weltbild, das doch die eigentliche Grundlage der Menschenwürde bildet. D.h. man hat damit begonnen einen wichtigen Aspekt unseres Menschseins hervorzuheben – und gleichzeitig damit begonnen, das Fundament abzugraben. So kam es meines Erachtens zu einem Verlust der Menschenwürde, obwohl man sich doch so sehr bemühte, die Würde des Menschen hervorzuheben.

Der erste Angriff auf das jüdisch-christliche Weltbild begann vor etwa 200 Jahren mit der Entstehung der sogenannten „modernen Bibelwissenschaft“ und der Bibelkritik. Wir wurden belehrt, es habe sich alles gar nicht so zugetragen, die Bibel sei in Wahrheit nicht Gottes Wort und überliefere uns nur Mythen. So blieb nur der Zweifel. Die Aussage in 1.Mose 1,27 wurde zu einer netten Metapher degradiert, die den Versuch darstellt, unserem menschlichen Leben Sinn und Bedeutung zu stiften. Genauso gut hätte man aber auch Grimms Märchen oder jede andere Geschichte zur Sinnstiftung heranziehen können…

Der zweite Angriff auf das jüdisch-christliche Weltbild begann vor etwa 150 Jahren mit Darwins Evolutionstheorie. Wir wurden belehrt, „die Natur“ habe die ganze Schöpfung (es ist einfach schwierig diesen Begriff „Schöpfung“ nicht zu gebrauchen…) von selbst, per Zufall hervorgebracht. Durch viel Zeit, Zufall, Mutation und Selektion habe sich alles irgendwann entwickelt – auch der Mensch. Im schlimmsten Fall stammen wir von einer Amöbe ab (wer schon einmal Amöben im Verdauungstrakt hatte, der weiß, wie unangenehm das sein kann…), im besten Fall vom Affen. Eines der Hauptmittel, das die Evolution bei diesem Prozess gebraucht habe, sei die Selektion, d.h. das Überleben des Stärkeren und der Tod des Schwächeren. Denkt man dieses Erklärungsmodell (besser: diese Philosophie) konsequent zu Ende, dann gibt es weder eine sinnvolle Begründung für Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Entwicklungshilfe u.v.a.m., noch eine sinnvolle Begründung für die Menschenwürde. Und wenn der Mensch sowieso nur aus Materie besteht und halt so etwas wie eine „hochentwickelte Maschine“ ist, dann hat logischerweise der Mensch den größten Wert, der auch am besten funktioniert und die höchsten Leistungen für die weitere Entwicklung der Menschheit erbringt. Wer nur durchschnittlich (oder sogar unter dem Durchschnitt) ist, oder nicht mehr richtig funktioniert, der hat logischerweise wenig Wert oder seinen Wert ganz verloren – und ist eigentlich eine Belastung für die Gesellschaft und die weitere Höherentwicklung der Menschheit.

Der dritte Angriff auf das jüdisch-christliche Weltbild begann vor etwa 40 – 50 Jahren und nimmt immer mehr an Stärke zu. Die Erschaffung des Menschen als Gottes Ebenbild (gemäß 1.Mose 1,27) – und zwar als Mann und als Frau – begründet seine Würde. Jedes menschliche Geschöpf hat dieselbe Würde, sowohl als Mann wie auch als Frau. Leider wurde die Würde der Frau immer wieder mit Füßen getreten. In Folge der 68er-Bewegung wurde das berechtigte Anliegen der Gleichberechtigung der Frau immer stärker thematisiert. Zusätzlich wurde aber „auch die traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau und das Patriarchat insgesamt massiv in Frage gestellt.“ (Wikipedia: Emanzipation)

Doch auch dabei ist man nicht stehen geblieben. Ungefähr seit Mitte der 80er-Jahre kam es (von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt) zur Entwicklung einer Gender-Ideologie, die letztlich weit über das Anliegen der Gleichstellung der Geschlechter hinausgeht. Man begann zwischen dem „sozialen Geschlecht“ oder „psychologischen Geschlecht“ (engl. „Gender“) und dem „biologischen Geschlecht“ (engl. „sex“) einer Person zu unterscheiden. Der eigentliche Grundgedanke dieser Philosophie ist folgender: Es gäbe überhaupt keinen Zusammenhang zwischen dem natürlichen Geschlecht und Geschlechterrollen, sondern die Geschlechterrollen seien lediglich ein Konstrukt. D.h. die Natur habe letztlich nicht vorgegeben, wer ein Mann und wer eine Frau sei, sondern die Kategorien „Mann“ und „Frau“ seien lediglich „soziale Konstrukte“. Aus diesem Grund wird auch angestrebt, dass die Kindererziehung geschlechtsneutral erfolgen solle, d.h. dass den Kindern keine Geschlechterrollen mehr vermittelt sollen, damit sie ihre eigene (Gender)Identität individuell entwickeln können (so etwas Ähnliches hatten wir schon mal: Anti-Autoritäre-Erziehung – nur nicht eingreifen, keine Grenzen setzen, das Kind tun und lassen dürfen was es will um seinem Glück und seiner Entwicklung ja nicht im Wege zu stehen..).

Der Kern dieser Gender-Philosophie steht nicht nur im Widerspruch zum Schöpfungsbericht der Bibel, sondern auch zu den Naturwissenschaften. Es ist ein biologisches Faktum (Organe, Gene, etc.), dass es zwei Geschlechter gibt. Darüber hinaus ist es empirisch erwiesen, dass die Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern nicht nur biologischer Natur sind, sondern tiefer im jeweiligen Wesen von Mann und Frau verankert sind (unabhängig von der Sozialisation; wobei zweifelsohne auch die Erziehung Auswirkungen auf die Ausprägung der Geschlechteridentität hat).

Ich finde es krass zu sehen, wohin uns die Emanzipationsbewegung inzwischen gebracht hat: Aus dem berechtigten Anliegen der Gleichberechtigung (d.h. die Frauen als gleichwertig zu würdigen – nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch) wurde Stück für Stück eine Tyrannei der Gleichmacherei, in der man versucht, alle bestehenden Unterschiede zu negieren und einzuebnen. Meines Erachtens bleibt dabei die Würde des Menschen letztlich auf der Strecke. Anstatt es als Würde anzusehen, ein Mann oder eine Frau zu sein, wurde es zu einer Bürde! Sowohl Männer als auch Frauen sind in unserer Gesellschaft immer häufiger gezwungen sich zu entschuldigen, wenn sie sein wollen, was ihrem Wesen entspricht. Es ist ja inzwischen schon fast ein No-Go, wenn eine (intelligente, gut gebildete und ausgebildete) Frau sich (freiwillig!) dazu entscheidet „nur“ Hausfrau und Mutter zu sein und ihre Kinder selbst aufzuziehen. Und als männliches Wesen gilt man heute recht schnell als verhaltensauffällig oder hyperaktiv, wenn man seine „wilde und raue Seite“ zum Ausdruck bringen oder seine Kräfte mit anderen männlichen Wesen messen möchte (das beginnt schon in der Schule, insbesondere manche Lehrerinnen [ich meine natürlich männliche und weibliche – analog zur neuen political correctness der Uni Leipzig] mögen es gar nicht, wenn Jungs etwas lebhafter sind); es kommt besser an, wenn man „soft“ und „einfühlsam“ ist. Aber wenigstens kann Mann sich im Fernsehen gelegentlich noch einen guten alten Western (Winnetou oder was mit John Wayne), oder „Der letzte Bulle“ anschauen, und davon träumen z.B. Mick Brisgau oder Old Shatterhand zu sein. Noch schwieriger wird es allerdings, wenn Mann sich um eine neue Arbeitsstelle (insbesondere um eine Führungsposition) bewirbt, er aber – obwohl er womöglich unter allen BewerberInnen die allerbeste Qualifikation für diesen Job aufweist – nicht genommen wird (oder nicht genommen werden darf), weil er das falsche (biologische) Geschlecht hat. Interessanterweise kommt es in diesem Fall aber sehr wohl auf seine biologischen Geschlechtsmerkmale an. Aber vielleicht würde ihm eine Geschlechtsumwandlung  ja helfen, die letzte Hürde zum neuen Job zu nehmen? – Damit mich niemand falsch versteht: Ich bin davon überzeugt, dass es sehr wohl auch (viele) Frauen gibt, die Männern in ihrer beruflichen Qualifikation (weit) überlegen sind. Diesen Frauen sollten wirklich alle Möglichkeiten offenstehen, um bis in die obersten Chefetagen aufzusteigen. Aber ist es nicht entwürdigend für eine Frau, wenn sie sich nie sicher sein kann, ob sie es nur aufgrund ihres (biologischen) Geschlechts (quasi als „Quotenfrau“) oder aufgrund ihrer Persönlichkeit und Kompetenz dahin geschafft hat?

Sollte es wirklich zu einer radikalen Umsetzung der Gender-Ideologie (die uns in den letzten 20 Jahren nur Scheibchenweise, im Sinne einer „Salami-Taktik“ präsentiert wurde) kommen, dann wird das tiefgreifende Konsequenzen für die Stabilität unserer Gesellschaft haben. Abschließend möchte ich bemerken, dass Kritik an dieser Ideologie von verschiedenen Seiten geäußert werden, sowohl von Leuten, die sich bewusst zu einer christlichen Weltanschauung bekennen, als auch von Menschen, die das nicht (oder nicht explizit) tun. Im Internet gibt es verschiedene gute Artikel und auch Vorträge dazu (siehe Ende dieses Artikels).

Ich würde mir wünschen, dass jeder Mensch mit Würde Mensch sein darf und seine Würde geachtet wird – eben weil er (wie ich persönlich ganz fest glaube) nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde. Und ich würde mir wünschen, dass Frauen mit Würde Frauen und Männer mit Würde Männer sein dürfen – eben weil beides (wie ich persönlich ganz fest glaube) der Ebenbildlichkeit Gottes entspricht. Außerdem würde ich mir wünschen, dass Männer und Frauen sich gegenseitig als Ergänzung betrachten können und sich daran freuen – anstatt einander als Konkurrenz oder gar Bedrohung anzusehen.

Artikel und Vorträge zur Gender-Ideologie:

  • Der Podcast von Dr. Johannes Hartl mit dem Titel „Der Kampf um Europa“ setzt sich intensiv mit den Hintergründen der Gender-Ideologie auseinander.
  • Der Artikel „Gender-Mainstreaming“ auf der Wikipedia gibt einen Überblick über das Thema. Interessant ist insbesondere auch der Abschnitt über die Kritik daran.
  • Der TheoBlog enthält viele interessante Artikel zum Thema Gender-Mainstreaming. Diese Seite ist gleichzeitig eine Fundgrube für weiterführende Artikel im Internet.
  • Der Artikel „Schlecht, schlechter, Geschlecht“ von Harald Martenstein weist auf viele wichtige Aspekte der Thematik hin.
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“Yes we can!“ – im Licht der Literarkritik

Barack Obama war es, der die drei Worte „Yes we can!“ bekannt machte. Ja, der vielmehr selbst durch diese Worte bekannt wurde! Auch wenn sich in 50 Jahren fast niemand mehr an die Erfolge des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten erinnern wird, durch das Aussprechen dieser drei magischen Worte wird er für immer im kollektiven Gedächtnis der Weltgeschichte bleiben – so, wie der 35. Präsident durch sein klares Bekenntnis: „Ick bin ein Berliner!“

Allerdings habe ich es schon länger geahnt: Obama war nicht der erste, der diese Worte, die ihn berühmt gemacht haben, gesprochen hat. Als erfahrenem Vater von drei Kindern, der unzählige Folgen von „Bob der Baumeister“ gesehen hat (in 3 Sprachen: Deutsch, Schweizerdeutsch: „Bob de Boumaa“ und Spanisch: „Bob el Constructor“), kamen mir diese Worte schon lange allzu bekannt vor. Denn die Hauptaussage, die in jeder Folge von „Bob der Baumeister“ x-mal wiederholt wird, hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt: „Können wir das schaffen? – Joh, wir schaffen das!“ (CH: „Chönned mirs flickä? – Sicher, klar!“  Spanisch: ¿Podemos hacerlo? ¡Sí podemos!).

Und tatsächlich, das Youtuben (d.h. googeln auf Youtube) hat mir Gewissheit und meiner armen Seele Ruhe verschafft. In der Originalausgabe von „Bob the Builder“ geht der Dialog folgendermaßen: „Can we fix it? – YES WE CAN!

Nun stellt sich natürlich die entscheidende Frage: Wie lässt sich erklären, dass Obama in seiner Rede dieselben Worte verwendet hat, wie der Autor von „Bob the Builder“? Ganz davon zu schweigen, ob es gerecht ist, dass der eine dafür ewigen Ruhm erhält, während der andere – außer von erfahrenen Vätern und ihren Kindern – kaum beachtet wird?!
Also, wie lässt sich die Verwendung derselben Worte – und die gleichzeitige Verschiedenheit (Rede von Obama / Geschichten von Bob) erklären?
Da wir es hier mit einer Art „synoptischem Problem“ zu tun haben, stellt uns die moderne Theologie mit ihrer Literarkritik entsprechende Werkzeuge zur Verfügung. Dabei können wir zwei grundsätzliche Ansätze unterscheiden: 1) Lösungsversuche im Rahmen einer Abhängigkeitserklärung. 2) Lösungsversuche im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung (hier ist nicht die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten gemeint, sondern dass Obama und der Autor von Bob nichts miteinander zu tun haben).

1) Lösungsversuche im Rahmen einer Abhängigkeitserklärung

Diese Lösungsversuche gehen davon aus, dass eine literarische Abhängigkeit zwischen der Rede Obamas und den Geschichten von Bob the Builder besteht.

Hier möchte ich kurz zwei mögliche Ansätze vorstellen:

a) Die Benutzungshypothese – mir gefällt allerdings mehr der moderne und zeitgenössische Begriff „Plagiatshypothese“ (diesen hat – laut Google – vor mir nämlich noch kein anderer Theologe verwendet 🙂 ).
Die Plagiatshypothese besagt, dass Obama beim Schreiben seiner Rede eine Vorlage hatte und daraus abschrieb, allerdings ohne die übernommenen Worte explizit als Zitat zu kennzeichnen. Vielleicht hat er als erfahrener Vater mit seinen Kindern regelmäßig „Bob the Builder“ angeschaut und der Dialog hat sich (wie bei mir) tief bei ihm eingegraben? Die Frage wäre dann allerdings, ob er die Worte vorsätzlich und bewusst übernommen hat, oder ob das eher unbewusst geschehen ist? Aus eigener Erfahrung könnte ich mir eher das Zweite vorstellen…  Ein weiterer Einwand ist, ob die Übernahme eines kurzen Satzes schon als Plagiat – und damit möglicherweise auch als Urheberrechtsverletzung – zu werten ist? Es gibt viele Sätze mit drei Worten: „Ich habe Hunger!“ „Ich liebe Dich!“ etc. – Ganz zu schweigen von dem Problem, eindeutig den Urheber dieser Kurz-Sätze ausfindig zu machen!

b) Die Zweiquellenhypothese
Vergleicht man Obamas Rede mit den Bob-Filmen, dann wird man gewisse Ähnlichkeiten in den Themen feststellen: Es geht um´s Aufbauen. Es geht darum, Dinge zum Guten zu wenden. Es geht darum, die Leute zu ermutigen, zu motivieren und deutlich zu machen, dass wir es gemeinsam schaffen und bewältigen. Die Zweiquellenhypothese besagt, dass Obama und dem Autor von Bob zwei Quellen zur Verfügung standen, aus denen sie ihr jeweiliges Material zusammentrugen: 1) Ein Rahmenwerk (R), aus dem sie die Ideen zur Storyline bezogen haben. 2) Eine Redequelle (Q), aus dem z.B. die Worte „Yes we can!“ stammen. Manche Theologen haben diese Zweiquellenhypothese sogar zu einer Vierquellenhypothese ausgebaut, und um zwei weitere Quellen ergänzt: 3) Die Quelle O, d.h. das Sondergut von Obama (also all das, was bei Obama, aber nicht in den Bob-Filmen vorkommt). 4) Die Quelle B, d.h. das Sondergut von Bob (also all das, was bei Bob, aber nicht in Obamas Rede vorkommt). Während die Vierquellenhypothese bald wieder verworfen wurde, gilt heute die Zweiquellenhypothese als wissenschaftlich bzw. politisch korrekt. Ich weiß aber nicht, ob der Autor von Bob und Obama damit einverstanden wären… – denn es bestehen doch gewisse Ähnlichkeiten mit der Plagiatshypothese und das ist sowohl für Autoren wie auch für Politiker ein bisschen problematisch.

2) Lösungsversuche im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung

Diese Lösungsversuche gehen davon aus, dass Obama und der Autor von Bob ihre Werke unabhängig voneinander geschrieben haben, d.h. es besteht eine gegenseitige literarische Unabhängigkeit.

a) Der schriftliche Ur-Baumeister
Ausgangsbasis ist die Existenz eines schriftlichen Werkes in aramäischer Sprache, das wir an dieser Stelle als den „Ur-Baumeister“ bezeichnen wollen. Dieser schriftliche Ur-Baumeister wurde nun in verschiedene Sprachen übersetzt und dabei bearbeitet. Das Problem bei dieser Hypothese ist allerdings, dass es zwar die Ähnlichkeiten („Yes we can!“) durchaus erklären kann, aber nicht die Unterschiede – trotz gemeinsamer schriftlicher Vorlage.

b) Der mündliche Ur-Baumeister (Traditionshypothese)
Diese Hypothese geht von der Existenz eines mündlichen Ur-Baumeisters (in aramäischer und/oder griechischer Sprache) aus. Indem die Geschichte immer wieder weitererzählt wurde kam es zu einem Prozess mündlicher Überlieferung. Irgendwann wurden dann Notizen in aramäischer oder griechischer Sprache gemacht. Diese Notizen wurden der besseren Verständlichkeit halber dann in verschiedene englischsprachige Fassungen übertragen. Die entsprechenden Fassungen entsprechen der Periode der schriftlichen Niederlegung (Bob entstand noch vor dem Wechsel ins neue Millenium, Obamas Rede erst ein knappes Jahrzehnt später). Die literarischen Unterschiede in den beiden Werken werden auf die unterschiedliche Ausbildung und Kapazität der Autoren zurückgeführt. Sicher spielt in diesem Fall auch die jeweilige Zielgruppe noch eine Rolle: Wähler bzw. Kinder.

c) Die Fragmententheorie
Hier geht man von der Existenz früher schriftlicher Aufzeichnungen über den Baumeister aus. In einer ersten Stufe gab es direkte unabhängige Aufzeichnungen, z.B. über Taten, Herausforderungen und Worte des Baumeisters. In einer zweiten Stufe wurden diese unabhängigen Aufzeichnungen zusammengestellt (Sammlung der Taten, Sammlung der Herausforderungen, Sammlung der Worte, etc.). In einer dritten Stufe wurden diese Sammlungen verschiedener Herkunft zu einem Werk zusammengefügt – d.h. es entstanden einerseits Obamas Rede als auch Bob the Builder aus Fragmentensammlungen unterschiedlicher Herkunft. Das Problem ist nur, dass man bisher keine Spuren solch früher Aufzeichnungen gefunden hat…

Vielleicht raucht Ihnen nach dieser Fülle von Hypothesen und dem Ausflug in den Dschungel moderner Theologie (falls Sie es überhaupt geschafft haben, den Artikel bis hier zu lesen – auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch, Sie haben´s gleich geschafft!) der Kopf? Vielleicht beginnen Sie sogar zu zweifeln – an Bob, oder sogar an Obama? Und überhaupt: Hat Obama überhaupt „Yes we can!“ gesagt? – Oder handelt es sich dabei um „unechte Obama-Worte“? (D.h. Obama habe diese Aussage nie so gemacht, sondern seine Anhänger hätten sie ihm nachträglich in den Mund gelegt…) In diesem Fall kann ich Sie beruhigen: Augenzeugen und moderne Fernsehaufzeichnungen belegen uns die Tatsache, dass er es gesagt hat (vorausgesetzt, es war Obama selbst, der diese Rede gehalten hat und nicht sein Double…).

Jesus und die Schreiber der vier Evangelien haben es da viel schwerer – leider gab es damals noch kein Fernsehen. Die Augenzeugen von damals und ihre Berichte wurden in den vergangenen 200 Jahren dermaßen diskreditiert, dass sie heute kaum noch ernst genommen werden – und das, obwohl sie für die Wahrheit ihrer Berichte mit ihrem eigenen Leben einstanden.

Falls dieser Artikel bei Ihnen vielleicht doch gewisse Zweifel an den Methoden der Bibelkritik geweckt haben sollte, dann empfehle ich Ihnen den kurzen Artikel „Eta Linnemann – von der Bibelkritikerin zum Kind Gottes“ sowie die Bücher und Vorträge von Prof. Dr. Eta Linnemann (kostenlos bei Sermon-Online downloadbar).

Und falls Sie von alledem nichts verstanden haben und moderne Theologie auch kein Thema für Sie ist  – machen Sie sich keine Sorgen, das ist keine wirkliche Wissenslücke, Sie haben im Grunde nichts Wichtiges verpasst. Ich würde Ihnen nur eines empfehlen: Gehen Sie weiterhin von der Redlichkeit Barack Obamas beim Schreiben seiner Rede – und von der Redlichkeit der Evangelisten beim Schreiben Ihrer Berichte über das Leben Jesu aus.

Kaffeepads bringen endlich die Gleichstellung – mit dem Tee…

In meiner Kindheit (lang ist´s her…) gab es die Scherzfrage: Wer hat es besser, der Tee oder der Kaffee? Antwort: Der Kaffee, der darf sich setzen – der Tee muss ziehen. 🙂 Okay, diese Scherzfrage ist heute zwar nicht mehr zeitgemäß, weist aber doch auf ein Jahrhunderte altes philosophisches Problem hin…

Nun lehrt uns nicht nur das bekannte Lied von Hannes Wader1, dass nichts bleibt wie es war. Heute, 40 Jahre später, leben wir mitten im Zeitalter von Emanzipation, Gleichstellung und Gender-Mainstreaming. Warum sollte dann ausgerechnet die Schlechterstellung des Tees gegenüber dem Kaffee beibehalten werden? Nun haben vor ein paar Jahren ein paar schlaue Ingenieure eine neuartige Kaffeemaschine entworfen – und im selben Zug eine neue Art, den Kaffee in die Maschine einzufüllen: Das Kaffeepad! Dabei haben sie – rein zufällig, völlig ohne Absicht und unbewusst – zur Gleichstellung des Tees beigetragen und endlich ein Jahrhunderte währendes Problem gelöst. Wunder der Evolution, sie funktioniert noch heute!

Wie bringt das Kaffeepad nun die Gleichstellung? Gleich werde ich´s erklären, vorher aber noch ein wichtiger Hinweis:

Disclaimer: Da es für die folgende Methode weder eine Packungsbeilage gibt, noch Ihr Arzt oder Apotheker Ihnen eine rechtsverbindliche Auskunft geben können wird, möchte ich folgendes klarstellen: Die folgenden Ausführungen stellen weder eine Gebrauchsanweisung noch eine Aufforderung zum Handeln dar! Für eventuelle Schäden, die durch die Nachahmung des folgenden Experiments entstehen sollten (an Leib, Leben, Gesundheit, psychisch, moralisch und psychosomatisch, der Aura, dem geistartigen Doppel oder gar dem SEIC2), übernimmt der Autor weder die Verantwortung noch die Haftung. Ist das klar??? – Durch das Weiterlesen dieses Artikels erklären SIE sich als Leser automatisch mit dem Haftungsausschluss des Autors einverstanden! Sollten SIE damit nicht einverstanden sein, dann stoppen SIE Ihre Lektüre! JETZT!

 Okay, nachdem das geklärt wäre geht´s nun weiter…

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das Wesen des Kaffeepads dem eines Teebeutels erstaunlich ähnlich ist? Gut, die meisten Teebeutel haben noch eine Schnur mit einem Etikett dran… – aber es gibt z.B. in der Schweiz auch Teebeutel ohne Schnur zu kaufen! (Eigentlich gar nicht so schlecht: man spart das Schnürchen, Papier, das Bedrucken, sowie die Klammern um Teebeutel und Papier an der Schnur zu befestigen. Man müsste mal ausrechnen wieviel sich dabei sparen ließe… Ja, die Schweizer wissen, wie man´s macht!)

Nun, aufgrund der Wesensähnlichkeit zwischen Kaffeepad und Teebeutel hab ich mich gefragt: Was spricht eigentlich dagegen, das Kaffeepad in eine Tasse zu tun, kochendes Wasser drauf zu gießen und 5 Minuten ziehen zu lassen? Abgesehen davon, dass sich dabei in vermehrtem Maße irgendwelche Bitterstoffe im Kaffee lösen (könnten), die nachher meinem Magen zu schaffen machen (könnten), eigentlich nichts! – Also: gesagt, getan!

Aber sehen Sie selbst:

 Vorbereitung des Versuchs:Kaffee_Experiment_1

 Wasser einfüllen: Kaffee_Experiment_2

 Nach 2 Minuten und 30 Sekunden: Kaffee_Experiment_3

 Nach 5 Minuten: Kaffee_Experiment_4

Für mich persönlich ist dieser neuartige Gebrauch der Kaffeepads die ultimative Lösung: Geschmacklich steht er konventionell zubereitetem Kaffee (fast) in nichts nach, die Zubereitung ist zeitgerecht, mit dem allgemeinen Gleichstellungsgesetz vereinbar und politisch korrekt. Außerdem ist es die Alternative, wenn Sie bei jemandem zu Besuch sind, zum Kaffee eingeladen werden und kurzfristig die Kaffeemaschine kaputt geht (wie neulich beim Pfarrer meiner Gemeinde… – Markus, bitte entschuldige dass ich das hier erwähne; leider bin ich damals noch nicht auf diese Idee gekommen… – aber der Pulver-Cappuccino hat auch gut geschmeckt!); Ihr Gastgeber wird sehr erleichtert sein, dass er Ihnen trotzdem einen echten Bohnenkaffee anbieten kann!

 Soweit so gut, wenn da nicht ein Aber bleiben würde… Da ich ein sparsamer Schwabe bin sind´s eigentlich zwei „Aber“ (wir Schwaben sind schon sparsam, aber eben nicht mit dem „Aber“):

1) Die Verwendung von Kaffeepads ist vom ökonomischen Gesichtspunkt aus betrachtet allgemein kostspieliger als die traditionelle Verwendung losen Bohnenkaffees (mit Kaffeefilter – ja, diese komischen fast dreieckigen Tüten, die man früher mal verwendet hat, obwohl es ja heute nach noch Leute geben soll, die da noch etwas rückständig sind…). Das war das schwäbische „Aber“.

2) Die Verwendung von Kaffeepads wirf vom ökologischen Gesichtspunkt aus – sagen wir mal – gewisse Fragen auf: Verbrauch zusätzlicher Ressourcen für das Pad im Vergleich zum traditionellen Kaffeefilter? Zusätzlicher Verbrauch von Ressourcen für die Verkaufsverpackungen von Kaffeepads – insbesondere angesichts des geringeren Inhalts an Kaffee in Gramm gemessen? Meines Erachtens sollten da dringend Studien in Auftrag gegeben werden, um diesen Punkt zu klären; es kann ja nicht sein, dass unser hemmungsloser Kaffeekonsum die Verschwendung von Ressourcen weiter ansteigen lässt! Das könnte durchaus ein Thema sein, das im bevorstehenden Bundestagswahlkampf kostbare Wählerstimmen bringt. Bin mal gespannt, ob eine der Parteien die Relevanz des Themas entdeckt?! Das war das ökologische „Aber“.

 Beim Schreiben dieses Artikels kam mir übrigens noch eine Idee, wie die Gleichstellung zwischen Kaffee und Tee hergestellt werden könnte: Wäre es nicht vielleicht auch eine Möglichkeit, einen Teebeutel in die Kaffeepad-Kaffeemaschine einzulegen? Was würde geschehen? – Vermutlich bräuchte es noch einen entsprechenden Adapter – aufgrund der Form des Teebeutels – aber vielleicht wäre das die ultimative Lösung! Vielleicht probiere ich das demnächst, aber mit Schweizer Teebeuteln, um Komplikationen durch das Schnürchen zu vermeiden…

1 Falls Sie Hannes Wader nicht kennen, dann empfehle ich den Artikel über ihn in der Wikipedia

2Hätten Sie das Buch „Animismus“ von Prof. Dr. Lothar Käser gelesen, dann wüssten Sie nun, was ein geistartiges Doppel und ein SEIC ist… 😉

Essen Sie Fleisch?

Gestern war ich mal wieder bei einem evangelistischen Büchertisch in Schwenningen mit dabei. Ist ja immer wieder interessant, was man auf der Straße so erlebt…
Unter anderem ging auch ein Mann, ungefähr so Ende fünfzig, an uns vorbei. Er sprach mich an: „Sind Sie Christ?“ Ich antwortete: „Ja“. Er fragte weiter: „Essen Sie Fleisch?“ Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Ja“. Es folgte eine heftige und entsetzte Antwort: „Dann sind Sie kein Christ!!!“ Während er sich entfernte warf er mir noch ein paar weitere, nicht so nette Dinge an den Kopf. Ich hätte ja gerne mit diesem Zeitgenossen geredet, leider dachte er nur an´s Schimpfen… – Gott sei Dank habe ich nicht erwähnt, dass ich aufgrund meiner Arbeit in Peru die Gelegenheit hatte, schon erheblich mehr Fleischsorten zu genießen, als in einem deutschen Fleischerladen angeboten werden… – vermutlich wäre er mir an die Gurgel gegangen!
Nun, die Frage, ob man Fleisch essen oder sich besser vegetarisch ernähren sollte ist ja das Eine. Damit aber definieren zu wollen, wer ein Christ ist, ist aber nochmals eine ganz andere Sache! Was hätte dieser Mann in einem möglichen Gespräch wohl darauf geantwortet, wenn ich ihn darauf hingewiesen hätte, dass Jesus selbst Fleisch gegessen hat? – Jesus aß sicher nicht nur Müsli, schon gar nicht beim Passahfest. Petrus´ Vision in Apostelgeschichte 10,10-16 hätte ihn wahrscheinlich ebenso erzürnt wie Gottes Aussage nach der Sinflut zu Noah in Genesis 9,3: „Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich’s euch alles gegeben.“ Paulus macht im 1. Timotheusbrief (4,1-5) zum Thema „Essen“ übrigens eine ganz heiße Aussage:

„Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind, die verbieten, zu heiraten, und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen. Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch Gebet.“

Ich habe kein Problem damit, wenn jemand aus eigener Überzeugung – warum auch immer – auf den Genuß von Fleisch verzichtet. Aber ich habe sehr wohl ein Problem damit, wenn mir jemand allein aufgrund meiner Vorliebe für Fleisch den Glauben absprechen will. Und ich habe noch ein größeres Problem damit zu sagen: Christ = Vegetarier. Wahrscheinlich hat auch so mancher Vegetarier ein Problem mit dieser Gleichung, denn im Umkehrschluß lautet sie: Vegetarier = Christ.
An diesem Vorfall wird aber noch eine andere Problematik deutlich, nämlich eine immer mehr um sich greifende Verwirrung, wer bzw. was eigentlich ein Christ ist? Interessanterweise kommt der Begriff „Christ“ (bzw. „Christen“) nur dreimal in der Bibel vor. In der Urgemeinde sprach man zunächst einfach von „Jüngern“ bzw. von „dem Weg“ (Christi). Erst in der Gemeinde von Antiochien wurden die Jünger erstmals „Christen“ genannt (vgl. Apg 11,26). Die Einwohner von Antiochien waren dafür bekannt, dass sie anderen Leuten gerne Spitznamen gaben, und so bekamen die Gläubigen ebenfalls einen ab, der mit der Zeit zur Bezeichnung für alle Anhänger Christi wurde. – Vermutlich weil sie andauernd von Jesus Christus sprachen! In der frühen Kirche war auf jeden Fall klar: ein Christ ist ein Jünger und Nachfolger Jesu. Und zwar jemand, der Jesus aus bewusster und eigener Entscheidung sein Leben anvertraute, an ihn als Retter glaubte, und ihm als seinem Herrn die Herrschaft über sein Leben übergab.
Als im Jahr 381 durch Kaiser Theodosius I. die christliche Lehre zur Staatsreligion im Römischen Reich erhoben wurde, begann die Verwässerung des Begriffs. Es war nun Pflicht „Christ“ zu sein, egal ob man das wollte oder nicht. Bis heute scheiden sich die Geister daran, ob diese Verbindung von Kirche und Staat ein Glück oder Unglück war. – Ich persönlich bin da recht skeptisch. Denn ich glaube, wir sollten uns wieder darauf zurück besinnen, wie die Bibel Christ sein definiert, nämlich als bewusste und entschiedene Nachfolge Jesu. Diese geschieht immer freiwillig und aus Überzeugung, denn nur so kann man ein echter Christ werden. Das gilt übrigens auch für den Verzicht auf Fleisch. Denn jemand, der dazu gezwungen wird auf Fleisch zu verzichten ist in seinem Herzen noch lange kein Vegetarier, oder?