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“Yes we can!“ – im Licht der Literarkritik

Barack Obama war es, der die drei Worte „Yes we can!“ bekannt machte. Ja, der vielmehr selbst durch diese Worte bekannt wurde! Auch wenn sich in 50 Jahren fast niemand mehr an die Erfolge des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten erinnern wird, durch das Aussprechen dieser drei magischen Worte wird er für immer im kollektiven Gedächtnis der Weltgeschichte bleiben – so, wie der 35. Präsident durch sein klares Bekenntnis: „Ick bin ein Berliner!“

Allerdings habe ich es schon länger geahnt: Obama war nicht der erste, der diese Worte, die ihn berühmt gemacht haben, gesprochen hat. Als erfahrenem Vater von drei Kindern, der unzählige Folgen von „Bob der Baumeister“ gesehen hat (in 3 Sprachen: Deutsch, Schweizerdeutsch: „Bob de Boumaa“ und Spanisch: „Bob el Constructor“), kamen mir diese Worte schon lange allzu bekannt vor. Denn die Hauptaussage, die in jeder Folge von „Bob der Baumeister“ x-mal wiederholt wird, hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt: „Können wir das schaffen? – Joh, wir schaffen das!“ (CH: „Chönned mirs flickä? – Sicher, klar!“  Spanisch: ¿Podemos hacerlo? ¡Sí podemos!).

Und tatsächlich, das Youtuben (d.h. googeln auf Youtube) hat mir Gewissheit und meiner armen Seele Ruhe verschafft. In der Originalausgabe von „Bob the Builder“ geht der Dialog folgendermaßen: „Can we fix it? – YES WE CAN!

Nun stellt sich natürlich die entscheidende Frage: Wie lässt sich erklären, dass Obama in seiner Rede dieselben Worte verwendet hat, wie der Autor von „Bob the Builder“? Ganz davon zu schweigen, ob es gerecht ist, dass der eine dafür ewigen Ruhm erhält, während der andere – außer von erfahrenen Vätern und ihren Kindern – kaum beachtet wird?!
Also, wie lässt sich die Verwendung derselben Worte – und die gleichzeitige Verschiedenheit (Rede von Obama / Geschichten von Bob) erklären?
Da wir es hier mit einer Art „synoptischem Problem“ zu tun haben, stellt uns die moderne Theologie mit ihrer Literarkritik entsprechende Werkzeuge zur Verfügung. Dabei können wir zwei grundsätzliche Ansätze unterscheiden: 1) Lösungsversuche im Rahmen einer Abhängigkeitserklärung. 2) Lösungsversuche im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung (hier ist nicht die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten gemeint, sondern dass Obama und der Autor von Bob nichts miteinander zu tun haben).

1) Lösungsversuche im Rahmen einer Abhängigkeitserklärung

Diese Lösungsversuche gehen davon aus, dass eine literarische Abhängigkeit zwischen der Rede Obamas und den Geschichten von Bob the Builder besteht.

Hier möchte ich kurz zwei mögliche Ansätze vorstellen:

a) Die Benutzungshypothese – mir gefällt allerdings mehr der moderne und zeitgenössische Begriff „Plagiatshypothese“ (diesen hat – laut Google – vor mir nämlich noch kein anderer Theologe verwendet 🙂 ).
Die Plagiatshypothese besagt, dass Obama beim Schreiben seiner Rede eine Vorlage hatte und daraus abschrieb, allerdings ohne die übernommenen Worte explizit als Zitat zu kennzeichnen. Vielleicht hat er als erfahrener Vater mit seinen Kindern regelmäßig „Bob the Builder“ angeschaut und der Dialog hat sich (wie bei mir) tief bei ihm eingegraben? Die Frage wäre dann allerdings, ob er die Worte vorsätzlich und bewusst übernommen hat, oder ob das eher unbewusst geschehen ist? Aus eigener Erfahrung könnte ich mir eher das Zweite vorstellen…  Ein weiterer Einwand ist, ob die Übernahme eines kurzen Satzes schon als Plagiat – und damit möglicherweise auch als Urheberrechtsverletzung – zu werten ist? Es gibt viele Sätze mit drei Worten: „Ich habe Hunger!“ „Ich liebe Dich!“ etc. – Ganz zu schweigen von dem Problem, eindeutig den Urheber dieser Kurz-Sätze ausfindig zu machen!

b) Die Zweiquellenhypothese
Vergleicht man Obamas Rede mit den Bob-Filmen, dann wird man gewisse Ähnlichkeiten in den Themen feststellen: Es geht um´s Aufbauen. Es geht darum, Dinge zum Guten zu wenden. Es geht darum, die Leute zu ermutigen, zu motivieren und deutlich zu machen, dass wir es gemeinsam schaffen und bewältigen. Die Zweiquellenhypothese besagt, dass Obama und dem Autor von Bob zwei Quellen zur Verfügung standen, aus denen sie ihr jeweiliges Material zusammentrugen: 1) Ein Rahmenwerk (R), aus dem sie die Ideen zur Storyline bezogen haben. 2) Eine Redequelle (Q), aus dem z.B. die Worte „Yes we can!“ stammen. Manche Theologen haben diese Zweiquellenhypothese sogar zu einer Vierquellenhypothese ausgebaut, und um zwei weitere Quellen ergänzt: 3) Die Quelle O, d.h. das Sondergut von Obama (also all das, was bei Obama, aber nicht in den Bob-Filmen vorkommt). 4) Die Quelle B, d.h. das Sondergut von Bob (also all das, was bei Bob, aber nicht in Obamas Rede vorkommt). Während die Vierquellenhypothese bald wieder verworfen wurde, gilt heute die Zweiquellenhypothese als wissenschaftlich bzw. politisch korrekt. Ich weiß aber nicht, ob der Autor von Bob und Obama damit einverstanden wären… – denn es bestehen doch gewisse Ähnlichkeiten mit der Plagiatshypothese und das ist sowohl für Autoren wie auch für Politiker ein bisschen problematisch.

2) Lösungsversuche im Rahmen der Unabhängigkeitserklärung

Diese Lösungsversuche gehen davon aus, dass Obama und der Autor von Bob ihre Werke unabhängig voneinander geschrieben haben, d.h. es besteht eine gegenseitige literarische Unabhängigkeit.

a) Der schriftliche Ur-Baumeister
Ausgangsbasis ist die Existenz eines schriftlichen Werkes in aramäischer Sprache, das wir an dieser Stelle als den „Ur-Baumeister“ bezeichnen wollen. Dieser schriftliche Ur-Baumeister wurde nun in verschiedene Sprachen übersetzt und dabei bearbeitet. Das Problem bei dieser Hypothese ist allerdings, dass es zwar die Ähnlichkeiten („Yes we can!“) durchaus erklären kann, aber nicht die Unterschiede – trotz gemeinsamer schriftlicher Vorlage.

b) Der mündliche Ur-Baumeister (Traditionshypothese)
Diese Hypothese geht von der Existenz eines mündlichen Ur-Baumeisters (in aramäischer und/oder griechischer Sprache) aus. Indem die Geschichte immer wieder weitererzählt wurde kam es zu einem Prozess mündlicher Überlieferung. Irgendwann wurden dann Notizen in aramäischer oder griechischer Sprache gemacht. Diese Notizen wurden der besseren Verständlichkeit halber dann in verschiedene englischsprachige Fassungen übertragen. Die entsprechenden Fassungen entsprechen der Periode der schriftlichen Niederlegung (Bob entstand noch vor dem Wechsel ins neue Millenium, Obamas Rede erst ein knappes Jahrzehnt später). Die literarischen Unterschiede in den beiden Werken werden auf die unterschiedliche Ausbildung und Kapazität der Autoren zurückgeführt. Sicher spielt in diesem Fall auch die jeweilige Zielgruppe noch eine Rolle: Wähler bzw. Kinder.

c) Die Fragmententheorie
Hier geht man von der Existenz früher schriftlicher Aufzeichnungen über den Baumeister aus. In einer ersten Stufe gab es direkte unabhängige Aufzeichnungen, z.B. über Taten, Herausforderungen und Worte des Baumeisters. In einer zweiten Stufe wurden diese unabhängigen Aufzeichnungen zusammengestellt (Sammlung der Taten, Sammlung der Herausforderungen, Sammlung der Worte, etc.). In einer dritten Stufe wurden diese Sammlungen verschiedener Herkunft zu einem Werk zusammengefügt – d.h. es entstanden einerseits Obamas Rede als auch Bob the Builder aus Fragmentensammlungen unterschiedlicher Herkunft. Das Problem ist nur, dass man bisher keine Spuren solch früher Aufzeichnungen gefunden hat…

Vielleicht raucht Ihnen nach dieser Fülle von Hypothesen und dem Ausflug in den Dschungel moderner Theologie (falls Sie es überhaupt geschafft haben, den Artikel bis hier zu lesen – auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch, Sie haben´s gleich geschafft!) der Kopf? Vielleicht beginnen Sie sogar zu zweifeln – an Bob, oder sogar an Obama? Und überhaupt: Hat Obama überhaupt „Yes we can!“ gesagt? – Oder handelt es sich dabei um „unechte Obama-Worte“? (D.h. Obama habe diese Aussage nie so gemacht, sondern seine Anhänger hätten sie ihm nachträglich in den Mund gelegt…) In diesem Fall kann ich Sie beruhigen: Augenzeugen und moderne Fernsehaufzeichnungen belegen uns die Tatsache, dass er es gesagt hat (vorausgesetzt, es war Obama selbst, der diese Rede gehalten hat und nicht sein Double…).

Jesus und die Schreiber der vier Evangelien haben es da viel schwerer – leider gab es damals noch kein Fernsehen. Die Augenzeugen von damals und ihre Berichte wurden in den vergangenen 200 Jahren dermaßen diskreditiert, dass sie heute kaum noch ernst genommen werden – und das, obwohl sie für die Wahrheit ihrer Berichte mit ihrem eigenen Leben einstanden.

Falls dieser Artikel bei Ihnen vielleicht doch gewisse Zweifel an den Methoden der Bibelkritik geweckt haben sollte, dann empfehle ich Ihnen den kurzen Artikel „Eta Linnemann – von der Bibelkritikerin zum Kind Gottes“ sowie die Bücher und Vorträge von Prof. Dr. Eta Linnemann (kostenlos bei Sermon-Online downloadbar).

Und falls Sie von alledem nichts verstanden haben und moderne Theologie auch kein Thema für Sie ist  – machen Sie sich keine Sorgen, das ist keine wirkliche Wissenslücke, Sie haben im Grunde nichts Wichtiges verpasst. Ich würde Ihnen nur eines empfehlen: Gehen Sie weiterhin von der Redlichkeit Barack Obamas beim Schreiben seiner Rede – und von der Redlichkeit der Evangelisten beim Schreiben Ihrer Berichte über das Leben Jesu aus.

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Kaffeepads bringen endlich die Gleichstellung – mit dem Tee…

In meiner Kindheit (lang ist´s her…) gab es die Scherzfrage: Wer hat es besser, der Tee oder der Kaffee? Antwort: Der Kaffee, der darf sich setzen – der Tee muss ziehen. 🙂 Okay, diese Scherzfrage ist heute zwar nicht mehr zeitgemäß, weist aber doch auf ein Jahrhunderte altes philosophisches Problem hin…

Nun lehrt uns nicht nur das bekannte Lied von Hannes Wader1, dass nichts bleibt wie es war. Heute, 40 Jahre später, leben wir mitten im Zeitalter von Emanzipation, Gleichstellung und Gender-Mainstreaming. Warum sollte dann ausgerechnet die Schlechterstellung des Tees gegenüber dem Kaffee beibehalten werden? Nun haben vor ein paar Jahren ein paar schlaue Ingenieure eine neuartige Kaffeemaschine entworfen – und im selben Zug eine neue Art, den Kaffee in die Maschine einzufüllen: Das Kaffeepad! Dabei haben sie – rein zufällig, völlig ohne Absicht und unbewusst – zur Gleichstellung des Tees beigetragen und endlich ein Jahrhunderte währendes Problem gelöst. Wunder der Evolution, sie funktioniert noch heute!

Wie bringt das Kaffeepad nun die Gleichstellung? Gleich werde ich´s erklären, vorher aber noch ein wichtiger Hinweis:

Disclaimer: Da es für die folgende Methode weder eine Packungsbeilage gibt, noch Ihr Arzt oder Apotheker Ihnen eine rechtsverbindliche Auskunft geben können wird, möchte ich folgendes klarstellen: Die folgenden Ausführungen stellen weder eine Gebrauchsanweisung noch eine Aufforderung zum Handeln dar! Für eventuelle Schäden, die durch die Nachahmung des folgenden Experiments entstehen sollten (an Leib, Leben, Gesundheit, psychisch, moralisch und psychosomatisch, der Aura, dem geistartigen Doppel oder gar dem SEIC2), übernimmt der Autor weder die Verantwortung noch die Haftung. Ist das klar??? – Durch das Weiterlesen dieses Artikels erklären SIE sich als Leser automatisch mit dem Haftungsausschluss des Autors einverstanden! Sollten SIE damit nicht einverstanden sein, dann stoppen SIE Ihre Lektüre! JETZT!

 Okay, nachdem das geklärt wäre geht´s nun weiter…

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das Wesen des Kaffeepads dem eines Teebeutels erstaunlich ähnlich ist? Gut, die meisten Teebeutel haben noch eine Schnur mit einem Etikett dran… – aber es gibt z.B. in der Schweiz auch Teebeutel ohne Schnur zu kaufen! (Eigentlich gar nicht so schlecht: man spart das Schnürchen, Papier, das Bedrucken, sowie die Klammern um Teebeutel und Papier an der Schnur zu befestigen. Man müsste mal ausrechnen wieviel sich dabei sparen ließe… Ja, die Schweizer wissen, wie man´s macht!)

Nun, aufgrund der Wesensähnlichkeit zwischen Kaffeepad und Teebeutel hab ich mich gefragt: Was spricht eigentlich dagegen, das Kaffeepad in eine Tasse zu tun, kochendes Wasser drauf zu gießen und 5 Minuten ziehen zu lassen? Abgesehen davon, dass sich dabei in vermehrtem Maße irgendwelche Bitterstoffe im Kaffee lösen (könnten), die nachher meinem Magen zu schaffen machen (könnten), eigentlich nichts! – Also: gesagt, getan!

Aber sehen Sie selbst:

 Vorbereitung des Versuchs:Kaffee_Experiment_1

 Wasser einfüllen: Kaffee_Experiment_2

 Nach 2 Minuten und 30 Sekunden: Kaffee_Experiment_3

 Nach 5 Minuten: Kaffee_Experiment_4

Für mich persönlich ist dieser neuartige Gebrauch der Kaffeepads die ultimative Lösung: Geschmacklich steht er konventionell zubereitetem Kaffee (fast) in nichts nach, die Zubereitung ist zeitgerecht, mit dem allgemeinen Gleichstellungsgesetz vereinbar und politisch korrekt. Außerdem ist es die Alternative, wenn Sie bei jemandem zu Besuch sind, zum Kaffee eingeladen werden und kurzfristig die Kaffeemaschine kaputt geht (wie neulich beim Pfarrer meiner Gemeinde… – Markus, bitte entschuldige dass ich das hier erwähne; leider bin ich damals noch nicht auf diese Idee gekommen… – aber der Pulver-Cappuccino hat auch gut geschmeckt!); Ihr Gastgeber wird sehr erleichtert sein, dass er Ihnen trotzdem einen echten Bohnenkaffee anbieten kann!

 Soweit so gut, wenn da nicht ein Aber bleiben würde… Da ich ein sparsamer Schwabe bin sind´s eigentlich zwei „Aber“ (wir Schwaben sind schon sparsam, aber eben nicht mit dem „Aber“):

1) Die Verwendung von Kaffeepads ist vom ökonomischen Gesichtspunkt aus betrachtet allgemein kostspieliger als die traditionelle Verwendung losen Bohnenkaffees (mit Kaffeefilter – ja, diese komischen fast dreieckigen Tüten, die man früher mal verwendet hat, obwohl es ja heute nach noch Leute geben soll, die da noch etwas rückständig sind…). Das war das schwäbische „Aber“.

2) Die Verwendung von Kaffeepads wirf vom ökologischen Gesichtspunkt aus – sagen wir mal – gewisse Fragen auf: Verbrauch zusätzlicher Ressourcen für das Pad im Vergleich zum traditionellen Kaffeefilter? Zusätzlicher Verbrauch von Ressourcen für die Verkaufsverpackungen von Kaffeepads – insbesondere angesichts des geringeren Inhalts an Kaffee in Gramm gemessen? Meines Erachtens sollten da dringend Studien in Auftrag gegeben werden, um diesen Punkt zu klären; es kann ja nicht sein, dass unser hemmungsloser Kaffeekonsum die Verschwendung von Ressourcen weiter ansteigen lässt! Das könnte durchaus ein Thema sein, das im bevorstehenden Bundestagswahlkampf kostbare Wählerstimmen bringt. Bin mal gespannt, ob eine der Parteien die Relevanz des Themas entdeckt?! Das war das ökologische „Aber“.

 Beim Schreiben dieses Artikels kam mir übrigens noch eine Idee, wie die Gleichstellung zwischen Kaffee und Tee hergestellt werden könnte: Wäre es nicht vielleicht auch eine Möglichkeit, einen Teebeutel in die Kaffeepad-Kaffeemaschine einzulegen? Was würde geschehen? – Vermutlich bräuchte es noch einen entsprechenden Adapter – aufgrund der Form des Teebeutels – aber vielleicht wäre das die ultimative Lösung! Vielleicht probiere ich das demnächst, aber mit Schweizer Teebeuteln, um Komplikationen durch das Schnürchen zu vermeiden…

1 Falls Sie Hannes Wader nicht kennen, dann empfehle ich den Artikel über ihn in der Wikipedia

2Hätten Sie das Buch „Animismus“ von Prof. Dr. Lothar Käser gelesen, dann wüssten Sie nun, was ein geistartiges Doppel und ein SEIC ist… 😉

Lebensmitte und Vollbart

Heute ist ein denkwürdiger Tag: ich werde 43, die Hälfte von 86. Rein statistisch gesehen habe ich nun wirklich die Lebensmitte erreicht, denn ich wüßte nicht, dass einer meiner direkten Vorfahren wesentlich älter geworden ist (wenn man mal von Noah absieht, der mit 950 Jahren doch ein recht stolzes Alter erreichte…).
Vor drei Jahren kam ich ja ins „Schwabenalter“. Ich wartete darauf, dass es einen Schlag tun würde und ich nun von einem Moment auf den anderen Weise wäre. Nun, es tat keinen Schlag… Das Einzige, was ich merke ist, dass ich immer noch chaotisch veranlagt bin. Zumindest fällt es mir (manchmal) etwas leichter, das zu akzeptieren. Vielleicht sind dies ja erste Anzeichen von Weisheit???
Nun, ab 40 tritt man ja wirklich in die Lebensmitte ein. Nach Guardini („Die Lebensalter“) ist man ja bis ungefähr 45 in der Phase des „mündigen Menschen“. Die Idealismuskrise hat man hinter sich, manche Realitäten haben einen eingeholt und man merkt, dass einem keine unbegrenzten Optionen mehr offenstehen. Bald steht aber die nächste Krise an: man erlebt körperliche, seelische und geistige Grenzen. Na, die Aussichten sind ja sehr erfreulich! Wenigstens führt einem diese Krise zur nächsten Phase, der des „reifen Menschen“.
Es ist schon so eine Sache, mit den anstehenden Veränderungen fertig zu werden. Kurz nach meiner Hochzeit kam ich (unfreiwillig) zu einem Vollbart, den ich dann über 10 Jahre lang nicht mehr los wurde. Als er dann immer mehr ergraute, mußte ich scharf zwischen zwei Krisenszenarien abwägen: Ehekrise (Bart ab), oder Identitätskrise (Bart behalten). Nun, die Aussicht mir einen Hut aufzusetzen und dann (erst Ende 30) fast wie Roger Whittaker auszusehen, war für mich doch etwas zu schockierend! (Versteht mich bitte nicht falsch, ich habe nichts gegen Roger Whittaker und finde ihn auch ganz sympathisch, fühle mich aber noch zu jung für sein Outfit). Also habe ich das erste Krisenszenario gewählt. Die beste Ehefrau von allen hat aber super reagiert: es gab keine Ehekrise! – Hat mich natürlich immens entlastet; ich durfte wieder jung aussehen! Inzwischen würde ich mir gerne wieder einen Vollbart wachsen lassen (simplify your life…), fühle mich aber immer noch zu jung. Heute dachte ich: wenn ich 50 werde, dann wage ich es. 50 ist ja so eine magische Grenze, ab der man sich doch langsam (fast) zu den Senioren zählen darf. Hab ja noch 7 Jahre Zeit, mich darauf vorzubereiten. Vielleicht kaufe ich mir dann auch einen Hut, so wie … – na, Ihr wißt schon!